Archiv für Kategorie ‘Elch’:

Pavel Šustr, bitte übernehmen Sie!

Donnerstag, 6. Februar 2014

Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass zwischen Bayer- und Böhmerwald die Grenze fiel. Bis dahin trennte nicht nur eine gedachte Linie Ost und West, die Tschechoslowakei und die Bundesrepublik Deutschland, Böhmen und Bayern.

Zweibeiner konnten den so genannten Eisernen Vorhang nur mithilfe ihrer Flügel überwinden, Vierbeiner gar nicht. Für die Hirsche im Böhmerwald scheint die Barriere fortzubestehen, obwohl sie physisch nicht mehr existiert. Der Zoologe Pavel Šustr aus dem südböhmischen Vimperk fand mittels Funkbändern, die er seinen Versuchsobjekten um den Hals band, und deren Aufzeichnungen heraus, dass die Hirsche auf der tschechischen Seite genau bis zu der Stelle laufen, wo früher Stacheldraht den Sperrbereich vor der Staatsgrenze markierte. Dann kehren sie um. Wie das kommt?

Vermutlich haben die Hirschkühe die willkürliche Abgrenzung ihres Territoriums durch eine totalitären Überwachungsstaat an ihre Nachkommen weitergegeben. Offenbar hat sich der Umkehrdrang im Verhalten des Rotwilds manifestiert. Beim Elch ist es anders. Der trägt bekanntlich auch ein Geweih, aber mit weniger darunter als der Hirsch. So kommt es wohl, dass Elche sehr häufig und in Ignoranz des früher auch dort sehr präsenten Eisernen Vorhangs nach Österreich rübermachen (siehe auch unseren Newsletter vom 20. April 2012: Kompromisse abseits der Sinnhaftigkeit - aber elchgerecht!).

Nach Bayern wandern sie nicht. Welchen Grund diese Zurückhaltung nun wieder haben könnte? Liegt es vielleicht daran, dass Bayerns seinerzeit einziger Elch, ein aus dem Böhmerwald eingewandertes Exemplar, Opfer eines Verkehrsunfalls wurde? In diesem Fall hätten die Elche doch kein so schlechtes kollektives Gedächtnis. Höchste Zeit also, auch den Schaufelträgern einen Peilsender zu verpassen und ihr schlechtes Image zu korrigieren! Eine Aufgabe für den Zoologen aus dem Böhmerwald? Magister Šustr, převzíte prosím!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Der Elch braucht keinen Managementplan …

Dienstag, 18. Juni 2013

… aber der Mensch. Bayern hat ihn seit 2008, den Elch-Managementplan. Und in Brandenburg liegt jetzt der Entwurf für einen solchen vor. Es geht nicht um die Wiederansiedlung des bei Deutschen anscheinen so beliebten Riesenhufers (siehe unseren Newsletter von gestern: Ein Land, in dem sich Elche wohlfühlen?).

Das macht der Elch schon selber, indem er ungefragt von Westpolen nach Brandenburg oder vom Böhmerwald nach Bayern rübermacht. Das darf er auch, denn für EU-Bürger herrscht Freizügigkeit. Oder sollten Vierbeiner von dieser großzügigen Regelung ausgeschlossen sein?

Gut möglich, sonst hätten die Behörden ihr Vorhaben ‘Elch-Wiederansiedlungsplan’ getauft. Nein, es geht, wie die in Berlin erscheinende überregionale Tageszeitung Neues Deutschland in einem Bericht herausgestellt hat, „um den künftigen Umgang mit den Großsäugern - nicht um Ansiedlung oder Förderung des Elchwildes. Im Fokus des Planes stehen vor allem: Die Schäden auf Feldern und in Wäldern, die das bis zu drei Meter lange und 800 Kilogramm schwere Tier verursacht, und die Verkehrssicherheit.“

Ja, der Elch gehört nicht gerade zu den Verursachern von Verkehrssicherheit. Das genaue Gegenteil ist der Fall, und daran ist das unflexible Vieh selber Schuld. „Anders als das scheue Rehwild“ zitiert das Neue Deutschland die Brandenburger Diplombiologin Ina Martin, „haben Elche die dumme Angewohnheit, stehen zu bleiben. Sie sehen die Gefahr eines Autos nicht.“Sie suchen geradezu den Unfall, wie etwa das Exemplar, das im Spätsommer 2012 auf dem Berliner Ring nacheinander mit einem Pkw und einem Lkw zusammenrauschte.

Wie findig die Großhirsche auf der Suche nach einem Kollisionspartner sind, zeigte sich im Spreewald. Dort kam es zu einem Rencontre eines aus Polen eingewanderten Schaufelträgers mit einem der dort gewiss nicht so häufig verkehrenden Linienbusse. Vermutlich hatte der Besucher aus dem Osten vorher extra auf den Fahrplan geschaut, um ja nicht den einzigen an diesem Tag fahrenden Bus zu verpassen. Statt einfach den Takt des Nahverkehrs zu erhöhen, setzt man in Brandenburg zur Erfassung der Elche auf ein so genanntes Monitoring: So hofft man Aufschluss darüber zu erhalten, welch seltsame Pfade die seltsamen Tiere einschlagen. Wildzäune sollen künftig die Richtung vorgeben und Abwege verhindern. Hofft der Landesjagdverband Brandenburg und schlägt gleichzeitig eine aus seiner Sicht noch verlockendere Methode vor: die Erlaubnis zum Abschuss. Alles, um den Straßenverkehr zu schützen, versteht sich.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Ein Land, in dem sich Elche wohlfühlen

Montag, 17. Juni 2013

Die meisten europäischen Elche leben in Schweden. In Skandinaviens einwohnerstärkstem Land teilen sich 600 000 der pferdgroßen Paarhufer den Platz mit neun Millionen Menschen. Etwas komfortabler ist die Situation im östlichen Nachbarland: Hier sind es halb so viele Schaufelträger, die auf annähernd gleicher Fläche fünf Millionen Finnen ausweichen müssen.

Solch vorsichtiges Verhalten ist angeraten, denn die Einheimischen wollen den Riesenhirschen Böses. Im besten Fall sind die Elche in Finnland unbeliebt. Im schlechtesten haben sie bald eine Kugel zwischen den Hörnern. In Deutschland würde es Ihnen vermutlich besser gehen.

Der Popularität des Hornviehs hierzulande geht der Berliner Autor und Skandinavienkenner Rasso Knoller in seinem Finnland-Porträt nach und offenbart profunde Kenntnisse: „Warum lieben die Deutschen die Elche so?“, fragt er sich, leise spekulierend: „Liegt es an den großen Kuschelohren oder der weichen Schnauze, die der Elch scheinbar ständig kussbereit in den Wind hält? Wobei beides - die Ohren wie der Mund - eigentlich einem ganz anderen Zweck dienen, als süß auszusehen. Als Waldtier ist der Elch auf sein Gehör und damit auf große Lauscher angewiesen. Und mit der Muffel, wie der Fachmann die Schnauze bezeichnet, schält er die Rinde vom Baum. Wahrscheinlich müsste man Psychologen bemühen, um herauszufinden, was Deutsche an Elchen derart beigeistert.“

Vielleicht liegt es ja daran, dass wir unseren Wald mit höchstens einer Handvoll Exemplaren teilen müssen. Selbst diese Einzelgänger tauchen nur sporadisch an der Grenze zu Polen oder zu Bayern auf, um bald wieder zu verschwinden. Oder Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden: Zuletzt geschah dies im Spätsommer 2012, als auf dem östlichen Berliner Autobahnring ein Elchbulle zunächst mit einem Personenfahrzeug kollidierte, um anschließend von einem Lastwagen vollends erledigt zu werden.

Der hauptstädtische Tagespiegel, der die Meldung verbreitete, nahm es mit sichtlichem Bedauern zur Kenntnis. In unseren skandinavischen Nachbarländern hätte ein solcher Unfall nur die Jagdleidenschaft befeuert. „Während die Finnen die meiste Zeit des Jahres über die Elchbegeisterung der Deutschen nur milde lächeln“, schreibt Rasso Knoller, „verwandeln sie sich ab Ende September selbst in Elchverrückte. Dann beginnt die Jagdsaison, und jeder finnische Mann, der es zeitlich irgendwie schafft, zieht mit einem Gewehr über der Schulter hinaus in die Wälder. Die Elchjagd ist das Ereignis des Jahres. Von den etwas über 300 000 Elchen werden dann 65 000 zur Strecke gebracht.“

Das gespannte Verhältnis zum Zweibeiner hält das zähe Hornvieh freilich nicht davon ab, sich kräftig zu vermehren. „Trotz der Bejagung“, stellt Knoller fest, „gefällt es den Elchen in Finnland nämlich so gut, dass ihr Bestand zunimmt.“

In Deutschland, wo sich die Bewohner generell weniger entspannt zeigen als in Skandinavien, hat der Elchunfall vom Berliner Ring bereits zu einer leichten Panik geführt. Das Brandenburger Agrarministerium, berichtet der Tagespiegel, sei an einer Bestandsaufnahme interessiert und wolle in nicht allzu ferner Zukunft Empfehlungen zum Umgang mit Elchen herausgeben. Der Managementplan, wie die ministerielle Maßnahme dem Beobachtungsobjekt entsprechend etwas hochtrabend heißt, diene jedoch nicht der Förderung der Wiederansiedlung. So weit scheint die deutsche Liebe zum Elch doch wieder nicht zu gehen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Gesprächsthemen für den Skandinavien-Urlaub

Mittwoch, 29. August 2012

Skandinavier gehen gern zur Arbeit. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des US-Personalvermittlers Kelly Services in 12 europäischen Staaten. Danach sind 68 % der Schweden, Norweger und Dänen glücklich oder sehr glücklich in ihrem Beruf - so viele wie nirgendwo sonst in Europa. Fragen Sie doch mal die Einheimischen, woher das kommt!

Ihr Anknüpfungspunkt: „Ich muss vermutlich kein schlechtes Gewissen haben, dass ich Urlaub mache und Sie arbeiten. Ich habe nämlich gelesen, dass nirgendwo sonst die Menschen so gerne zur Arbeit gehen wie in Skandinavien.“

Gefragt, welches Tier sie am charakteristischsten für Skandinavien halten, antworten die meisten Besucher: den Elch! Doch gibt es hier weniger Gemeinsamkeiten als gedacht. Die weitaus meisten Elche in Europa leben in Schweden. Auch Finnland hat zahlreiche Exemplare aufzuweisen. Recht selten ist er in Norwegen, in Island gibt es keine Schaufeltiere, in Dänemark eins. Genauer gesagt: Es gab eins. Bis das Tier - es war zuvor von Schweden aus eingewandert - von einem ICE erfasst und getötet wurde. Seitdem ist Dänemark wieder elchlos. Überhaupt scheint die Tiere die Leidenschaft zu einen, überfahren zu werden. In Oslo wurde ein Elch Opfer einer U-Bahn, und in Schweden sterben bei Zusammenstößen mit Autos jährlich mehr als 100 Großhufer. Doch in Bayern ist es nicht anders: Dort lebte bis vor 2 Jahren ebenfalls ein Elch, und auch der starb bei einem Verkehrsunfall.

Ihr Anknüpfungspunkt: „Hatten Sie schon mal einen Zusammenprall mit einem Elch?“

Seit 2005 wird Deutschland von einer Frau regiert. In Skandinavien wäre dies keine besondere Erwähnung wert. Es ist zu normal. Das erste gewählte weibliche Staatsoberhaupt Europas war die Isländerin Vigdis Finnbogadottir, die 1980 in den Präsidentenpalast von Reykjavik einzog. In Oslo wurde 1981 Gro Harlem Brundtland als erste norwegische Ministerpräsidentin vereidigt. Und in Finnland bekleidet Tarja Halonen das höchste Amt im Staate: das der Präsidentin.

Ihr Anknüpfungspunkt: „Wie kommt es, dass es in den skandinavischen Ländern immer wieder Frauen bis in höchste Staats- und Regierungspositionen schaffen?“

Small Talk sollte in etwa zu gleichen Teilen aus Reden und Zuhören bestehen. Wenn Skandinavier kleine Pausen einlegen, sehen Deutsche dies meist als Einladung, selbst das Wort zu ergreifen. Halten Sie sich zurück. Skandinavier gelten vor allem deswegen als schweigsam, weil andere sie nicht zu Wort kommen lassen!

Schließlich noch ein paar Literatur-Hinweise zur Vorbereitung. Stimmen Sie sich mit diesen Büchern auf die skandinavischen Länder ein: Ebba Drolshagen, Gebrauchsanweisung für Norwegen. Piper Verlag, München 2007; Rasso Knoller, Finnland - ein Länderporträt. Ch. Links Verlag, Berlin 2011; Agnes Bührig/Alexander Budde, Schweden - eine Nachbarschaftskunde. Ch. Links Verlag, Berlin 2007; Marie Krüger, Island - ein Länderporträt. Ch. Links Verlag, Berlin 2011.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Die Elchyklopädie

Dienstag, 3. Juli 2012

Der Elch, Sie erinnern sich bestimmt gerne, begleitet diesen Newsletter von Beginn an. Höchste Zeit, sich beim sympathischen Schaufeltier erkenntlich zu zeigen. Daher haben wir dem Großhufer ein Buch gewidmet. Es trägt den unverwechselbaren Titel Die Elchyklopädie.

Wenn Sie das Wort in Google nachschlagen, erhalten Sie nur einen Treffer und auf dieses Alleinstellungsmerkmal blickt unsere Redaktion nicht ohne Stolz: Es ist also etwas noch nie Dagewesenes. Dieser eine Treffer ist die bucheigene Internetseite, auf der Sie alles über das Buch und seinen Autor (also mich) erfahren. Vorbestellen können Sie es auch schon, womit Sie sich in einem den Vorzugspreis in Höhe von 10,– Euro (inklusive Mehrwertsteuer und Versand!) sichern.

Was erwartet Sie in dem Werk? Der Untertitel lautet Ein Streifzug durch die Zivilisation in 13 Kapiteln. Es ist sozusagen ein „Best of“ dieses Newsletters, mit aktuellen Ergänzungen und auch einigen Beiträgen, die Sie noch nicht kennen. Knapp 200 Beiträge sind es insgesamt, gegliedert nach Brauchtum, Geografie/Länder, Geschichte, Kunst/Kultur, Literatur, Medizin, Politik, Religion, Sport, Tiere, Wirtschaft, Wissenschaft und alltäglicher Wahnsinn. Immer wieder stapft der Elch durch die Kapitel und bringt die mühsam aufgebaute Ordnung durcheinander. Oder Umweltschützer um ihre Fassung. Oder einen redlichen Wissenschaftler beinahe um seinen Verstand … Am besten, Sie überzeugen sich selbst - auf dem gerade erst fertig gestellten Internet-Auftritt www.elchyklopaedie.de.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Kompromisse abseits der Sinnhaftigkeit - aber elchgerecht!

Freitag, 20. April 2012

Vor einem Jahr (siehe unsere Ausgabe vom 21. April 2011: Kein Fairplay gegenüber dem Elch) ging es in diesem Newsletter um Elche auf Neufundland. Diesmal müssen wir uns nicht so weit wegbewegen, um über unser Lieblingsvieh zu berichten.

Am Ufer des Lipno-Stausees im südwestlichen Zipfel Böhmen hat sich, wie wir in der Ausgabe vom 27. Februar (Post sei Dank: Endlich einmal eine positive Schlagzeile vom Elch) kurz erwähnten, eine Herde niedergelassen.

Dessen Südufer war bis zum Fall des Eisernen Vorhangs militärisches Sperrgebiet und ist kaum besiedelt. Das Klima dort ähnelt dem in Skandinavien: sehr kalt, sehr feucht, mit harten Wintern und kurzen, bisweilen recht heißen Sommern.

Den scheuen Schaufelträgern zugutekommt, dass sie von Touristen in Ruhe gelassen werden und kaum Straßen durch diese Gegend führen. Die gibt es erst wieder in Österreich. Ab und zu schauen die Tiere im Mühl- oder Waldviertel vorbei. Solche Stippvisiten sorgen regelmäßig für Aufregung.

Zu Recht: Elchkennern ist völlig klar, in welcher Absicht die grüne Grenze gequert wird. Entsprechend groß war die Panik bei austriakischen Automobilisten, nachdem ein vierbeiniger Besucher aus dem Norden in eine Kamerafalle getappt war.

Schließlich wurde der zuständigen Forstverwaltung gestattet, zwei Stück Elchwild zu erlegen, schreibt das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, kurz BFW, auf seiner Webseite: „In diesem Bescheid wurden die Angestellten der Forstverwaltung darüber hinaus angehalten, durch Klatschen mit den Händen das Elchwild zu vertreiben, um weiteren Schaden abzuwenden.“

Österreichs Fahrzeuglenker können also aufatmen. Oder doch nicht? „Dass soviel Naivität und ärgerliche Ahnungslosigkeit in einem offiziellen Akt enthalten sein kann.“, schließt der BFW, „zeigt die Hilflosigkeit der Judikatur angesichts solcher Probleme sowie die Neigung, auch Kompromisse abseits der Sinnhaftigkeit zu schließen.“ Immerhin sind letztere, was Wirkung und Vernunftgehalt angeht, elchgerecht. In Österreich musste bislang noch keiner der stromernden Passanten mit viel Horn und wenig Hirn dran glauben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Post sei Dank: Endlich einmal eine positive Schlagzeile vom Elch

Montag, 27. Februar 2012

Wenn in diesem Newsletter vom Elch die Rede ist, produziert er in der Regel negative Schlagzeilen. So auch letzten Herbst, als das Nachrichtenmagazin Spiegel online über ihn berichtete.

Da hing das ungeschickte Schaufelwesen betrunken in einem schwedischen Apfelbaum, der kaum größer war als er selbst. Ein gewisser Per Johansson aus Göteborg fand den Eindringling im Garten seines Nachbarn – dieser war verreist – und holte, das muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, nicht gleich die Flinte. Sondern Polizei und Rettungswagen.

Den Einsatzkräften gelang es, den arg in den Seilen oder doch eher Ästen hängenden Elch wieder flottzumachen. Statt die Flucht zu ergreifen, machte es sich der phlegmatische Besuch auf dem Rasen gemütlich und schlief erstmal seinen Rausch aus. Den hatte er vermutlich durch den Verzehr vergorener Äpfel erworben.

Was durchaus zum Vorteil des Paarhufers gereicht haben mag: Immerhin hinderte der lange Ausflug in Morpheus’ Reich den Unvorsichtigen daran, seiner sonstigen Lieblingstätigkeit nachzugehen und sich auf der nächstbesten Landstraße von einem Auto überfahren zu lassen. So war, treue Leser dieses Newsletters erinnern sich, der vorerst letzte bayerische Elch (siehe unsere Ausgabe vom 9. Februar 2007: Panzerfahrer aufgepasst!) geendet. Exakt 5 Jahre, nachdem der bei der Deutschen Post für Sonderwertzeichen Zuständige jene Newsletterausgabe gelesen hatte, in welcher der Tod des vierbeinigen Einwanderers betrauert wurde, reagierte sein Arbeitgeber: mit einer Briefmarke, die ein mit mächtigem Geweih bewehrtes Prachtexemplar von Elchbullen ziert.

Das ist doch mal eine positive Nachricht, die das trottelige Tier produziert! Mit dem schönen Motiv feiert die Post die „Wiederbesiedlung durch heimische Wildtiere”, die ursprünglich einmal in Deutschland ansässig waren. Vielleicht wird auch unser südöstlichstes Bundesland, was den Elch betrifft, bald nicht mehr verwaist sein. Am Ufer des Lipnostausees in Böhmen hat sich eine aus Polen eingewanderte kleine Herde niedergelassen. Von dort ist es nicht weit nach Bayern. Die gute Nachricht für unsere gehörnten Freunde: Der kurze Weg in den Freistaat lässt sich ganz ohne Straßenüberquerung bewältigen!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Bald ist der Wolf dran

Freitag, 7. Oktober 2011

Einseitigkeit kann man diesem Newsletter kaum vorwerfen, finden Sie nicht auch? Wenn beispielsweise das Lieblingstier der Redaktion wieder einmal ausführlich in einem Beitrag gewürdigt wurde, kommt in einer späteren Ausgabe dessen größter Feind zu seinem Recht.

Im Frühjahr (siehe unsere Ausgaben vom 21. April: Kein Fairplay gegenüber dem Elch und 31. März: Tierische Frühlingsboten) stand der Elch im Fokus; jetzt, wo der Herbst Einzug gehalten hat, ist endlich des Schaufeltieres Widersacher an der Reihe.

Der größte Wolf-Fan unter der werten Leserschaft ist zweifelsohne Jörg Lorenzen (siehe die Ausgaben vom 14. Juli: Dein Freind, der Wolf? und 11. Juni 2008: Das Tier des Jahres 2003, für alle zugänglich ), den ganz treue Leser auch als Kieler Weihnachtsmann (Weihnachtsmänner gibt es auch außerhalb Berlins) in Erinnerung haben.

Er hat der Redaktion einen Artikel aus der Onlineausgabe der Welt zugeschickt. Darin geht es um einen kleinen, keineswegs auf den Kopf gefallenen Jungwolf. Als einer von 5 Geschwistern machte er vor gar nicht langer Zeit schon einmal Schlagzeilen, weil er in Gefangenschaft geboren wurde: im Zoo an der Wingst, in der Nähe von Cuxhaven.

Von dort ist der junge Isegrim kürzlich ausgebüxt und hält seitdem seine Häscher zum Narren. Um den Verfolgern einen Schuss mit dem Betäubungsgewehr zu gönnen, ist der kleine Wolf zu schlau und hält genügend Abstand.

Andererseits hat es ihm im Tierpark, wo er sehr viel Platz hat, offenbar so gut gefallen, dass er sich nicht allzu weit von dort entfernen und es sich auch nicht mit dem netten Zoodirektor Rüdiger Wandrey verderben möchte.

Die Fähre nach Helgoland zu nehmen würde dem Ausreißer ohnehin nichts bringen, denn auf der roten Felseninsel gibt es kaum ein Gebüsch, in dem er sich verstecken könnte. Falls Sie in der Cuxhavener Gegend wohnen und nach dem für Spaziergänger ungefährlichen Tierchen Ausschau halten möchten: Hier ist ein aktuelles Foto. Sollten Sie den Kleinen sichten, melden Sie es dem Zoo, Telefon 04778 255. Herr Wandrey würde sich freuen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Kein Fairplay gegenüber dem Elch

Donnerstag, 21. April 2011

Vor einem Jahr mussten wir über unseren gehörnten Freund Negatives vermelden: Es gebe zu viele verdammte Elche auf Neufundland, so der Tenor des damaligen Beitrags. Jetzt sind neue Schreckensnachrichten von der großen Insel vor der Ostküste Kanadas – sie ist nur wenig kleiner als Island – eingetroffen, mittels eines Korrespondentenberichts in der Frankfurter Rundschau. Für Leser dieses Newsletters beinhalten die Meldungen wenig Neues.

Nach wie vor (siehe unseren Newsletter vom 20. April 2010 „Die Phalanx der Elchhasser“) verursachen die Schaufelträger im Schnitt 2 Verkehrsunfälle am Tag. Doch tun sie das wirklich? Hier wünscht sich der kritische Zeitungsleser ein Hinterfragen der präsentierten Fakten: Kann es nicht sein, dass die Menschen eine gewisse Mitschuld an den Kollisionen tragen, weil sie zu schnell in ihren Autos unterwegs sind? Prompt springt der Verfasser des Beitrags seinen motorisierten Artgenossen bei: Selbst bei bedächtiger Fahrweise komme es zu schrecklichen Unfällen. Und er bietet den Elchgegnern ein weiteres, unseren Lesern bekanntes Forum: Die Pflanzenfresser bedrohten das Ökosystem, indem sie vor allem die jungen Bäume fräßen. Hier trifft den Menschen ausnahmsweise keine Schuld, da heranwachsende Fichten und Birken nicht in seinen Nahrungsbereich fallen.

Was also soll man tun mit den zwar kopulations-, aber wenig kooperationsbereiten Geweihträgern, die sich fleißig vermehren, ihre eigene Lebensgrundlage wegfressen und noch dazu mit ihrem angefutterten Riesenleibern den zügigen Durchgangsverkehr blockieren? Natürliche Feinde einführen? Wölfe, die plötzlich durch die Inselwälder streifen, kämen bei der einheimischen Bevölkerung nicht so gut an – nachdem man erst vor 100 Jahren die Elche dort angesiedelt hat. Das Abreichen empfängnisverhütender Mittel bei den Kühen wäre zu ineffizient, die Umsiedlung zu aufwändig, der Bau von Zäunen für einen freiheitsliebenden Kanadier schlicht unvorstellbar.

Also entsinnt man sich auf Neufundland eines archaischen Mittels: Die Elche dürfen wieder gejagt werden, sogar in den beiden Nationalparks der Insel. Was aus Sicht des Vierbeiners nicht ganz fair ist: Auf dem begrenzten Terrain können sie schlechter ausweichen, und wegen der Geschwindigkeitsbeschränkungen auf den wenigen Straßen dort fällt auch die Möglichkeit aus, erlegte Verwandte zu rächen und erlittenes Unrecht per gezielter Arschbombe heimzuzahlen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Wenn der Elch nichts zu tun hat

Donnerstag, 31. März 2011

Was machen Tiere, wenn sie gerade mal nichts Besseres zu tun haben und ein paar Exoten begaffen wollen? Sie gehen in den Zoo. Die Möglichkeit dazu haben sie tatsächlich – vorausgesetzt, sie leben in der Nähe des Saint-Jean-Sees im Norden der kanadischen Provinz Québec.

Dort, in Saint-Félicien, sitzen im Zoo Sauvage Menschen in Käfigen, und die wild lebenden Tiere dürfen sie besuchen, wenn es ihnen danach ist. Freilich sind die Menschen nur für jeweils eine Stunde eingesperrt, denn mehr ist ihnen nicht zuzumuten. Was würden deren vierbeinige Besucher wohl sagen, wenn Sie wüssten, dass andernorts ihre Brüder und Schwestern ein ganzes Leben lang hinter Gittern verbringen müssten? In den Genuss, Zweibeiner im Käfig zu betrachten, kommen alle größeren Tierarten, die halt in Kanada heimisch sind, schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Bericht: Schwarzbär, Büffel, Wolf, Hirsch, Präriehund, Karibu und natürlich der Elch. Das Angebot wird laut Auskunft der Zooleitung gut angenommen, und unser schaufelbewehrter Freund weiß bei seinen Besuchen das angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: „Der Elch“, schreibt die Süddeutsche, „reibt auch gerne mal sein Hinterteil an einem der Menschenkäfige, um sich von lästigen Insekten zu befreien.“

Wollen Sie den vierbeinigen Besuchern beim Besuchen von Zweibeinern zuschauen, muss ich Sie enttäuschen: Die zooeigene Webseite www.zoosauvage.org hält leider keine entsprechenden Bilder bereit.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern