Der zwölfte Mann im WM-Finale
Donnerstag, 3. November 2011Drei Tore schossen die Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 gegen die Ungarn. Und kassierten 8. Am 20. Juni war das und ging als Opfergang von Basel – nicht in die Sportgeschichte ein. Ganz anders das Wunder von Bern 14 Tage später.
Bei der Niederlage in Basel handelte es sich nur um ein Vorrundenspiel, sodass der deutsche Kapitän Fritz Walter nach den 90 Minuten halbwegs erleichtert resümieren konnte: „Der Schiedsrichter pfiff ab – auch Katastrophen nehmen ein Ende.“
Im Endspiel trafen sich beide Teams wieder. Nach dem 8:3-Triumph waren die Ungarn diesmal haushoher Favorit. Doch traten die Deutschen in anderer Besetzung an. Zudem regnete es in Strömen.
Und hier kommt ein 12 Mann ins Spiel, der einen großen Anteil am überraschenden deutschen Erfolg hatte. Heute vor 111 Jahren wurde er in Herzogenaurach geboren. Dort befand sich auch seine Firma. Sie stattete die von Sepp Herberger trainierten Kicker mit ganz besonderen Fußballschuhen aus. Die waren mit Schraubstollen versehen und verschafften ihren Trägern bei tiefem, nassen Boden einen klaren Vorteil gegenüber ihren rutschanfälligen Gegnern.
Wer weiß, vielleicht wäre ein Schraubstollen tragender ungarischer Torwart Gyula Grosics noch an den Weitschuss des Helmut Rahn herangekommen, der den Deutschen das 3:2-Endergebnis bescherte.
Das alles konnte Adi Dassler egal sein. Seine Sportschuhfirma florierte fortan dank des bundesrepublikanischen Wirtschaftswunders im allgemeinen und der Teilhabe am Wunder von Bern im besonderen. Letzteres hat im kollektiven Gedächtnis der Fußballnation ebenso Platz gefunden wie das Unternehmen adidas auf dem Weltmarkt.
Autor von Small-Talk-Themen.de


