Das legendäre schwarze Notizbuch

Pablo Picasso kritzelte gern darin herum. Ernest Hemingway gefiel die handliche Form ohne jeden Schnickschnack. Bruce Chatwin führte es immer mit sich, um seine Eindrücke von unterwegs zu notieren. Als letzterer dringend Nachschub benötigte, bestellte er gleich hundert Stück auf einmal.

Doch selbst das kleine Familienunternehmen in Tours an der Loire, das als einzig verbliebener Hersteller die Moleskine-Notizbücher produzierte, war mit dem enormen Bedarf des englischen Reiseautors überfordert. Bevor Chatwin nach Australien aufbrach, um für seinen künftigen Bestseller The Songlines – später auch auf Deutsch als Traumpfade erschienen – zu recherchieren, kaufte er alle Restbestände auf, denen er in Europa habhaft werden konnte.

Inzwischen erreichte das handgefertigte Büchlein mit dem harten, schwarzledernen Einband Kultstatus. Schließlich kam der kleine Mailänder Verlag Modo & Modo vor einem Jahrzehnt auf die Idee, das Produkt wieder auf den Markt zu bringen. Bruce Chatwin hat es nichts genützt; er starb bereits 1989 auf seiner letzten Reise: Unterwegs nach Afrika hatte den Aidskranken der Tod in Nizza eingeholt.

Als Hommage an den großen Schriftsteller und an das nicht minder berühmte Notizbuch gab der deutsche Fischer-Verlag die „Traumpfade“ zwei Jahrzehnte nach Erscheinen des englischen Originals in einer Sonderausgabe heraus: im Moleskine-Design, nicht größer als das legendäre Notizbuch – nur statt des schwarzen Einbandes mit einer australischen Landschaft versehen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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