Der erste König, der vom Glauben abfiel
Von König Heinrich VIII. von England ist bekannt, dass er sechs Frauen besaß und mit dem Papsttum brach. Doch war er nicht der erste Monarch in Europa, der diesen Schritt vollzog. Schon ein Jahrhundert zuvor schwor Georg von Podiebrad der römisch-katholischen Kirche ab und bekannte sich als frisch gekrönter König von Böhmen ausdrücklich zur Lehre des Reformators Jan Hus. Das war am 27. Februar 1458, also heute vor 550 Jahren.
Zunächst bemühte sich Georg noch um einen Ausgleich mit Rom. Damit war es endgültig vorbei, als Papst Pius II. starb. Sein Nachfolger Paul II. entwickelte sich zu einem wahren Hussitenhasser. Er exkommunizierte den Unbotmäßigen, erklärte ihn zum Ketzer und forderte die böhmischen Adligen zu dessen Sturz auf. Es kam zum Aufstand, in dessen Verlauf der ungarische König Matthias Hunyadi 1469 zum Gegenkönig ausgerufen wurde.
Die Geschichte endete tragisch: Zwei Jahre darauf starb Georg – der Bonvivant konnte kein Essen stehen lassen und spülte alles gerne mit einem kräftigen Schluck herunter – gleich an mehreren körperlichen Defekten, hervorgerufen durch seine Fettsucht.
Um seine Nachfolge stritten sich zwei Katholiken: Neben dem oben erwähnten Matthias warf der polnische Thronfolger Wladislaw II. seinen Hut in den Ring. Am meisten leiden unter dieser Konkurrenz musste das böhmische Volk, das mit einer Reihe von Kriegen überzogen wurde. 1526 fiel das Land schließlich den gefräßigen Habsburgern zum Opfer.
Autor von Small-Talk-Themen.de



27. Februar 2008 at 11:51
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