Ein neuer Politikertyp
„Es gibt Wichtigeres im Leben“, meinte Mahatma Gandhi, „als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Der indische Friedens- und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi diente, bis auf eine Ausnahme, als Vorbild für eine deutsche Pazifistin, die heute ihren 60. Geburtstag gefeiert hätte:
Petra Kelly war als Kopf der Friedensbewegung der Achtziger Jahre so geachtet wie als Schnellrednerin gefürchtet. Die Mitbegründerin der Grünen und Vertreterin eines neuen Politikertyps stand für die Wahrung des Friedens, die Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt. Doch sie stand auch für ein Politikerbild, das sich selbst überholt hatte. Angetreten, um das politische Establishment durcheinanderzuwirbeln, sind die heutigen Grünen längst zu seinem Bestandteil geworden. Die Spurensuche nach dem politischen Vermächtnis Petra Kellys in der Partei der Claudia Roths und Reinhard Bütikofers würde ungefähr so erfolgreich verlaufen wie die verzweifelte Fahndung nach dem letzten Flussdelphin im Jangtzekiang.
Doch die Demontage der Polit-Ikone Petra Kelly war abzusehen. Ihr moralischer Anspruch als „Politikerin aus Betroffenheit“ – so einer ihrer programmatischen Buchtitel – machte es ihren am real Möglichen orientierten Mitkämpferinnen und Mitkämpfern nicht eben leicht. Ökopazifistische Ideale waren im Rausch der deutschen Wiedervereinigung auf dem Rückzug, die Grünen flogen bei der Wahl 1990 aus dem Bundestag. Kurze Zeit später scheiterte Petra Kelly kläglich bei dem Versuch, Vorstandssprecherin ihrer Partei zu werden. Sie zog sich ins Private zurück – gemeinsam mit ihrem Parteifreund Gert Bastian.
Der Ex-General und die Trägerin des Alternativen Nobelpreises waren sich bei gemeinsamen Friedensaktivitäten näher gekommen. Doch auch dieses Glück zerbrach: Am 1. Oktober 1992 erschoss Bastian zuerst seine Lebensgefährtin und dann sich selbst. Vermisst hat man die Beiden offenbar nicht: 18 Tage lang lagen sie tot in ihrer Wohnung in Bonn-Tannenbusch, bevor die Leichen entdeckt wurden.
Autor von Small-Talk-Themen.de



10. Dezember 2008 at 12:02
[…] gerechtes Ziel“, sagte einmal die Menschenrechtlerin und Ikone der Friedensbewegung, Petra Kelly, „lässt sich nicht mit ungerechten Mitteln […]