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Warum gibt es gleich zwei Puzzle-Gedenktage?

Freitag, 27. Januar 2012

Nächsten Sonntag empfängt die AS Rom den FC Bologna. Leider ohne ihren bekanntesten Spieler: Der wird am Puzzle-Tag zu Hause bleiben und seinem allerliebsten Hobby frönen. Das ist natürlich ein Witz.

Aber über Roma-Star Francesco Totti werden gerne Witze gemacht – mit dem immer gleichen Tenor, dass dieser nicht zu den Schlauesten gehört. Es gibt sogar ein Buch mit dem Titel Alle Witze über Totti. So weit, so langweilig. Interessant ist nur, dass Totti die Witze selber gesammelt und herausgegeben hatte – und in dem Band bereitwillig die Rolle des Fußballtoren spielt.

Eine Kostprobe? Totti ruft seine Freundin an: „Ich sitze an einem Puzzle und werde nicht fertig. Alle Teile sehen absolut gleich aus.“ Sofort bietet die Gute ihre Hilfe an: „Was ist das denn für ein Puzzle?“ fragt sie. „Ich weiß nicht“, kommt die Antwort. „Auf der Schachtel ist ein Hahn … warte mal … ein roter Hahn … hm …“

Das hilft der Freundin auch nicht weitet. Sie tröstet ihren Francesco und verspricht, am Abend vorbeizuschauen. In Tottis Wohnung angekommen, schaut sie erst die Schachtel an, dann den Freund - und sagt weise: „Na schön, jetzt sammeln wir die Cornflakes wieder ein, und morgen kaufen wir ein richtiges Puzzle.“

Das Buch mit den Totti-Witzen stand monatelang auf Platz 1 der italienischen Bestsellerliste. Darüber freuten sich ganz besonders die vielen bedürftigen alten Menschen, die in Rom leben. Ihnen spendete der Kicker den Erlös seines kleinen Erfolgswerks. Jetzt fragen Sie sich vielleicht noch, wie es der 29. Januar zum Puzzle-Gedenktag geschafft hat. Nicht nur ich frage mich das auch. Als Erfinder der beliebten Kniffelei gilt der Londoner Kupferstecher und Kartenmacher John Spilsbury. Der klebte anno 1766 eine Großbritannien-Karte auf ein Holzbrett, zersägte die Teile entlang der damaligen Grafschaftsgrenzen und setzte sie anschließend wieder zusammen. Spilsburys Geburtsdatum ist unbekannt.

Es gibt allerdings noch einen zweiten Puzzle-Gedenktag am 13. Juli. Der würdigt den Tag, an dem Ernö Rubik, der Erfinder des Zauberwürfels, zur Welt kam (siehe unseren Newsletter vom 13. Juli 2009: Ein bunter Würfel, der die Welt beschäftigte).

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wenig zu ernten für die Kartoffelkäfer

Freitag, 16. Dezember 2011

Wenn ein Fußballverein aus dem Rheinland 111 Jahre alt wird, erfährt er in diesem Newsletter gewöhnlich eine besondere Würdigung.

Da der Borussia aus Mönchengladbach am 2. August 2011 diese Ehre zuteil wurde, darf der große Rivale, dessen Tivoli-Stadion sich nur sechzig Kilometer weiter südlich befindet, natürlich nicht übergangen werden.

Bis zum Beginn der 1970er Jahre war die Aachener Alemannia der erfolgreichere der beiden Vereine in äußersten Westen der Republik. Zweimal erreichten die Domstädter das DFB-Pokalfinale, zweimal unterlagen sie – gegen Rot-Weiß Essen und Borussia Dortmund.

Letztere Schlappe schmerzte besonders, zumal der BvB als der berühmtere Club in ganz Fußballdeutschland mit seiner Vereinsfarbe Schwarz-Gelb identifiziert wird, während den identisch kolorierten Alemannen nur die leicht spöttische Bezeichnung Kartoffelkäfer blieb.

Die größte Leistung der Aachener datiert aus dem Jahr 1969. Da belegte die Mannschaft Rang 2 gleich hinter den Münchner Bayern – und vor Mönchengladbach. Anschließend begann eine lange Leidenszeit. Der Abstieg in der nächsten Saison leitete eine 34-jährige Bundesliga-Abstinenz ein, von der ein volles Jahrzehnt sogar in der Drittklassigkeit verbracht wurde.

Erst zur Saison 2006/2007 gelang der Wiedereinzug in die Eliteliga. Doch auch der war nach nur einer Spielzeit Geschichte. Dabei hielt die 11 vom Tivoli lange Zeit gut mit, stand 7 Runden vor Schluss mit 33 Punkten auf Rang 9 - um in den letzten Begegnungen nur noch einen mickrigen Punkt zu holen.

Inzwischen hat sich Alemannia Aachen in der Zweiten Liga eingerichtet und ist sogar froh, wenn man nicht noch eine Etage tiefer fällt. Am Sonntag wartet als Gegner der Bundesliga-Meister von 1967: Mit den Braunschweigern verbindet die Aachener die gelben Trikots und die Erinnerung an bessere Zeiten – gepaart mit der Hoffnung der Kartoffelkäfer, dass es für sie auf dem Feld künftig wieder etwas zu ernten gibt. Bundesligareif ist zur Zeit einzig das moderne Stadion, das 33 000 Zuschauer fasst.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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„Ich pack das nicht. Ich halt das nicht mehr aus. Ich will das nicht mehr sehen“ …

Dienstag, 22. November 2011

… sagte der Radio-Reporter und konnte doch nicht weg. Es war 17 Uhr 12, der letzte Samstag im Mai 1999, gleichzeitig der letzte Spieltag der Bundesligasaison. Soeben hatte der 1. FC Nürnberg im Spiel gegen Freiburg den Anschlusstreffer markiert.

Es schien das Tor gewesen zu sein, das die Franken vor dem Abstieg rettete und das Schicksal der Frankfurter Eintracht besiegelte, die im heimischen Stadion verzweifelt versuchte, zusätzlich zu den bereits erzielten vier ein fünftes Tor zu schießen, das sie in der Tordifferenz wieder an den Nürnbergern hätte vorbeiziehen lassen.

Drei Minuten waren auf den neun Bundesligaplätzen noch zu spielen, drei Minuten, die der Radio-Reporter lieber an allen möglichen Orten verbracht hätte, nur nicht im Nürnberger Stadion, wo sein Club spielte, schlecht spielte, so schlecht spielte, dass er den Abstieg verdient gehabt hätte, aber das darf man als objektiver Reporter nicht sagen.

Noch weniger darf man als objektiver Reporter sagen, dass man dennoch für diesen Club hält, egal wie schlecht er spielt, nur absteigen darf er nicht, sollen doch die blöden Frankfurter in die Zweite Liga! Doch Günther Koch, Radio-Reporter und Nürnberg-Fan, sagt nur, dass er es nicht mehr packt, dass er es nicht mehr aushält, dass er dieses Spiel nicht mehr sehen will.

Und dann ist es 17 Uhr 13, die Frankfurter erzielen Tor Nummer fünf. Und die Franken? „Hallo, hier ist Nürnberg“, schaltet sich Koch wieder ein. Noch ein Tor? Nein, im Gegenteil: „Wir melden uns vom Abgrund. Nürnberg 1:2.“ Und weiter: „Der Club ist im Moment abgestiegen. Denn das Spiel hier ist aus. Ade, liebe Freunde. Es ist nicht zu fassen, was der Club seinen Fans, was er seinen Anhängern und was er seinem treuen Publikum zumutet.“

Und was er seinem Reporter zumutet. Nur ein Fußballspiel, könnte man meinen. Doch sind es diese Live-Reportagen mit viel Herzblut, die Samstag für Samstag Millionen Fußballbegeisterte vor dem Radio versammeln, obwohl die Spiele auch live im Bezahlfernsehen übertragen werden. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Günther Koch für die Konferenzschaltung an jenem Mainachmittag den renommierten Grimme-Preis bekommen.

Sein Herz wird es ihm gedankt haben, dass er mittlerweile in Rente gegangen ist. So darf er heute seinen 70. Geburtstag feiern. Legendär wie diese Reportage ist auch die Geschichte, wie Koch zu seinem Job kam. Damals war er halb so alt wie heute und beschwerte sich in einem Hörerbrief an den Sportchef über die schlechten Radioreportagen im Bayerischen Rundfunk – nicht ohne den dezenten Hinweis, er selber könne das viel besser. Und ob er das konnte! Als Koch tatsächlich seine Chance bekam und vorsprechen durfte, nutzte er sie.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Uns Uwe

Freitag, 4. November 2011

Es gibt bislang nur einen Sportler, der es zum Hamburger Ehrenbürger geschafft hat. Dabei stammen zahlreiche Weltmeister aus der Hansestadt: der Autorennfahrer Manfred von Brauchitsch, der Fußballer Andreas Brehme, der Ruderer Peter-Michael Kolbe wie auch der Boxer Max Schmeling. Tennisprofi Michael Stich ist zwar weder Hamburger (er wurde im benachbarten Pinneberg geboren) noch Weltmeister (dafür gewann er das Turnier in Wimbledon), doch in Hamburg verwurzelt.

Ehrenbürger wurde er dennoch nicht. Das gelang nur Uwe Seeler, der morgen seinen 75. Geburtstag feiert. Weltmeister wurde der bullige Mittelstürmer nie. Als die Deutschen erstmals den Titel gewannen, war Seeler noch zu jung, beim Triumph 1974 im eigenen Land hatte er seine Karriere beendet. Dafür sicherte er seinem HSV 1960 die deutsche Fußballmeisterschaft – durch zwei Treffer, die er zum 3:2-Endspielsieg gegen den 1 FC Köln beisteuerte.

Was ihn so populär machte, waren weniger seine fußballerischen Qualitäten. Die waren durchaus vorhandenen, lagen aber vor allem im Kopfballspiel und im kämpferischen Bereich. Doch das passte wunderbar zum Image: Seeler war Sohn eines Hafenarbeiters und Ur-Hamburger, was sich auch in seiner bedächtigen Art und im Dialekt ausdrückte.

Viel wichtiger aber war sein Charakter. Als Inter Mailand ihn 1961 aus seiner Heimat weglocken wollte – der italienische Spitzenclub bot die damals unglaubliche Summe von 1,2 Millionen Mark – widerstand Seeler. Seine Fans haben ihm das ebenso wenig vergessen wie die Hamburger Senatoren. Seeler blieb dem HSV treu und damit auch ein Aushängeschild seiner Stadt.

Dreimal wurde er zum Fußballer des Jahres gewählt, nur Franz Beckenbauer heimste eine Ehrung mehr ein. Noch größere Anerkennung schimmert aus Seelers Spitznamen hervor. Nicht nur für Hamburg, für ganz Fußballdeutschland ist es bis heute Uns Uwe geblieben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der zwölfte Mann im WM-Finale

Donnerstag, 3. November 2011

Drei Tore schossen die Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 gegen die Ungarn. Und kassierten 8. Am 20. Juni war das und ging als Opfergang von Basel – nicht in die Sportgeschichte ein. Ganz anders das Wunder von Bern 14 Tage später.

Bei der Niederlage in Basel handelte es sich nur um ein Vorrundenspiel, sodass der deutsche Kapitän Fritz Walter nach den 90 Minuten halbwegs erleichtert resümieren konnte: „Der Schiedsrichter pfiff ab – auch Katastrophen nehmen ein Ende.“

Im Endspiel trafen sich beide Teams wieder. Nach dem 8:3-Triumph waren die Ungarn diesmal haushoher Favorit. Doch traten die Deutschen in anderer Besetzung an. Zudem regnete es in Strömen.

Und hier kommt ein 12 Mann ins Spiel, der einen großen Anteil am überraschenden deutschen Erfolg hatte. Heute vor 111 Jahren wurde er in Herzogenaurach geboren. Dort befand sich auch seine Firma. Sie stattete die von Sepp Herberger trainierten Kicker mit ganz besonderen Fußballschuhen aus. Die waren mit Schraubstollen versehen und verschafften ihren Trägern bei tiefem, nassen Boden einen klaren Vorteil gegenüber ihren rutschanfälligen Gegnern.

Wer weiß, vielleicht wäre ein Schraubstollen tragender ungarischer Torwart Gyula Grosics noch an den Weitschuss des Helmut Rahn herangekommen, der den Deutschen das 3:2-Endergebnis bescherte.

Das alles konnte Adi Dassler egal sein. Seine Sportschuhfirma florierte fortan dank des bundesrepublikanischen Wirtschaftswunders im allgemeinen und der Teilhabe am Wunder von Bern im besonderen. Letzteres hat im kollektiven Gedächtnis der Fußballnation ebenso Platz gefunden wie das Unternehmen adidas auf dem Weltmarkt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein schmerzloser Tod?

Freitag, 16. September 2011

Beim ersten Versuch musste der junge Mann 430 Meter unterhalb des Gipfels aufgeben. Doch das war nicht das Schlimmste. Edward Whymper, 1840 im flachen London geboren, war mit 22 Jahren höher am Matterhorn geklettert als je ein Mensch vor ihm.

Viel hätte nicht gefehlt, und er hätte niemandem über sein Abenteuer berichten können. Beim Abstieg geriet Whymper ins Straucheln und stellte zu seiner Verwunderung fest, „dass dieses Springen durch den leeren Raum mir nicht unangenehm war. Ich denke mir, dass ich nicht mehr tief zu fallen brauchte, um Bewusstsein und Empfindung gänzlich zu verlieren, und darauf stütze ich meine Behauptung, die vielen als unhaltbar erscheinen mag, dass der Tod durch einen Fall von großer Höhe ein so schmerzloses Ende ist, wie es nur eines geben kann.“

So zitiert Fergus Fleming in seiner großartigen Geschichte des Alpinismus (Titel: Nach oben, als Taschenbuch erschienen im Piper Verlag) den gerade noch einmal Davongekommenen. Im nächsten Jahr unternahm Whymper einen erneuten Anlauf. Sein Ehrgeiz ließ ihm keine Ruhe, nachdem ein Landsmann es noch viel weiter hinauf geschafft hatte: John Tyndall, Brite, in Irland geboren, war seinem Konkurrenten offenbar nicht nur körperlich überlegen.

Der um 20 Jahre Ältere blickte bereits auf eine erstaunliche Karriere als Physiker zurück. Das Urteil des knapp Gescheiterten muss wie Musik in Whympers Ohren geklungen haben: Tyndall war, schreibt Fleming, bis auf einen Steinwurf an den Gipfel herangekommen, doch sei es unmöglich gewesen, den Riss zu überqueren, und er werde auf jeden weiteren Versuch verzichten.

Das Matterhorn unbezwingbar? Nicht für Whymper!

Er versuchte es 3 weitere Male, und die einzig gute Nachricht war jeweils, dass er dem vermeintlich schmerzlosen Ende nie wieder so nahe kam als bei seiner Matterhorn-Premiere. Das sollte sich erst am 14. Juli 1865 ändern. An der Spitze einer siebenköpfigen Gesellschaft bezwang Whymper tatsächlich als erster Mensch den bekanntesten Schweizer Berg. Beim Abstieg ereignete sich dann die Tragödie, als der Unerfahrenste der Gruppe, der 19-jährige Engländer Douglas Hadow, bei seiner zweiten Alpenklettertour überhaupt ausrutschte und 3 Kameraden mit sich riss.

Bei dem Sturz ging auch das Seil entzwei, das alle sichern sollte. „Einige Sekunden lang“, erinnerte sich Whymper, „sahen wir unsere unglücklichen Gefährten auf den Rücken niedergleiten und mit ausgestreckten Händen nach einem Halt suchen. Noch unverletzt kamen sie uns aus dem Gesicht, verschwanden einer nach dem anderen und stürzten von Felswand zu Felswand auf den Matterhorn-Gletscher in eine Tiefe von beinahe 4000 Fuß hinunter.“

Der französische Illustrator Gustav Doré hielt das Ereignis in seiner berühmten gewordenen Lithografie-Serie fest. An den folgenden Tagen fand man die verstümmelten Leichen der Abgestürzten. Whymper und die beiden einheimischen Führer, Peter Taugwalder und sein Sohn gleichen Vornamens, überstanden Auf- und Abstieg unverletzt. Danach bezwang Whymper weitere Berge, darunter als erster offiziell Anerkannter den Chimborazo in den ecuadorianischen Anden. Noch während seiner aktiven Zeit schuf er sich mit der Schriftstellerei ein zweites Standbein. Die Vermarktung seiner Erfolge bescherte ihm neben einer stetig steigenden Lesergemeinde vor allem ein rapides Wachstum seiner Barschaft. Bezahlen musste er die Popularität mit sinkenden Sympathiewerten unter Kletterkollegen.

Heute vor 100 Jahren starb Edward Whymper in Chamonix, im Bett. Ob sein Ende schmerzlos war? Jedenfalls war es einsam, denn Englands wohl berühmtester Alpinist seiner Zeit, dem man die Schuld am Matterhorn-Unglück gegeben hatte, besaß kaum noch Freunde.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein nicht erwarteter Geburtstag

Dienstag, 16. August 2011

Am 16. August wird Rulon Gardner 40 Jahre alt. Rulon wer?, mögen Sie sich vielleicht fragen – aber nur, wenn Sie kein Amerikaner sind!

Jenseits des Großen Teichs ist Gardner eine Berühmtheit. Zunächst fiel unser Geburtstagskind nur einer kleinen Minderheit seiner sportverrückten Landsleute auf: In der amerikanischen Randsportart Ringen erreichte Gardner bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney völlig überraschend das Finale.

Dort traf der krasse Außenseiter, ein Bauernsohn aus Wyoming, auf den Russen Alexander Karelin. Der war seit 13 Jahren unbesiegt. 9 Jahre lang konnte kein Gegner auch nur einen Griff gegen Karelin landen. Bis Gardner kam. Sein Punkt war der entscheidende. Gardner holte Gold für die USA.

2 Jahre später fuhr unser sportlicher Held, diesmal nur zum Zeitvertreib, mit seinem Schneemobil auf einem zugefrorenen See seiner Heimat. Er brach ein, zog sich irgendwie selbst heraus, robbte an Land. 17 Stunden musste er auf Hilfe warten, entkräftet, durchnässt, halb erfroren. Außer einem amputierten Zeh trug Gardner keine Schäden davon.

Wieder 2 Jahre später hatte Gardner zuerst Pech, dann Glück. Mit seinem Motorrad prallte er Anfang 2004 gegen ein Auto. Rechtzeitig zu Olympia in Athen war er wieder fit. Diesmal errang er eine Bronzemedaille.

Im Februar 2007, Sie ahnen es, stand wieder eine Hiobsmeldung an. Gardner, sein Bruder Les und sein Pilotenfreund Randy Brooks stürzten mit ihrem Flugzeug in einen See. Durch das 7 Grad kalte Wasser schwammen die 3 ans Ufer. Das dauerte eine Stunde, brachte sie aber immer noch nicht um. Stark unterkühlt harrte das Trio in frostiger Nacht aus, dann wurden alle gerettet.

Wer so viel (üb)erlebt, hat was zu erzählen. Rulon Gardner kann man inzwischen für Motivationsseminare buchen. Seine Webseite finden Sie unter www.rulongardner.com.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Mannschaft ohne Eigenschaften

Montag, 8. August 2011

Fußball ist ein – in exakt gleicher Form niemals wiederholbarer – künstlerischer Schaffensprozess mit stets ungewissem Ausgang. Diese Definition stammt vom Journalisten Harald Irnberger, der mit Die Mannschaft ohne Eigenschaften eines der besten Fußballbücher überhaupt geschrieben hat. Darin stellt der Österreicher ebenfalls die These auf, dass sich in diesem Sport gesellschaftliche Tendenzen nicht nur spiegeln, sondern vorweggenommen werden.

Die Globalisierung etwa hatte im Fußball längst Einzug gehalten, als der Begriff weder in der Wirtschaft noch in der Politik geprägt war. Real Madrid, der FC Barcelona, Inter und AC Mailand erzielten in den 1950er und 60er Jahren ihre großen Erfolge mit internationalen Stars aus Argentinien, Brasilien, Frankreich und Ungarn. Damals durften noch nicht so viele Ausländer in einer Mannschaft spielen wie heute. Die Vereine behalfen sich mit dem Mittel der Einbürgerung. Durch die Überschwemmung der einheimischen Ligen mit ausländischen Kickern hat der italienische, spanische und englische Fußball bereits einen guten Teil seiner Identität verloren. Den Rest besorgte das Gewinnstreben.

In erster Linie muss eine Mannschaft ökonomisch erfolgreich sein: Globaler Vertrieb von Fanartikeln, Verschachern von TV-Übertragungsrechten, geschickte Platzierung von Fußballspielern in der Werbung steigern den Wert der Stars. Davon profitiert auch der Verein, der, wenn schon nicht durch attraktive Spielweise, als Marke einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Spitzenbegegnungen der europäischen Fußballligen werden in 150 Länder der Erde live übertragen, was wiederum eine kostenlose Werbung für die Artikel bedeutet, die an jeder Ecke des globalen Dorfs zum Verkauf aushängen.

Wirtschaftliches Kalkül trifft auf politische Gaunerei: Ein Florentino Perez investierte als Präsident von Real Madrid rund eine Milliarde Euro in neue Spieler. Möglich wurde dies durch unkontrollierte Schuldenaufnahme und den Verkauf eines vereinseigenen Trainingsgeländes an die Stadt zu einem grotesk hohen Preis. Den AC Mailand erkor sich Silvio Berlusconi als Spielwiese: Im Verein erprobte er die halb- und illegalen Methoden, mit denen er später auch den italienischen Staat unterwanderte. In England sind sämtliche Großklubs in der Hand ausländischer Milliardäre: Unter ihnen war der russische Besitzer des FC Chelsea der indiskreteste, bis ein Scheich aus Abu Dhabi Manchester City übernahm. Dessen Kollegen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vereinnahmten Arsenal, Manchester United und der FC Liverpool sind in der Hand amerikanischer Investoren.

Der Fußball hat sich im Netz der Globalisierung verfangen, aus dem er so leicht nicht mehr freikommt. Schon gar nicht wird der Autor der brillanten Analyse, die auch noch in Jahrzehnten gültig sein dürfte, dies erleben: Am 8. August 2010 starb, 60-jährig, Harald Irnberger.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Mit dem Ball dreht sich - das Trainerkarussell

Freitag, 5. August 2011

Nicht nur Fußball ist eine runde Sache. Auch das Trainerkarussell kommt mit Anpfiff des ersten Bundesligaspieltags rasch in Bewegung. Wenn es nach den ersten Saisonniederlagen richtig rund geht, fliegt bald der erste Übungsleiter. Den Rekord in dieser Disziplin hält der FSV Mainz 05. Dort saß zu Beginn der Saison 2009/10 Jörn Andersen im Regiestuhl. Die von den eigenen Fans selbstironisch als Karnevalsverein bezeichneten 05er hatte der Norweger soeben aus den Niederungen der Zweiten Liga in die Eliteklasse zurückgeführt.

Vor dem ersten Ligaspiel stand eine Pokalbegegnung beim viertklassigen VfB Lübeck an. Die ging verloren. Das wäre nicht so schlimm gewesen, hätte Andersen nicht befunden, die Qualität seiner Kicker reichte für die Bundesliga nicht aus. Schließlich hatte er in Absprache mit der sportlichen Leitung beim FSV den Kader selbst zusammengestellt. Die Vereinsleitung zögerte nicht lange und setzte Andersen vor die Tür – noch ehe der erste Spieltag begonnen hatte! Es übernahm der bisherige Assistenztrainer. In der Folge bewies Thomas Tuchel, was in der Mannschaft steckte. Binnen zwei Jahren führte er den Abstiegskandidaten in die Europa League. Und das mit bemerkenswerter Beständigkeit: Nie waren die Mainzer in der abgelaufenen Saison schlechter platziert als Rang 5.

Dennoch ist Tuchel einer der Kandidaten, die beim unfreiwilligen Abgang vom Karussell den Vorflieger machen könnten. Die Erwartungen in Mainz sind höher als in vorangegangenen Spielzeiten – obwohl mit André Schürrle und Lewis Holtby die besten Offensivkräfte den Verein verlassen haben. Zudem dürfte sich das internationale Engagement mit regelmäßigen Spielen auch in der Woche negativ auf die Leistung in der Liga auswirken.

Ein abschreckendes Beispiel lieferte vor einigen Jahren der 1. FC Nürnberg: Nach dem Gewinn des DFB-Pokals unter Trainer Hans Meyer spielte der Club in der Saison 2007/08 international – und das gar nicht schlecht. Anders in der Liga. Am Ende stand der Abstieg. Zu diesem Zeitpunkt war Meyer längst vom Karussell geflogen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Herren Boninsegna und van der Kroft

Dienstag, 2. August 2011

Borussia Mönchengladbach hatte zwar bereits gestern Geburtstag, aber da berichteten wir über den Pionier Konrad Duden. Eine ganz andere Pionierleistung gelang dem vor 111 Jahren gegründeten Club in den 1970ern: Fünfmal wurde man Deutscher Meister. Das gelang mit – im Gegensatz zum ewig zweckmäßig spielenden Hauptkonkurrenten Bayern München – begeisterndem Offensivfußball.

Heute sind die Gladbacher weit entfernt von einstigen Glanzzeiten. In der Bundesliga überlebten sie die abgelaufene Saison mit Mühe und nach zwei knapp gewonnenen Relegationsspielen gegen den VfL Bochum. Die damaligen Gegner, zumal im Europapokal der Landesmeister (dem Vorläufer der Champions League), hatten klangvollere Namen. Inter Mailand und Real Madrid etwa. Und doch bargen bereits diese Aufeinandertreffen etwas von der Tragik, die den späteren Bundesligaabstiegen von 1999 und 2007 innewohnte. Das Hinspiel der zweiten Runde im Oktober 1971 gegen Italiens Meister „Inter Mailand war das beste Europacup-Spiel, das Borussia Mönchengladbach je zeigte – doch es zählte nicht, weil eine Cola-Dose flog“ Sie landete, wie auf Spiegel online weiter zu lesen ist, am Kopf des Inter-Stürmers Roberto Boninsegna. Der markierte den Schwerstverletzten, obwohl die Dose leer war. Gladbach wurde ein sensationeller 7:1-Sieg aberkannt und schied aus dem Wettbewerb aus.

Wie auch im März 1976, als man nach einem 2:2 im Viertelfinalhinspiel bei Real Madrid antreten musste. Lange Zeit stand es im mit 125 000 Zuschauern voll besetzten Estadio Bernabéu 1:1, was den Hausherren bei Toregleichheit und einem Auswärtstreffer mehr das Weiterkommen ermöglicht hätte. Dann kamen die großen Auftritte von Henning Jensen und Jürgen Wittkamp. Beide Gladbacher erzielten jeweils einen Treffer. Dachten alle im Stadion. Bis auf den so genannten Unparteiischen Leonardus van der Kroft und seinem ebenfalls niederländischen Assistenten Ben Hoppenbrouwer: Dem ersten Tor versagte der Schiedsrichter die verdiente Anerkennung, beim zweiten ebenfalls regulären Versuch hatte der Mann an der Linie etwas dagegen – und Gladbach beide Male das Nachsehen.

Nach 1976 mochte van der Kroft kein Spiel mehr pfeifen. Trotz des nachvollziehbaren Verzichts blieb sein Beitrag zur Völkerverständigung allgemein und zum Wohl des traditionell prekären deutsch-niederländischen Verhältnisses speziell ein geringer. Wenn, selbst nach 35 Jahren, in Mönchengladbach der Name Leonardus van der Kroft fällt, sträuben sich in der Borussenstadt immer noch jede Menge Nackenhaare.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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