Archiv für Kategorie ‘Wirtschaft’:

Konjunktur der Nullen

Dienstag, 24. Januar 2012

Gestern hieß es in diesem Newsletter, die Briten hätten im Siebenjährigen Krieg Preußens Finanzen saniert. Wie seriös ist eine solche Aussage?

Insgesamt flossen damals, bildlich gesprochen, 27 Millionen Taler von der Themse an die Spree. Multiplizieren Sie den Betrag mit 30, und Sie haben den heutigen Wert in Euro. Hätten Sie es gerne etwas plastischer?

Vielleicht hilft Ihnen der folgende Vergleich: Am Ende des 18. Jahrhunderts, heißt es in einem im Internet vielfach zitierten Beitrag der Online-Enzyklopädie Wikipedia, „konnte man im deutschen Raum für einen Taler 12 Kilogramm Brot, 6 Kilogramm Fleisch, 2 Flaschen Champagner, 1 Kilogramm Tabak oder 250 Gramm Tee erwerben, ein Hemd, ein Paar Schuhe oder drei Paar Wollsocken kosteten ebenfalls einen Taler.“

Oder auch nicht. Es kommt ganz darauf an, ob Sie Ihr Brot bei Aldi oder beim Bäcker, Ihr Fleisch beim Discounter oder beim Bio-Metzger und Ihre Schuhe bei Deichmann oder in einem anständigen Fachgeschäft kaufen.

Zurück zu den 27 Millionen Talern der Briten: Die umgerechnet 810 Millionen Euro würden dem heutigen Berliner Finanzsenator allenfalls ein gequältes Lächeln entlocken: Beläuft sich der aktuelle Schuldenstand seines Landes doch auf stattliche 62 Milliarden Euro!

Nicht nur die Währungen und Preise haben sich verändert. Auch die Finanzwelt wird inzwischen von mehr Nullen beherrscht. Das gilt nicht nur für die Akteure, sondern auch für die Summen, mit denen inzwischen Banken zocken und Regierungen sich verschulden. Die 27 Millionen Taler an Preußen waren dennoch ein ungeheurer Betrag. Er überstieg die jährlichen Einnahmen des Staates um das Vierfache.

Im Vergleich zu damals steht Berlin heute gar nicht so schlecht da: Um den Haushalt des pro Kopf am höchsten verschuldeten Bundeslandes zu sanieren, müsste ein Gönner, Retter oder Weißer Ritter lediglich das Dreifache der jährlichen Berliner Staatseinnahmen beisteuern. Letztere belaufen sich auf knapp 20 Milliarden Euro. Wenn das mal kein Fortschritt ist …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Als der Rubikon überschritten wurde

Dienstag, 10. Januar 2012

“Alea iacta est”, der Würfel ist geworfen: Mit diesen Worten überschritt Gaius Julius Caesar an der Spitze seines Heeres den Rubikon, den Grenzfluss zwischen Ober- und Mittelitalien.

“Der Rubikon ist überschritten”: Mit diesen Worten soll Bundespräsident Wulff dem Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann via Abrufbeantworter das Ende einer langjährigen Freundschaft angedroht haben. Die langjährige Freundschaft endgültig aufgesagt hatte mit seinem kühnen Wort und der nicht minder gewagten Flussüberquerung Caesar. Adressat war sein ehemaliger Verbündeter Pompeius. Der bestimmte als starker Mann in Rom die Geschicke des Senats.

Eigentlich hätte Caesar, um Freundschaft mit Pompeius zu wahren und Frieden mit Rom zu halten, sein Heer auflösen müssen. Er tat das Gegenteil. Der Schritt des ehrgeizigen Politikers über den Rubikon kam einer Kriegserklärung gleich. In der folgenden Schlacht besiegte Caesar Pompeius und beerbte dessen Position.

Christian Wulff als ehrgeizigen Politiker zu bezeichnen wäre eine Beleidigung seines Amtes. Als höchstes in der Bundesrepublik zu erreichendes ist es stets die letzte Station einer politischen Karriere. Deren vorzeitiges Ende wollte der Amtsinhaber mit seinem Anruf – dem weitere bei Konzernchef Matthias Döpfner und Verlagseignerin Friede Springer folgten – verhindern und die bislang willfährige Bild-Zeitung zum Schweigen über wenig präsidiales Finanzgebaren verpflichten.

Warum Wulff ausgerechnet den Rubikon-Vergleich bemühte, wird wohl sein Geheimnis bleiben: Saß der gebürtige Osnabrücker doch schon in Berlin; zwar nicht im Senat, sondern in Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten!

Von einem im nicht weit von Osnabrück entfernten Bielefeld aufgewachsenen Pressebüttel unter Hinweis auf ein Ereignis, das am 10. Januar des Jahres 49 vor unserer Zeitrechnung stattgefunden hatte, Wohlverhalten einzufordern, ist eines Oberhauptes eines sich nicht im Bürgerkrieg befindlichen Staates unwürdig. Ein Bundespräsident ist kein Kriegsherr und ein Bild-Chefredakteur kein Pompeius.

Hätte nur noch gefehlt, dass Wulff der Rubikon-Anspielung den berüchtigten Satz vorangestellt hätte: Alea iacta est.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Immer noch ein Schnäppchen: die T-Aktie

Freitag, 18. November 2011

„Der Oktober ist einer der besonders gefährlichen Monate, um mit Wertpapieren zu spekulieren“, fand nicht nur ein berühmter amerikanischer Spötter und Satiriker. Auch nach dem Ableben Mark Twains kam es zu ungewöhnlich vielen Abstürzen an der Börse (siehe unseren Newsletter vom 19. Oktober 2007: Schwarzer Oktober?).

Vielleicht war das ein Grund für die Deutsche Telekom AG, mit ihrem Börsengang bis Mitte November zu warten. Heute vor 15 Jahren war es endlich so weit: Vorstandsvorsitzender Ron Sommer verkündete damals voller Selbstbewusstsein, durch den Kauf der neuen Volks-Aktie steige der Normalverbraucher zum stolzen Wertpapierbesitzer auf.

Die weitere Kursentwicklung schien Sommer Recht zu geben. Der Ausgabekurs betrug 28 Mark 50, umgerechnet 14,57 Euro. Bald wurden auf dem Börsenparkett mehr als 100 Euro für die Telekom-Aktie hingelegt. Beflügelt wurde der rasante Aufstieg durch eine aufwändige Werbekampagne, in welcher der beliebte Schauspieler Manfred Krug die T-Aktie unentwegt als clevere und idiotensichere Geldanlage anpries.

Am 6. März 2000 erreichte das Papier mit 103,50 Euro seinen Höchststand. Anderthalb Jahre später war es bereits wieder unter seinen Ausgabekurs gesunken. Das Platzen der Internetblase traf auch den ehemaligen Staatskonzern.

Doch war dies in den Augen des Telekomchefs nicht der alleinige Grund für den Niedergang. Neben dem Lieblingsfeind, dem Leiter der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation, machte Sommer die Journalisten aus: In der Weise, wie die Schreiberlinge das Papier hochgejubelt hätten, machten sie dieses nun, wo der Wind sich gedreht hätte, erbarmungslos nieder.

Sommers Fazit im Mai 2002: „Die T-Aktie ist mit 12 Euro ein Schnäppchen.“ Einen Monat und eine Aktionärshauptversammlung später war sie ein Mega-Schnäppchen: Nur noch 8,14 Euro mussten dafür berappt werden. Das war lange Zeit der historische Tiefstand, bis die Aktie in diesem Jahr auf unter acht Euro sank.

Eine Erklärung des Phänomens findet man wieder mal bei Mark Twain. Seiner Börsenanalyse fügte der Hobbyguru bezüglich der besonders gefährlichen Monats noch einen zweiten Satz an: „Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“ Das gilt ganz besonders für die Telekom-Aktie.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Fast bankrott und doch nicht am Ende

Donnerstag, 17. November 2011

Wissen Sie noch, welches Land die Wirtschafts- und Finanzkrise als erstes traf? Es ist so groß wie die Ex-DDR, liegt am Rand unseres Kontinents und heißt nicht Griechenland.

Seine Währung, die Krone, hat gegenüber dem Euro zwischenzeitlich die Hälfte an Wert verloren, die Arbeitslosigkeit beträgt zuvor nie dagewesene 8 %.

Immerhin: Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist mit 31 500 Euro gegenüber 30 500 Euro weiterhin höher als das deutsche. Doch was nützt das, wenn die durch den Zusammenbruch dreier privater Banken jedem Steuerzahler hinterlassenen Schulden das Fünffache betragen?

Das ehemals fünftreichste Land der Welt stand vor 3 Jahren am Rand des Ruins. Gerade berappelt es sich wieder, indem es sich auf seine Wurzeln besinnt, von denen es sich in den Jahren des ökonomischen Booms doch allzu weit entfernt hatte.

Wie alles zusammenbrach und warum es sich jetzt wieder bessert, erfahren Sie, wenn Sie Island. Ein Länderporträt lesen.

Die Autorin Marie Krüger hat in Island studiert, die schwierige Sprache erlernt und fährt immer wieder hin. Sie attestiert dem überaus gebildeten Volk, „dass es in Krisenzeiten zu einer Rückbesinnung auf das kommt, was immer schon isländisch war und Niedergänge überdauert hat.“ Die Isländer waren halt immer etwas Besonderes. Die Insel verfügte ursprünglich über keine eigene Bevölkerung, sondern wurde erst im Mittelalter von Norwegen aus besiedelt.

Trotzdem entwickelten die Isländer sehr früh eine eigene Schriftsprache. Den Vorsprung gegenüber anderen Ländern hielten sie bis heute. In keinem anderen der Welt ist die Dichte an Schriftstellern so hoch.

Zu den 7 Nationalhelden, die Marie Krüger ausgemacht hat, zählen überwiegend Literaten: Egill Skallagrímsson und Snorri Sturlusson verfassten im 10. beziehungsweise 12. Jahrhundert Chroniken ihres Landes und leiteten auch die politischen Geschicke; Jon Sigurdsson sammelte und archiviere die altisländischen Handschriften und leitete die Loslösung von der jahrhundertelangen dänischen Kolonialherrschaft ein; Jónas Halgrimsson begründete die isländische Romantik und verfestigte das Nationalbewusstsein; der Nobelpreisträger Halldór Laxness und die frühere Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir (siehe unseren Newsletter vom 15. April 2010: Die erste demokratisch gewählte Präsidentin) sind die berühmtesten Isländer des 20. Jahrhunderts.

Eine berühmteste Isländerin des 21. Jahrhunderts gibt es auch schon: Die Sängerin Björk Gudmundsdóttir komplettiert das Septett. Wenn Sie 16 Euro 90 sinnvoll investieren wollen, empfehle ich die 192 Seiten von Marie Krügers Islandbuch uneingeschränkt: Auf jeder einzelnen erfahren Sie garantiert etwas Neues. Endlich ein fundierter, umfassender, fachkundiger Band über das unbekannte Land im Norden Europas, das vor kurzem noch Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der zwölfte Mann im WM-Finale

Donnerstag, 3. November 2011

Drei Tore schossen die Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 gegen die Ungarn. Und kassierten 8. Am 20. Juni war das und ging als Opfergang von Basel – nicht in die Sportgeschichte ein. Ganz anders das Wunder von Bern 14 Tage später.

Bei der Niederlage in Basel handelte es sich nur um ein Vorrundenspiel, sodass der deutsche Kapitän Fritz Walter nach den 90 Minuten halbwegs erleichtert resümieren konnte: „Der Schiedsrichter pfiff ab – auch Katastrophen nehmen ein Ende.“

Im Endspiel trafen sich beide Teams wieder. Nach dem 8:3-Triumph waren die Ungarn diesmal haushoher Favorit. Doch traten die Deutschen in anderer Besetzung an. Zudem regnete es in Strömen.

Und hier kommt ein 12 Mann ins Spiel, der einen großen Anteil am überraschenden deutschen Erfolg hatte. Heute vor 111 Jahren wurde er in Herzogenaurach geboren. Dort befand sich auch seine Firma. Sie stattete die von Sepp Herberger trainierten Kicker mit ganz besonderen Fußballschuhen aus. Die waren mit Schraubstollen versehen und verschafften ihren Trägern bei tiefem, nassen Boden einen klaren Vorteil gegenüber ihren rutschanfälligen Gegnern.

Wer weiß, vielleicht wäre ein Schraubstollen tragender ungarischer Torwart Gyula Grosics noch an den Weitschuss des Helmut Rahn herangekommen, der den Deutschen das 3:2-Endergebnis bescherte.

Das alles konnte Adi Dassler egal sein. Seine Sportschuhfirma florierte fortan dank des bundesrepublikanischen Wirtschaftswunders im allgemeinen und der Teilhabe am Wunder von Bern im besonderen. Letzteres hat im kollektiven Gedächtnis der Fußballnation ebenso Platz gefunden wie das Unternehmen adidas auf dem Weltmarkt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ärzte wehren sich

Dienstag, 13. September 2011

Über kaum einen Beruf kursieren so viele Witze, Bonmots und Anekdoten wie über Ärzte. Klar, dass sich die Zunft der Weißkittel irgendwann einmal wehren musste. Das tat sie heute vor 111 Jahren.

„Lasst uns eine feste, zielbewusste Organisation schaffen zum Zwecke einer energischen Vertretung unserer aufs Äußerste gefährdeten Interessen! Schließen wir uns fest zusammen, der Einzelne ist nichts, alle zusammen sind wir eine Macht.“

Der Forderung des Leipziger Mediziners Hermann Hartmann schlossen sich die Kollegen rasch an. Aktuell gehören dem nach dem Tod des Gründers 1923 in Hartmannbund umgetauften Interessenverband rund 60 000 Ärzte an. Deren politische Schlagkraft zu erhöhen ist eines der erklärten Ziele der Organisation. Davon zeugen zahlreiche gescheiterte Bundesgesundheitsminister.

Auch dem aktuellen Amtsinhaber dürften bereits Wochen vor seinem rituellen Auftritt beim Bundesärztetag die Knie geschlottert haben. Bezeichnend ist, dass Daniel Bahrs Vorgänger Philipp Rösler das Ministerium wechselte, sobald er neuer Vorsitzender der FDP war. Auch das Wirtschaftsressort, welches Rösler nun bekleidet, gilt nicht gerade als Erholungsheim; doch wird dort mit weniger harten Bandagen gekämpft als im Gesundheitswesen.

In einem immer mehr durch finanzielle Einschränkungen gebeutelten Sektor setzt sich der Hartmannbund hauptsächlich dafür ein, dass die freie und unabhängige ärztliche Berufsausübung nicht der Kostendämpfungspolitik zum Opfer fällt: Das Verhältnis Arzt-Patient soll weiterhin ein vertrauliches sein, möglichst unbelastet von Horrorvorstellungen wie Budgetierung, Wettbewerb und ökonomischem Wirtschaften.

Lobbyvereinigungen wie dem Hartmannbund wiederum wird seitens der Patienten und ihrer Kassen vorgeworfen, zur Wahrung von Besitzständen die moralische Keule zu schwingen. Und die Herren und Damen Minister, die gerade das Gesundheitsressort leiten müssen und das gesamte Wesen an Kommerzialisierung zugrunde gehen sehen, würden die laut jammernden Ärzte am liebsten an ihre Schweigepflicht erinnern.

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Die zwei Gesichter des US-Präsidenten

Freitag, 19. August 2011

Welche Person der Weltgeschichte, lebende eingeschlossen, hat die Welt am stärksten positiv verändert? Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut Emnid den Deutschen im Jahr 2005 (siehe unseren Newsletter vom 2. März 2006 Wer hat in der Weltgeschichte am positivsten gewirkt?).

Auf Platz 9 landete, noch vor Jesus Christus, ein ehemaliger US-Präsident, der heute 65 Jahre alt wird. Seine größte Leistung: Er befreite die Vereinigten Staaten von ihrer immensen Verschuldung. Leider machte sein Nachfolger George W. Bush dieses Werk wieder zunichte. Finanzielle Hauptlast waren die Kriege, welche die USA seit 2001 führte und immer noch führt. Soviel zur Politik.

Nun zur eigentlichen Aufgabe dieses Newsletters: dem Smalltalk. Sicher haben Sie schon erraten, dass es in der aktuellen Ausgabe um Bill Clinton geht. Er zählte zu den am stärksten beeindruckenden Staatsmännern in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, folgt man einer Studie der Duisburger Gerhard-Mercator-Universität: Psychologie-Professor Siegried Frey führte Testpersonen in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten Videoclips von 180 Politikern vor. Der Ton war abgeschaltet, nur die Bilder zählten. Ergebnis: Die charismatischsten Politiker, die ihr Publikum mit ihrer Körpersprache und ihrem äußeren Erscheinungsbild auf Anhieb für sich einnahmen, waren Ronald Reagan, Bill Clinton und Gerhard Schröder.

Weniger positiv für Clinton fiel eine andere psychologische Studie aus. US-Wissenschaftler der University of Illinois in Chicago fanden heraus, dass sich bei Lügnern das Riechorgan verändert. Bei Täuschungsabsichten drängt, bedingt durch die Aufregung, mehr Blut in die Nase als üblich. Mit der Folge, dass sie zu wachsen beginnt. Zwar ist der Effekt kaum sichtbar, doch fassen sich Lügner öfter als üblich an ihre plötzlich juckende Nase.

Die Forscher analysierten auch Aufnahmen von Clinton, als er noch im Amt war und zu seinen sexuellen Eskapaden mit der Praktikantin Monica Lewinsky aussagte. Mr. President war auffällig einsilbig, blickte unsicher umher und fasste sich häufiger an die Nase als sonst. Für die Psychologen war dies der Beweis, dass Clinton in der Lewinsky-Affäre log.

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125 Jahre Automobil

Donnerstag, 11. August 2011

„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Dieser Einschätzung Wilhelms II. schenkten seine Zeitgenossen vermutlich nicht viel glauben. Der Preußenkönig und Deutschenkaiser glaubte schließlich auch bis zu dessen Untergang, dass sein Reich den Ersten Weltkrieg gewinnen würde. Wie wir inzwischen wissen, strafte auch bezüglich der fahrbaren Untersätze die Geschichte den Großsprecher aus dem Hause Hohenzollern Lügen.

Im Jahr 2011 feiert die Automobilbranche ihr 125-jähriges Jubiläum. Am 29. Januar 1886 beantragte ein Dr. Carl Benz in Mannheim ein Patent für seinen dreirädrigen Motorwagen. Angetrieben wurde das Gefährt von einem Einzylinder mit einer dreiviertel Pferdestärke. Mittlerweile sind in Deutschland mehr als 50 Millionen Motorfahrzeuge zugelassen, die meisten davon weisen vier Räder auf. Nach Angaben des Automobilclubs ADAC besitzen 83 Prozent aller Haushalte hierzulande einen eigenen Pkw. Doch birgt der Siegeszug des Selbstfahrers auch etwas Kontraproduktives: „Das Automobil“, erkannte der frühere BMW-Chef Eberhard von Kuenheim, „ist so erfolgreich, dass es nur einen wirklichen Feind hat, nämlich sich selbst. Seine massenhafte Verbreitung ist eine Herausforderung an die Zukunft des Straßenverkehrs.“

Hier könnte Wilhelms II. Prophezeiung vielleicht doch noch in Erfüllung gehen. Vor allem, wenn er gesagt hätte: „Ich glaube an den Esel.“ Ein solcher aus Draht degradiert das Auto, zumindest in den Städten, immer häufiger zum Verkehrsmittel zweiter Wahl.

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Ein umstrittener Manager

Dienstag, 9. August 2011

„Der wahre Grund für die Arbeitslosigkeit ist die Gleichgültigkeit – der Nichtbetroffenen“. Dieser bemerkenswerte Satz stammt von einem deutschen Manager, dessen Namen ich Ihnen erst am Ende dieses Beitrags verrate.

Heute vor 70 Jahren wurde er im saarländischen St. Ingbert geboren. Erste mediale Aufmerksamkeit erlangte der Sohn eines Völklinger Hüttenarbeiters als Personalvorstand von Volkswagen. Dort führte er die Vier-Tage-Woche ein, bei annähernd vollem Lohnausgleich. Das schaffte recht angenehme Bedingungen für die Beschäftigten und sorgte für neue Arbeitsplätze. Dem Unternehmen hat’s nicht geschadet. Warum sich der Manager das Wohlwollen der Belegschaft mit Schmiergeldzahlungen an die Betriebsräte erkaufen musste, bleibt sein Geheimnis. Dafür verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig zu einer Bewährungsstrafe von 2 Jahren, kombiniert mit einer Strafe von mehr als einer halben Million Euro.

Das glimpfliche Urteil ließ einige Medienbeobachter schäumen, gerät aber angesichts ähnlicher Richtersprüche gegen vorteilnehmende und steuerhinterziehende Ex-Vorstandschefs wie etwa Klaus Zumwinkel allmählich in Vergessenheit. Nicht so unser Manager: Der schuf sich selbst im Jahr 2002 ein Denkmal. Von der damaligen Schröder-Regierung war er gebeten worden, den Arbeitsmarkt in Deutschland umzugestalten und die Vermittlung von Arbeitslosen zu optimieren. Sein Hauptgedanke war, die Bezahlung von Kräften, die länger als ein Jahr ohne Arbeit waren, unabhängig vom früher erzielten Lohn zugestalten. Die Einheitsvergütung von Langzeitarbeitslosen war geboren. Der Volksmund taufte sie im Namen des Erfinders: Hartz IV.

Die entwürdigenden Begleiterscheinungen, welche die Bezieher zuweilen in die Arme moderner Sklavenhalter, Zeitarbeitsfirmen genannt, und zur Annahme so genannter Ein-Euro-Jobs treiben, gehen freilich nicht auf Peter Hartz zurück. Das heutige Geburtstagskind hatte in seinem Konzept dem Prinzip des Förderns erheblich mehr Gewicht eingeräumt als demjenigen des Forderns.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Mannschaft ohne Eigenschaften

Montag, 8. August 2011

Fußball ist ein – in exakt gleicher Form niemals wiederholbarer – künstlerischer Schaffensprozess mit stets ungewissem Ausgang. Diese Definition stammt vom Journalisten Harald Irnberger, der mit Die Mannschaft ohne Eigenschaften eines der besten Fußballbücher überhaupt geschrieben hat. Darin stellt der Österreicher ebenfalls die These auf, dass sich in diesem Sport gesellschaftliche Tendenzen nicht nur spiegeln, sondern vorweggenommen werden.

Die Globalisierung etwa hatte im Fußball längst Einzug gehalten, als der Begriff weder in der Wirtschaft noch in der Politik geprägt war. Real Madrid, der FC Barcelona, Inter und AC Mailand erzielten in den 1950er und 60er Jahren ihre großen Erfolge mit internationalen Stars aus Argentinien, Brasilien, Frankreich und Ungarn. Damals durften noch nicht so viele Ausländer in einer Mannschaft spielen wie heute. Die Vereine behalfen sich mit dem Mittel der Einbürgerung. Durch die Überschwemmung der einheimischen Ligen mit ausländischen Kickern hat der italienische, spanische und englische Fußball bereits einen guten Teil seiner Identität verloren. Den Rest besorgte das Gewinnstreben.

In erster Linie muss eine Mannschaft ökonomisch erfolgreich sein: Globaler Vertrieb von Fanartikeln, Verschachern von TV-Übertragungsrechten, geschickte Platzierung von Fußballspielern in der Werbung steigern den Wert der Stars. Davon profitiert auch der Verein, der, wenn schon nicht durch attraktive Spielweise, als Marke einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Spitzenbegegnungen der europäischen Fußballligen werden in 150 Länder der Erde live übertragen, was wiederum eine kostenlose Werbung für die Artikel bedeutet, die an jeder Ecke des globalen Dorfs zum Verkauf aushängen.

Wirtschaftliches Kalkül trifft auf politische Gaunerei: Ein Florentino Perez investierte als Präsident von Real Madrid rund eine Milliarde Euro in neue Spieler. Möglich wurde dies durch unkontrollierte Schuldenaufnahme und den Verkauf eines vereinseigenen Trainingsgeländes an die Stadt zu einem grotesk hohen Preis. Den AC Mailand erkor sich Silvio Berlusconi als Spielwiese: Im Verein erprobte er die halb- und illegalen Methoden, mit denen er später auch den italienischen Staat unterwanderte. In England sind sämtliche Großklubs in der Hand ausländischer Milliardäre: Unter ihnen war der russische Besitzer des FC Chelsea der indiskreteste, bis ein Scheich aus Abu Dhabi Manchester City übernahm. Dessen Kollegen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vereinnahmten Arsenal, Manchester United und der FC Liverpool sind in der Hand amerikanischer Investoren.

Der Fußball hat sich im Netz der Globalisierung verfangen, aus dem er so leicht nicht mehr freikommt. Schon gar nicht wird der Autor der brillanten Analyse, die auch noch in Jahrzehnten gültig sein dürfte, dies erleben: Am 8. August 2010 starb, 60-jährig, Harald Irnberger.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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