Stil schon, aber leider keine Ideen
„Was den guten Journalisten ausmacht“, haben wir Ihnen letzte Woche anhand des Beispiels von Egon Erwin Kisch nähergebracht. Was aber macht den schlechten Journalisten aus?
Laut dem früheren Fernsehmoderator Robert Lembke handelt es sich dabei um einen Mann, der die eine Hälfte des Lebens damit verbringt, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß und die andere Hälfte, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß. Der Satiriker Karl Kraus meinte, keinen Gedanken zu haben und ihn ausdrücken zu können, mache den Journalisten, und ein besonders schlechter sei derjenige, der nachher alles vorher gewusst hat. Der britische Kriminalautor Gilbert Keith Chesterton behauptete gar, Journalismus bestehe in erster Linie darin, Leuten zu erzählen, Lord Jones sei gestorben, die vorher nicht einmal gewusst hätten, dass Lord Jones überhaupt existierte. Und der deutsche Publizist Ulrich Erckenbrecht verstieg sich zu folgendem Vergleich: Wer Stil und Ideen hat, ist ein Schriftsteller. Wer Stil hat, aber keine Ideen, wird Journalist. Wer weder Stil noch Ideen hat, wird Germanist.
Beinahe überflüssig zu sagen, dass Erckenbrecht sich meist als Schriftsteller bezeichnet. Lassen wir die Journalisten jetzt in Frieden, heute ist der Internationale Tag der Pressefreiheit
Autor von Small-Talk-Themen.de


