Bescheidenheit ist keine Zier
„Bescheidenheit ist die schlimmste Form der Eitelkeit“, fand der französische Missionar Charles de Foucauld. Offenbar hatte der fromme Mann in seinem Leben viele Dankesreden gehört, die von ihren Preisträgern mit den Worten begonnen wurden, sie hätten den Preis ja gar nicht verdient. Nichts langweilt ein Publikum mehr als unterwürfige Buhlerei um Komplimente. Das sah offenbar auch der Althistoriker Christian Meier so, als ihm vor einem Jahrzehnt ein begehrter Preis verliehen wurde.
Der damals noch an der Münchner Universität lehrende Professor begann seine Dankesrede mit folgenden Worten: „Meine Damen und Herren, wenn ich heute mit dem Cicero-Rednerpreis ausgezeichnet werde, denke ich, dass ich diese Auszeichnung“ – es folgte eine kleine Pause, in der Meier kurz innehielt – „verdient habe.“ Alle im Saal lachten befreit auf, und anschließend konnte der Vortragende in aller Ruhe sein Redetalent beweisen.
Heute wird Meier wieder eine Dankesrede halten müssen, wenn ihm allerlei Honoratioren zum 80. Geburtstag gratulieren. Bescheiden muss der Autor grundlegender Werks über das antike Athen und den römischen Feldherrn Caesar nicht an den Tag legen. Schließlich gehört er zu Deutschlands größten Althistorikern. Das sieht auch der renommierte Siedler Verlag so: Für seine brandneue Geschichte Europas hat er Meier mit der Fertigstellung des ersten Bandes Die Alte Welt betraut.
Autor von Small-Talk-Themen.de



16. Februar 2009 at 10:26
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