Geburtstag im Gefängnis
Die Präsidentschaft Alberto Fujimoris war eine der umstrittensten in der Geschichte Perus, das heute übrigens seinen Nationalfeiertag begeht: Am 28. Juli 1821 wurde der Andenstaatvon Spanien unabhängig. Die Kontroverse um den Ex-Präsidenten beginnt bereits bei seiner Geburt: Wuchs er, wie seine Vorfahren, in Japan auf? Dann hätte er nicht Präsident werden dürfen. Oder kam der Sohn japanischer Einwanderer, wie er selbst behauptet, in der Hauptstadt Lima zur Welt und erfüllte damit die wichtigste Voraussetzung zur Bekleidung des höchsten Amtes?
Die Peruaner nahmen es mit Humor und konzedierten Fujimori, er sei auf dem Schiff geboren. Kein Auge mehr zudrücken wollten sie, als die Verfehlungen Fujimoris während seiner Amtszeit ans Licht kamen. Gewählt worden war er 1990 noch mit dem Slogan „Ehrlichkeit, Technologie, Arbeit“ – wobei er es schon mit ersterer nicht so genau nahm. Ein peinliches Video zeigt seinen Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos, der einen Oppositionsabgeordneten mit 15 000 Dollar schmiert, um ihn zum Übertritt in die Regierungspartei zu ködern.
Das war im September 2001, in Fujimoris dritter Amtszeit. Anschließend kündigte er Neuwahlen an. Doch während einer Asienreise – in seiner Eigenschaft als Präsident! – setzte sich Fujimori ohne Vorankündigung nach Japan ab. Das Geburtsland seiner Eltern verschaffte dem inzwischen mit internationalem Haftbefehl Gesuchten die japanische Staatsbürgerschaft, weshalb er nicht an Peru ausgeliefert werden durfte.
Erst bei einem Aufenthalt in Santiago de Chile im letzten Jahr konnte er verhaftet und später nach Peru abgeschoben werden. Dort verurteilte man Fujimori wegen früherer Vergehen zu sechs Jahren Haft; das Korruptionsverfahren steht noch an. Keine schönen Aussichten für Fujimori, der seinen heutigen 70. Geburtstag im Gefängnis zelebriert – am Nationalfeiertag.
Autor von Small-Talk-Themen.de


