Ein Kreuzzug, der nie stattfand
Tewodros II. von Äthiopien kommt das Verdienst zu, aus einem zerstrittenen, in viele Fürstentümer gespaltenen Territorium ein in sich geschlossenes, später sogar mächtiges Reich geschaffen zu haben. Nachdem die Einigung des Landes vollzogen war und sich das Christentum in Äthiopien endgültig gegen den Einfluss des Islam durchgesetzt hatte, wurde der Kaiser größenwahnsinnig.
Er machte es sich zum Ziel, die Muslime weiter zurückzudrängen und sogar Jerusalem aus ihren Händen zu befreien. Für einen solchen Kreuzzug wollte Tewodros die Unterstützung Englands gewinnen. Dort stieß sein Plan wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg auf ebenso wenig Gegenliebe. Um seinem Vorhaben Nachdruck zu verleihen, setzte Tewodros einige britische Diplomaten fest. Das wiederum wollten sich Königin Victoria und die Regierung in London nicht gefallen lassen: Sie rüsteten eine militärische Expedition zur Befreiung der Gefangenen aus.
Heute vor 140 Jahren kreuzte das britische Heer vor der Festung Magdala im zentraläthiopischen Bergland auf, wo Tewodros sich verschanzt hatte. Nach kurzem Gefecht mussten die Einheimischen kapitulieren, und der alle seine Pläne vernichtet sehende Herrscher jagte sich eine Kugel durch den Kopf. Und Jerusalem? Die Stadt blieb unter türkischer Herrschaft, bis sie 1917 im Verlauf des Ersten Weltkriegs von britischen Truppen erobert wurde.
Autor von Small-Talk-Themen.de



10. April 2008 at 10:52
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