Spendabler Schmutzli, kreuzbrave Klausjäger

Im westlichen unserer beiden alpinen Nachbarländer – das wissen treue Leserinnen und Leser unseres Newsletters – hört der Nikolaus auf den Namen Samichlaus; der Assistent des Weißbärtigen wird Schmutzli genannt. Diese Nacht treten sie wieder in Aktion. In der schönen Stadt Küssnacht am Rigi – diese wiederum ist den Schiller-Kundigen unter der Leserschaft bekannt – werden der Samichlaus und sein Gehilfe von einer Horde junger Burschen begleitet, die sich Klausjäger nennen.

Deren vornehmste Aufgabe war es, in der Nikolausnacht durch die Gassen ihres sonst eher stillen Heimatörtchens zu ziehen: In Hooliganmanier wurden unbedarften Passanten Lebens- und Genussmittel, gerne in Form von Alkohol, abgepresst. Hatten die so Angepöbelten weder Ess- noch Trinkbares dabei, konnten sie sich auch mit einem kleinen Geldgeschenk aus der Klemme ziehen. Die Schweiz ein Biotop für Hooligans? Das war einmal! Inzwischen läuft unterhalb des heiligen Berges der Eidgenossen alles in geordneten Bahnen ab:

Die Klausjäger haben sich in einem braven Umzug organisiert, und der Küssnachter Schmutzli verteilt währenddessen sogar selber Geschenke – Nüsse, Krapfen, Dörrobst – an die Umstehenden. Ist der Umzug vorbei, spalten sich die Klausjäger in kleine Gruppen auf und klingeln an den Häusern, um noch Trinkbares zu ergattern. Doch auch hier geht es recht zivil zu.

Hooligans dulden weder die Schweizer noch deren östliche Anrainer – nicht in der Nikolausnacht, und schon gar nicht während der Fußball-Europameisterschaft im nächsten Jahr.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Kommentar to “Spendabler Schmutzli, kreuzbrave Klausjäger”

  1. Ein Brauch findet seine Unschuld wieder | Small Talk-Themen - Blog schreibt dazu:

    […] der schöne Schweizer Brauch des Klausjagens (siehe unseren Newsletter vom 5. Dezember 2007) erstmals schriftlich erwähnt – und damit historisch belegt – wurde, hatte er […]

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