Archiv für Kategorie ‘Todestage’:

Kein besonnener, dennoch ein großer Politiker

Montag, 8. November 2010

Er wird immer noch von Vielen als größter Präsident der Vereinigten Staaten bezeichnet, obwohl seine Amtszeit keine drei Jahre währte. Heute vor fünfzig Jahren wählten die Amerikaner John F. Kennedy mit knapper Mehrheit vor seinem republikanischen Gegenkandidaten Richard Nixon ins Weiße Haus.

Kennedy war angetreten mit dem Anspruch, die Weltmacht USA solle als oberster Repräsentant der Menschenrechte auftreten, ganz im Sinne der Französischen Revolution und der amerikanischen Verfassung. Es war eher ein Weltkrieg, den Kennedys Politik heraufbeschwor, als er auf die geplante Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba dem Kreml mit dem atomaren Erstschlag drohte. Gut, dass mit Nikita Chruschtschow ein besonnenerer Machthaber der anderen Supermacht vorstand. Seine Politik konnte es also nicht sein, die Kennedys über andere US-Präsidenten heraushob.

Eher schon sein Charisma: Viele mitreißende Reden sind von ihm überliefert, unter anderem ein denkwürdiger Auftritt an der die beiden Deutschlands trennenden Mauer mit dem unvergessenen Bekenntnis: „Ich bin ein Berliner.“ Immer wieder zitiert werden Kennedys kluge Bemerkungen, denen leider nicht immer eine kluge Politik folgte. „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann“, sagte er einmal, „sondern frage, was du für dein Land tun kannst“. Diese Technik der rhetorischen Inversion war typisch für seine Reden, die auf seine Zuhörer einen wirklich nachhaltigen Eindruck hinterließen. Bis heute.

Und es gäbe wohl viel mehr solcher bemerkenswerter Zitate, hätte der 35. und bei seiner Wahl jüngste Präsident der USA nicht ein so frühes Ende gefunden: Am 22. November 1963 starb John F. Kennedy; erschossen in Dallas vom Attentäter Lee Harvey Oswald.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Kunst und das Geld

Dienstag, 2. November 2010

George Bernard Shaw starb heute vor 60 Jahren. Als der große irische Dramatiker und Nobelpreisträger von der Bühne dieser Welt abtrat, werden einige Menschen aufgeatmet haben. Beispielsweise ein junger Autor, der Shaw um die Beurteilung eines Manuskripts gebeten hatte. Die Antwort des Meisters fiel sehr kurz aus: „Ihr Buch hat nur einen Fehler: Die Deckel sind zu weit auseinander.“ Kaum länger geriet die Rezension, die der Kunstkritiker Shaw dem Debütkonzert Londoner Ärzte folgen ließ, die in der Themsemetropole einen Musikverein gegründet hatten. Am nächsten Tag war im Feuilleton über die musikalischen Weißkittel zu lesen: „Man sollte sie an ihre Schweigepflicht erinnern.“

Dass Shaw durchaus auch zur Selbstkritik fähig war, bewies er in einem Gespräch mit Sam Goldwyn: Der Hollywood-Produzenten versuchte, dem Schriftsteller möglichst günstig die Filmrechte an einem seiner Theaterstoffe abzuhandeln. Er solle an die – im Vergleich zur Bühne – Millionen mehr Menschen denken, die im Kino die Chance erhielten, Shaws Stück zu sehen: „Denken Sie daran, welchen Beitrag zur Kunst Sie leisten!“ Genau darin liege das Problem, entgegnete Shaw: „Sie, verehrter Herr Goldwyn, denken nur an Kunst. Ich dagegen denke nur an Geld.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Eristischer Fahrstil

Dienstag, 21. September 2010

Eris ist das griechische Wort für Streit. Die Eristik steht im Gegensatz zur Logik, der Lehre vom schlüssigen und folgerichtigen Argumentieren. „Eristische Dialektik“, so ihr Erfinder, „ist die Kunst zu disputiren, und zwar so zu disputiren, daß man Recht behält“.

Die Begründung, warum die meisten Kontrahenten sich lieber an die Dialektik als an die Logik halten, liefert der streitkundige Gelehrte gleich mit: „Wären wir von Grund aus ehrlich, so würden wir bei jeder Debatte bloß darauf ausgehen, die Wahrheit zu Tage zu fördern. Wer als Sieger aus einem Streit geht, verdankt es sehr oft nicht sowohl der Richtigkeit seiner Urtheilskraft bei Aufstellung seines Satzes, als vielmehr der Schlauheit und Gewandheit, mit der er ihn vertheidigte“. Die erfolgversprechendste Waffe, so unser schlauer Freund weiter, um sich in einem Streitgespräch gegen perfide Angriffe zu behaupten, ist die schlagfertige Reaktion. Diese Ausführungen stammen von Arthur Schopenhauer (siehe auch unseren Newsletter vom 22. Februar 2010 „Philosoph und Tierfreund“).

Der Philosoph starb heute vor 150 Jahren in Frankfurt am Main. Einer seiner Jünger war Kurt Tucholsky. Für den satirischen Schriftsteller besaß Schopenhauers Lehre auch im Straßenverkehr Gültigkeit: „Der Deutsche“, so Tucholskys Theorie der eristischen Fahrweise, „fährt nicht wie andere Menschen. Er fährt, um Recht zu haben.&ldquo

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Nachleben, für das der Künstler nichts konnte

Montag, 16. August 2010

„Elvis war der erste Punk“, sagt die pubertierende Göre Cebe in Dennis Hoppers Film über eine schwierige Jugend, Out of the Blue. Elvis ist aber auch ein Bindeglied zum Vater, mit dem sich Cebe sonst überhaupt nicht versteht. Das Rockidol der 50er und frühen 60er Jahre des letzten Jahrhunderts vermochte seinen Rebellenstatus zeitlebens zu bewahren, was ihm den Respekt und die Akzeptanz auch jüngerer Generationen eintrug.

Elvis-Revival-Festivals gibt es heute noch, 33 Jahre nach Presleys plötzlichem Herztod am 16. August 1977, zuhauf. Ganz so plötzlich war das Ende des Künstlers übrigens nicht. Die Musikindustrie und ein ganzer Rattenschwanz von Vermarktern waren auf das Ableben bestens vorbereitet – legt man das Kapital zugrunde, welches sie daraus schlugen und das bis heute zahlreiche Verschwörungstheorien nährt (siehe dazu auch den Eintrag „Nachleben Elvis Presleys“ der Internet-Enzyklopädie Wikipedia).

Der wohl einträglichste Teil des organisierten Gedenkens an den Star ist ein verplüschtes Nekropolis namens Graceland, dem der spontane Besuch einer Horde der eingangs erwähnten Subkultur auf den Hals zu wünschen wäre. Ganz ohne Rehabilitationsmöglichkeit möchte der vielleicht doch etwas voreingenommene Schreiber dieser Zeilen seinen Beitrag nicht abschließen – und rät zu einem Online-Besuch des Mausoleums auf der Internetseite www.elvis.com.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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