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Winkt morgen ein neues Rekordergebnis?

Donnerstag, 13. November 2014

non plus ultra: Übersetzt bedeuten diese 3 Wörter „nicht mehr weiter“. Aneinandergereiht werden sie heute als Synonym für das Größte, das Höchste oder auch das Unübertreffbare verwendet (siehe unseren Newsletter vom 16. September 2009: Das Nonplusultra).

Der Sage nach hat ein antiker griechischer Recke den Schriftzug am Felsen von Gibraltar angebracht. Das Naturdenkmal zählte als „Säulen des Herakles“ zu den sieben Weltwundern. Es sollte Reisende davon abhalten, die Meerenge zwischen Nordafrika und Europa zu durchfahren und die damals bekannte Welt zu verlassen. Der Spruch war so wirkungsvoll, dass Kaiser Karl V. – er machte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Spanien zum Weltreich – sich bemüßigt fühlte, ein symbolisches ‘plus ultra’ auf seine Fahnen zu schreiben: Das Ende der bewohnten Welt war noch nicht erreicht, es sollte noch weiter gehen.

Weiter gehen muss es auch für die deutsche Fußballnationalmannschaft nach 2 sieglosen Spielen hintereinander in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2016. Doch dürfte der nächste Gegner keine allzu hohe Hürde sein. Gibraltar weist in der aktuellen Tabelle der Gruppe D nach 3 punkt- und torlosen Spielen eine Torbilanz von -17 auf. Den 0:7-Packungen gegen Polen und Irland könnte morgen Abend in Nürnberg eine noch größere Schlappe folgen.

Zur Erinnerung. Die letzte zweistellige Niederlage in einem EM-Qualifikationsspiel gab es vor 3 Jahren: Am 2. September 2011 besiegten die Niederlande San Marino mit 11:0. Das Rekordergebnis in diesem Wettbewerb datiert vom 6. September 2006. Wieder hieß das Opfer San Marino. 13 Treffer mussten die Mannen aus der Minirepublik im Norden Italiens schlucken und erzielten wieder mal keinen eigenen.

Und wer war der Gegner? Richtig, die Deutschen! Ob die DFB-Elf in Nürnberg den eigenen Rekord zu brechen vermag? Nach der Niederlage in Polen und dem dürftigen Heimremis gegen Irland in den letzten beiden Qualifikationsspielen haben Jogis Löwen einiges gutzumachen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Das Saarland-Trauma des FC Bayern

Mittwoch, 20. August 2014

Als Spätauswirkung der WM in Brasilien startet die Bundesliga erst am 22. August. Das war’s auch schon mit den Überraschungen in der Bel Etage des deutschen Fußballs. Favorit ist, wie jedes Mal zum Saisonstart, Rekordmeister FC Bayern. Damit es im Small Talk nicht zu langweilig wird, blicken Sie am besten zurück. Weit zurück. Ein halbes Jahrhundert zurück.

Die Saison 1964/65 mussten die Münchner wider Erwarten im Ligaunterhaus bestreiten. Das hatte politische und sportliche Gründe und machte die Bayern zu einer Art Underdog in Fußballdeutschland. Beginnen Sie im Small Talk mit der Politik.

Nach der missglückten WM 1962 beschloss der DFB die Einführung einer Fußball-Bundesliga. Statt wie bislang 5 regionaler Oberligen sollte es künftig, um den Wettbewerb zu verschärfen, eine einzige Eliteklasse geben, mit 16 Mannschaften. Als Qualifikationsmaßstab wurden die Platzierungen der letzten Jahre in den Oberligen herangezogen. Ein Schlüssel aus 6 Süd-, 5 West-, 3 Nord-Vereinen und je einem Vertreter aus dem Südwesten und aus Westberlin spiegelte das Kräfteverhältnis in etwa wider.

Doch auch hier gab es eine Ausnahme: Das Saarland, erst 1957 durch eine Volksabstimmung wieder zur Bundesrepublik gehörig, sollte ebenfalls einen Bundesligisten stellen dürfen. Der 1. FC Saarbrücken spielte zwar nicht schlecht; doch reichten die Qualitäten längst nicht an diejenigen des Vereins heran, der das Bauernopfer abgeben musste. Ausgerechnet Bayern München wurde aus fadenscheinigen, sportlich kaum nachvollziehbaren Gründen der Zugang zur Bundesliga verwehrt!

Auch mit dem Aufstieg in der folgenden Saison klappte es nicht. Die Bayern spielten eine solide Aufstiegsrunde und lagen in ihrer Gruppe klar in Führung. Im letzten Qualifikationsspiel gegen Borussia Neunkirchen hätte bereits ein Unentschieden gereicht. Doch man unterlag unglücklich mit 0:1! Wieder waren die Bayern am Saarland gescheitert, denn nun stieg Neunkirchen auf.

Erst im dritten Anlauf schaffte der FC Bayern den Sprung in die Bundesliga. In der Spielzeit 1965/66 kickte man endlich erstklassig, wenn es auch noch lange nicht zum Happy End reichte: Ausgerechnet der Lokalrivale 1860 München wurde in dieser Saison Meister, zum ersten und bislang einzigen Mal!

Dann jedoch, Ihr Small Talk-Gegenüber wird’s wissen, begann ein unaufhaltsamer Aufstieg. Erstmals in der Bundesliga gewannen die Bayern 1969 den Meistertitel. Einen allerersten hatte man bereits 1932 errungen, sodass es insgesamt 24 sind.

Ob Ende Mai 2015 das Silberjubiläum folgt?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Bloß nicht schweigen

Donnerstag, 14. August 2014

Ein nicht erwarteter 50. Geburtstag“, titelte dieser Newsletter vor 5 Jahren. Es ging um den US-Basketballprofi Earvin Johnson, der von allen nur Magic genannt wird. Gottseidank gibt es zum 55. nichts gravierend Neues zu vermelden.

Noch immer ist der Patient HIV-positiv, und nach wie vor ist die Krankheit AIDS, die durch eine solche Virusinfektion hervorgerufen werden kann, nicht ausgebrochen. Vielleicht sollte man Johnson einfach nur in Ruhe und ihn seine Gesundheit genießen lassen. Doch damit täte man ihm keinen Gefallen. Magic sah sich stets als Hoffnungsträger: der Schwarzen, für die der amerikanische Traum oft einer bleibt, der Arbeiterklasse, welcher der Spross einer zwölfköpfigen Familie aus der Industrieregion an den Großen Seen entstammt, der Stigmatisierten, die aus Angst, diskriminiert zu werden, ihre HIV-Infektion verschweigen oder sich trotz auftretender erster Symptome erst gar nicht testen lassen.

Zu letzterem rät Johnson dringend. Ist er selber doch der beste Beweis, dass HIV und AIDS zwei verschiedene Paar Schuhe sind und die Infektion nicht zwangsläufig zum Ausbruch führt. Selbstverständlich spricht sich Johnson auch gegen die Diskriminierung von an AIDS Leidenden aus. Am meisten beunruhigt den Aktivisten, dass HIV und AIDS in westlichen Gesellschaften – von denen der Dritten Welt ganz zu schweigen – kaum noch ein Thema ist und daher auch der Aspekt der Prävention in den Hintergrund tritt.

Die braucht es jedoch, um die stark verbesserten Behandlungsmöglichkeiten überhaupt anwenden zu können. „Als ich vor 22 Jahren meine HIV-Infektion öffentlich bekanntmachte“, erinnert sich Johnson, „gab es exakt ein Medikament. Heute gibt es mehr als 30. Auch Ärzte und medizinisches Personal besitzen verglichen mit früher so viel mehr Wissen über die Krankheit.“

Tatsächlich ließe sich sagen, dass ein medizinisch gut überwachter und behandelter HIV-Patient inzwischen über keine geringere Lebenserwartung verfüge als ein nicht Infizierter. Gelegenheiten für Johnson, sich in der Öffentlichkeit zu melden und seinen Standpunkt vorzutragen, ergeben sich zum Glück häufig. Zuletzt wetterte der Rassismusvorwürfen ausgesetzte Besitzer des Basketballclubs Los Angeles Clippers speziell gegen Johnson: Der solle sich schämen, meinte Donald Sterling, sich für sein zur Infektion führendes früheres Fehlverhalten entschuldigen und künftig die Klappe halten. Genau das wird Magic nicht tun.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Tour und das Doping

Montag, 21. Juli 2014

Wenn kommenden Sonntag die Tour de France endet, wird ihrem Sieger – ganz gleich, wer im Gelben Trikot auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées einrollt – weitaus weniger Beachtung zuteil werden als früheren Champions. Nachdem Eddy Merckx heute vor 40 Jahren das fünfte Mal als Gesamtsieger über den Zielstrich gefahren war, lag ihm ganz Belgien zu Füßen.

Heute wissen alle Radsportfans: Allein mit Minaralwasser ließe sich eine solche Leistung kaum bewerkstelligen. Dies hatte bereits Jacques Anquetil eingestanden, der vor Merckx die Tour ebenfalls fünfmal gewonnen hatte. Auch bei Merckx waren bereits frühzeitig Dopinggerüchte aufgetaucht. 1969 wurde er sogar wegen Einverleibung unerlaubter Mittel disqualifiziert, beim Giro d’Italia, und das noch während des laufenden Wettbewerbs, nach der 16. von 24 Etappen. Vom Tourstart später im Jahr wäre er ebenfalls ausgeschlossen gewesen, hätte man die Sperre nicht zuvor überraschend aufgehoben.

Noch mehr Toursiege als Anquetil und Merckx konnte Lance Armstrong aufweisen. Der US-Amerikaner triumphierte sieben Mal. Dass dabei überhaupt etwas mit rechten Dingen zugegangen sein könnte, behauptet inzwischen selbst der Internationale Radsportverband nicht mehr. Die einzige Konsequenz des langjährigen Vorsitzenden Pat McQuaid, hatte darin bestanden, Dopingsünder zu decken und ihre Überführung zu erschweren. Diese Zeiten sollen seit der Abwahl des Iren im vergangenen Jahr endgültig vorbei sein.

Tatsächlich wurden die letzten 3 Frankreichrundfahrten von Fahrern gewonnen, die bislang noch nie positiv auf die Einnahme leistungsfördernder Substanzen getestet worden sind: der Australier Cadel Evans und die beiden Briten Bradley Wiggins und Christopher Froome. Bleibt zu hoffen, dass dieses zarte Pflänzlein Hoffnung mit der Fortsetzung der sauberen Serie weiter keimt. Oder ist es, wie Lance Armstrong mit reichlich zeitlicher Distanz zu seinem siebten Toursieg formuliert hat, wirklich unmöglich, die dreiwöchige Rundfahrt ohne Doping zu gewinnen?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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27 Steine, um die sich alles drehte

Freitag, 11. Juli 2014

„Als wahrer Welterfolg erwies sich“, schreibt György Dalos in seinem Buch Lebt wohl, Genossen! Der Untergang des sowjetischen Imperiums, „der Zauberwürfel des Architekten Ernö Rubik.“

Dalos’ Landsmann, wie der Schriftsteller in Budapest geboren und später Professor für Kunst und Design in Ungarns Hauptstadt, war Mitte der 1970er Jahre seine berühmte Erfindung gelungen: 27 miteinander verbundene Steine, die durch Drehen einen Kubus mit 6 verschiedenfarbigen Seiten ergeben sollten. Das Geduldspiel wurde, wie Dalos weiter schreibt, „vom Budapester Patentamt 1977 genehmigt, sein Weg zum Welterfolg erwies sich jedoch als steinig. Bürokratie und Inkompetenz der zuständigen Behörden führten dazu, dass die Erfindung erst relativ spät auf den Weltmarkt kam.“

Schuld war nicht nur das kommunistische System mit seinem trotz Planwirtschaft chaotischen Wirtschaften. Auch der Kapitalismus zeigte seine böse Fratze: Asiatische Abkupferer brachten alsbald ein schnödes, aber preiswertes Plagiat auf den Markt. „Ungarn war außerstande“, konstatiert Dalos, „die bestellten 2 Millionen Exemplare zu liefern, und schloss einander widersprechende Lizenzverträge mit westlichen Partnern ab. Gleichzeitig begannen fernöstliche Firmen mit der ’schwarzen’ Massenproduktion des Würfels, dessen insgesamt 100 Millionen Exemplare weder dem Erfinder noch dem Staat den zu erwartenden Gewinn sichern konnten.“

Blieb den Ungarn, die laut Volksmund in der fröhlichsten Baracke des östlichen Lagers lebten, nur die Flucht in den Humor: „Was ist ein kommunistischer Zauberwürfel?“, machte im Land der Magyaren ein Witz die Runde. Die Antwort lautete: „Er hat sechs Seiten, alle sind rot, und man kann sie trotzdem nicht zusammenbringen.“ Immerhin, für den Würfelkonstrukteur zahlte sich sein Produkt halbwegs aus. 1983, noch zu Sowjetzeiten, machte er sich mit seinem Rubik Stúdió, das Möbel und Spiele entwarf, selbständig. In Ungarn war so etwas nötig. Heute, an seinem 70. Geburtstag, ist Ernö Rubik mit seinem kleinen Unternehmen immer noch im Geschäft.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Warnung vor Fußball, Tennis und dem Wetter

Mittwoch, 25. Juni 2014

„Wettert der Juliregen mit großem Zorn, bringt er dafür reicheres Korn.“ Schon wieder so eine Bauernregel, werden Sie vielleicht stöhnen. Noch dazu eine, die sowohl den Sinn als auch das Versmaß betreffend reichlich bemüht daherkommt. Sie müssen sie ja nicht als Einstieg in den Small Talk wählen!

Dem Fußball und nicht dem Wettergott sei Dank bietet sich dieser Tage eine Alternative an. Die WM in Brasilien geht in die entscheidende Phase. Doch Vorsicht! Zwar lässt sich mit Fußball von allem Möglichen ablenken – Präsidentin Dilma Roussef weiß, wovon ich rede – doch manchmal löst gerade auch diese Sportart eine Tragödie aus. Fragen Sie einmal einen Brasilianer, wie er die letzte WM in seinem Land erlebt hat. Oder überlebt: Noch im Stadion erschossen sich 3 einheimische Fans nach dem Finale gegen Uruguay (siehe auch unseren Newsletter vom 16. Juli 2010: Als 200 000 Menschen plötzlich schwiegen).

Vielleicht sollten Sie im Small Talk zu einer anderen Sportart wechseln. In der letzten Juni- und ersten Juli-Woche findet alljährlich das bedeutendste Tennisturnier der Welt statt. Doch gibt es zu dieser Zeit im südenglischen Wimbledon traditionell viel Regen. Wann gibt es das nicht?, könnte Ihr Small Talk-Ggegenüber jetzt einwenden. Die Briten sehen es gelassen und nehmen es gefasst. In Abwandlung einer alten Bühnenregel sagen sie: „The shower must go on.“

Manchmal gehen die Schauer so lange weite, bis selbst das Finale ausfällt. Schon dreimal musste es statt wie vorgesehen sonntags an einem Montag gespielt werden. Zuletzt war dies - lassen Sie im Small Talk doch mal raten! 1988 der Fall. Wer gewann? Stefan Edberg! Gegen wen? Da wird die Runde vermutlich richtig liegen: gegen Boris Becker!

Falls Ihnen das zu viel Sport für den Small Talk ist: Bleiben Sie beim Wetter. Bauernregeln den Juli betreffend gibt’s zuhauf. Eine weitere Kostprobe gefällig? Bringt der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut. Wenigstens das Versmaß stimmt!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wer wird Weltmeister?

Mittwoch, 11. Juni 2014

Wer wird Fußballweltmeister? Mit dieser Frage können Sie den Small Talk getrost beginnen. Schließlich wird morgen in Brasilien die WM angepfiffen. Sie dauert bis zum 13. Juli.

Der Kreis der Favoriten ist vor jeder Fußball-Weltmeisterschaft der gleiche. Es sind immer dieselben Namen, die genannt werden. In alphabetischer Reihenfolge: Argentinien, Brasilien, Deutschland, England, Frankreich, Italien, die Niederlande, Spanien. Diskutieren Sie die Kandidaten mit Ihrem Gegenüber!

Beginnen Sie mit dem Titelverteidiger. Spanien ist amtierender Welt- und Europameister. Letzteren Titel konnten die Iberer sogar zweimal hintereinander einheimsen, was zuvor noch keinem Team gelang. Ob sie aber auch den Coup von 2010 wiederholen können? Die Experten zweifeln. Die Mannschaft ist älter geworden, taktisch leichter auszurechnen, und einen Torjäger, der immer trifft, hat sie auch nicht. Andererseits spricht es für den spanischen Fußball, dass es gleich 2 Madrider Klubs ins Finale der Champions League geschafft haben. Doch Vereins- und Länderfußball sind 2 verschiedene paar Schuhe. Spanien Weltmeister? Eher nicht.

England, Frankreich, Italien und die Niederlande spielen längst nicht mehr so überzeugend wie vor einigen Jahren. Keine dieser vermeintlichen Favoriten wurde in seiner Vorrundengruppe an der Topposition eingestuft. Diese Ehre wurden Nationen wie der Schweiz, Uruguay und Belgien zuteil. Außer Italien enttäuschten alle oben genannten Teams bei der letzten EM. Und Italien unterlag Spanien im Finale gleich mit 0:4! Nein, auch diese Kandidaten werden scheitern! Oder ist Ihr Gesprächspartner im Small Talk da anderer Meinung?

Die deutsche Elf sei reif für den Titel, meinen einige Fachleute. Andere monieren, Jogi Löw habe noch nie einen Titel gewonnen und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Das spielerische Potenzial ist zweifellos vorhanden, mehr als bei allen Konkurrenten. Aber kann es auch abgerufen und über 7 Spiele gehalten werden? So lange braucht es, um Weltmeister zu werden. Und dann ist da noch die Systemfrage: Spielt man mit echtem Mittelstürmer oder mit zurückgezogenem, der so genannten falschen 9? Davon könnte die Torausbeute abhängen. Hier hapert es seit einigen Jahren bei Jogis Jungs.

Brasilien ist Gastgeber. Gastgeber haben bei der WM stets gute Chancen - auch weil die Schiedsrichter sie bevorzugen. Südkorea etwa gelang so ins Halbfinale, und auch Italien gewann seinen ersten Titel nur mithilfe der Schwarzkittel. Spielerisch hat Brasilien wenig zu bieten. Dafür besitzt es in Felipe Scolari einen Trainerfuchs, der bereits 2002 mit einem mittelmäßigen Team die letzte Weltmeistertrophäe ins Land des Rekordtitelträgers (fünf Mal) holte. Gegner im Finale: Deutschland. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Bleiben die Argentinier. Sie sind der Geheimfavorit. 2010 kläglich an Deutschland gescheitert, hat die Mannschaft taktisch dazugelernt. Sie ist nicht mehr so spielstark wie früher. Gelingt es ihr jedoch, Lionel Messis Qualitäten optimal zu nutzen, ist einiges drin. Viel hängt auch von der Auslosung ab. Bis zum Halbfinale warten keine übermäßig schweren Gegner. In einem möglichen Duell mit Deutschland wäre man dann relativ ausgeruht - und bei einem Sieg im Endspiel. Im Finale ist dann alles drin …

Alles Spekulation, wird Ihr Gegenüber im Small Talk womöglich einwenden. Aber interessant, oder nicht? Fragen Sie ihn, wie er die Sache sieht!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Fußballspiel dauert – 93 Minuten

Montag, 26. Mai 2014

Ein Fußballspiel dauert, wenn es keine Verlängerung gibt, 90 Minuten: Die banale Erkenntnis des früheren deutschen Fußballnationaltrainers Sepp Herberger wurde jahrzehntelang von Aktiven und Beobachtern herangezogen, um zu beweisen, dass in jener Sportart bis zum Schlusspfiff alles möglich ist.

Bis sie sich an ihrer zeitlichen Festmachung widerlegte, an jenem Abend heute vor 15 Jahren, als sich im Finale der Champions League der FC Bayern München und Manchester United gegenüberstanden. 90 Minuten waren im Stadion Nou Camp zu Barcelona bereits absolviert, seit der 16 Minute lagen die Deutschen durch einen Treffer von Mario Basler 1:0 in Front.

Schiedsrichter Pierluigi Collina entschied, wegen diverser Verzögerungen 3 Minuten nachspielen zu lassen. Diese 3 Minuten sorgten für ein Novum in einem Fußballspiel von solch großer internationaler Bedeutung - und führten Herbergers scheinbar eherne Weisheit ad absurdum.

Eine Zeigerumdrehung hatte Collinas Armbanduhr absolviert, als David Beckham eine Ecke von links hereinbrachte und Teddy Sheringham für die Engländer vollendete. Alle im Stadion dachten, es würde eine Verlängerung geben, außer Beckham vielleicht. Der trabte in der 93. Minute noch einmal zu einem Eckball heran. Wieder köpfte Sheringham, und der norwegische Stürmer im United-Trikot, Ole Gunnar Solksjaer, versenkte den Ball zum Siegtreffer für das Team aus Manchester im Bayernnetz.

Die Wende im Spiel und das Ergebnis waren so unerwartet, dass der Pokal umgeschmückt werden musste - man hatte ihn bereits zur Übergabe an die Bayern dekoriert. Die Verlierer waren sprachlos, die Sieger auch. United-Trainer Alex Ferguson sagte nur: „Football. Bloody Hell.“

Die Experten am Rand waren sich einig, dass manche Fußballweisheit einer Überprüfung bedurfte. Immerhin schien der Ball noch rund. Oder war er, angesichts der Dramatik jenseits der 90 Minuten im Nou Camp, zum Würfel geworden?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Stell’ dir vor, es ist Endspiel, und keiner geht hin!

Dienstag, 13. Mai 2014

Wenn eine deutsche Mannschaft das Finale des Fußballeuropapokals erreicht, dieses zudem in Deutschland stattfindet und dann nur 4.750 Zuschauer kommen, kann etwas nicht stimmen. Richtig: Die Mannschaft kam aus der DDR, das Finale fand in Düsseldorf statt.

Am 13 Mai 1981 standen sich dort der FC Carl Zeiss Jena und der sowjetische Vertreter Dinamo Tiflis als letzte im Wettbewerb verbliebene Pokalsieger ihrer jeweiligen Verbände gegenüber. Die Thüringer, von Hans Meyer trainiert, hatten in der laufenden Saison unter anderem den AS Rom, den FC Valencia und Benfica Lissabon ausgeschaltet.

Das mangelnde Zuschauerinteresse war offensichtlich nicht fehlender sportlicher Attraktivität, sondern eher ideologischer Borniertheit geschuldet. Hätte das Endspiel ein Jahrzehnt und eine Wiedervereinigung später stattgefunden, wäre das Rheinstadion, mit den dann plötzlich guten Deutschen als Publikumsmagnet, vermutlich voll gewesen.

Dinamo Tiflis siegte übrigens mit 2:1. Hans Meyer sagte Jahre später rückblickend über jenen Abend: „Ich bin heute noch nicht darüber weg, dass wir damals das Europacup-Finale in Düsseldorf verloren haben. Aber zum Glück reißen sie ja das Rheinstadion jetzt ab.“

Der Einzug ins Endspiel war nicht der einzige große Erfolg des FC Carl Zeiss. Vor 111 Jahren, am 13. Mai 1903, wurde der Verein gegründet, zunächst als reiner Werksclub ausschließlich mit Angestellten des Optik- und Feinmechanikkonzerns. Dreimal gewann Jena die DDR-Meisterschaft, viermal wurde man Pokalsieger. Nach der Wende erreichte die Mannschaft in der Saison 2007/2008, damals noch als Zweitligist, überraschend das Halbfinale im DFB-Pokal. Endstation war Borussia Dortmund. Immerhin stimmte die Kulisse, 81.000 Zuschauer kamen.

Heute kickt der FC Carl Zeiss Jena viertklassig, in der Regionalliga Nordost. Mit dem Aufstieg wird es leider auch in der übernächstes Wochenende zu Ende gehenden aktuellen Saison nichts werden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Montags nie

Donnerstag, 13. März 2014

Sie bescherte nicht nur Österreichern und Bayern eine tägliche Städteverbindung zwischen Wien, Linz und Passau, sondern auch der deutschen Sprache ihr wohl größtes Wortungetüm. Rund 300 Kilometer sind es von Österreichs Haupt- bis Bayerns Dreiflüssestadt. Die schönste Art, die Strecke zu bereisen, ist per Schiff auf Europas zweitgrößtem Strom. Heute vor 185 Jahren wurde eine entsprechende Kompanie gegründet und ein täglicher Linienverkehr eingerichtet.

Nur Montags fuhren die Dampfer nicht, da durften sich die Flussungetüme ausruhen. Die Strecke wurde zügig ausgebaut. Bald gab es auch eine Verbindung von Wien in die andere Richtung, nach Bratislava und Budapest. Das Geschäft florierte. Im Jahr 1889 beispielsweise nahmen mehr als 1,6 Millionen Passagiere den Donaubeförderungsdienst mit seinen rund zweihundert Dampfschiffen in Anspruch, was die Betreiber der Kompanie zur größten Binnenreederei der Welt machte.

Auf dem Mississippi waren zu dieser Zeit zwar fünfmal mehr Dampfschiffe unterwegs als auf der Donau, aber es gab keine alles beherrschende Gesellschaft, unter deren Flagge fast sämtliche Passagiere transportiert wurden. Ein gutes Jahrhundert später war dann leider Schluss mit dem Donaubeförderungsmonopol.

Anno 1991 wurde das bislang staatlich geführte Unternehmen in private Hand überführt und umgehend in verschiedene selbständig operierende Bereiche zerstückelt. Die altehrwürdige Donaudampfschiffahrtsgesellschaft hatte aufgehört zu existieren. Nur im Duden durfte sie ihre Existenz fortführen. Das Wort gilt als das längste der deutschen Sprache. Manchmal wird ein weiterer Bestandteil angehängt, etwa der Kapitän. Mag diese Erweiterung eventuell noch angehen, sind alle weiteren Komposita - siehe auch den Eintrag „Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän“ in Wikipedia - Fantasieprodukte und entbehren jeder Grundlage in der Wirklichkeit. Die Sprache, zumindest die im Duden akzeptierte, soll die Realität abbilden und keine neuen Wortgebilde schöpfen. Für letzteres sind Gedichte und Romane zuständig.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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