Antiker und moderner Generationenkonflikt

Der eine ist Herrscher über sein Reich und doch sein Sklave: Er schiebt die Gesetze und das Interesse des Staates vor, um zu tun, was seine Pflicht ist. Die andere hört auf ihre innere Stimme und ihre Ideale, um zu tun, was sie für moralisch gerechtfertigt hält. Der eine, das ist König Kreon, der sein Land zum Wohle seiner Untertanen regiert – selbst wenn er dabei gegen moralische Überlegungen verstößt. Die andere, das ist seine Nichte Antigone, die solchen alle inneren Werte verleugnenden Opportunismus schlicht gesagt zum Kotzen findet: „Ich will nicht ja sagen zu allem, ich habe mir die Freiheit bewahrt, nein zu sagen zu dem, was dem Sittengebot widerspricht.“

Der Stoff für die Antigone stammt aus der Antike; verfasst hat ihn Sophokles. Daraus hat der vor 100 Jahren geborene Jean Anouilh ein modernes Drama gemacht, das heute noch gern im Französischunterricht behandelt und auf deutschen Schulbühnen aufgeführt wird. Die Protagonisten sind dieselben wie bei Sophokles: Die Titelheldin und ihr Verlobter Hämon repräsentieren die unangepasste Jugend, Kreon die Welt der Erwachsenen, die es gut meinen und doch das Falsche tun.

Bei Sophokles wurde sich noch gegen die Vorschriften der Götter aufgelehnt, Anouilh kritisiert die Unterordnung alles Moralischen unter eine nicht hinterfragte Staatsräson. Am Ende sterben Hämon und Antigone an ihrer Verzweiflung, Kreon muss mit seinem schlechten Gewissen weiterleben. Oder besser gesagt: weiter funktionieren.

Anouilhs 1944 geschriebenes Stück über den Generationenkonflikt hat nichts von seiner Aktualität verloren. Es regt die Alten zum Nachdenken an – und raubt der Jugend ihre Illusionen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Kommentar to “Antiker und moderner Generationenkonflikt”

  1. small-talk-themen.de schreibt dazu:


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