Ein Tier, das vielen Menschen Freude bereitet hat
Jedes Kind in Spanien kennt Juan Ramón Jiménez, und auch bei uns mag der Schriftsteller manch aktuellem und ehemaligem Schüler ein Begriff sein. Das liegt daran, dass Jiménez’ Geschichten um einen langohrigen Vierbeiner in kaum einer Schulfibel fehlten: „Platero, mein silbergrauer Esel, ist klein, haarig, weich; so sanft fühlt er sich an, dass man sagen möchte, er sei ganz aus Watte und habe keine Knochen.“
Mit seinem Besitzer und Ich-Erzähler unternimmt Platero Streifzüge durch sein andalusisches Heimatdorf, auf dem Hexenweg, zu den Feigenhainen und zurück zum Stall, wo er seinen Mittagsschlaf hält. Sie nehmen an der Weinlese teil und an der Fronleichnamsprozession, beobachten im Frühling die ersten Schwalben und bescheren einem schwindsüchtigen Mädchen mit einem kurzen Ausritt eine glückliche Stunde.
Einmal tritt sich das Eselchen einen Dorn in den Huf, doch auch das ist kein Problem: „Ich fühlte Plateros Schmerzen mit und habe den Dorn ausgerissen“, schreibt Jiménez. „Darauf sind wir weitergezogen zu dem weiß schimmernden Meer. Ich voran, und er hinter mir. Immer noch etwas hinkend, gab er mir sanfte Stöße in den Rücken.“
All diese Erlebnisse hat der Autor – 1956 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur belohnt – in unzähligen kleinen Geschichten verewigt. Tieftraurig ist die von Plateros Tod, doch die erspare ich Ihnen. Heute vor fünfzig Jahren folgte Jiménez seinem vierbeinigen Helden auf den letzten Weg. Ob er ihn wiedergetroffen hat?
Autor von Small-Talk-Themen.de


