Bei den Tieren macht’s die Masse, dass man sie nicht mag. Die einzelne Ratte erscheint dem Menschen als durchaus putzig. Sieht er sich einer ganzen Horde gegenüber – und steht die Meute zudem in Verdacht, Krankheiten zu übertragen oder die Nahrung wegzunehmen – lässt die Sympathie merklich nach.
Wie gut, dass der durchschnittliche Leser dieses Newsletters in Deutschland und nicht im Osten Kanadas beheimatet ist. Die Bundesrepublik gilt nicht gerade als Elchland. Wenn doch einmal eines dieser schaufelförmigen Wesen in teutonischen Wäldern auftaucht, ist ihm die Sympathie eines ganzen Volkes sicher. Auf diesen Newsletter übertragen heißt das: Wenn wieder einmal von unserem gehörnten Freund die Rede ist, erreichen die Redaktion doppelt so viele positive Lesermeldungen wie an normalen Tagen, nämlich zwei. Auf der ostkanadischen Insel Neufundland hingegen leben 120 000, nach anderen Schätzungen sogar 150 000 Elche. Die futtern täglich einen halben Zentner, vorzugsweise in Form junger Fichten und Birken. Das schadet dem Wald und betrübt die Spaziergänger, erfüllt Ökologen mit Sorge und bringt die Anwohner in Rage: „Es gibt zu viele verdammte Elche in Neufundland“, zitiert die Süddeutsche Zeitung einen von ihnen, „sie laufen herum wie die Ratten.“
Ob der Rat helfen würde, es gegenüber den Tieren wie bei den Menschen zu handhaben und das Individuum in den Vordergrund zu stellen? Eher nicht, denn eine mächtige Lobby hat sich in die Phalanx der Elchhasser eingereiht: Nicht weniger als 800 Verkehrsunfälle mit Elchen gab es im vergangenen Jahr auf der Insel.
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Vierbeiner haben einen guten Stand in der Redaktion dieses Newsletters. Von wilden Tieren und ihren domestizierten Vettern war schon öfters die Rede, und eine Art schaffte es sogar, in beiden Kategorien erwähnt zu werden: der Elch. Die in freier Wildbahn lebenden Exemplare gelangten leider fast ausschließlich als Opfer des zunehmenden Straßen- und Schienenverkehrs auf dieses Portal.
Als Haustier wurde der gehörnte Freund des dänischen Astronomen Tycho Brahe porträtiert (siehe dazu unsere Ausgabe vom 27. Juni 2007 „Was macht eigentlich der Elch?“), den eine große Leidenschaft mit seinem Besitzer verband: das Biertrinken. Kein Angst, hier soll keineswegs dem Konsum von Alkohol das Wort geredet werden. Hilfreich für Mensch und Tier ist es allerdings, wenn deren Interessen nicht allzu sehr entgegengesetzt sind. Vegetariern etwa fällt es regelmäßig schwer, für Hund oder Katze fleischhaltige Kost besorgen zu müssen.
Hier bietet sich eine andere Spezies Vierbeiner zur Haltung an, die sich nicht nur an vegetarischen Verzehrrichtlinien orientiert, sondern sogar die noch strengeren Essensregeln der Rohkost-Veganer befolgt. Na ja, nicht ganz: Hauskaninchen müssen noch davon überzeugt werden, dass Tapeten, Teppiche und Türrahmen zwar weder tierische noch gekochte Speisen sind, aber auch nicht unter pflanzliche Nahrungsmittel fallen.
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Tycho Brahe ist schon seit über 400 Jahren tot. Das hindert den großen Astronomen jedoch nicht, weiter Schlagzeilen zu produzieren. Kürzlich schrieb der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Prag, der Sternforscher sei womöglich einem Mordanschlag zum Opfer gefallen; Details zum Tathergang würden derzeit von Wissenschaftlern untersucht.
Es existiert bereits eine handfeste Theorie, wer damals hinter dem Komplott steckte. Die wurde vom Nachrichtenmagazin Spiegel online verbreitet und ist unter www.spiegel.de nachzulesen. Des Giftmords mittels heimlicher Verabreichung von Quecksilber dringend verdächtig ist demnach Tychos Vetter Erik Brahe, nachdem dänische Forscher dessen Tagebuch ausgewertet hatten. Der Ablauf der Tat scheint weitgehend geklärt – nur das Motiv gab den Wissenschaftlern noch Rätsel auf.
Zum Glück konnte die Redaktion des Newsletters, den Sie gerade lesen, zur weiteren Erhellung der Ursachen beitragen: Der Mord geschah aus Rache. Dazu muss man wissen (und wenn Sie die Ausgabe vom 27. Juni 2007„Was macht eigentlich der Elch?“ heranziehen, wissen Sie es), dass die beiden Vettern große Liebhaber eines Tieres waren, welches auch unserer Leserschaft alles andere als gleichgültig ist. Tycho hatte sogar einen Elch als Hausgenossen auf seiner Sternwarte im Öresund. Mit dem ließ er sich regelmäßig auf Trinkgelage ein. Bei einem solchen stürzte der gehörnte Freund eine Treppe hinab, brach sich ein Bein und musste eingeschläfert werden. Nach diesem tragischen Unglück zog es Tycho ins Exil nach Prag, wo er am Hofe Kaiser Rudolfs II. Karriere machte.
Der feige Abschied und mangelnde Trauer für den Trinkkumpan ließen Vetter Erik nicht ruhen: Vier Jahre nach Tychos Ankunft in Prag besuchte er ihn unter einem Vorwand und mischte ihm bei täglichen Biergenus immer wieder unbemerkt einen hübschen Schuss Quecksilber unter. So starb Tycho Brahe am 24. Oktober 1601 ungleich qualvoller als sein vierbeiniger Freund – aus Rache für den Elch.
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Morgen ist es wieder so weit: Dann wird in allen schwedischen Familien das Luciafest gefeiert. Und nicht nur in den Familien! Auch Betriebe, Büros, Schulklassen und Vereine wählen ihre ganz eigene Lucia. Das Mädchen – oder auch die Frau – im weißen Gewand, mit einem Lichterkranz im Haar und einer breiten roten Seidenschärpe um die Taille, serviert anschließend auf einem Tablett Kaffee, selbstgebackene Lussebulle und Pfefferkuchen.
Manchmal, schreibt das Internetportal www.swedengate.de, gibt es dazu auch einen Glögg, laut Selbstbeschreibung auf der Flasche ein „Winterheißgetränk aus Rotwein-Kornschnaps-Zucker-Gewürzen“. Die Pulle habe ich mit bereits besorgt. Fehlt nur noch eine Lucia, die sie mir serviert und öffnet. Das hätte er gern, der alte Chauvi, würden Sie jetzt vermutlich gern einwenden. Stimmt, würde ich entgegnen, und Rosinen und geschälte Mandeln gehören auch noch dazu. Soll ich die etwa selber knacken und pellen? Nun ja, kommt Zeit, kommt Glögg.
Am besten finde ich eh’ das Etikett: Darauf prangt ein kapitales Schaufeltier, eingerahmt von der Aufschrift „Elch-Trunk®“.
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Etwas größer als eine Ziege, aber ähnlich im Aussehen, mit stumpfen Hörnern und steifen Beinen – und wenn er müde ist, lehnt er sich zum Schlafen an einen Baum: Wen hat der römische Imperator und Feldherr Gaius Julius Caesar da wohl beschrieben? Ich gebe Ihnen noch einen Hinweis: „Wenn sich die Tiere nach ihrer Gewohnheit daran lehnen, bringen sie mit ihrem Gewicht die ihres Haltes beraubten Bäume zu Fall und stürzen zusammen mit ihnen um.“
Na ja, letzteres geschieht nur, wenn die Bäume vorher angesägt wurden. Aber das tut man in Schweden – glaubt man den Ausführungen in De Bello Gallico, wenn man auf Elchjagd geht. Zudem war Caesar davon überzeugt, dass Elche keine Kniegelenke haben und von alleine nicht wieder aufstehen können. Daher müssten die Jäger am nächsten morgen die umgekippten „Riesenziegen“ nur noch einsammeln. Ach Caesar! Wärest du doch nur selber mal in Schweden gewesen, so wie die Autoren der kurzweiligen Landeskunde, die ich gerade gelesen habe.
Im Gegensatz zu dem alten Römer fördern Agnes Bührig und Alexander Budde nur Wahrheiten über Schweden zutage, und die sind interessant genug. Wussten Sie, dass dort berufstätige Väter bis zu 16 Monate mit ihrem Kind zu Hause bleiben können – mit 80 Prozent ihres Gehalts? Nicht von ungefähr ist der Kinderanteil pro Frau in Schweden um 25 Prozent höher als in Deutschland. Andererseits ist das Durchschnittseinkommen mit 2700 Euro niedriger und die Steuerbelastung um die Hälfte höher als bei uns.
Dafür sind – siehe oben – die Sozialleistungen großzügig, und vier von fünf schwedischen Arbeitnehmern sind gewerkschaftlich organisiert. Doch hat das große „Volksheim“, in dem alle Schweden bislang bequem leben konnten, in den letzten Jahren erste Risse erhalten. Falls Sie auf eine spannende und informative Lektüre aus sind, kann ich Ihnen „Schweden. Eine Nachbarschaftskunde“, erschienen im Ch. Links Verlag, sehr empfehlen.
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Die Schweden – regelmäßige Konsumenten dieses Newsletters wissen das – verfügen über Europas größte Elchpopulation. Aber wer hätte gedacht, dass sie so eifersüchtig darüber wachen? Darauf machte mich eine Leserin aufmerksam, als sie mir einen Artikel aus dem Mannheimer Morgen mit folgender Nachricht schickte:
Ein Elch, der am Strand der südschwedischen Laholm-Bucht einsam seine Kreise zog, war unvermittelt in die Wellen gehüpft und hatte sich schwimmend auf den Weg nach Dänemark jenseits des Öresunds gemacht. Ein Sakrileg, seinem Vaterland und den 299 999 übrigen Artgenossen so schnöde den Rücken zuzukehren! Das mochte die patriotische Familie Kristianson, die an der Laholm-Bucht Urlaub machte, nicht auf sich sitzen lassen. Sie schnitt unserem gehörnten Freund den Weg ab und zwang ihn zur Umkehr in die Heimat.
Vielleicht hat es sich nicht bis Schweden herumgesprochen, aber in der EU herrscht Freizügigkeit: Jedes Lebewesen kann sich seinen Wohnort in einem der 27 Länder aussuchen. Das gilt auch für Elche! Klar, dass die weiterhin elchlosen Dänen enttäuscht sind. Wenigstens lief die Aktion unblutig ab: Das letzte Mal, das ein Schaufeltier in jenes südskandinavische Land floh (siehe unsere Ausgabe „Elche billig abzugeben!“ vom 19. April 2006), hetzten ihm die Schweden einen IC hinterher. Der überfuhr den Elch einfach.
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Die größten Feinde unseres Lieblingstieres sind angeblich Bären und Wölfe. Von Bruno und Konsorten hat der Elch allerdings wenig zu fürchten, ist doch der erste seit der Ausrottung wieder eingewanderte Petz vor zwei Jahren in Bayern erschossen worden. Bleiben die Wölfe. Davon gibt es ein Rudel in Sachsen und ein weiteres in Brandenburg. Von letzterem wandert ab und zu ein Exemplar nach Mecklenburg-Vorpommern und gelegentlich sogar ein Bindestrich-Bundesland weiter westlich ein.
Die Schleswig-Holsteiner mögen die Tiere, wie mir unlängst unser Leser Jörg Lorenzen unter Hinweis auf einen Zeitungsartikel versicherte: „Wölfe auf dem Vormarsch“, titelten die Kieler Nachrichten und ließen eine Expertin zu Wort kommen: „Man sollte sich Gedanken machen“, so Ute Kröger vom ostholsteinischen Wildpark Eekholt, „wie man bei einer Einwanderung mit den Tieren umgehen will.“
Bald sei es vielleicht so weit, denn nachdem 2007 ein Wolf überfahren wurde (siehe unseren Newsletter „Das Tier des Jahres 2003, für alle zugänglich“vom 11. Juni), hat ein Jäger dieses Frühjahr wieder ein Tier gesichtet. Frau Krögers Wildpark ließ unterdessen einen Wolfsstein anfertigen: Der soll alle Besucher an den letzten frei lebenden Wolf in Schleswig-Holstein erinnern, der 1820 erlegt wurde.
Betrachtet man’s recht, war in der Geschichte der Mensch des Wolfes größter Feind. Nicht nur des Menschen: Auch der letzte in Brandenburg gesichtete Elch starb keineswegs durch Wolfsklaue oder Wolfszahn. Er wurde von einer Autofahrerin erlegt – und anschließend den Gästen eines in der Nähe gelegenen Restaurants serviert.
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„Was macht eigentlich der Elch?“, fragten wir in diesem Newsletter vor genau einem Jahr. Um anschließend festzustellen, dass wir lange nichts mehr von unserem Lieblingstier gehört hatten. Leider streunt unser Schaufeltier auch aktuell so selten im Blätterwald herum, dass weder von Zusammenstößen mit motorisierten Verkehrsteilnehmern oder spektakulären Saufgelagen zu berichten ist.
Was macht der Elchfreund, wenn die Presse schweigt? Er kauft sich ein Buch. Das Exemplar, das ich neulich zum günstigen Preis von einem Euro erwarb, trägt den vielversprechenden Titel Stell dir vor, du wärst ein Tier (Untertitel: Tiere als Symbole der Seele).
Doch welche Enttäuschung: Die Hobby-Psychologen Peter Michel und Annette Wagner haben in Ihrem auf der Frontseite groß angekündigten „Erkenntnis-Test“ zwar 80 Tiere analysiert und sie in Verbindung zum menschlichen Charakter gebracht – doch den Elch haben sie vergessen! Kein Wunder, dass ihr Werk bald auf dem Ramschtisch landete. Sollte eine Neuauflage geplant sein, kann ich den beiden Autoren nur einen Rat geben: Das nächste Mal aber bitte mit Elch!
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Das Jahr des Elchs ist seit gerade mal einer Woche vorbei, und über Reiterdenkmäler haben wir bereits mehrfach berichtet (zuletzt in der Ausgabe vom 27. November 2007). Was bringt uns dazu, diese Themen – noch dazu in kombinierter Form – wieder aufzugreifen? Es ist eine Statue, die 28-mal so groß ist wie ein Mensch und immerhin noch 20-mal so hoch wie ein ausgewachsenes Exemplar unseres gehörnten Freundes.
Was nach der Schneeschmelze zwischen den nordschwedischen Gemeinden Arvidsjaur und Skelleftå emporwachsen wird, soll einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge bald Touristen in Scharen anlocken. Hinter der Idee der 47 mal 45 Meter großen Elchskulptur steckt der Unternehmer Thorbjörn Holmlund. Ein Reiter wird auf dem Rücken des Riesen nicht platziert, dafür ist im Innern Platz für drei Stockwerke inklusive eines Restaurants und eines Konzertsaals. Auf dem Schaufelgeweih soll eine Aussichtsplattform installiert werden.
Irgendwie erinnert das Monstrum an das Trojanische Pferd, das in der griechischen Antike dem beschenkten Volk den Untergang brachte: Auch der künstliche Elch ist innen hohl. Doch unterstellt der Betreiber seinen Besuchern alles andere als böse Absichten. Früher organisierte Thorbjörn Holmlund Elchsafaris und erlebte dabei, welche enorme Anziehungskraft Elche besitzen. Die Leser dieses Newsletters bestätigen ihn: In der Vergangenheit wurden Berichte über den Großhufer immer besonders goutiert.
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Morgen wird in diesem Newsletter über das Örtchen Oberailsfeld in der Fränkischen Schweiz und seine größte Attraktion berichtet werden. Nur so viel sei verraten: Es handelt sich um eine Gaststätte. Mit demselben Gewerbe hat die Empfehlung zu tun, die ich Ihnen heute gebe: ein Besuch der schönen Stadt Nürnberg. Die alte Reichsmetropole ist bekanntlich nicht weit von Oberailsfeld entfernt – und weist so viele Sehenswürdigkeiten auf, dass ich sie nicht einzeln zu erwähnen brauche. Da stellt sich nach einem langen Tag voller Besichtigungen nur eine Frage:
Wo übernachten? Hier bietet sich eine Möglichkeit an, die unseren Lesern auf Anhieb sympathisch sein wird: das Hotel Elch. Es liegt passend zum Geisteszustand vor allem der männlichen Exemplare dieser Großwildart in der Irrerstraße. Das ist aber auch schon alles, was an Negativem gesagt werden kann. Schon der erste Blick auf das Gebäude verheißt Gutes: ein Fachwerkhaus aus dem 14. Jahrhundert, mitten im idyllischen Burgviertel gelegen. Auch das Innere hält, was das Äußere verspricht: rustikales Interieur, hübsche Zimmer, üppige Mahlzeiten.
Also nichts wie hin nach Nürnberg, und morgen dann weiter nach Oberailsfeld! Nehmen Sie Ihren Elch ruhig mit: Wie spätestens seit der Newsletter-Ausgabe vom 27. Juni bekannt, ist unser Schaufeltier ein Liebhaber des Gerstensaftes. Die erstklassigen fränkischen Biere wird es zu schätzen wissen.
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