Archiv für Kategorie ‘Urlaub’:

Wie beginnen Sie ein Gespräch im Fahrstuhl? (II)

Mittwoch, 29. Mai 2013

Beklemmende Begegnungen stellen sich dort ein, wo sich niemand zu Hause fühlt und ein Ausweichen nicht möglich ist. Die klassische Situation: Einander unbekannte Gäste betreten den Hotellift. Eine Möglichkeit der Gesprächseröffnung wäre die Selbstvorstellung. Obgleich nicht zwingend notwendig, kann sie für Entspannung sorgen.

Sagen Sie den Tagesgruß und nennen Sie anschließend Ihren Namen. Die Floskel „Darf ich mich Ihnen vorstellen“ ist überflüssig, sie wirkt anbiedernd und ist im Fahrstuhl zu zeitaufwendig. Anhand der Reaktion Ihres Gegenübers können Sie feststellen, ob Sie die Fahrt besser wortlos fortsetzen - oder ob ein kleiner Plausch drin ist. Am einfachsten wäre es jetzt für die andere Person, einfach ihren Namen zu nennen.

Eine Selbstvorstellung könnte vom Adressaten oder der Adressatin als ein wenig aufdringlich empfunden werden. Risikoärmer ist folgende Variante der Gesprächseröffnung (die sich nach einer Selbstvorstellung auch als Gesprächsfortsetzung anbietet).

Falls Sie sich in einem hoteleigenen Fahrstuhl befinden, können Sie sich beispielsweise bei Ihrem Gegenüber erkundigen: „Waren Sie schon einmal hier in dem Hotel?“ An diese Frage dürfen Sie gleich die nächste anschließen: „Und wie gefällt es Ihnen hier?“ Und die übernächste: „Wissen Sie, ob es hier im Hotel einen Fitnessbereich gibt, ein Schwimmbad oder etwas in der Richtung?“

Kennt Ihr Gegenüber sich in dem Gebäude beziehungsweise der Anlage nicht aus, bekennen Sie: „Ich leider auch nicht.“ Hängen Sie noch einen oder zwei Sätze dran: „Was mir aber auf Anhieb gut gefallen hat, ist das Eingangsportal. Das Personal macht einen sehr freundlichen Eindruck.“

Bleibt noch etwas Zeit, können Sie die Selbstvorstellung nachholen. Blicken Sie Ihrem Gegenüber kurz ins Gesicht, lächeln dabei und sagen: „Übrigens, ich heiße Markus Floßdorf und komme aus Bad Breisig.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nicht so deutsch wie befürchtet

Donnerstag, 27. September 2012

Die Deutschen reisen hauptsächlich deshalb, um den Baedeker auf seine Richtigkeit hin zu prüfen. Das hat die Opernsängerin Anneliese Rothenberger behauptet. Immerhin würde dies einschließen, dass sich hierzulande auf eine Urlaubsreise akribisch vorbereitet wird.

Damit wäre schon mal eine Forderung erfüllt, die am heutigen Welttourismustag gestellt wird: Die Urlauber sollen sich für die Länder interessieren, die sie bereisen, und nicht nur das suchen, was sie im eigenen Land ohnehin schon haben - nur halt mit mehr Sonne.

Tatsächlich geben die Deutschen im Ausland ein viel besseres Bild ab, als sie sich dies selbst bescheinigen. Wird in Urlaubsregionen nach den beliebtesten Gästenationen gefragt, landen die Deutschen zwar nie ganz vorne - aber doch regelmäßig unter den ersten 5.

Sich selbst allerdings bescheinigen sie ein schlechtes Image. Fast die Hälfte der bei einer Erhebung des online-Reiseservices opodo Befragten gab an, besonders deutsche Party- und Pauschaltouristen vermittelten einen schlechten Eindruck.

Sich selber zählten die so harsch Urteilenden freilich nicht zu jener Spezies. „Die nervigen Teutonen“, so die Einschätzung von opodo, seien „offenbar immer die anderen und selten man selbst.“

Dazu passt, dass jeder fünfte zufrieden ist, wenn er im Urlaub nicht auf Landsleute trifft. Diese würden nur beim Bemühen stören, sich in die fremde Kultur hineinzuarbeiten und sich den Landessitten anzupassen.

Deutsche Touristen als Botschafter ihres Landes? Warum nicht?! Der britische Schriftsteller William Somerset Maugham mahnte, lange bevor seine Landsleute als Heimsuchung südeuropäischer Strände verschrien waren: „Nur wenige sind sich bewusst, dass sie nicht nur reisen, um fremde Länder kennenzulernen, sondern auch um fremden Ländern die Kenntnis des eigenen zu vermitteln.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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„Land des Lächelns“: Freundlich durch den USA-Urlaub

Mittwoch, 12. September 2012

In Amerika ist die Freundlichkeit zu Hause: Fröhliche Begrüßung, zum Abschied wünscht man sich einen schönen Tag, zwischendurch wird immer mal wieder ein Kompliment für den Gesprächsteilnehmer eingestreut. Ein „Bitte“ und „Danke“ hören Sie viel öfter als bei uns. Höflichkeit ist Teil der Dienstleistung und des Geschäfts, dafür zahlen Kunden und Touristen. Auf sein „How are you?“ erwartet Ihr Gegenüber ein „Fine. Thank you!“ als Antwort. Sie können auch erwidern: „Great. And how are you?”

Schlechte Nachrichten wollen Amerikaner nicht hören. Die meisten sind optimistisch und erfolgsorientiert; da hat Negatives keinen Platz. Ebenso wenig wie die Politik. Was auf jeden Fall gut ankommt: Humor! Überrachen Sie als Deutscher Ihre amerikanischen Gastgeber mit diesem Charakterzug. „Wer keinen Sinn für Humor hat“, stellte der Talkmaster David Letterman einmal fest, „wird in diesem Land nie etwas erreichen.“ Wenn Sie im Urlaub Ihr Gegenüber zum Lachen bringen, haben Sie immerhin schon etwas erreicht.

Reden Sie im Small Talk übers Wetter, über Ihre Herkunft - und über die deutsche Sprache. Einige deutsche Wörter wurden ins Englische übernommen und haben bis heute überlebt. Einige Beispiele gefällig? In Großbritannien und vor allem in den Vereinigten Staaten sind Begriffe wie Bratwurst, Ersatz, Fräulein, Gemütlichkeit, Kaffeeklatsch, Kindergarten, Kitsch, Leberwurst, Leitmotiv, Sauerkraut, Schwärmerei, Schweinehund, Weltanschauung, Weltschmerz, Wunderkind und Zeitgeist durchaus geläufig. Probieren Sie es einfach mal aus!

Ein weiteres Gesprächs-Thema für Ihren USA-Urlaub hängt ebenfalls mit Ihrer Herkunft zusammen: Reden Sie über bekannte Deutsche. Einer von ihnen spielt bei den Dallas Mavericks. Im letzten Jahr gewann Dirk Nowitzki als bester Korbjäger des texanischen Clubs den Titel in der Basketball-Profiliga. Eishockeyfreunden dürfte Dennis Seidenberg ein Begriff sein. Mit den Boston Bruins gewann der offensivstarke Verteidiger 2011 die größte Trophäe in seiner Sportart, den Stanley Cup. In der populären Musik schafften es der Österreicher Falco (Rock me Amadeus) und die deutsche Sängerin Nena (Ninety-nine Red Balloons) auf vordere Plätze der US-Hitparade. Amerikanischen Klassik-Fans ist der Dirigent Kurt Masur ein Begriff.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Das Mutterland des Small Talks: Hinweise für den Großbritannien-Urlaub

Mittwoch, 5. September 2012

Wenn Sie einen Schotten als Engländer titulieren, ist er beleidigt. Auf der Hauptinsel leben Engländer, Schotten und Waliser; zusammengefasst werden sie unter dem Begriff Briten. Da zum gesamten Staatsgebilde noch eine vierte Volksgruppe gehört - die Nordiren - heißt der Staat „Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland“. Die Briten nennen ihn „United Kingdom“, kurz „UK“. Wollen Sie Briten und Iren aus der Republik unter einen Hut bringen, wählen Sie den Terminus „Britische Inseln“.

Briten stellen gerne ihr Licht unter den Scheffel. Understatement ist für Deutsche die beste Möglichkeit, um bei den Einheimischen zu punkten. Im Englischen werden eher abschwächende Verben (“may”, “might”, “could”) benutzt. Das ist höflicher als „can“ oder „should“. Achten Sie daher auf Nuancen. Wenn ein Brite sagt That sounds interesting, kann er das durchaus wörtlich meinen. Fragen Sie aber nach! Wird ein not really nachgeschoben, dürfen Sie nicht beleidigt sein.

Den Small Talk haben die Briten erfunden. Zum ersten Mal verwendet hat das Wort der britische Politiker Philip Dormer Stanhope im Jahr 1751. Der später als Earl of Chesterfield berühmt Gewordene suchte nach einem Synonym für ‘chit-chat’, auf Deutsch: Geschwätz oder Gerede. Berühmt wurde Chesterfield übrigens durch die auch in Deutschland veröffentlichten Briefe an seinen Sohn Philip Stanhope. Darin erteilte er Ratschläge, wie man auf gesellschaftlichem Parkett vorankommt, ohne allzu viel Skrupel zu zeigen.

Auf der Insel gehört der Small Talk zum Alltag einfach dazu. Die so genannten Do’s sind: Wetter, Urlaub, Land, Sport, Humor. Vorsicht vor den Don’ts: Politik, Gesundheit, Familie. Konzentrieren wir uns auf das Positive. Den Humor beispielsweise: Der britische macht vor nichts halt, nicht einmal vor sich selbst. Natürlich auch nicht vor Deutschen. Hier sind Ihre Nehmerqualitäten gefragt. Sie dürfen sich mit Bemerkungen über die nicht gerade edle britische Küche revanchieren.

Zum Schluss noch ein Satz auf Deutsch, den in Großbritannien viele Menschen verstehen und sogar erstaunlich fehlerarm aussprechen können. Seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten kommt er in der Werbung zum Einsatz, im deutschen Original. Die Reklame stammt von einem Ingolstädter Automobilhersteller. Auf der Insel wirbt Audi für seine Modelle mit dem für Briten gar nicht so leicht hervorzubringenden Satz: „Vorsprung durch Technik.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Gesprächsthemen für den Skandinavien-Urlaub

Mittwoch, 29. August 2012

Skandinavier gehen gern zur Arbeit. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des US-Personalvermittlers Kelly Services in 12 europäischen Staaten. Danach sind 68 % der Schweden, Norweger und Dänen glücklich oder sehr glücklich in ihrem Beruf - so viele wie nirgendwo sonst in Europa. Fragen Sie doch mal die Einheimischen, woher das kommt!

Ihr Anknüpfungspunkt: „Ich muss vermutlich kein schlechtes Gewissen haben, dass ich Urlaub mache und Sie arbeiten. Ich habe nämlich gelesen, dass nirgendwo sonst die Menschen so gerne zur Arbeit gehen wie in Skandinavien.“

Gefragt, welches Tier sie am charakteristischsten für Skandinavien halten, antworten die meisten Besucher: den Elch! Doch gibt es hier weniger Gemeinsamkeiten als gedacht. Die weitaus meisten Elche in Europa leben in Schweden. Auch Finnland hat zahlreiche Exemplare aufzuweisen. Recht selten ist er in Norwegen, in Island gibt es keine Schaufeltiere, in Dänemark eins. Genauer gesagt: Es gab eins. Bis das Tier - es war zuvor von Schweden aus eingewandert - von einem ICE erfasst und getötet wurde. Seitdem ist Dänemark wieder elchlos. Überhaupt scheint die Tiere die Leidenschaft zu einen, überfahren zu werden. In Oslo wurde ein Elch Opfer einer U-Bahn, und in Schweden sterben bei Zusammenstößen mit Autos jährlich mehr als 100 Großhufer. Doch in Bayern ist es nicht anders: Dort lebte bis vor 2 Jahren ebenfalls ein Elch, und auch der starb bei einem Verkehrsunfall.

Ihr Anknüpfungspunkt: „Hatten Sie schon mal einen Zusammenprall mit einem Elch?“

Seit 2005 wird Deutschland von einer Frau regiert. In Skandinavien wäre dies keine besondere Erwähnung wert. Es ist zu normal. Das erste gewählte weibliche Staatsoberhaupt Europas war die Isländerin Vigdis Finnbogadottir, die 1980 in den Präsidentenpalast von Reykjavik einzog. In Oslo wurde 1981 Gro Harlem Brundtland als erste norwegische Ministerpräsidentin vereidigt. Und in Finnland bekleidet Tarja Halonen das höchste Amt im Staate: das der Präsidentin.

Ihr Anknüpfungspunkt: „Wie kommt es, dass es in den skandinavischen Ländern immer wieder Frauen bis in höchste Staats- und Regierungspositionen schaffen?“

Small Talk sollte in etwa zu gleichen Teilen aus Reden und Zuhören bestehen. Wenn Skandinavier kleine Pausen einlegen, sehen Deutsche dies meist als Einladung, selbst das Wort zu ergreifen. Halten Sie sich zurück. Skandinavier gelten vor allem deswegen als schweigsam, weil andere sie nicht zu Wort kommen lassen!

Schließlich noch ein paar Literatur-Hinweise zur Vorbereitung. Stimmen Sie sich mit diesen Büchern auf die skandinavischen Länder ein: Ebba Drolshagen, Gebrauchsanweisung für Norwegen. Piper Verlag, München 2007; Rasso Knoller, Finnland - ein Länderporträt. Ch. Links Verlag, Berlin 2011; Agnes Bührig/Alexander Budde, Schweden - eine Nachbarschaftskunde. Ch. Links Verlag, Berlin 2007; Marie Krüger, Island - ein Länderporträt. Ch. Links Verlag, Berlin 2011.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Was Sie vor Ihrem Polen-Urlaub wissen sollten

Mittwoch, 22. August 2012

Jeszcze Polska nie zginęła - noch ist Polen nicht verloren: Ein Land, dessen Nationalhymne mit dieser Zeile beginnt, muss eine schlimme Geschichte hinter sich haben. Bei Polen ist dies zweifelsohne der Fall. Sehr häufig war das Land von anderen Mächten besetzt oder sogar unter den gefräßigen Nachbarn aufgeteilt. Wenigstens hat die Geschichte ein Happy End. 1989 sagten sich die Polen als erste Nation in Mittel- und Osteuropa vom Kommunismus los.

Die ersten Jahre im Haifischbecken des Kapitalismus waren für die Einheimischen schwer. Doch inzwischen wächst die polnische Wirtschaft wie kaum eine zweite: Selbst im Krisenjahr 2009 stand ein Plus zu Buche: 1,8 % konnte kein anderer EU-Staat aufweisen. Auch die aktuell 3,1 % Wachstum sind europäische Spitze.

Eine typische Wachstumsbranche in Polen ist der Tourismus. Die Angebote sind vielfältig - vom Ostseestrand zum kleinsten Hochgebirge der Welt, der Tatra. Der Standard ist hoch, die Preise recht niedrig, das Personal gut ausgebildet und erstaunlich sprachkundig.

Die Säulen des polnischen Staates heißen Katholizismus und Nationalstolz. Respektieren Sie den Glauben und die Vaterlandsliebe unserer Nachbarn. Und lernen Sie, dem polnischen Minderwertigkeitskomplex zu begegnen. Noch immer fühlen sich die Polen den Deutschen unterlegen, obwohl es dafür keinen Grund mehr gibt. Tun Sie dies den Gastgebern kund und bringen ihnen Respekt entgegen.

Die Polen betrachten sich nicht als Ost-, sondern als Mitteleuropäer. Ein Blick in den Atlas gibt ihnen Recht. Nehmen Sie auch Abschied von Vorurteilen gegenüber den Bewohnern: Nicht jedes in Deutschland geklaute Auto landet bei unseren Nachbarn. Mit der häufig gescholtenen polnischen Wirtschaft - siehe oben - ist es viel weiter her als bislang angenommen.

„Solange die Welt besteht, wird kein Deutscher eines Polen Bruder sein“: Die Geschichte bestätigt diesen Spruch. Preußen machte bei der polnischen Teilung mit, die unsere Nachbarn von 1795 bis 1918 staatenlos ließ. Im letzten Krieg trieb die deutsche Wehrmacht ihr Unwesen in Polen, und deutsche Nationalsozialisten errichteten dort ihre Vernichtungslager. Heute sind wir auf dem besten Weg, gute Nachbarn zu werden: Joachim Gauck wählte als Ziel seines ersten Staatsbesuchs als Bundespräsident ganz bewusst Polen aus. Behalten Sie die schwierige Vergangenheit im Hinterkopf, weisen Sie auf die hoffnungsvolle Zukunft hin.

Kunst und Kultur sind in Polen immer ein Thema: Literatur-Nobelpreise gewannen Henryk Sienkiewicz, Wladyslaw Stanislaw Reymont, Czieslaw Mielosz, Isaac Bashevis Singer (der als Jude in die USA auswandern musste) und Wislawa Szymborska, mit Filmpreisen wurden Krzysztof Kieslowski, Andrzej Wajda und Roman Polanski überhäuft. Auch über Sport dürfen sie gerne reden: Viele polnische Profis spielen in der deutschen Bundesliga. Jakub Blaszykowski, Robert Lewandowski und Lukasz Piszczek wurden mit Borussia Dortmund in den letzen beiden Spielzeiten Deutscher Fußballmeister!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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So treten Sie im Griechenland-Urlaub sicher auf

Mittwoch, 15. August 2012

Der 28. Oktober 1940 ging als Epétios tou Ochi, als Jahrestag des Nein, in die griechische Geschichte ein. Bis heute wird die Ablehnung des Ultimatums gefeiert, welches das faschistische Italien mit Kriegsandrohung gestellt hatte. Heute würden sich viele Griechen ein zweites Nein wünschen. Mit zu harten Auflagen für die Bevölkerung sind die Rettungsmaßnahmen der EU für das krisengeschüttelte Land verbunden.

Jede 5. Stelle in der Verwaltung wird gestrichen, Löhne um ein Viertel reduziert, frei werdende Arbeitsplätze nicht neu besetzt. In Brüssel wurde sogar überlegt, die Athener Regierung durch einen EU-Kommissar zu ersetzen. Nehmen Sie am Schicksal der Bevölkerung, die unter der harten EU-Sanierung leidet, Anteil. Fragen Sie ruhig, was sich im letzten Jahr für Ihre Gastgeber geändert hat. Hören Sie mehr zu, als dass Sie kommentieren. Preisen Sie bitte nicht deutsche Tugenden und Arbeitseifer und kehren auch nicht den Wirtschaftsexperten heraus.

Griechenland ist für viele Touristen das Griechenland der Antike. Mit der können längst nicht alle heutigen Griechen etwas anfangen. Für sie zählt der moderne Staat. Der wurde 1821 geboren, als der Aufstand gegen die Türken begann. Prominentester ausländischer Mitkämpfer im Freiheitskampf war damals der englische Dichter Lord Byron. Erwähnen Sie ihn ruhig in Ihrem Smalltalk.

Als George Gordon Byron das erste Mal Athen zu Gesicht bekam, soll sein einheimischer Führer ausgerufen haben: „Herr! Herr! Da ist das Dorf!“ Athen ein Dorf? Vielleicht im Sommer, wenn Sie gerade Griechenland besuchen und alle Athener Ferien außerhalb der Riesenstadt machen. Griechenland hat gerade mal 11 Millionen Einwohner, von denen 3 1/2 Millionen in Athen leben. Entsprechend verstopft sind die Straßen, entsprechend verschmutzt ist die Luft. Überlassen Sie aber den Einheimischen das Lamentieren darüber. Diese locken Sie leicht aus der Reserve - und haben bereits Ihr Small Talk-Thema. Ihr Anknüpfungspunkt: „Ich kenne Athen nur als Postkartenidyll mit dem Akropolis-Motiv. Wie weit stimmt das mit der Realität überein?“

Falls Ihnen der griechische Lebenswandel - gesundes, häufig vegetarisches Essen, gemächliches Tempo, Bescheidenheit und wenig Luxus - gefällt, tun Sie dies ruhig kund. Die sigá-sigá-(= gemach, gemach)Mentalität, alles ohne Hektik zu erledigen, hat auch ihre Vorteile.

Kopfmensch trifft Lebemann: Davon handelt der Roman Alexis Sorbas des Griechen Nikos Kazantzakis. Im wirklichen Leben begegnete der Schriftsteller seinem Sorbas auf dem heiligen Berg Athos im Norden des Landes, als dieser dort Bäume abhackte. Im Roman änderte Kazantzakis nur den Vornamen: aus Georgios wurde Alexis. Kazantzakis wurde berühmt, und noch berühmter wurde der Film des Regisseurs Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Hauptrolle.

Er heimste gleich 3 Oscars ein: Unvergessen die Szene, in der Sorbas den schüchternen und etwas steifen Ich-Erzähler zum Sirtaki animiert und anschließend alles um ihn herum an die Wand tanzt und spielt. Kazantzakis wurde in Heraklion auf Kreta geboren, nach ihm ist der Flughafen von Heraklion benannt. Ihr Anknüpfungspunkt: „Muss ich mir Griechenland so vorstellen wie in dem Roman Alexis Sorbas? Oder gilt der nur für Kreta?“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Worüber reden im Kroatien-Urlaub?

Mittwoch, 8. August 2012

„Die Kroaten sind katholisch, schreiben lateinisch und wollen keine Balkanesen sein“ schreibt der Journalist Borut Zerjav. Kroatien ist ähnlich wie Italien, Österreich und Slowenien ein sehr katholisches Land. Kulturell kamen aus allen 3 Nachbarländern viele Einflüsse, aber auch aus Ungarn. Die meisten Bürger sehen sich als Mittel-, nicht als Osteuropäer - und schon gar nicht als zum Balkan gehörig. Kroatien ging mit Slowenien als Gewinner aus dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens hervor. Beide mussten früher als reichste Teilrepubliken die ärmeren Brüder aus Serbien, Montenegro, Bosnien und Mazedonien finanziell unterstützen.

Nicht wenige Kroaten trauern dem früheren jugoslawischen Staatenbund nach, in dem sie aufgewachsen sind. Der war lange Zeit intakt und wurde bis zu seinem Tod 1980 vom kommunistischen Marschall Josip Broz beherrscht. Tito, wie er noch aus der Zeit des Partisanenkriegs gegen die deutschen Besatzer genannt wurde, stammte aus Kroatien. Sie müssen also vorsichtig sei mit Äußerungen über die Vergangenheit.

Über die Zukunft herrscht Einigkeit: Bald wird Kroatien Mitglied der Europäischen Union sein. Darauf freut man sich nicht nur in der Hauptstadt Zagreb. Doch gibt es auch Warner: Slowenien, seit 2004 in der EU und ähnlich strukturiert wie Kroatien, durchlebt zurzeit eine schwere Wirtschaftskrise. Den Kroaten dagegen geht es so gut wie nie zuvor.

Die Deutschen spielten eine zwielichtige Rolle in der Vergangenheit. Sie verhalfen im Zweiten Weltkrieg dem faschistischen Regime des Ante Pavelic an die Macht. Beim Zusammenbruch Jugoslawiens spielte der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher eine zwielichtige Rolle, als er Slowenien und Kroatien vorschnell anerkannte und der Unabhängigkeit die Unterstützung der EU sicherte. Kroatische Patrioten sind ihm noch heute dankbar dafür, Anhänger des alten Jugoslawien nicht.

Loben Sie die Fortschritte, die Kroatien auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet gemacht hat. Die Rolle Deutschlands lassen Sie lieber unerwähnt. Sie können aber Ihr einheimisches Gegenüber ganz unbefangen fragen, was er oder sie sich von einer kroatischen EU-Mitgliedschaft erwartet.

Was jeden Kroaten erfreut: die Erfolge auf sportlichem Gebiet. Schon wieder hatten sich die Fußballer für ein großes Turnier qualifiziert: die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine.

Zur Erinnerung: Bei der vorletzten EM in Österreich hat die Elf mit den rot-weißen Schachbrettmustertrikots die Deutschen geschlagen. Auch bei der WM 1998 in Frankreich: Da hieß es im Viertelfinale 3:0, und Kroatiens Kicker feierten mit Rang 3 eine Platzierung, die selbst das traditionell starke Jugoslawien nie erreichte. Auch kroatische Hand- und Basketballer feiern regelmäßig internationale Erfolge.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Elegant parlieren im Frankreich-Urlaub

Mittwoch, 1. August 2012

Höflichkeit wird in Frankreich groß geschrieben. Das Gebot gilt für alle gesellschaftliche Schichten, und auch von Ausländern wird entsprechendes Verhalten erwartet. Es beginnt mit der Sprache: Hier sollten Sie sich möglichst bald das Wörtchen ‘Pardon‘ aneignen. Sie können es nicht oft genug benutzen: bei Nachfragen, als Entschuldigung, bei der Bitte um Durchlass oder um einen freien Platz.

Die Franzosen sind ein mobiles Volk und daher stolz auf ihre Autoindustrie. Die großen 3 heißen Renault, Peugeot und Citroën. Aus letztgenannter Fabrikation stammt ein preiswertes, unverwüstliches Modell, das dem Image unangepasster Studenten und emanzipierter Frauen entsprach.

Gedacht war der 2 CV - auch ‘Ente’ genannt, für eine andere Klientel: „Entwerfen Sie ein Auto“, wies Citroën-Direktor Pierre Boulanger seine Techniker an, „das Platz für 2 Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 Stundenkilometer schnell ist und dabei nur 3 Liter Benzin auf 100 Kilometern verbraucht.“

Immerhin schaffte die erste Ente mit 375 Kubikzentimeter und 9 Pferdestärken ein Tempo von 70 Stundenkilometern. Die Abkürzung 2 CV steht übrigens für deux cheveaux vapeur, auf Deutsch: 2 Dampfpferde. So hieß in Frankreich die Hubraum- und Motorstärke-Einheit, nach der die Kfz-Steuer bemessen wurde. Ihr Anknüpfungspunkt: „Leider sieht man auf den Straßen kaum noch den deux cheveaux. Was ist denn heute das Volksauto der Franzosen?“

Kennen Sie das französische Wort für Waldsterben?

Müssen Sie auch nicht, denn es heißt dort genau so. Die Umwelt ist selten ein Thema, für entsprechend schrullig hält man in Frankreich uns Deutsche. Vermeiden Sie bei Ihrem Besuch solche Themen - und treten Sie vor allem nicht als Besserwisser auf. Themen wie Tierschutz (Verzehr von Froschbeinen, Gänsestopfleber), Atomkraft (deckt zu 80 % den Energiebedarf des Landes) und Randale in den Vorstädten sollten Sie nicht zu offensiv angehen. Andererseits: Franzosen reden wirklich gerne über Politik. Vor allem über Madame Merkel!

Wichtig ist die Sprache: Versuchen Sie sich als Deutscher an ihr und zeigen guten Willen, öffnet es Ihnen die Herzen der Franzosen. Auch wird ehrliches Interesse an der Kultur unserer Nachbarn honoriert: Die stolzen Franzosen spielen ungern hinter Briten und Amerikanern die zweite Geige.

Sprachkenntnisse sind immer gut. Und wenn es nur ein paar Floskeln sind. Comment allez vous?/Wie geht es Ihnen?; Merci, ca va bien/Danke, mir geht’s gut; enchanté/ich freue mich, Sie zu sehen. Schon ist das Eis gebrochen. Sie dürfen ruhig zugeben, dass Sie Ihren kompletten Französisch-Wortschatz bereits aufgebraucht haben. Fürs nächste Mal lernen Sie wieder drei Redewendungen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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So kommen Sie im Österreich-Urlaub bestens klar

Mittwoch, 25. Juli 2012

„Es gibt Deutsche, die der Österreicher mag, und Deutsche, die er hasst“: Den Deutschen bescheinigt der in Wien aufgewachsene Schriftsteller Heinrich Steinfest eine gewisse Lernfähigkeit: „Man schätzt sie wirklich“, beschreibt er die Stimmung gegenüber Touristen aus der Bundesrepublik, „sehr viel mehr noch als vor zwanzig Jahren, als sie mit einer gewissen Überheblichkeit auftraten und so taten, als könnten sie sich so gut wie alles unter den Fingernagel reißen.“

Die neue Bescheidenheit, Österreich nicht mehr als 17. Bundesland zu betrachten, stehe den Deutschen gut. Sie ist auch angebracht - angesichts der Tatsache, dass die Grenze nicht mehr nur zu Urlaubszwecken überschritten wird. Viele Deutsche lassen sich in Österreich nieder, um dort zu arbeiten.

Leben und leben lassen - so lautet einer der Wahlsprüche der Einheimischen. Sie lassen sich ungern bevormunden - vor allem nicht von Deutschen. Letzteren wird gerne Besserwisserei nachgesagt - eine Eigenschaft, die durch die gemeinsame Sprache gefördert wird. Sollten Sie als Gast etwas zu beanstanden haben, bringen Sie dies in dreimal so höflichem Ton vor, wie Sie es daheim tun würden. Vorsichtige Formulierungen wie “dürfte ich” statt “darf ich” und “könnten Sie bitte” statt “können Sie” bringen Sie Ihrem Ziel ein großes Stück näher.

Ähnlich und doch anders: Auch kleine Unterschiede wollen wahrgenommen werden. Wenn Sie im Café einen Milchkaffee bestellen, bekommen Sie keinen. Fragen Sie nach einem “Kaffee verkehrt”! Auch auf dem Markt werden Sie weder Blumenkohl noch Tomaten erstehen, sofern Sie nicht Karfiol und Paradeiser wünschen. Passen Sie sich im Sprachgebrauch den Nachbarn ein wenig an.

Zurückhaltung ist eine Eigenschaft, die Österreicher an Deutschen bisher nicht kannten. Höchste Zeit, sie damit zu erfreuen. Dazu eine Faustregel: Sie haben 2 Ohren und einen Mund. Benutzen Sie in den ersten Gesprächen mit Einheimischen Ihre Organe in exakt diesem Verhältnis.

Vor allem der Wiener grantelt gerne über alles und jeden. Das macht ihn in der restlichen Republik so unbeliebt. Überlassen Sie das Meckern weiter dem Hauptstädter. Packen Sie eigene Kritik in 2 Komplimente, und sie ist in österreichischen Ohren erträglicher. Bemühen Sie sich um differenzierte Sichtweise, gepaart mit Humor. “Alles hat zwei Seiten”, gab der Autor Heimito von Doderer vor. “Aber erst wenn man erkennt, dass es drei sind, erfasst man die Sache.”

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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