Ein Brauch findet seine Unschuld wieder

Als der schöne Schweizer Brauch des Klausjagens (siehe unseren Newsletter vom 5. Dezember 2007) erstmals schriftlich erwähnt – und damit historisch belegt – wurde, hatte er bereits seine Unschuld verloren. In Küssnacht beschwerten sich die Ratsherren in einem Protokoll über die Auswüchse des adventlichen Treibens. Die Umzüge des Samichlaus und dessen Schmutzlis (so heißen der Schweizer Nikolaus und seine Gehilfen) wurden immer lärmiger und erschreckten die braven Küssnachter Bürger zu Tode.

Als später statt des Knallens von Peitschen wegen der größeren Lautstärke nicht selten sogar zu Pistolen gegriffen wurde, schritten die Offiziellen ein – zumal die Schusswaffen manchmal dazu verwendet wurden, Passanten nicht ganz freiwillige Geldgeschenke abzuverlangen. Die Sankt Nikolausengesellschaft zu Küssnacht wurde gegründet, damit das Klausjagen wieder in geordneten Bahnen verlief. Heute zählt der Verein 1600 Mitglieder. Leider nur männliche.

Um sich den jeweils in der Nacht vom 5.&bsp;auf den 6. November veranstalteten Umzug anzuschauen, strömen alljährlich bis zu 20 000 Menschen in das Städtchen am Rigi, dem heiligen Berg der Schweizer. Wollen Sie mehr über das Spektakel erfahren, empfehle ich Ihnen die Internetseite www.klausjagen.ch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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