Ein Land, das zweimal unabhängig wurde
Am Wochenende feiert Estland seinen Unabhängigkeitstag: Das kleine Land im Norden Europas stand die längste Zeit unter Einfluss von außerhalb: Zuerst räuberten dort die Wikinger, dann eroberten es die Dänen, anschließend missionierten die geistlichen Ritter vom Deutschen Orden die Region. 1721 wurde Estland russisch – und blieb es bis zum 24. Februar 1918:
Die Schwäche der Großmacht nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Zarenreiches ausnutzend, erklärte das kleine Ostseevolk an diesem Tag seine Selbstständigkeit. Ihre Freiheit genoss die neue Nation nur gut zwei Jahrzehnte lang; dann besetzte die sowjetische Rote Armee das gesamte Baltikum und annektierte die drei bis dato souveränen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die zweite Unabhängig begann für Estland am 20. August 1991. Sie dauert bis heute an. Eine Gefahr der Rückeroberung durch die längst untergegangene Sowjetunion besteht zum Glück nicht mehr.
Die Ungebundenheit ist dem 1,5-Millionen-Volk gut bekommen: In der PISA-Studie belegt es stets vordere Plätze, das Land weist mit 0,2 Prozent die niedrigste Analphabetenrate weltweit auf, und was die Zahl der Internetanschlüsse pro Einwohner betrifft, kann ihm ebenfalls kein anderer Staat das Wasser reichen. Nur die Verständigung mit den Einheimischen ist problematisch: Das Estnische ist keine indogermanische Sprache, sondern eng mit dem Finnischen verwandt.
Fahren Sie trotzdem hin: Selbst wenn Sie außer tere – das heißt „hallo“ – kein Wort Estnisch sprechen, kommen Sie gut klar. Viele Esten sprechen neben Finnisch und Englisch auch Schwedisch und Deutsch.
Autor von Small-Talk-Themen.de



21. Februar 2008 at 16:41
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