Verflucht! Verflucht! Verflucht!
Heute vor 444 Jahren fand das Konzil von Trient seinen Abschluss. Die Veranstaltung in der Kathedrale der oberitalienischen Stadt endete damit, dass sechs Kardinäle, drei Patriarchen, 25 Erzbischöfe, 169 Bischöfe, sieben Ordensgeneräle und 19 Prokuratoren der römisch-katholischen Kirche sich von ihren Sitzen erhoben und „Verflucht! Verflucht! Verflucht!“ riefen.
Wer oder was sollte verflucht werden? Natürlich die Ketzer, die im 16. Jahrhundert mächtig Auftrieb erhalten hatten! Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin waren die Anführer der Abtrünnigen, und die Orte ihres Wirkens – Wittenberg, Zürich und Genf – entwickelten sich zu den Hauptorten der reformatorischen Protestbewegungen.
Heute zählt die römisch-katholische Kirche rund 1,1 Milliarden Mitglieder. Protestanten gibt es offiziell nur 400 Millionen. Nicht eingerechnet in dieser Zahl sind die Pentecostals und Charismatics, also die Pfingstler und die charismatischen Christen. Die Zahl dieser Anhänger der so genannten Freikirchen dürfte um die 700 Millionen betragen.
Bedenkt man, dass die weltweite Gemeinde der Protestanten mit jährlich 2,2 Prozent doppelt so stark wächst wie die der Katholiken – ihre Zahl steigt pro Jahr um 1,1 Prozent – wird es in absehbarer Zeit mehr Ketzer als Rechtgläubige geben. Alles Verfluchen hat also wenig geholfen.
Autor von Small-Talk-Themen.de


