Ein sinnloser Befehl

Der erste Weltkrieg war für das Deutsche Reich so gut wie verloren: Nachdem die Oberste Heeresleitung offen zugegeben hatte, dass militärisch gar nichts mehr ging, ersuchte die Reichsregierung die Amerikaner um einen Waffenstillstand. Das geschah bereits am 4. Oktober 1918. Als am Ende des Monats immer noch gekämpft wurde und viele Soldaten völlig sinnlos ihr Leben auf den Schlachtfeldern ließen, kam Unruhe besonders in den unteren Diensträngen auf. Die verstärkte sich, als Matrosen der Hochseeflotte zu einem Einsatz gegen die Briten befohlen wurden.

Die deutschen Schiffe lungerten seit Jahren untätig in den Nord- und Ostseehäfen herum – und das war auch gut so: Gegen den technisch hoch überlegenen Feind hatte man nicht den Hauch einer Chance. Jetzt aber wollten einige Offiziere die Ehre der Marine retten und zu einem letzten Waffengang blasen. Doch die Matrosen machten nicht mit. Heute vor 90 Jahren begann ihre Meuterei im größten Flottenstützpunkt Wilhelmshaven. Der Aufstand griff rasch auf andere Häfen über. Und nicht nur das: Auch in den Binnenstädten streikten die Garnisonen, und die Mannschaften übernahmen die Macht in den Kasernen.

Was die Soldaten können, schaffen wir auch, dachten sich die Arbeiter in Deutschlands Großstädten. Auch Sie streikten und wählten aus ihren Reihen Räte, die das Kommando in den Fabriken übernahmen. Soldaten und Arbeiter waren überrascht, auf wie wenig Widerstand sie stießen. Das zeigte doch, wie marode das System war, gegen das sie opponierten. Falls sie wirklich nichts mehr aufhalten konnte, bedeutete dies nicht letzten Endes auch den Zusammenbruch und das Ende des deutschen Kaiserreichs? Zehn Tage später war es tatsächlich so weit.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Kommentar to “Ein sinnloser Befehl”

  1. small-talk-themen.de schreibt dazu:


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