Heute ist in unserem Nachbarland Nationalfeiertag: Die Tschechen gedenken der Gründung eines Staates, der längst nicht mehr existiert – obwohl er erst am 28. Oktober 1918 aus der Taufe gehoben wurde.
Damals schlossen sich Tschechen, Slowaken und Karpato-Ukrainer – Völker, die bis dahin der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie angehört hatten – zu einem neuen Staat zusammen. Hauptstadt der Tschechoslowakei wurde Prag, erster Staatspräsident Tomáš Masaryk. Zwei Jahrzehnte später hatte die junge Republik aufgehört zu existieren. Schuld waren die Deutschen und der Expansionshunger der Nationalsozialisten.
Zunächst pressten sie im September 1938 auf der Münchner Konferenz – unter Mithilfe Frankreichs und Großbritanniens – der Tschechoslowakei das Sudetenland ab, ein überwiegend von Deutschen bewohnter breiter Gürtel entlang der Grenzen zu Bayern, Sachsen, Polen und Österreich. Doch damit nicht genug: Am 15. März 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht unter Bruch des Münchner Abkommens den Rest des Landes. Kurz zuvor hatte sich bereits die Slowakei abgespalten und ein hitlerfreundliches Regime errichtet. Damit hatte die Tschechoslowakei aufgehört zu existieren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie wiederbelebt, als sowjetischer Satellitenstaat.
Den östlichen Landesteil, die Karpato-Ukraine, hatte man lieber gleich an die Sowjetunion abgegeben. Doch auch die zweite Ehe von Tschechen und Slowaken sollte nicht ewig halten: Am 1. Januar 1993 beschlossen die damaligen Regierungschefs Václav Klaus und Vladimir Meciar eine erneute Trennung in eine Tschechische und eine Slowakische Republik. Dabei wird es bleiben – auch nach dem EU-Beitritt beider Staaten im Jahr 2004.
Autor von Small-Talk-Themen.de










