Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
„Drei Kugeln auf Rudi Dutschke/Ein blutiges Attentat/Wir haben genau gesehen/Wer da geschossen hat“, dichtete Wolf Biermann. Der Sänger glaubte auch zu wissen, wer hinter der Tat steckte: „Die Kugel Nummer Eins kam aus Springers Zeitungswald.“ Unbestritten ist, wer an jenem 11. April 1968 auf den Wortführer der deutschen Studentenbewegung schoss: der Anstreicher Josef Erwin Bachmann.
Er hatte seinem Opfer aufgelauert und sich durch die Frage „Sind Sie Rudi Dutschke?“ noch einmal vergewissert. Dann drückte er ab, insgesamt dreimal. Für die rebellischen Studenten war der Schuldige rasch gefunden: die im Haus des ultrakonservativen Verlegers Axel Springer erscheinende Bild-Zeitung. Tatsächlich hatte sie anlässlich der Demonstrationen gegen den Besuch des Schah von Persien, gegen den Vietnamkrieg und gegen die in Bonn regierende Große Koalition gegen die Studenten im allgemeinen und Dutschke im besonderen gehetzt – und letzteren sogar in den Rang eines Staatsfeindes erhoben, was dieser gewiss nicht war.
Ob schuldig oder nicht: Die nun folgenden Proteste richteten sich gegen Springer und sein Revolverblatt. Steine flogen in die Scheiben der Redaktionen, Druckereien wurden am Ausliefern gehindert; es gab viele verletzte Demonstranten und Polizisten. Rudi Dutschke überlebte das Attentat schwer verletzt. An den Spuren sollte er sein ganzes Leben lang leiden – bis ihm ein epileptischer Anfall als Spätfolge den Rest gab, an Heiligabend des Jahres 1979.
Autor von Small-Talk-Themen.de



10. April 2008 at 11:13
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