Draußen vor der Tür
„Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“ – so lautete der Untertitel des Dramas „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert. Es handelt vom Kriegsheimkehrer Beckmann. Der hat seine Kniescheibe in Russland verloren und humpelt durch ein noch nicht wiederaufgebautes Hamburg, dessen Bewohner mit einem lebenden Mahnmal wie dem versehrten Ex-Soldaten nichts anfangen können. Oder wollen.
Schon die Vorstellung der Figuren eingangs des Buches verrät Einiges über das Stück: „Beckmann, einer von denen“, seine Frau, die ihn vergaß, deren Freund, der sie liebt, ein Mädchen, dessen Mann auf einem Bein nach Hause kam und unter anderen „ein Kabarettdirektor, der mutig sein möchte, aber dann doch lieber feige ist.“ Borchert wusste, dass er in einer Nachkriegsgesellschaft – die nur noch nach vorne schauen wollte und ihre Kriegs- und Nazi- Vergangenheit gerne verdrängte – anecken würde.
Der Autor, so schreibt Heinrich Böll im Nachwort, zählte zu den Opfern der Weltkriegskatastrophe: „Wolfgang Borchert war achtzehn Jahre alt, als der Krieg ausbrach, vierundzwanzig, als er zu Ende war. Krieg und Kerker hatten seine Gesundheit zerstört, das Übrige tat die Hungersnot der Nachkriegsjahre.“ Sie ahnen es, die Geschichte endet tragisch. Borchert hatte sein Stück in einer Woche heruntergeschrieben. Er hatte einfach nicht mehr Zeit. Dennoch lieferte er gute Qualität ab.
Es fanden sich auch Mutige, die es aufführten – zum ersten Mal heute vor sechzig Jahren, noch dazu in der Stadt, in der es spielte. Leider hat Borchert die Uraufführung nicht mehr erlebt. Er starb einen Tag zuvor. Nur sechsundzwanzig Jahre alt ist er geworden.
Autor von Small-Talk-Themen.de


