Ein fast vergessener Retter
Im Jahre 1980 ging der Aktenkoffer von Thomas Keneally zu Bruch. Der australische Schriftsteller brauchte dringend einen neuen. Da er gerade in Los Angeles war, ging er in Beverly Hills in ein entsprechendes Geschäft. Das gehörte einem Herrn mit dem in Kalifornien recht seltenen Namen Leopold Pfefferberg. Der Autor und der Verkäufer kamen ins Gespräch – und Pfefferberg erzählte Keneally seine Geschichte. Sie handelt von Krakau und dem südpolnischen Podgorze, wo der jüdische Lehrer vor dem Zweiten Weltkrieg lebte, und dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wohin er mit seiner Familie von den deutschen Besatzern deportiert wurde.
Die Pfefferbergs hatten Glück. Sie wurden gerettet von einem Menschen, der so gar nicht wie ein Held daherkommen wollte. Oskar Schindler war ein Bonvivant, Spekulant und Frauenheld – und hatte ein großes Herz. Er konnte es nicht mit ansehen, dass so viele jüdische Leben in der Gaskammer endeten. Wenigstens ein paar dieser Unglücklichen wollte er helfen: Er stellte sie in seiner Fabrik ein und überzeugte die deutschen Bewacher von der kriegswichtigen Bedeutung dieser Arbeiter. So bewahrte Oskar Schindler 1200 Menschen vor dem sicheren Tod.
Nach dem Krieg ging es ihm nicht gut. Sämtliche Versuche, in Argentinien und Deutschland wirtschaftlich Fuß zu fassen, scheiterten. Anders in Israel: Dort erinnerten sich diejenigen, die er gerettet hatte, seiner und halfen ihm, so gut sie konnten. Immer wieder fuhr Schindler zu Besuchen ins Heilige Land. Zu Hause fühlte er sich aber eher in Deutschland, obwohl in seiner Heimat kein Aufsehen um ihn gemacht wurde. Im Gegenteil: Als der heute vor hundert Jahren Geborene 1974 in Hildesheim starb, war er in der Öffentlichkeit komplett vergessen.
Ich selber stolperte 1987 in einer Londoner Buchhandlung über das Buch, das Thomas Keneally aus Pfefferbergs Bericht gemacht hatte. Es gefiel mir, und ich wollte meinem Vater eine deutsche Ausgabe schenken. Es gab keine. Das Buch war zwar 1984 bei Bertelsmann erschienen, und eine Taschenbuchausgabe folgte ebenfalls. Doch das war’s schon. Weitere Auflagen kamen mangels Leser- und Verlagsinteresse nicht zustande. Das änderte sich erst, als Regisseur Steven Spielberg aus dem Stoff einen Hollywoodschinken machte.
Autor von Small-Talk-Themen.de



28. April 2008 at 11:03
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