Aus großer Höhe auf die Männerwelt herabschauen
Wenn es stimmt, dass emanzipierte Frauen auf Männer bewundernd herabschauen wollen, tat sie dies aus großer Höhe: Amelia Earhart war eine Frauenrechtlerin, die auf ihr gutes Aussehen ebenso wenig gab wie auf ihre guten Schulnoten. Auch ein Medizinstudium brach sie nach einem Jahr ab. Nein, sie wollte höher hinaus, nachdem sie mit 23 Jahren zum ersten Mal in einem Flugzeug saß.
Sie nahm Flugstunden, arbeitete in allen möglichen Nebenjobs und kratzte so viel Geld zusammen, bis sie sich nach einem Jahr ein Flugzeug kaufen konnte. 1928 überquerte sie als erste Frau den Atlantik – leider nur als Passagierin. Doch war dies der Presse in ihrer amerikanischen Heimat so viele Schlagzeilen wert, dass sie zur Frau des Jahres gewählt wurde.
Natürlich ließ sie der eher passiv erworbene Ruhm nicht ruhen, bis sie es Charles Lindbergh gleichtun konnte und 1932 im Alleinflug den Großen Teich überflug; diesmal als Pilotin. Amelia Earhart nutzte ihre Popularität, um für die Gleichberechtigung der Frauen in Beruf und Gesellschaft einzutreten. Hatte sie doch in einem ureigenen Männermetier bewiesen, dass Frauen gleichwohl zu technischen Höchstleistungen in der Lage waren.
Ihre große Leidenschaft sollte der heute vor 111 Jahren Geborenen allerdings zum Verhängnis werden. Sie trat an, um als erster Mensch die Welt entlang des Äquators zu überfliegen. Vier Fünftel der Strecke hatte sie bereits geschafft, als sie am 2. Juli 1937 in Neuguinea zur letzten Etappe aufbrach. Amelia Earhart kam nie am Ziel an, weder ihre Leiche noch ihr Flugzeug wurden gefunden.
Autor von Small-Talk-Themen.de


