Archiv für Kategorie ‘Tiere’:

Haiterer Small Talk zum Welttierschutztag

Montag, 29. September 2014

Tiere sind immer ein dankbares Thema für den Small Talk. Einen Aufhänger liefert der Welttierschutztag, der am Wochenende ansteht, genauer: am 4. Oktober. Er geht auf Franz von Assisi zurück. Der Gründer des Franziskanerordens sah die Tiere als Brüder und Schwestern der Menschen an – und beschränkte sich dabei nicht nur auf Haus und Kuscheltiere.

Wie der Heilige Franz zu der Spezies gestanden hat, die wir Ihnen heute näherbringen möchten, ist nicht bekannt. Wohl aber die Einstellung seiner Mitmenschen: Zwar haben die wenigsten bislang ein Exemplar jener exotischen Tierart zu Gesicht bekommen, doch steht ihr Urteil fest: Das in allen Meeren beheimatete Ungeheuer mit der rauen Haut, der aus dem Wasser ragenden Rückenflosse und den vielen spitzen Zähnen flößt ihnen Angst und Widerwillen ein. Die Rede ist vom Hai.

In schöner Regelmäßigkeit erscheinen im Nachrichtenportal Spiegel online Meldungen über Attacken auf Menschen. Die kommen zwar nicht sehr häufig vor. Dafür sind sie umso spektakulärer. Und lassen sich trefflich schildern und vermarkten. Geben Sie doch mal in google die Begriffe “Spiegel” und “Hai” ein!

Doch eignet sich der gefräßige Räuber auch für den Small Talk? Warum nicht, wenn die Vorfälle, die sein unbändiger Appetit heraufbeschworen hat, nicht gar zu blutrünstig sind. Ein weiterer Vorteil solch haiterer Gespräche: Die Unfälle ereignen sich meist in Australien oder Südafrika. Diese südlichen Länder sind ist weit genug von uns weg, um in einer Small Talk-Runde für Betroffenheit zu sorgen. Im Gegenteil sorgen sie für den Schuss Exotik der jeder Unterhaltung gut tut.

Noch mehr profitiert Ihr Small Talk, wenn zur Exotik noch ein Schuss Humor kommt. Das gelingt Ihnen mit einer Anekdote um einen auch hierzulande recht beliebten französischen Tierfilmer: Jacques Cousteau faszinierte sein Publikum, indem er sich unter ein Rudel Haie mischte. Munter schwamm er zwischen den Raubfischen herum, deren Gebiss mehr Zähne aufweist als das von Oliver Kahn. Einmal wollte ein Reporter wissen, ob Cousteau wirklich keine Angst habe. Der Forscher antwortete: „Mit den Haien ist es dasselbe wie mit den Menschen: Man muss sie kennen. Oft genügt schon das Wissen um eine einzige Kleinigkeit, um sich vor Angriffen zu schützen.“ Welche Kleinigkeit mache ihn denn so sicher, fragte der Medienmann giftig nach. Cousteau entgegnete nonchalant: „Die Tatsache, dass sie bereits gegessen haben.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Eine Erfolgsgeschichte zweier Einwandererfamilien

Freitag, 11. April 2014

„Gemäß § 60 des Jagdgesetzes erteile ich die Genehmigung, dass im Forstamt Vöhl im Distrikt der Försterei Asel 2 Paare Waschbären ausgesetzt werden. Ich ersuche, die Tiere genau zu beobachten und mir nach Ablauf eines Jahres zum 1. April 1935 Bericht zu erstatten, wie das Verhalten der ausgesetzten Tiere gewesen ist, und ob irgendwelche forstwirtschaftlichen oder sonstige wirtschaftliche Schäden durch die ausgesetzten Waschbären entstanden sind.“

Walter von Keudell, als Landjägermeister direkter Untergebener des Reichsjägermeisters Hermann Göring, nahm Bezug auf ein heute vor 80 Jahren gestartetes Experiment. Was würde, fragte sich der aus einem alten hessischen Adelsgeschlecht stammende Forstbeamte, aus den 4 aus Nordamerika eingeführten Pelzträgern werden, die man in seiner alten Heimat, am Edersee südwestlich von Kassel, ausgewildert hatte? Eine Erfolgsgeschichte!

Zumindest aus Sicht der Einwanderer mit den schwarzweiß geringelten Schwänzen: Längst ist der Waschbär in Hessen zu Hause und hat sich auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg ausgebreitet. Wie viele Exemplare insgesamt in Deutschland leben, entzieht sich der genauen Kenntnis. Einen Anhaltspunkt liefert die Statistik des Deutschen Jagdverbandes, der zu Folge 2012/2013 erstmals mehr als 100 000 Waschbären erlegt wurden - die 30-fache Menge der Abschüsse ein Jahrzehnt zuvor.

Selbst in Großstädten sind die Anpassungskünstler heimisch geworden. In Kassel etwa tummeln sich rund 50 Waschbären auf einem Quadratkilometer. Leider richten die Räuber, wie vom damaligen Landjägermeister befürchtet, immense Schäden an - vor allem bei der Jungbrut anderer Arten. Neben Obst, Eicheln, Nüsse und Bucheckern stehen bei den Allesfressern auch Regenwürmer, Insekten, Fische, Frösche, Mäuse, Ratten, Igel sowie Enten und Hühner und deren Eier auf dem Speiseplan.

Ihren Namen haben die etwa einen dreiviertel Meter langen Kleinbären aus der Angewohnheit, ihr häufig im oder am Wasser gefundenes Fressen vor dem Verzehr mehrfach zwischen den Vorderpfoten zu drehen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Steller und seine Seekuh

Dienstag, 4. März 2014

Gestern war Rosenmontag. Gestern war auch der Tag des Artenschutzes. Wir haben uns für die menschlichen Exoten entschieden, die Narren Narren sein und unseren Newsletter nicht erscheinen lassen. Die Tiere kommen heute zu ihrem Recht. Am 4. März 1973 wurde das Washingtoner Artenschutzabkommen unterzeichnet. Es reglementiert - und verbietet gegebenenfalls - den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen, damit das Überleben einer jeden Art gesichert werden kann.

Dem Abkommen sind weltweit 177 Staaten beigetreten. Für viele Tierarten freilich ist das Abkommen zu spät gekommen. Ähnlich wie unser Newsletter, der wegen des Rosenmontags ein Thema von gestern als Bezug hat. Entsprechend möchten wir heute einer Tierart von gestern gedenken. Haben Sie schon mal von der Seekuh gehört? Häufig fällt ihr Name in Zusammenhang mit ihrem Entdecker. Georg Wilhelm Steller hat die Seekuh zwar nicht entdeckt; es gab sie schon, bevor der Forscher seinen Fuß auf die östliche sibirische Halbinsel Kamtschatka setzte. Von Steller stammt aber die erste wissenschaftliche Beschreibung des Meeressäugers.

„Dieses Thier hält sich nur allein im Meer auf, und nicht auf dem Lande, wie einige fälschlich schreiben, welche die Erzählungen der Seefahrer unrecht verstanden haben müssen, wenn diese berichtet haben, dass dasselbe an den Meerufern und Flüssen grase. Es ist dadurch kein Gras zu verstehen, das auf dem Lande wächset, sondern Meergras, und was noch unter dem Meer, in der Gegend des Ufers, wächset.“

Stellers Begegnung mit der Seekuh an einem Sommertag des Jahres 1742 stand unter keinem guten Stern. Für die Seekuh. Ihr argloses Wesen bescherte der Art den Untergang: „Diese unersättliche Thiere fressen ohne unterlaß, und haben vor allzu vieler Freßbegierde den Kopf beständig unter dem Wasser; also daß sie sich wenig um ihr Leben und Sicherheit bekümmern, und man auch mit einem Kahne oder gar nacket, mitten unter ihnen schwimmen [kann].“

Bald war kein Exemplar mehr am Leben. Die Einheimischen jagten die Tiere für ihren täglichen Bedarf, die Zugereisten, weil sie sich satte Gewinne erhofften. Der Ertrag, den Fett, Fell und Fleisch der Tiere lieferten, war überaus lukrativ. Ein Vierteljahrhundert nach Stellers Beschreibung endete die letzte Seekuh harpuniert, erschlagen und zerstückelt im Kochtopf gieriger europäischer Jäger.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Pavel Šustr, bitte übernehmen Sie!

Donnerstag, 6. Februar 2014

Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass zwischen Bayer- und Böhmerwald die Grenze fiel. Bis dahin trennte nicht nur eine gedachte Linie Ost und West, die Tschechoslowakei und die Bundesrepublik Deutschland, Böhmen und Bayern.

Zweibeiner konnten den so genannten Eisernen Vorhang nur mithilfe ihrer Flügel überwinden, Vierbeiner gar nicht. Für die Hirsche im Böhmerwald scheint die Barriere fortzubestehen, obwohl sie physisch nicht mehr existiert. Der Zoologe Pavel Šustr aus dem südböhmischen Vimperk fand mittels Funkbändern, die er seinen Versuchsobjekten um den Hals band, und deren Aufzeichnungen heraus, dass die Hirsche auf der tschechischen Seite genau bis zu der Stelle laufen, wo früher Stacheldraht den Sperrbereich vor der Staatsgrenze markierte. Dann kehren sie um. Wie das kommt?

Vermutlich haben die Hirschkühe die willkürliche Abgrenzung ihres Territoriums durch eine totalitären Überwachungsstaat an ihre Nachkommen weitergegeben. Offenbar hat sich der Umkehrdrang im Verhalten des Rotwilds manifestiert. Beim Elch ist es anders. Der trägt bekanntlich auch ein Geweih, aber mit weniger darunter als der Hirsch. So kommt es wohl, dass Elche sehr häufig und in Ignoranz des früher auch dort sehr präsenten Eisernen Vorhangs nach Österreich rübermachen (siehe auch unseren Newsletter vom 20. April 2012: Kompromisse abseits der Sinnhaftigkeit - aber elchgerecht!).

Nach Bayern wandern sie nicht. Welchen Grund diese Zurückhaltung nun wieder haben könnte? Liegt es vielleicht daran, dass Bayerns seinerzeit einziger Elch, ein aus dem Böhmerwald eingewandertes Exemplar, Opfer eines Verkehrsunfalls wurde? In diesem Fall hätten die Elche doch kein so schlechtes kollektives Gedächtnis. Höchste Zeit also, auch den Schaufelträgern einen Peilsender zu verpassen und ihr schlechtes Image zu korrigieren! Eine Aufgabe für den Zoologen aus dem Böhmerwald? Magister Šustr, převzíte prosím!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Höfliche Hyänen

Montag, 20. Januar 2014

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, lautete einmal eine der in diesem Newsletter zum Besten gegebenen Weisheiten (siehe unsere Ausgabe vom 6. September 2011: Die Folge eines Misserfolgs).

Um sogleich konterkarikiert zu werden: Der Monarch, der an diesem Tag vorgestellt wurde, hatte diese Maxime alles andere als beherzigt, was sich für einen gewissen Wolfgang Amadeus Mozart sehr nachteilig auswirken sollte.

Heute freilich möchten wir keinem Menschen, sondern einem Tier die Ehre erweisen - genauer gesagt einem Vierbeiner und Fellträger, dem Höflichkeit allgemein nicht nachgesagt wird. Vielleicht kennen Sie aus Ihrer Schulzeit noch die folgende Passage aus Friedrich Schillers Lied von der Glocke: „Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz, noch zuckend, mit des Panthers Zähnen, zerreißen sie des Feindes Herz.“

Würde ein Dichter unserer Tage diese Zeilen schreiben, wäre ihm Protest nicht nur von Frauen sicher. Auch Tüpfelhyänen würden vermutlich Einspruch gegen die diskriminierende Darstellung erheben. Durchaus zu Recht, wie Biologen vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin feststellten, nachdem sie ein Rudel übel beleumundeter Savannenbewohner aus dem ostafrikanischen Tansania näher untersucht hatten.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Hyänenmännchen, die auf der Suche nach einer Partnerin auf Takt und Stil setzen, größere Chancen besitzen, deren Herz zu erobern und beim Nachwuchszeugen zum Zug zu kommen. Aggressives Verhalten wie Beißen oder gar sexuelle Belästigung wollten die Hyänenweibchen beim anderen Geschlecht partout nicht mehr tolerieren. Gut kamen bei ihnen dagegen freundliche Gesten und Rituale wie Grüßen, angebotene Fellpflege und gewährter Vortritt beim Einnehmen der Mahlzeit an.

Wie heißt es so schön in Schillers Glocke: „Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten.“ Das gilt ganz besonders für die Bildung zwischenhyänischer, aber auch zwischenmenschlicher Beziehungen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Tiere und Tierschutz als Small Talk-Thema

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Tiere sind immer ein dankbares Thema für den Small Talk. Einen Aufhänger liefert Ihnen der Welttierschutztag am 4. Oktober. Er geht auf Franz von Assisi zurück. Der Gründer des Franziskanerordens sah die Tiere als Brüder und Schwestern der Menschen an. Daher ist er auch Schutzpatron der Tiere.

Fragen Sie Ihren Gesprächspartner im Small Talk, ob er ein Haustier hat. Falls ja, wird er Ihnen gerne darüber erzählen. Falls nicht, fragen Sie ihn, ob er Tiere mag. Die Antwort fällt in den meisten Fällen positiv aus. Es sei denn, Ihr Gegenüber heißt W. C. Fields (siehe unseren Newsletter vom 18. September: Fisch schwimmt, Mensch läuft ).”

Der Welttierschutztag war dem bärbeißigen Komiker vermutlich schnuppe. Doch hätte Fields ihn begehen können: Es gibt den Welttierschutztag schon seit 1931. Noch länger besteht der Deutsche Tierschutzbund. Er wurde bereits im Jahr 1881 gegründet. Inzwischen weist er mehr als 800 000 Mitglieder auf.

Seit 2002 hat der Tierschutz in Deutschland Verfassungsrang, denn er ist im Grundgesetz verankert. Im Artikel 20a heißt es: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Nun sind in der Verfassung garantierte Rechte und Verfassungswirklichkeit noch lange nicht dasselbe. Wer setzt diese Rechte durch? Mit welchen Sanktionen können Verstöße geahndet werden? Und werden sie tatsächlich geahndet? Was ist mit Tierversuchen? Sollen sie weiter erlaubt sein? Wie steht es mit der Massentierhaltung? Wie lange dürfen Tiertransporte dauern?

Diese und andere Fragen entzweien die Tierschützer und Tiernutzer, sorgen aber immerhin für reichlich Gesprächsstoff im Small Talk. Dessen letztes Wort gebührt einem Weisen, der nicht aus dem Morgenland, sondern aus der lange Zeit so genannten Neuen Welt stammt. Der Häuptling der Cree-Indianer, Seattle, gab einst zu bedenken: „Was ist der Mensch ohne Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht: Es geschieht bald auch den Menschen.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Säugetier mit Q?

Montag, 12. August 2013

Kennen Sie ein Säugetier, das mit Q anfängt? Im vorletzten Jahrhundert hätten Sie diese Frage noch mit Ja beantworten können. Da lebten im heutigen Südafrika und Namibia gestreifte Huftiere, die aufgrund ihrer äußeren Erscheinung als „Mischform aus Pferd und Zebra“ bezeichnet wurde.

Mit Pferden hatten die Quaggas jedoch wenig gemein, und streng genommen waren sie noch nicht einmal eine Zebraart, sondern eine Unterart der mit diesen Tieren verwandten Steppenzebras. Beim Quagga, ist im vierten Band der 1918er Ausgabe von Brehms Tierleben zu lesen, „war die Streifung nur noch an Kopf und Hals vorhanden, der übrige Körper war einfarbig braun.“

Bereits das damalige Standardwerk war bezüglich des Quaggas gezwungen, die Vergangenheitsform zu verwenden, und stellte mit Bedauern fest, dass die Art „leider schon vollständig ausgerottet ist.“ Die Autoren schoben alles auf die niederländischen Kolonialisten an der Südspitze Afrikas: „Die früher häufigen Tiere wurden von den Buren, die sich gewöhnt hatten, in Quaggahäute ihr Getreide zu füllen, schonungslos vernichtet.“

Nicht ganz schuldlos werden auch die zur gleichen Zeit im heutigen Namibia siedelnden deutschen Einwanderer gewesen sein, obwohl ihre Kolonie Deutsch-Südwestafrika offiziell erst 1884 aus der Taufe gehoben wurde. Da war das letzte Quagga schon tot. Es starb heute vor 130 Jahren im Amsterdamer Zoo.

Davon, dass die Steppenzebras sehr wohl ins Beuteschema deutscher Großwildjäger fielen, zeugen die aktuell noch existierenden rund zwei Dutzend ausgestopften Exemplare. Fast die Hälfte von ihnen haben hierzulande ihre letzte Heimat gefunden, kurioserweise vor allem in Hessen: Stolz weisen die naturkundlichen Museen zu Darmstadt, Frankfurt, Mainz und Wiesbaden insgesamt 6 Quaggas auf.

Nicht so stolz sind die Biologen der Internationalen Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen, deren englisches Kürzel IUCN lautet. Dort geht man davon aus, dass aktuell jede vierte Säugetierart vom Aussterben bedroht ist.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Hund und Katze

Donnerstag, 8. August 2013

Die Katze ist ein freier Mitarbeiter, der Hund ist ein Angestellter. Würden Katzenliebhaber sagen. Hundehalter sehen die Sache ein wenig anders. Sie freuen sich über ein Haustier, das ihnen treu ergeben ist und zu dem sie ein persönliches Verhältnis aufgebaut haben. Allerdings weist auch dieses nicht selten einen Makel auf.

Darauf deutete der Schweizer Journalist Fritz Herdi hin: „Ein Hund“, monierte der Kläfferkritiker, „ist der einzige Freund, den man sich für Geld kaufen kann.“ Bei einer Katze, so das Argument ihrer Verachter, wäre nicht einmal mit Geld der Aufbau einer engeren Beziehung möglich: Den Stubentigern sei es völlig Wurscht, wer ihnen ihr tägliches Fressen hinstellt. Eine Katze scheint sich solche Ignoranz und Arroganz leisten zu können, wie der Schriftsteller Kurt Tucholsky einmal festgestellt hat. Sie sei das einzige vierbeinige Tier, das dem Menschen eingeredet hat, er müsse es erhalten, es brauche aber dafür nichts zu tun.

Hunde und Katzen wird eine heftige gegenseitige Abneigung nachgesagt. Sie scheint sich auf Hunde- und Katzenhalter übertragen zu haben. Meinte der Philosoph Arthur Schoenhauer noch, seit er die Menschen kenne, liebe er die Hunde. Dem fügte der deutsche Schriftsteller und Aphoristiker Ulrich Erckenbrecht ein maliziöses Bonmot hinzu: „Seit ich die Hunde kenne, liebe ich die Katzen.“

Der 8. August ist Weltkatzentag, weshalb die Parteigänger der Samtpfoten im Streit mit den Hundeliebhabern das letzte Wort haben sollen. Halt, nicht ganz. So wie der Poliziehund, der die These vom besten Freund des Menschen in Frage stellt, gibt es auch bei den Katzen eine Spielart, denen man nicht über den Weg traut. Obwohl dies, wissenschaftlich gesehen, Humbug ist, wie der Zoologe Bernhard Grzimek klarstellte: „Ob eine schwarze Katze Glück bringt oder nicht, hängt allein davon ab, ob man ein Mensch ist oder eine Maus.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der Elch braucht keinen Managementplan …

Dienstag, 18. Juni 2013

… aber der Mensch. Bayern hat ihn seit 2008, den Elch-Managementplan. Und in Brandenburg liegt jetzt der Entwurf für einen solchen vor. Es geht nicht um die Wiederansiedlung des bei Deutschen anscheinen so beliebten Riesenhufers (siehe unseren Newsletter von gestern: Ein Land, in dem sich Elche wohlfühlen?).

Das macht der Elch schon selber, indem er ungefragt von Westpolen nach Brandenburg oder vom Böhmerwald nach Bayern rübermacht. Das darf er auch, denn für EU-Bürger herrscht Freizügigkeit. Oder sollten Vierbeiner von dieser großzügigen Regelung ausgeschlossen sein?

Gut möglich, sonst hätten die Behörden ihr Vorhaben ‘Elch-Wiederansiedlungsplan’ getauft. Nein, es geht, wie die in Berlin erscheinende überregionale Tageszeitung Neues Deutschland in einem Bericht herausgestellt hat, „um den künftigen Umgang mit den Großsäugern - nicht um Ansiedlung oder Förderung des Elchwildes. Im Fokus des Planes stehen vor allem: Die Schäden auf Feldern und in Wäldern, die das bis zu drei Meter lange und 800 Kilogramm schwere Tier verursacht, und die Verkehrssicherheit.“

Ja, der Elch gehört nicht gerade zu den Verursachern von Verkehrssicherheit. Das genaue Gegenteil ist der Fall, und daran ist das unflexible Vieh selber Schuld. „Anders als das scheue Rehwild“ zitiert das Neue Deutschland die Brandenburger Diplombiologin Ina Martin, „haben Elche die dumme Angewohnheit, stehen zu bleiben. Sie sehen die Gefahr eines Autos nicht.“Sie suchen geradezu den Unfall, wie etwa das Exemplar, das im Spätsommer 2012 auf dem Berliner Ring nacheinander mit einem Pkw und einem Lkw zusammenrauschte.

Wie findig die Großhirsche auf der Suche nach einem Kollisionspartner sind, zeigte sich im Spreewald. Dort kam es zu einem Rencontre eines aus Polen eingewanderten Schaufelträgers mit einem der dort gewiss nicht so häufig verkehrenden Linienbusse. Vermutlich hatte der Besucher aus dem Osten vorher extra auf den Fahrplan geschaut, um ja nicht den einzigen an diesem Tag fahrenden Bus zu verpassen. Statt einfach den Takt des Nahverkehrs zu erhöhen, setzt man in Brandenburg zur Erfassung der Elche auf ein so genanntes Monitoring: So hofft man Aufschluss darüber zu erhalten, welch seltsame Pfade die seltsamen Tiere einschlagen. Wildzäune sollen künftig die Richtung vorgeben und Abwege verhindern. Hofft der Landesjagdverband Brandenburg und schlägt gleichzeitig eine aus seiner Sicht noch verlockendere Methode vor: die Erlaubnis zum Abschuss. Alles, um den Straßenverkehr zu schützen, versteht sich.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Land, in dem sich Elche wohlfühlen

Montag, 17. Juni 2013

Die meisten europäischen Elche leben in Schweden. In Skandinaviens einwohnerstärkstem Land teilen sich 600 000 der pferdgroßen Paarhufer den Platz mit neun Millionen Menschen. Etwas komfortabler ist die Situation im östlichen Nachbarland: Hier sind es halb so viele Schaufelträger, die auf annähernd gleicher Fläche fünf Millionen Finnen ausweichen müssen.

Solch vorsichtiges Verhalten ist angeraten, denn die Einheimischen wollen den Riesenhirschen Böses. Im besten Fall sind die Elche in Finnland unbeliebt. Im schlechtesten haben sie bald eine Kugel zwischen den Hörnern. In Deutschland würde es Ihnen vermutlich besser gehen.

Der Popularität des Hornviehs hierzulande geht der Berliner Autor und Skandinavienkenner Rasso Knoller in seinem Finnland-Porträt nach und offenbart profunde Kenntnisse: „Warum lieben die Deutschen die Elche so?“, fragt er sich, leise spekulierend: „Liegt es an den großen Kuschelohren oder der weichen Schnauze, die der Elch scheinbar ständig kussbereit in den Wind hält? Wobei beides - die Ohren wie der Mund - eigentlich einem ganz anderen Zweck dienen, als süß auszusehen. Als Waldtier ist der Elch auf sein Gehör und damit auf große Lauscher angewiesen. Und mit der Muffel, wie der Fachmann die Schnauze bezeichnet, schält er die Rinde vom Baum. Wahrscheinlich müsste man Psychologen bemühen, um herauszufinden, was Deutsche an Elchen derart beigeistert.“

Vielleicht liegt es ja daran, dass wir unseren Wald mit höchstens einer Handvoll Exemplaren teilen müssen. Selbst diese Einzelgänger tauchen nur sporadisch an der Grenze zu Polen oder zu Bayern auf, um bald wieder zu verschwinden. Oder Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden: Zuletzt geschah dies im Spätsommer 2012, als auf dem östlichen Berliner Autobahnring ein Elchbulle zunächst mit einem Personenfahrzeug kollidierte, um anschließend von einem Lastwagen vollends erledigt zu werden.

Der hauptstädtische Tagespiegel, der die Meldung verbreitete, nahm es mit sichtlichem Bedauern zur Kenntnis. In unseren skandinavischen Nachbarländern hätte ein solcher Unfall nur die Jagdleidenschaft befeuert. „Während die Finnen die meiste Zeit des Jahres über die Elchbegeisterung der Deutschen nur milde lächeln“, schreibt Rasso Knoller, „verwandeln sie sich ab Ende September selbst in Elchverrückte. Dann beginnt die Jagdsaison, und jeder finnische Mann, der es zeitlich irgendwie schafft, zieht mit einem Gewehr über der Schulter hinaus in die Wälder. Die Elchjagd ist das Ereignis des Jahres. Von den etwas über 300 000 Elchen werden dann 65 000 zur Strecke gebracht.“

Das gespannte Verhältnis zum Zweibeiner hält das zähe Hornvieh freilich nicht davon ab, sich kräftig zu vermehren. „Trotz der Bejagung“, stellt Knoller fest, „gefällt es den Elchen in Finnland nämlich so gut, dass ihr Bestand zunimmt.“

In Deutschland, wo sich die Bewohner generell weniger entspannt zeigen als in Skandinavien, hat der Elchunfall vom Berliner Ring bereits zu einer leichten Panik geführt. Das Brandenburger Agrarministerium, berichtet der Tagespiegel, sei an einer Bestandsaufnahme interessiert und wolle in nicht allzu ferner Zukunft Empfehlungen zum Umgang mit Elchen herausgeben. Der Managementplan, wie die ministerielle Maßnahme dem Beobachtungsobjekt entsprechend etwas hochtrabend heißt, diene jedoch nicht der Förderung der Wiederansiedlung. So weit scheint die deutsche Liebe zum Elch doch wieder nicht zu gehen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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