Archiv für Kategorie ‘Sport’:

Die Mannschaft ohne Eigenschaften

Montag, 8. August 2011

Fußball ist ein – in exakt gleicher Form niemals wiederholbarer – künstlerischer Schaffensprozess mit stets ungewissem Ausgang. Diese Definition stammt vom Journalisten Harald Irnberger, der mit Die Mannschaft ohne Eigenschaften eines der besten Fußballbücher überhaupt geschrieben hat. Darin stellt der Österreicher ebenfalls die These auf, dass sich in diesem Sport gesellschaftliche Tendenzen nicht nur spiegeln, sondern vorweggenommen werden.

Die Globalisierung etwa hatte im Fußball längst Einzug gehalten, als der Begriff weder in der Wirtschaft noch in der Politik geprägt war. Real Madrid, der FC Barcelona, Inter und AC Mailand erzielten in den 1950er und 60er Jahren ihre großen Erfolge mit internationalen Stars aus Argentinien, Brasilien, Frankreich und Ungarn. Damals durften noch nicht so viele Ausländer in einer Mannschaft spielen wie heute. Die Vereine behalfen sich mit dem Mittel der Einbürgerung. Durch die Überschwemmung der einheimischen Ligen mit ausländischen Kickern hat der italienische, spanische und englische Fußball bereits einen guten Teil seiner Identität verloren. Den Rest besorgte das Gewinnstreben.

In erster Linie muss eine Mannschaft ökonomisch erfolgreich sein: Globaler Vertrieb von Fanartikeln, Verschachern von TV-Übertragungsrechten, geschickte Platzierung von Fußballspielern in der Werbung steigern den Wert der Stars. Davon profitiert auch der Verein, der, wenn schon nicht durch attraktive Spielweise, als Marke einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Spitzenbegegnungen der europäischen Fußballligen werden in 150 Länder der Erde live übertragen, was wiederum eine kostenlose Werbung für die Artikel bedeutet, die an jeder Ecke des globalen Dorfs zum Verkauf aushängen.

Wirtschaftliches Kalkül trifft auf politische Gaunerei: Ein Florentino Perez investierte als Präsident von Real Madrid rund eine Milliarde Euro in neue Spieler. Möglich wurde dies durch unkontrollierte Schuldenaufnahme und den Verkauf eines vereinseigenen Trainingsgeländes an die Stadt zu einem grotesk hohen Preis. Den AC Mailand erkor sich Silvio Berlusconi als Spielwiese: Im Verein erprobte er die halb- und illegalen Methoden, mit denen er später auch den italienischen Staat unterwanderte. In England sind sämtliche Großklubs in der Hand ausländischer Milliardäre: Unter ihnen war der russische Besitzer des FC Chelsea der indiskreteste, bis ein Scheich aus Abu Dhabi Manchester City übernahm. Dessen Kollegen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vereinnahmten Arsenal, Manchester United und der FC Liverpool sind in der Hand amerikanischer Investoren.

Der Fußball hat sich im Netz der Globalisierung verfangen, aus dem er so leicht nicht mehr freikommt. Schon gar nicht wird der Autor der brillanten Analyse, die auch noch in Jahrzehnten gültig sein dürfte, dies erleben: Am 8. August 2010 starb, 60-jährig, Harald Irnberger.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Mit dem Ball dreht sich - das Trainerkarussell

Freitag, 5. August 2011

Nicht nur Fußball ist eine runde Sache. Auch das Trainerkarussell kommt mit Anpfiff des ersten Bundesligaspieltags rasch in Bewegung. Wenn es nach den ersten Saisonniederlagen richtig rund geht, fliegt bald der erste Übungsleiter. Den Rekord in dieser Disziplin hält der FSV Mainz 05. Dort saß zu Beginn der Saison 2009/10 Jörn Andersen im Regiestuhl. Die von den eigenen Fans selbstironisch als Karnevalsverein bezeichneten 05er hatte der Norweger soeben aus den Niederungen der Zweiten Liga in die Eliteklasse zurückgeführt.

Vor dem ersten Ligaspiel stand eine Pokalbegegnung beim viertklassigen VfB Lübeck an. Die ging verloren. Das wäre nicht so schlimm gewesen, hätte Andersen nicht befunden, die Qualität seiner Kicker reichte für die Bundesliga nicht aus. Schließlich hatte er in Absprache mit der sportlichen Leitung beim FSV den Kader selbst zusammengestellt. Die Vereinsleitung zögerte nicht lange und setzte Andersen vor die Tür – noch ehe der erste Spieltag begonnen hatte! Es übernahm der bisherige Assistenztrainer. In der Folge bewies Thomas Tuchel, was in der Mannschaft steckte. Binnen zwei Jahren führte er den Abstiegskandidaten in die Europa League. Und das mit bemerkenswerter Beständigkeit: Nie waren die Mainzer in der abgelaufenen Saison schlechter platziert als Rang 5.

Dennoch ist Tuchel einer der Kandidaten, die beim unfreiwilligen Abgang vom Karussell den Vorflieger machen könnten. Die Erwartungen in Mainz sind höher als in vorangegangenen Spielzeiten – obwohl mit André Schürrle und Lewis Holtby die besten Offensivkräfte den Verein verlassen haben. Zudem dürfte sich das internationale Engagement mit regelmäßigen Spielen auch in der Woche negativ auf die Leistung in der Liga auswirken.

Ein abschreckendes Beispiel lieferte vor einigen Jahren der 1. FC Nürnberg: Nach dem Gewinn des DFB-Pokals unter Trainer Hans Meyer spielte der Club in der Saison 2007/08 international – und das gar nicht schlecht. Anders in der Liga. Am Ende stand der Abstieg. Zu diesem Zeitpunkt war Meyer längst vom Karussell geflogen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Herren Boninsegna und van der Kroft

Dienstag, 2. August 2011

Borussia Mönchengladbach hatte zwar bereits gestern Geburtstag, aber da berichteten wir über den Pionier Konrad Duden. Eine ganz andere Pionierleistung gelang dem vor 111 Jahren gegründeten Club in den 1970ern: Fünfmal wurde man Deutscher Meister. Das gelang mit – im Gegensatz zum ewig zweckmäßig spielenden Hauptkonkurrenten Bayern München – begeisterndem Offensivfußball.

Heute sind die Gladbacher weit entfernt von einstigen Glanzzeiten. In der Bundesliga überlebten sie die abgelaufene Saison mit Mühe und nach zwei knapp gewonnenen Relegationsspielen gegen den VfL Bochum. Die damaligen Gegner, zumal im Europapokal der Landesmeister (dem Vorläufer der Champions League), hatten klangvollere Namen. Inter Mailand und Real Madrid etwa. Und doch bargen bereits diese Aufeinandertreffen etwas von der Tragik, die den späteren Bundesligaabstiegen von 1999 und 2007 innewohnte. Das Hinspiel der zweiten Runde im Oktober 1971 gegen Italiens Meister „Inter Mailand war das beste Europacup-Spiel, das Borussia Mönchengladbach je zeigte – doch es zählte nicht, weil eine Cola-Dose flog“ Sie landete, wie auf Spiegel online weiter zu lesen ist, am Kopf des Inter-Stürmers Roberto Boninsegna. Der markierte den Schwerstverletzten, obwohl die Dose leer war. Gladbach wurde ein sensationeller 7:1-Sieg aberkannt und schied aus dem Wettbewerb aus.

Wie auch im März 1976, als man nach einem 2:2 im Viertelfinalhinspiel bei Real Madrid antreten musste. Lange Zeit stand es im mit 125 000 Zuschauern voll besetzten Estadio Bernabéu 1:1, was den Hausherren bei Toregleichheit und einem Auswärtstreffer mehr das Weiterkommen ermöglicht hätte. Dann kamen die großen Auftritte von Henning Jensen und Jürgen Wittkamp. Beide Gladbacher erzielten jeweils einen Treffer. Dachten alle im Stadion. Bis auf den so genannten Unparteiischen Leonardus van der Kroft und seinem ebenfalls niederländischen Assistenten Ben Hoppenbrouwer: Dem ersten Tor versagte der Schiedsrichter die verdiente Anerkennung, beim zweiten ebenfalls regulären Versuch hatte der Mann an der Linie etwas dagegen – und Gladbach beide Male das Nachsehen.

Nach 1976 mochte van der Kroft kein Spiel mehr pfeifen. Trotz des nachvollziehbaren Verzichts blieb sein Beitrag zur Völkerverständigung allgemein und zum Wohl des traditionell prekären deutsch-niederländischen Verhältnisses speziell ein geringer. Wenn, selbst nach 35 Jahren, in Mönchengladbach der Name Leonardus van der Kroft fällt, sträuben sich in der Borussenstadt immer noch jede Menge Nackenhaare.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Zwei untypische Südamerikaner

Dienstag, 12. Juli 2011

„Horacio Ricardo Neumann – was für ein vielversprechender Name“, schreibt Hans-Georg König in seinem Buch über den 1. FC Köln. Vom Vorstadtverein zum Weltclub. Ende 1972 wurde der Argentinier von den Domstädtern verpflichtet. „Niemand hatte je zuvor etwas von ihm gehört“, berichtet Königs weiter, „FC-Präsident Oskar Maaß investierte dennoch eine stattliche Summe. Sie trug keine Zinsen.“ 16 Spiele absolvierte der heute vor 65 Jahren geborene, in seiner Heimat Der Tank genannte Stürmer in der Bundesliga und erzielte dabei zwei Treffer. Zu wenig für einen Sturmtank, weshalb Neumann zwei weitere Jahre auf der Bank verbrachte und anschließend nach Korsika zum damaligen französischen Erstligisten SEC Bastia verkauft wurde.

Es gab aber einen Argentinier beim 1. FC Köln, der noch schlechter als Neumann spielen sollte. Auch Christian Dollberg war deutscher Abstammung und besaß rein gar nichts von den filigranen Fertigkeiten, die man mit Fußballern aus Lateinamerika allgemein und den La Plata-Staaten Uruguay und Argentinien speziell verbindet. Dollberg lief ganze 11 Mal für den Geißbockclub in der Bundesliga auf und ging bald nach Buenos Aires zurück. Der Kölner Express bescheinigte Dollberg sogar, der einzige männliche Südamerikaner zu sein, der kein Fußball spielen könne.

Das Urteil über seinen Landmann fiel nicht gar so harsch aus. Neumann war zudem, so FC-Biograf König, durch einen schweren Autounfall gehandicapt, bei dem er sich bereits kurz nach seiner Ankunft in Deutschland erhebliche Verletzungen zuzog. Das Pech blieb dem Argentinier treu. Horacio Ricardo Neumann starb, erst 62-jährig, am 29. Mai 2008. Immerhin: Der Club Chacarita Juniors, für den El Tanque vor und nach seinem Engagement in Köln insgesamt 195 Partien bestritt und 32 Tore erzielte, widmete ihm einen ehrenvollen Nachruf.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der Mythos von Córdoba

Dienstag, 21. Juni 2011

Die Deutschen glauben an das Wunder von Bern, die Österreicher klammern sich an den Mythos von Córdoba. Beide Ereignisse könnten unterschiedlicher nicht sein, nur das Resultat war dasselbe: 3:2.

Bei der Fußball-WM 1954 in der Schweiz gewann der Außenseiter Deutschland mit genau diesem Ergebnis gegen den hohen Favoriten Ungarn – und wurde Weltmeister. Beim Weltturnier 1978 in Argentinien siegte der Außenseiter Österreich nur deshalb gegen den Favoriten Deutschland, weil es – wie der Wiener sagt – eh’ wurscht war. Am Ende standen beide Teams mit leeren Händen da. Bei jener WM wurde das Viertelfinale erstmals in zwei Vierergruppen ausgespielt.

Österreich hatte bereits zweimal verloren und war rechnerisch ausgeschieden, die Deutschen konnten nach zwei Unentschieden gegen Italien und die Niederlande allenfalls noch das Spiel um den dritten Platz erreichen. Entsprechend lustlos wurde gekickt. Die letztmals von Helmut Schön betreute Elf war nach Karl-Heinz Rummenigges frühem 1:0 davon ausgegangen, auf keine Gegenwehr mehr zu stoßen. Das bewahrheitete sich – bis Berti Vogts nach einer Stunde mit einem dilettantischen Eigentor den Gegner zurück ins Spiel brachte.

Dem österreichischen Führungstreffer durch Hans Krankl folgte postwendend Bernd Hölzenbeins Ausgleich. Dann kam jene Szene aus der 89. Minute, die durch eine ständig eingespielte Reportage des Österreichischen Rundfunks Kultstatus erlangt hat. Die entscheidende Passage im Ätherrausch des Edi Finger hört sich wie folgt an: „Da kommt Krankl – vorbei diesmal an seinem Bewacher – in den Strafraum. Schuss – Tor! Toor!! Tooor!!! Toooor!!!! Tooooor!!!!! I wear narrisch. Krankl schießt ein, drei zu zwei für Österreich!“ Immerhin, die vormals große und in den letzten Jahrzehnten immer kleine werdende Fußballnation hatte nach fast einem halben Jahrhundert wieder einmal gegen Deutschland gewonnen.

Ansonsten verlief die 1978er WM für Österreich enttäuschend. In einem sensationell begonnenen Turnier – Erster in der Vorrundengruppe mit Brasilien, Spanien und Schweden! – war man von Holland verhängnisvoll 1:5 ausgekontert worden, von einer Elf, die ausgerechnet ein Landsmann trainierte: Ernst Happel.

Der Erfolg gegen Deutschland heute vor 33 Jahren bedeutete lediglich ein wenig Balsam für die gequälte Fußballseele. Mangels weiterer Erfolge sind sie in Österreich bis heute noch stolz darauf.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Wölbung des Schnitzbuckels

Freitag, 17. Juni 2011

„Des deutschen Knaben und deutschen Jünglings höchste und heiligste Pflicht ist, ein deutscher Mann zu werden und geworden zu bleiben, um für Volk und Vaterland kräftig zu wirken, unseren Urahnen, den Weltrettern gleich“:

So martialisch kam Friedrich Ludwig Jahn daher. Heute vor 200 Jahren richtete der Berliner Lehrer in der Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz in Deutschland ein. Ziel des bald als ‚Turnvater’ titulierten Pädagogen war die Erziehung der deutschen Jugend zu patriotischem Denken. Aus der Leibesertüchtigung mit entsprechender geistiger Unterfütterung sollten Männer hervorgehen, welche die Heimat vom Joch der französischen Besatzung befreien sollten.

Mit der Zeit wurde eine nationalistische Bewegung daraus, die das Deutschtum stärken und das eigene Volk über die Nachbarnationen erhöhen sollte. Entsprechend aggressiv traten Jahn und seine Anhänger auf. „Ist dem Staat an Männern gelegen“, glaubte der Turnvater verkünden zu müssen, „so muss er die Jugend nicht verwahrlosen lassen.“ Zugute kam Jahn und seiner Bewegung, dass der preußische Staat diese als gefährlich einstufte und eine Turnsperre verhängte; auch, weil er eine Einflussnahme auf die studentischen Burschenschaften fürchtete.

Das Verbot wurde erst 1842 aufgehoben. Notwenig war es wohl nie gewesen: Wie die inzwischen rund 90 000 in Vereinen organisierten Turner auf ihrer 1848er Tagung betonten, lag ihnen weniger an der Einführung einer Republik als an einer Einheit Deutschlands.

Als Jahn 1852 starb, war aus der Turnerschaft längst eine reaktionäre Vereinigung geworden. Neue Konkurrenz erwuchs ihr aus dem Ausland: Von der britischen Insel schwappte eine neue Sportart herüber, die den Turnern Konkurrenz machte und von diesen despektierlich als ‚Fußlümmelei’ und ‚englische Krankheit’ bezeichnet wurde.

Der Stuttgarter Professor und Turnlehrer Karl Planck fand Fußball nur „hässlich. Das Einsinken des Standbeins ins Knie, die Wölbung des Schnitzbuckels, das tierische Vorstrecken des Kinns erniedrigt den Menschen zum Affen.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Das Jubiläum der kleinsten Bundesligastadt

Freitag, 3. Juni 2011

Wenn ein Fußballklub mit der Abkürzung FCK 111 Jahre alt wird, wäre das im närrischen Rheinland ein ganz besonderer Grund zum Feiern. Leider hat der 1. FC Köln ein anderes Kürzel, nämlich FC, und ist bei weitem nicht so alt (siehe unseren Newsletter vom 30. Januar 2006 „Fritzle und Füchsle, Hennes und Hermann“) wie sein nicht aus dem Rheinland stammender Fastnamensvetter.

Dessen Wiege steht seit dem 2. Juni 1900 in Kaiserslautern. Ob man mit dem jecken Jubiläum in der Pfalz etwas anfangen kann? Schließlich ist das Karnevalszentrum des flüssereichen Bindestrich-Bundeslandes bei der Konkurrenz beheimatet. Und nicht nur das: In der Abschlusstabelle der Bundesliga landete der FSV Mainz 05 auf Rang fünf, zwei Positionen vor den Lauterern. Trotzdem ist man in der Pfalz zufrieden. Platz sieben ist nicht schlecht für einen Aufsteiger. Wenn diese Leistung auch gegenüber einem Rekord verblasst, den die 1998er Elf aufstellte: Gerade von der zweiten in die erste Klasse geklettert, holte der FCK prompt die Meisterschale in die Pfalz – ein Coup, der in 48 Jahren Bundesliga keiner anderen Mannschaft gelang. Bereits 1991 konnten die Roten Teufel eine Meisterschaft erringen, mit der niemand gerechnet hatte. Schon gar nicht die Münchner Bayern, die beide Male nur Vizemeister wurden.

Die ganz große Zeit freilich erlebte die nach Einwohnerzahl kleinste Bundesligastadt vor der Gründung der Eliteklasse. In der ersten Hälfte der 1950er Jahre wurde der 1. FC Kaiserslautern zweimal Deutscher Meister, zweimal unterlag man zudem im damals noch ausgetragenen Endspiel; so im deutschen Weltmeisterjahr 1954, als die Pfälzer gegen Hannover 96 eine schmähliche 1:5-Schlappe erlitten. Dies hinderte Bundestrainer Sepp Herberger jedoch nicht, die halbe Nationalmannschaft mit Lauterern zu bestücken. Klar, dass auch der Kapitän im DFB-Dress Pfälzer war. Fritz Walter führte die als krasser Außenseiter gehandelte deutsche Elf zum ersten WM-Titel. Abschließend zum Schnapszahljubiläum sei an das verrückteste Bundesligaspiel des FCK erinnert. Am 20. Oktober 1973 lag man im eigenen Betzenberg-Stadion nach knapp einer Stunde 1:4 zurück. Am Ende stand es 7:4 für die Heimmannschaft. Leidtragender war der Lieblingskonkurrent aus München.

Die Bayern waren keineswegs mit einer Ersatzelf angetreten. In ihren Reihen standen die späteren Weltmeister Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Gerd Müller – und der heutige Präsident Uli Hoeneß.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Weg vom Nowinski-Image

Mittwoch, 1. Juni 2011

Basketball ist bei uns eher eine Randsportart. Wenn dieser Tage dennoch viele Fans und Journalisten das Spiel zwischen den beiden in 3,05 Metern Höhe aufgehängten Körben verfolgen, noch dazu im fernen Amerika, liegt das an einem einzigen Mann.

Dirk Nowitzki wurde vor knapp 33 Jahren (am 13. Juni hat er Geburtstag) in Würzburg geboren und ist Deutschlands erfolgreichster Korbjäger. In der Rangliste der erfolgreichsten Werfer der nordamerikanischen Basketball-Liga belegt er derzeit Platz 23. Aus den bislang erzielten knapp 23000 Punkten - ein Durchschnitt von 23 pro Spiel - könnten in drei durchaus möglichen weiteren Karrierejahren, den bisherigen Saisonschnitt von rund 1750 Treffern zugrunde gelegt, so viele werden, dass ein Sprung in die Top Ten winkt. Dabei lässt sein in der Fremde erworbener Spitzname anderes vermuten: In der NBA firmiert Dirk als No-win-ski, weil er in mittlerweile dreizehn Profijahren noch keinen Titel gewonnen hat. Das liegt freilich nicht nur an ihm. Sein Team, die Dallas Mavericks, haben noch nie die Meistertrophäe nach Texas geholt.

Einmal waren sie sehr nahe dran. Im 2006er Finale gegen die Miami Heat hatten die Mavericks die beiden ersten Partien gewonnen - und danach alle restlichen verloren. Dieses Jahr ist es wieder so weit: Dallas hat es ins Endspiel geschafft, und der Gegner heißt - Miami Heat. In der Nacht zum heutigen Mittwoch fand in Miami das erste von maximal sieben Endspielen statt. Die Heat gewannen 92:84, trotz 27 Punkten von Dirk Nowitzki.

Morgen ist Christi Himmelfahrt, dann erscheint unser Newsletter nicht. Der nächste Small Talk-Tipp wartet auf Sie am Mittwoch, den 8. Juni.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nur noch drittklassig

Montag, 16. Mai 2011

Vor acht Jahrzehnten waren die bedeutendsten Fußballnationen Europas andere als heute. Engländer und Schotten gaben damals den Ton an. Letztere beispielsweise hatten bis zum 16. Mai 1931 außerhalb der britischen Insel kein einziges Spiel verloren.

Dann reisten sie nach Wien. Im 19. Bezirk wurde den Ballkünstlern eine angemessene Bühne bereitet. 40 000 Zuschauer gaben in einem in den Hang der Hohen Warte gebauten Naturstadion eine prächtige Kulisse ab. Doch nicht der Auftritt der Schotten geriet zum unvergessenen Ereignis. Mit 5:0 gewannen die von Hugo Meisl trainierten Gastgeber. Es war die Geburtsstunde des so genannten Wunderteams. Gleich im nächsten Auswärtsspiel wurde der Ruf zementiert: In Berlin besiegten die Österreicher eine Woche später die Deutschen mit 6:0. Längst war in den Wiener Clubs das Profitum eingeführt und für die besten Vereine eine Eliteliga eingerichtet worden. Da konnte der in jeder Hinsicht amateurhafte Deutsche Fußballbund mit seinen dezentralen Strukturen nicht mithalten. Zwei volle Jahre lang beherrschten Österreichs Balltreter Europas Plätze.

Vielleicht wäre man 1934 sogar Weltmeister geworden, hätte im Halbfinale von Mailand kein Schwede gepfiffen. Schiedsrichter Ivan Eklinds Sympathien gehörten eindeutig den Gastgebern. Einmal hielt es der so genannte Unparteiische gar für nötig, einen Flankenball höchstpersönlich aus der Gefahrenzone der Italiener zu köpfen. Ein ähnliches Schicksal für sich selbst konnte Eklind verhindern, indem er für die Rückreise eine andere Route als die übliche über Österreich wählte. Wenn am 3. Juni die deutsche Elf zum Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft in Wien antritt, muss sie sich wegen des Gegners kaum Sorgen machen. In Europa sind die Österreicher allenfalls drittklassig. Gleiches gilt für das Stadion Hohe Warte. Dort kickt der First Vienna Football Club in einem traurigen Funktionsbau, der nur noch maximal 4000 Zuschauern Platz bietet. Doch selbst die kommen nicht alle, wenn die Vienna ihre Heimspiele austrägt.

Kein Wunder, dass der älteste und traditionsreichste österreichische Fußballclub – sechsmal wurde man Meister – diese Saison höchstwahrscheinlich in die dritte Liga absteigt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Als die Fahrräder aus den Niederlanden verschwanden

Donnerstag, 5. Mai 2011

Niederlands Fußballer haben erst einmal einen Titel gewonnen – und den ausgerechnet beim Erzrivalen. Das war bei der Europameisterschaft 1988 in Deutschland. Im Endspiel besiegten die Oranjehemden die Sowjetunion mit 2:0. Vorher waren sie im Halbfinale auf die Gastgeber getroffen.

Während der Begegnung hielt ein niederländischer Fan ein Transparent hoch: „Opa, ich habe dein Fahrrad gefunden!“ Darüber konnten unsere Nachbarn herzlich lachen. Die meisten Deutschen verstanden die Anspielung nicht. Dabei hat die Geschichte einen sehr ernsten Hintergrund: Im Zweiten Weltkrieg war die deutsche Wehrmacht im westlichen Nachbarland eingefallen und hielt es anschließend fünf Jahre lang besetzt. Während dieser Zeit wurden sämtliche Fahrräder beschlagnahmt. Mit einer solchen Maßnahme wollten die Deutschen die Mobilität der Bevölkerung einschränken und so der erwarteten Partisanengefahr einen Riegel vorschieben. Wenn Sie einmal ein gutes und spannendes Buch lesen möchten, das die dunkle Besatzungszeit behandelt, empfehle ich Ihnen Das Attentat von Harry Mulisch.

Erst am 6. Mai 1945 war für die Niederländer der Spuk zu Ende. In Gedenken an jenes unrühmliche Kapitel in der Beziehung der beiden Völker und in der Hoffnung, das sich die Geschichte nicht wiederholt – nicht in den Niederlanden und auch nicht in einem anderen Teil der Welt – feiern unsere Nachbarn heute in bewusst pazifistischer und keineswegs revanchistischer Ausrichtung ihren Befreiungstag.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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