Wie lebt es sich im Exil?

Den heutigen Newsletter möchte ich der Leserin widmen, die vermutlich am weitesten entfernt vom Redaktionssitz Bonn wohnt. Sie heißt Maria Glock. Vor 45 Jahren wanderte sie nach Amerika aus. Als sie in New York ankam, lebte dort noch einer meiner Lieblingsschriftsteller: Oskar Maria Graf. Dessen Exil war nicht selbst gewählt, sondern durch die Flucht vor den Nationalsozialisten bedingt.

Mit Amerika hatte Graf sich aber trotz zeitlebens gravierender Sprachprobleme so weit arrangiert, dass er bis zu seinem Tod 1967 dort blieb. Maria Glock, deren Englisch vermutlich um Längen besser ist als das von Graf, hat in den Staaten ebenfalls ein neues Zuhause gefunden – und denkt dennoch ab und zu an das alte: „Ich freue mich immer über Ihren Small Talk“, schreibt sie zu unserem Newsletter, „lese ihn immer und gib ihn manchmal an Freunde weiter. Für mich ein Gruß aus der Heimat! Danke!“

Gern geschehen, liebe Frau Glock! Sie wohnt jetzt übrigens nicht mehr in New York, sondern in einem benachbarten Staat. In der ländlichen Umgebung erhält sie manchmal recht seltsamen Besuch, von pelzigen, braunen, scheinbar recht geselligen Wesen: „Also, unsere Bären hier meiden weder die Häuser, noch die Menschen“, berichtet sie. „Wir haben ein Haus in Pennsylvania und werden fleißig von Bären besucht. Neulich ist einer in unsern Bäckerladen eingebrochen und hat alles verwüstet. Sie kommen nachts an unsere Mülltonnen und man kann sie schon mal auf der Straße spazieren gehn sehn.“

Für die Tierliebhaber unter der Leserschaft eine schöne Aussicht und vielleicht ein Grund, den nächsten Urlaub im idyllischen Nordosten der USA zu verbringen. Für mich ein Grund, mich bei Maria Glock zu bedanken und ihr alles Gute zu wünschen – auf dass sie unserem Newsletter noch lange treu bleibt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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