Als wäre das Erdbeben nicht schon schlimm genug gewesen, raste einen Tag später eine Flutwelle auf die chilenische Pazifikküste zu. Seismologen hatten zuvor darauf hingewiesen, die Bevölkerung war vorbereitet – und nahm zum Glück die Entwarnung der Meteorologen nicht ernst. Wenigstens hatte Chile durch den Tsunami kaum weitere Opfer zu beklagen.
Außer vielleicht, der Scherz sei erlaubt, die Wetterfrösche: Die befinden sich seitdem in einer handfesten Krise. Damit sind die chilenischen Meteorologen nicht allein. Auch ihre britischen Kollegen gelten seit einiger Zeit als chronisch unzuverlässig. Zugegeben, es ist nicht einfach, für die wetterwendische Atlantikküste zutreffende Prognosen abzugeben. Die Politik des Meteorological Office tut ein übriges: Das staatliche Wetteramt hatte seinen Ansagern doch tatsächlich eine geschönte Sprache beim Wetterbericht empfohlen (siehe unseren Newsletter vom 25. Oktober 2005 „Geschönte Wetterberichte in London“).
Nun rudert eine andere staatliche Einrichtung zurück. Die BBC erwägt, den seit 1927 bestehenden Vertrag mit dem amtlichen Wetterdienst nicht zu verlängern. Der Grund: Nach zahlreichen groben Fehlprognosen schenken drei von vier Briten der Wettervorhersage keinen Glauben mehr. Wenn es auf der Insel so weitergeht mit dem Misstrauen in Institutionen, schaffen sie demnächst das Königshaus ab.
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„Das Wirtschaften im Internet steht im Mittelpunkt der weltgrößten Computermesse Cebit“, schreibt das Nachrichtenmagazin Spiegel online: „Beim Zugang zum Internet hingegen liegen kleine Endgeräte im Trend. Wenn dann auch die Bedienung der Technik endlich einmal einfacher wird, kann sich der allseits vernetzte Mensch so selbstverständlich im Internet tummeln wie der Fisch im Wasser.“ Heute beginnt in Hannover die Cebit, doch der Bericht von Spiegel online ist bereits 10 Jahre alt.
Dem ersten Anschein nach hat sich nicht so viel verändert, denn im Mittelpunkt der Computermesse 2010 steht – neben der Datensicherheit – das Wirtschaften im Internet, diesmal per mobilem Gerät. „Die Cebit 2000“, jubelte die Messegesellschaft am Ende der damaligen Veranstaltung, „hat alle Rekorde gebrochen“: Eine dreiviertel Million Besucher verteilten sich in den Hannoveraner Hallen auf 7800 Firmenstände. Inzwischen ist die Begeisterung merklich abgekühlt: Nur noch 6 Tage dauert die Messe, die Zahl der Aussteller ist um ein Drittel geschrumpft, und die Messe AG würde Freudentänze veranstalten, kratzte die Schar der Gäste die Halbmillionengrenze.
Das Internet allerdings ist gegenüber dem Jahr 2000 sehr wohl mobiler geworden. Fast schon ist der Mensch auf das zur mobilen Kommunikation notwendige handliche Gerät so angewiesen wie der Fisch auf das Wasser.
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„Neben den Anstrengungen der Werbewirtschaft“, meinte der US-Krimiautor Raymond Chandler, „ist Schach die größte Verschwendung menschlicher Intelligenz.“ Der Satz stimmt so nicht mehr: Inzwischen verschwenden auch Computer ihre Intelligenz an diesen Sport (siehe unseren Newsletter vom 11. Mai 2007 „Mensch gegen Maschine“).
Bevor die Elektronenhirne die Macht im Schach übernahmen – heute vor vierzehn Jahren besiegte mit Deep Blue erstmals in einer Partie ein Computer einen amtierenden Weltmeister (obwohl Kasparow die Serie noch mit 4:2 für sich entscheiden konnte) – nahmen Russen die Rolle der Schachmaschine ein: Von 1948 bis 2007 stellten sie ununterbrochen die Weltmeister – mit Ausnahme der Jahre 1972 bis 1975, als das Spiel dem Amerikaner Bobby Fischer die Krone aufsetzte.
Von Fischer stammt übrigens der Ausspruch: „Schach ist ein geistiges Catch-as-catch-can, bei dem sich nur der Brutale durchsetzen kann.“ Zu Sowjetzeiten besaßen die Russen den Ruf, besonders brutal zu sein. Davor hatten ihn die Deutschen. Kein Wunder, dass von 1894 bis 1921 der Schachweltmeister einer der ihren war, in Person des studierten Mathematikers Emanuel Lasker. Länger als diese 27 Jahre hat sich niemand an der Spitze des gehobenen Brettsports gehalten, auch weil Lasker heute vor 100 Jahren erst mit einem Sieg in der allerletzten Partie seinen Titel gegen den österreichischen Herausforderer Karl Schlechter verteidigen konnte.
Um einen alten Ka(r)lauer zu bemühen: Karl war nicht schlechter, doch das 5:5-Remis reichte dem Titelträger. Wenigstens stammt der aktuelle Schachweltmeister aus einer Nation, der seit Mahatma Gandhis Zeiten eher ein Hang zum Pazifismus nachgesagt wird: Der Inder Viswanathan Anand eroberte vor drei Jahren den Schachthron.
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Die Leidenschaft für die Pflanzen hatte er vom Vater geerbt. Der züchtete Obstbäume, die er durch Aufpfropfen von Reisern anderer Sorten veredelte. Obwohl die Eltern einfache, ihrem Gutsbesitzer tributpflichtige Bauersleute waren, besuchte der 1822 geborene Sohn die höhere Schule und schloss daran sogar ein Philosophiestudium an. Eine brotlose Kunst, da der frischgebackene Absolvent sich alsbald „gezwungen sah, in einen Stand zu treten, der ihn von den bitteren Nahrungssorgen befreite.“
Der junge Mann bekam eine Mönchskutte und einen zweiten Vornamen verpasst: Statt Johann hieß er jetzt Gregor. Das Augustinerkloster vor den Toren des mährischen Brünn erwies sich jedoch als Glücksfall: Hier konnte Gregor ungestört seiner alten Leidenschaft frönen: den Pflanzen. Es gab ein Herbarium, meteorologische Messinstrumente und eine Bibliothek mit 20 000 Bänden. Er experimentierte mit Erbsen, kreuzte rot- mit weißblühenden und beobachtete, wie sich die Blütenfarben weitervererbten. Die Nachkommen der ersten waren allesamt rot. Dann kreuzte Mönch Gregor die roten untereinander, und, oh Wunder, ein Teil der neuen Pflanzen war wieder weiß. Es gab also dominante und rezessive Anlagen, und daraus leitete unser Mönch die erste seiner insgesamt drei Vererbungsregeln ab.
Heute vor 145 Jahren veröffentlichte er die Ergebnisse im von ihm mitgegründeten Naturforschenden Verein. Die Reaktionen der vierzig Zuhörer waren skeptisch – und blieben es, nachdem in den nächsten Jahren eine weitere Versuchsreihe mit Habichtskraut scheiterte. Da war Gregor schon Abt des Klosters, und die Zeit für Forschungen wurde knapper Dennoch machte er weiter: „Ich bin überzeugt“, meinte er selbstbewusst, „dass es nicht lange dauern wird, da die ganze Welt die Ergebnisse dieser Arbeiten anerkennen wird.“ Gregor Mendel sollte Recht behalten.
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Der Erfinder der Glühbirne, das wissen die Leser dieses Newsletters, heißt Jára Cimrman und kommt aus Prag (siehe unsere Ausgabe vom 12. Oktober 2007 „Der Erfinder der Glühbirne, des Joghurts und des Panamakanals“). Sie wissen auch, dass der geniale Tscheche vergessen hatte, sein Patent anzumelden. Wegen dieses Versäumnisses kam ein gewisser Thomas Alva Edison heute vor 130 Jahren in den Genuss dieser Erfindung. Doch auch hinter dem US-Genie steckt eine gute Geschichte. Im Gegensatz zu allem, was über Jára Cimrman erzählt wird, besitzt sie sogar den Vorteil, der Wahrheit zu entsprechen.
Thomas Alva Edison war es nicht in die Wiege gelegt, später einmal eine große Leuchte zu werden. Diese Aussichten sollten sich in den folgenden Lebensjahren kaum verbessern. Nicht, dass Edison ein schlechter Schüler war. Er ging erst gar nicht zur Schule. Deshalb konnte er selbst als Erwachsener keinen Satz fehlerfrei schreiben. Halb so wild, als Naturwissenschaftler musste er sich weniger mit Wörtern als mit Zahlen auskennen. Was Edison half, war seine Beharrlichkeit. „Unsere größte Schwäche“, bekannte er einmal, „liegt im Aufgeben. Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen.“
Tatsächlich war auch Edison nicht der Erfinder der Glühbirne beziehungsweise der Glühlampe. Der Brite Frederick de Moleyns erfand bereits 1841 ein ähnliches Gerät, das jedoch nicht sehr funktionstüchtig war. Andere, bessere Versionen folgten. Doch erst Edison gelang es, eine Glühlampe herzustellen, die haltbarer war, mehr Licht abgab und vor allem viel kostengünstiger war als die damals handelsüblichen Gaslampen.
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Als am 21. Juli 1969 um 4 Uhr 15 mitteleuropäischer Zeit Edwin Aldrin ein Mensch den Mond betrat, begann für ihn eine schwere Zeit. Sein erstes Problem war, dass exakt 19 Minuten zuvor jemand dasselbe getan hatte. Ab da kannte Neil Armstrong jedes Kind; Edwin Aldrin blieb nur als sein Gehilfe in Erinnerung. Noch schlechter erging es Michael Collins: Der durfte zwar zum Mond mitfliegen, den Erdtrabanten aber nicht betreten. Wären alle drei Astronauten gleichzeitig auf dem Mond gewesen, hätte womöglich jemand das verlassene Raumschiff geklaut und wäre mit der Columbia davongedüst.
Nach der Rückkehr zur Erde wartete das nächste Problem auf Aldrin: „Wer auf dem Mond gewesen ist“, stellte er ernüchtert fest, „für den gibt es auf Erden keine Ziel mehr.“ Aldrin verließ die NASA, wurde alkoholabhängig, verfiel in Depressionen. Er raffte sich wieder auf, tüftelte Raumfahrtpatente aus, engagierte sich ehrenamtlich, startete ein zweites Leben – auch indem er ganz offiziell seinen Vornamen Edwin durch seinen Spitznamen Buzz ersetzen ließ.
Und er schrieb Bücher. Eines davon war seine Autobiografie mit dem bezeichnenden Titel Rückkehr zur Erde. Die hat er mittlerweile geschafft; wenn Buzz Aldrin heute seinen 80. Geburtstag feiert, steht er mit beiden Beinen wieder fest im Leben.
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Als Christoph Kolumbus (siehe auch unsere Newsletter vom 19. Mai 2006 „Vor 500 Jahren starb Christoph Kolumbus“ und 9. August 2007 „Eine böse Entdeckung“) einen westlichen Seeweg nach Indien vorschlug, mussten die Portugiesen herzlich lachen. Die Experten von Europas Seemacht Nummer eins wussten, dass die Passage nur um Afrika herum führen konnte, also von ihrer Heimat aus zunächst in südlicher, dann in östlicher Richtung.
Begründet hatte die Tradition Heinrich der Seefahrer. Der viertgeborene Sohn von Portugals König Johann I. schätzte seine Aussichten auf eine Thronfolge realistisch ein. Ihm standen zwei Wege offen: zu warten, bis eine glückliche Fügung, vielleicht in Gestalt der Pest, sämtliche Brüder auf einmal dahinraffen würde, oder lieber gleich das Feld zu räumen. Heinrich zog in die Provinz, nach Sagres, ließ am südwestlichsten Kap Europas eine Sternwarte bauen und versammelte die besten Kapitäne des Landes um sich. Von dort rüstete er, der selber nie zur See fuhr, immer wieder Expeditionen aus. Die Schiffsführer navigierten nicht nur bei klarem Himmel, sondern mit Kompass plus Winkelmessgerät zur Breitenbestimmung und konnten sich auf die jeweils aktuellsten Seekarten verlassen. Bis zu Heinrichs Tod im Jahr 1460 erschlossen die Portugiesen Madeira, die Kanarischen und Kapverdischen Inseln und Afrika bis zur Küste von Guinea.
Heute vor 555 Jahren gab Papst Nikolaus V. in seiner Bulle Romanus Pontifex dem portugiesischen Unternehmen den allerhöchsten Segen. Die Vorlage nutze schließlich Vasco da Gama, als er 1498 erstmals auf einem Schiff von Lissabon kommend den indischen Hafen Calicut erreichte. Selbstverständlich umfuhr er dabei die Südspitze Afrikas.
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Heute vor 20 Jahren bekamen die Pisaner – ebenso wie die Touristen der berühmten Stadt in der Toskana – einen gehörigen Schrecken: Ihr Turm hatte sich noch stärker geneigt, als dies ohnehin der Fall ist. Um letzteren zu verhindern, sperrten die Ratsherren ihren Fremdenverkehrsmagneten für alle Besucher.
Rund eineinhalbtausend Kilometer weiter nördlich hätte ein solches Ereignis niemanden geschreckt, obwohl es auch dort einen schiefen Turm gibt. Der steht in Suurhusen, einem Dorf in unmittelbarer Nachbarschaft von Emden. Ostfriesen wird nachgesagt, dass sie stoischer sind als Italiener. Hier liegt vermutlich ein Grund, warum ihr Turm noch nicht Weltbekanntheit erreicht hat. Immerhin hat er es bereits ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft, als schiefster Turm der Welt. Zum Vergleich: Während das Bauwerk von Pisa eine Neigung von 4,43 Grad aufweist, verbeugt sich der Suurhuser Kirchturm stolze 5,07 Grad Richtung Erdoberfläche.
Wenn Sie mehr über das merkwürdige Gebäude erfahren wollen, besuchen Sie doch einmal die Webseite von Wilhelm Janssen: www.wilhelm-janssen.de. Und erzählen Sie im nächsten Smalltalk davon: Bei einem, dem aktuellen Wetter nur halbwegs entsprechenden Schneeballeffekt wird Pisa in ein paar Jahren nur noch im Zusammenhang mit Bildungspolitik erwähnt werden.
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Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer, vor 10 Jahren wurde sie an anderer Stelle wiederaufgebaut: aus Karten. Na ja, nicht ganz: Was am 6. November 1999 im Casino am Potsdamer Platz aus 91.800 Spielkarten entstand, war keine Mauer, sondern ein komplettes Gebäude. 131 Stockwerke wies es auf und kam auf eine Höhe von 7,71 Meter. Das brachte seinem Konstrukteur, dem US-Amerikaner Bryan Berg, einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.
Ein Video von Bergs Weltbestleistung können Sie sich auf Youtube anschauen: www.youtube.com. Bergs Homepage finden Sie unter www.cardstacker.com; leider ist sie nur auf Englisch. Doch die Abbildungen sprechen für sich: Berg schichtet nicht nur Karten zu profanen Häusern übereinander, sondern schafft wahre Kunstwerke.
Wollen Sie es auch probieren? Dann klicken Sie auf die FAQ-Leiste: Dort finden Sie wertvolle Tipps, wie Sie ein Kartenhaus bauen, das nichts so leicht zusammenfällt.
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Das erste tragbare Mobiltelefon, schrieben wir in unserem Newsletter vom 19. Juni 2009 „Das erste Mobiltelefon“, wog 18 Kilo und passte allenfalls in einen Trekking-Rucksack. Heute vor 25 Jahren kam endlich eine Version auf den Markt, die in der Jackentasche Platz hatte. Allerdings nur in einer reißfesten: Das Dynatac 8000X von Motorola wog 800 Gramm und damit ein Fünftel weniger als ein Paket Mehl.
Es war länger als das längste Lineal, das Sie, wenn Sie nicht gerade in einem Architektur- oder Zeichnerbetrieb arbeiten, auf Ihrem Schreibtisch finden werden: 33 Zentimeter maß es, war knapp neun Zentimeter breit und viereinhalb Zentimeter dick. Es eignete sich nicht nur zum schnurlosen Ferngespräch – eine Stunde konnten Sie mit dem Gerät telefonieren – sondern auch zur Abwehr von Feinden auf dem Weg vom und ins Büro.
Allerdings wäre diese Form der Selbstverteidigung ganz schön ins Geld gegangen: Ein neues Dynatac 8000X kostete seinerzeit knapp 4.000 US-Dollar, was beim damaligen Kurs mehr als 11.000 D-Mark entsprach. Den Kunden schien’s egal: Ein Jahr nach dem Verkaufsstart hatte Motorola bereits 300.000 Exemplare verkauft.
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