Ein Schiff, das nicht jedem Glück brachte

Heute ist Nationalfeiertag auf dem zweitsüdlichsten Kontinent: Die Australier gedenken der Ankunft der ersten weißen Siedler heute vor 220 Jahren. Was für die Ankömmlinge in der Rückbetrachtung nach einer grandiosen Erfolgsgeschichte aussieht, bedeutete aus Sicht der Ureinwohner einmal mehr eine schreckliche Begegnung mit europäischen Eroberern.

Das liest sich ganz einfach aus jeder australischen Einwohnerstatistik. Bis heute ist der Anteil der Aborigines an der Gesamtbevölkerung auf ganz zwei Prozent geschrumpft. Es waren auch für abendländische Verhältnisse merkwürdige Gestalten, die an jenem 26. Januar 1788 in der Botany Bay an Land gingen: rund 1000 überwiegend britische Kriminelle, die in der Heimat nicht Fuß zu fassen vermochten und derer sich die Justiz durch Deportation möglichst weit weg vom Mutterland für immer zu entledigen suchte. Das klappte so gut, dass man jedes Jahr zwei neue Schiffe mit Sträflingen in die neue Kolonie entsandte. Später wurden auch Nichtkriminelle zur Einwanderung zugelassen.

Inzwischen hat sich Australien zum – nach den USA und Kanada – beliebtesten außereuropäischen Ziel für Auswanderer entwickelt. Aus Deutschland wagten im Jahr 2007 von 161000 Emigranten 3300 den Schritt ins Land down under. Nur für die Aborigines hat sich der Multikulti-Traum auf ihrer ureigenen Insel nicht erfüllt. Australien ist ein durch und durch weißes Land. Immerhin wird den Ureinwohnern seit anderthalb Jahrzehnten ein Besitzrecht am Boden eingeräumt, wenn auch nur ein gemeinsames mit den eingewanderten Volksgruppen. Eine offizielle Entschuldigung der australischen Regierung für in der Vergangenheit begangenes Unrecht steht nach wie vor aus.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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