Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

8. Dezember 2014

Bildhafte Vergleiche zeitigen eine größere Wirkung als ellenlange Reden. Von allen Sinnesorganen nehmen unsere Augen mit Abstand die meisten Eindrücke auf: 75 %! Zum Vergleich: Das Gehör schlägt mit 11 % zu Buche, der Tastsinn mit 7 %, beim Geschmackssinn sind es noch 4 % und beim Geruchssinn lediglich 3 %.

Behauptet jedenfalls der australische Kommunikationsexperte Doug Malouf. Etwas scheint dran zu sein an dieser These. Sie stimmt überein mit einer Aussage, die im anglophonen Sprachbereich gerne bemüht wird: A picture is worth a thousand words. Der Satz stammt vom US-Werbefachmann Fred R. Barnard und erschien erstmals als Reklameschlagzeile am 8. Dezember 1921 in der Zeitschrift Printers’ Ink.

Bei uns hat sich das geflügelte Wort seit Mitte der 1970er Jahre in leicht abgewandelter Form durchgesetzt. Mit der Schlagzeile „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ warb der Automobilhersteller Peugeot in Deutschland für sein neues Modell – ohne viele erklärende zusätzliche Begriffe nötig zu haben.

Einen abstrakten Begriff durch ein Bild darstellen, um ihn zu vereinfachen: Diesen Kniff kennt nicht nur die Werbeindustrie. In der Kunst etwa wird die Technik schon seit Jahrhunderten angewandt. Albrecht Dürer, der als Maler um die Wirkung von Bildern wissen musste, stellte einst die Plagen Pest, Hungersnot, Krieg und Tod als Die Apokalyptischen Reiter dar – in Menschenform. Der Tod beispielsweise ist in seinem allegorischen Holzschnitt als Skelett mit einer Sense in der Hand unterwegs.

Solche Szenen im Hinterkopf, sind beim Adressaten häufig nicht einmal Bilder nötig. Eine bildreiche Sprache, die auf veranschaulichende Wörter setzt, hinterlässt einen ähnlich nachhaltigen Eindruck. Um bei Dürers Vorlage zu bleiben: Es dürfte kaum jemand geben, der oder die mit der Metapher vom Sensenmann nichts anfangen kann.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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„Das kann ich besser!“

5. Dezember 2014

Der Kieler Weihnachtsmann heißt Jörg Lorenzen. Heute Abend und morgen wird er wieder alle Hände voll zu tun haben. Doch wie kommt man überhaupt zu einem solchen Job? Der in Berlin erscheinenden überregionalen tageszeitung, kurz: taz, stand Lorenzen in einem Interview Rede und Antwort.

Die Anregung für sein ausgefallenes Hobby kam demnach, als er mit „meinen beiden damals kleinen Söhnen über den Husumer Weihnachtsmarkt ging und einen Weihnachtsmann in einem billigen Karstadt-Mantel, mit Wattebart und Maske sah. Da dachte ich spontan: Das kann ich besser!“

Lorenzen kaufte sich bei einem Spezialversand einen hochwertigen Mantel und gab eine Anzeige in der Zeitung auf: „Weihnachtsmann gesucht?“ Es meldete sich gleich eine Reihe von Familien. Lorenzen bereitete sich „wie ein Schauspieler“ auf die neue Rolle vor. Die Ernsthaftigkeit gepaart mit ein wenig Fantasie kam gut an. Lorenzen durfte auch in den folgenden Jahren den Weihnachtsmann mimen. Dabei ist ihm bewusst, dass er eigentlich nur als Stellvertreter des einig echten Originals unterwegs ist: „Mauri Kunnas hat ihn in seinem Buch Wo der Weihnachtsmann wohnt beschrieben. Wir hier sind ja nur die Helfer, die sich in Vertretung des richtigen Weihnachtsmanns ‘Weihnachtsmann’ nennen dürfen.“

Ach ja, der Original-joulupukki, wie er auf Finnisch heißt, wohnt in oder, besser gesagt, im Korvatunturi, einem Berg im äußersten Nordosten Finnlands an der Grenze zu Russland. Lorenzen hält sich im übrigen streng an den Ehrenkodex für Weihnachtsmänner – pardon, für Stellvertreter. So ist es ihm verboten, im Kostüm zu essen oder zu trinken. Dazu müsste ja der Bart hochgeklappt werden und würde somit als künstlich entlarvt. Was gar nicht geht, ist telefonieren. Das Handy bleibt während des gesamten Auftritts abgeschaltet und gut versteckt in der Tasche. „Diese moderne Technik“, so gut kann sich Lorenzen allemal in den Weihnachtsmann hineinversetzen, „ist nichts für ihn.“

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Ein Lesebuch über Revolutionen

4. Dezember 2014

Am 4. Dezember 1914 erobern die mexikanischen Revolutionäre Emiliano Zapata und Pancho Villa die Hauptstadt ihres Landes. 2 Tage später entsteht die legendäre Aufnahme mit den Beiden im Präsidentenpalast (siehe unseren Newsletter vom 5. Februar 2007: Ein Land, das nicht zur Ruhe kommt).

Seit 4 Jahren herrscht die Revolution im Land. Mit der demokratischen Verfassung vom Februar 1917 findet sie nur vorläufig ein Ende. 1919 wird Zapata ermordet, 1920 der gewählte Präsident Venustiano Carranza, 1923 Villa und 1928 Carranzas Nachfolger Alvaro Obregón.

Das revolutionäre Erbe Zapatas wird bis heute hochgehalten, etwa im südlichen Bundesstaat Chiapas durch die Befreiungsbewegung EZLN. Letzteres zeigt aber auch, dass Mexiko niemals zur Ruhe gekommen ist und wegen der nach wie vor bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten weiterhin Gefahr läuft, durch einen Aufstand im Innern destabilisiert zu werden – wäre es nicht längst schon durch kriminelle Banden destabilisiert worden, denen freilich nichts an einer Verbesserung der sozialen Verhältnisse gelegen ist.

Das Schicksal der Instabilität teilt Mexiko mit anderen Ländern, etwa der Ukraine, Georgien, Syrien, Tunesien oder Ägypten. In diesen Staaten haben in jüngster Zeit Revolutionen stattgefunden, deren Zielsetzung und Verlauf voneinander sehr verschieden waren. Der Prozess der gesellschaftlichen Veränderung und in manchen Fällen auch der staatlichen Desintegration ist längst noch nicht abgeschlossen. Höchste Zeit also, Rebellionen, Revolten und Revolutionen begrifflich voneinander abzugrenzen, im geschichtlichen Zusammenhang zu betrachten und sich Gedanken über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen zu machen.

All dies versucht ein Buch zu leisten, das soeben im Christoph Links Verlag erschienen ist und den Titel Revolutionen. Ein historisches Lesebuch trägt. Herausgegeben hat es Patrick Oelze, eingeleitet der Historiker und Wissenschaftliche Leiter des DDR-Museums in Berlin-Mitte, Stefan Wolle. Auch der Schreiber dieser Zeilen ist beteiligt: Von ihm stammt das Kapitel über Zapata und die mexikanische Revolution.

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Newsletter wird zum Jahresende eingestellt

3. Dezember 2014

Heute gibt es keinen Small-Talk-Power-Tipp; als Ausgleich bekommen Sie nächste Woche gleich 2. Der Grund dafür ist ein trauriger: Unser Newsletter wird bald eingestellt werden. Diesen Monat können Sie ihn noch wie gewohnt lesen, ab Januar 2015 erscheint er leider nicht mehr.

Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Die Arbeit macht auch im zehnten Jahr, in dem an jedem Werktag eine Ausgabe versandt wird, sehr viel Spaß. Doch sie rentiert sich schon lange nicht mehr. Und weiterhin mehr Geld in den Newsletter hineinzustecken als mit ihm zu verdienen – was wir in der Vergangenheit getan haben – ergibt auf Dauer leider wenig Sinn. Ebenso wenig sinnvoll wäre es, für einen Newsletter, den Sie bislang stets gratis bekommen haben, plötzlich Geld zu verlangen.

So bleibt uns nur übrig, uns schon einmal leise zu verabschieden und uns für Ihre Treue zu bedanken. 5.000 Abonnenten und zahlreiche Zuschriften, überwiegend positive, haben uns das schöne Gefühl gegeben, mit dem Newsletter Menschen zu erreichen und ihnen eine Freude zu bereiten. Dies möchten wir auch für den Rest des Monats beziehungsweise des Jahres fortsetzen.

Falls Sie dem Autor dieser Zeilen eine Freude bereiten möchten: Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Aufgaben – und möglichen Abnehmern für Texte aller Art: zu aktuellen Themen oder auch historischen Aufhängern, zu bestimmten Jahres-, Gedenk- oder Aktionstagen, zu einem kalendarischen Anlass oder auch zum runden Jubiläum eines Ereignisses, eines Geburts- oder Todestages (berühmter oder in Vergessenheit geratener Persönlichkeiten).

Haben Sie vielleicht selber Bedarf an solchen Texten? Oder kennen Sie jemanden, der gute Texte braucht? Verlag, Zeitung, Zeitschrift, Internetportal, Unternehmen, Verband, Behörde – vieles ist denkbar.

Schreiben Sie mir doch, wenn Sie mögen, an folgende Adresse: r.hoeller@loquis.de.

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Die erste Abgeordnete im britischen Parlament

1. Dezember 2014

Nancy Langhorne hieß die erste Abgeordnete im britischen Parlament. Heute vor 95 Jahren trat sie ihr Mandat im bislang ausschließlich mit Männern besetzten House of Commons an. Bis die erste Frau Platz im House of Lords fand – Sitze im Oberhaus werden nicht durch Wahlen erkämpft, sondern auf Lebenszeit per königlicher Ernennung vergeben – sollte es noch ein weiteres halbes Jahrhundert ins Land ziehen.

Geboren war Miss Langhorne 1879 im US-Bundesstaat Virginia. Später heiratete sie einen englischen Adligen und trug seitdem den Titel einer Viscountess Astor (der Viscount rangiert in der britischen Adelshierarchie zwischen Baron und Earl), unter dem sie auch bekannt wurde. Ihren Unterhaussitz hatte sie als Angehörige der Konservativen errungen. In der Folge setzte sie sich jedoch für progressive Belange ein, etwa die Gleichberechtigung beider Geschlechter zumindest im Staatsdienst oder auch die Einführung des Frauenwahlrechts.

Vor allem die feministischen Themen waren es, die ihr die Gegnerschaft eines prominenten Parteifreundes einbringen sollte. Winston Churchill zeigte sich alles andere als begeistert von der Einmischung der Frauen in die Politik allgemein und von Lady Astor im Besonderen. Eine traute Unterhaltung der ungleichen Tories ist wie folgt überliefert: „Wären Sie mein Ehemann“, soll Lady Nancy einmal Sir Winston zugeraunt haben, „würde ich Ihnen Gift in den Kaffee schütten.“ Die angebliche Antwort des Angefeindeten: „Wären Sie meine Ehefrau, würde ich ihn trinken.“

Allerdings wird derselbe Dialog auch zwischen dem konservativen späteren Premierminister David Lloyd George und einer namenlosen Suffragette (siehe auch unseren Newsletter vom 19. Februar 2013: Eine Bombe für den Finanzminister) kolportiert. Nancy Astor war als Politikerin überaus erfolgreich. Sie behielt ihr Parlamentsmandat bis zu den Wahlen im Juli 1945, als der Labour Party ein erdrutschartiger Sieg gelang, bei dem diese fast doppelt so viele Sitze errang wie die Tories. Das wohl schönste Erlebnis der Astor’schen Laufbahn datiert vom Juli 1928: Im Equal Franchise Act beschloss das Unterhaus die völlige Gleichstellung von Männern und Frauen. Letztere durften bei den Wahlen ein Jahr später erstmals ihre Stimme abgeben.

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Die älteste U-Bahn auf unserem Kontinent

28. November 2014

Die älteste U-Bahn ist die Londoner. Doch Britannien ist eine Insel und zudem stärker nach Amerika orientiert als in Richtung Europa. Daher liegt die Frage nahe: Welche U-Bahn ist die älteste auf dem Festland unseres Kontinents? Heute vor 195 Jahren wurde sie eingeweiht.

Bei der Eröffnung war sogar Kaiser Franz Josef extra aus Wien angereist. Zweck des unterirdischen Verkehrsmittels sollte sein, eine möglichst rasche Verbindung von der zentralen hauptstädtischen Verkehrsader Andrássy út zum Széchenyi-Bad zu schaffen. Das mondäne Gebäude, mitten im Wäldchen an der Peripherie gelegen, beherbergte seinerzeit die Milleniumausstellung zu Ehren der Gründung des Landes anno 969.

Sollten Sie jetzt auf Ungarn und Budapest getippt haben, liegen Sie richtig! Um Ihnen einen aktuellen Eindruck der örtlichen Unterwelt zu vermitteln, sei Reinhold Vetters im Christoph Links Verlag erschienene Länderkunde bemüht: „Die minutenlange Fahrt auf den überdimensionalen Rolltreppen hinab in die Unterwelt der U-Bahn etwa am Széll Kálmán tér, dem früheren Moszkva tér, ist mindestens so spannend wie ein Kinobesuch. Denn während man nach unten gleitet, registriert man auf der gegenüberliegenden Treppe die unterschiedlichsten Gesichter: erschöpfte Werktätige nach getaner Arbeit und fröhliche Jugendliche aus der Alternativszene, alte Männer mit wallenden Bärten und Frauen in den Fünfzigern mit kunstvollen Frisuren, junge Herren in Macho-Pose und junge modebewusste Damen. Die meisten nutzen die Fahrt, um die Entgegenkommenden aufmerksam zu mustern.“

Apropos Kinobesuch: Ausschließlich im Budapester U-Bahn-System spielt der ungarische Thriller Kontroll, ein preisgekröntes Meisterwerk über einen Konflikt zwischen unerbittlicher U-Bahn-Ordnungsmacht und passionierten Schwarzfahrern. Zur Inbetriebnahme schrieb damals im Überschwang ein Journalist der Hauptstadtgazette Budapesti Hírlap, die verschwitzten Budapester Bürger würden in den Waggons der U-Bahn nach Abkühlung suchen und möglicherweise dort sogar ihre Ferien verbringen. So ganz falsch lag der Schreiber der optimistischen Zeilen nicht …

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Die Singende Revolution

27. November 2014

Ohne seine Dainas hätte das lettische Volk vermutlich nie zu sich selbst gefunden. Die Lieder waren wichtig für Sprache, Kultur und Nationalbewusstsein eines Volkes, das sich selten gegen die übermächtigen Nachbarn Schweden, Deutschland und Russland abzugrenzen und zu behaupten wusste.

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Abschluss eines geheimen Abkommens mit Hitler ließ der Diktator Stalin das erst seit 1918 unabhängige Lettland besetzen und auf den Status einer abhängigen Sowjetrepublik zurückstufen. Die lettische Sprache wurde zugunsten des Russischen verdrängt. In jener Zeit war das Singen der Dainas offiziell verboten. Die Letten machten es trotzdem, und auch in den benachbarten, ebenfalls zu Sowjetrepubliken degradierten Ländern wurde die Tradition der Volkslieder fleißig gepflegt und als Mittel des heimlichen Protests genutzt.

Daraus entstand die so genannte Singende Revolution, über die der Historiker und Baltikumexperte Detlef Henning schrieb: Was dann zwischen 1987 und 1991 auf den Straßen Tallinns, Rigas und Vilnius’ geschah, als zuweilen jeweils ein Drittel [der Einwohnerschaft der] Völker zu machtvollen und friedlichen Demonstrationen zusammenfand, ist, an den Größenordnungen gemessen, in der Geschichte wohl einzigartig.

Die Singende Revolution stellte jedenfalls die Gerechtigkeit und vor allem die staatliche Unabhängigkeit wieder her. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg stellte heute vor 25 Jahren die Gewährung des wirtschaftlichen Selbstbestimmungsrechts für alle 3 baltischen Staaten durch den Obersten Rat der Sowjetunion dar. Höhepunkt der Demonstrationen war am 23. August 1989 die 600 Kilometer lange Menschenkette zwischen der nördlichsten und der südlichsten baltischen Hauptstadt, Tallinns und Vilnius. Selbstverständlich wurden auch an diesem Tag Dainas gesungen. Ein weiterer Meilenstein der lettischen Geschichte wird am 1. Januar gefeiert, wenn das Land für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

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Über Dialekte sprechen im Small Talk

26. November 2014

Dialekt reden ist die eine Sache (siehe unseren Newsletter vom 19. November 2014: Dialekt sprechen im Small Talk?). Doch lässt sich im Small Talk auch über Dialekt reden; beispielsweise über die Akzeptanz der Mundart in Deutschland. Dazu wurden tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen angestellt!

So ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, dass 73 % der Deutschen die Mundart ihrer Wohnregion sprechen, davon jeder zweite „gut“ und jeder vierte zumindest „ein wenig“. Das bedeutet freilich nicht, dass Dialekte überall gleich beliebt sind. Hier gilt es zu differenzieren.

Lassen Sie zunächst Ihr Gegenüber im Small Talk raten, welcher deutsche Dialekt bundesweit auf die meiste Gegenliebe stößt. Die Auflösung: Von allen Mundarten, die hierzulande gesprochen werden, ist Bayerisch am beliebtesten. 35 % aller Deutschen hören diese Mundart besonders gerne. Dahinter rangieren das norddeutsche Platt (29 %) und das Berlinerische (22 %).

Wie viele Dinge hat auch der Dialekt seine dunkle Seite. Auf die Frage, welche Mundart sie überhaupt nicht mögen, gaben 54 % der Deutschen das Sächsische an. Mit großem Abstand auf Platz 2 in dieser Wertung folgte Bayerisch mit 22 %. Ihr Gegenüber im Small Talk mag darin zu Recht ein Indiz sehen, dass mancher Dialekt die Meinungen spaltet. Fragen Sie ihn, welche Mundart er spricht.

Nicht jeder Sprecher ist von seinem Dialekt überzeugt. Das beste Verhältnis zum eigenen Idiom haben die Bayern: 77 % sagen, dass sie Bayerisch besonders mögen. 2 von 3 Norddeutschen lieben ihr Platt. Unsere Hauptstädter dagegen scheinen weniger lokalpatriotisch zu sein: Berlinerisch wird nur von 46 % seiner Sprecher geschätzt. Da ist das Dialektselbstverständnis der Sachsen wiederum besser: Nur 12 % von ihnen mögen die eigene Mundart nicht.

Jetzt ist Ihr Small Talk-Gesprächspartner wieder gefragt: Findet er denn seine eigene Mundart gut? Welche fremden Dialekte gefallen ihm? Und welche nicht? Wer weiß, vielleicht kann er Ihnen ja die eine oder andere Kostprobe darbieten.

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Das Auge isst mit

24. November 2014

„Es gibt kein schöneres Gefühl als den Hunger, kurz bevor man zur Speisekarte greift.“ Einen solchen Satz kann nur jemand fabrizieren, der aus gutbürgerlicher Familie stammt und dem zeitlebens nie länger als 6 Stunden der Magen geknurrt hat. Beim gut genährten und ebenso situierten Schauspieler Peter Ustinov, von dem das Eingangszitat stammt, ist dies sicher der Fall gewesen.

Gleiches dürfte für ein Mitglied einer anderen gesellschaftlichen Schicht gegolten haben: Heinrich von Braunschweig konnte ebenfalls stets davon ausgehen, dass etwas Leckeres auf den Tisch kam. Anno 1541 weilte der Herzog in seinem Wormser Schloss und sich selbst wohl ein wenig lang. Um die reichlich vorhandene Zeit zu verkürzen, wollte der Monarch gerne mehr über das nächste anstehende Highlight des Tages erfahren. Vom Küchenmeister ließ er sich die gesamte Speisenfolge des festlichen Abendmahls aufschreiben. So konnte er sich länger auf das Essens freuen und während des Tafelns seinen Appetit besser einteilen. Es war die Geburtsstunde der Speisekarte.

Sie brauchte noch zweieinhalb Jahrhunderte und den Aufstieg der dem Adel nächsttiefer gelegenen Klasse, um sich einzubürgern. Nach der Französischen Revolution wurde in der nun mächtigen Bourgeoisie der Hunger nach Repräsentation geweckt. Da nicht nur die Privilegien des Adels häufig per Guillotine beschnitten wurden, waren zahlreiche Köche plötzlich Ihres Dienstherrn verlustig gegangen. Um der Arbeitslosigkeit zu trotzen, orientierte sich mancher Weißmützenträger gleich zwei Klassen nach unten und ging dazu über, in Paris die hungrigen Revolutionäre zu verköstigen. Das Speisenangebot wurde auf eine Tafel oder eine Karte geschrieben, die bald zu Aushängeschildern für Restaurants wurden.

Ein weiteres Jahrhundert zog ins Land, bis Gaststättenbetreiber auf die Idee verfielen, eine gut gestaltete Karte lasse Rückschlüsse auf die Qualität der Küche zu. Wieder kam es zu einer klassenübergreifenden Kooperation: Henri-Marie-Raymond de Toulouse-Lautrec-Monfa, heute vor 150 Jahren in ein uraltes südfranzösisches Adelsgeschlecht hineingeboren, hatte einen langen gesellschaftlichen Abstieg hinter sich. Mittlerweile verkehrte er in den Halbweltetablissements des Pariser Künstlerviertels Montmarte und malte die von braven Bürgern Verachteten, die jedoch mehr oder weniger heimlich für das abendliche Vergnügen des Bessergestellten zu sorgen hatten: Huren und Stricher, Tänzerinnen und Gigolos, Bardamen und Zirkusartisten.

Toulouse-Lautrec malte engagiert und detailverliebt, mit hübschen Schnörkeln und vielen Verzierungen. Der Louvre lehnte seine Werke ab. Doch Gestalter von Plakaten und Informationstafeln wollten auf diese Kunst nicht verzichten, und auch Speisekarten von Toulouse-Lautrec erzielen längst einen viel höheren Preis als die auf ihnen verzeichneten Menüs.

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Auf einem Vulkan lässt sich leben

21. November 2014

Am 23. November 2013 sorgten 7 Vulkane für ein bis dahin nie registriertes Spektakel. Am selben Tag kam es zu Eruptionen auf der Pazifikinsel Vanuatu, auf den indonesischen Inseln Java und Sumatra sowie in Japan, Mexiko und Guatemala. Das feuerspeiende Septett komplettierte der Ätna auf der Mittelmeerinsel Sizilien. Hätte nur noch gefehlt, dass auch in der Eifel ein Vulkan ausgebrochen wäre!

Ist das denn überhaupt möglich?, werden Sie jetzt in einer Mischung aus Bange und Unglaube fragen. Tatsächlich gibt es Grund zur Besorgnis, wenn auch nicht akut. Die gute Nachricht vorweg: Nach dem gegenwärtigen Wissensstand gibt es keine Hinweise für einen aktuell bevorstehenden Vulkanausbruch in der Eifel. Das ist das Ergebnis eines Symposiums in Mayen. An dem Treffen der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft (DVG) nahmen Geowissenschaftler der Universitäten Mainz, Köln, Karlsruhe, Leipzig, Potsdam und Kiel teil.

Allerdings, so die Experten, ist die Datenlage unvollständig. Der Vulkanismus der Eifel, so viel ist sicher, begann vor 50 Millionen Jahren und hielt bis in die geologische Gegenwart an. Doch was genau ist die geologische Gegenwart? Vor 650000 Jahren waren die Vulkanfelder aktiv – und sind es aus Sicht der Geowissenschaftler bis heute.

Allerdings liegt der Beginn des jüngsten Zeitabschnitts der Erdgeschichte auch schon wieder zweieinhalb Millionen Jahre zurück: Das Quartär reicht bis in die Gegenwart. Die Vulkane der Westeifel entstanden im Vorgängerzeitalter, dem Tertiär. Sie werden heute als erloschen eingestuft. Bis in die 1970er Jahre galt dies auch für den Vulkanismus in der Osteifel. Inzwischen haben die Forscher ihr Urteil revidiert: Die der Quartärzeit entstammenden Osteifelvulkane, so die aktuelle Lesart, ruhen nur. Wie lange diese Ruhe anhalten mag?

Verglichen mit den Dimensionen eines geologischen Zeitalters sind die beiden jüngsten Eruptionen in der Eifel sooo weit nicht her. Der Vulkan unter dem Laacher See brach letztmals vor 12 900 Jahren, derjenige unter dem Ulmener Maar vor 11 000 Jahren aus. Damals entstanden die mit tiefblauem Wasser gefüllten kreisrunden Krater. Noch heute lässt sich die Asche des vorletzten Ausbruchs in Ablagerungen nachweisen. Auf der dänischen Ostseeinsel Bornholm etwa, 750 Kilometer Luftlinie von Maria Laach entfernt, befinden sich immer noch Staubpartikel der damaligen Explosion auf Äckern und Wiesen.

Eine vollständige Entwarnung möchten die Vulkanologen für die Eifel nicht geben. Vielleicht orientieren sie sich ja an einer alten Volksweisheit aus der Region? Solange der alte Schnee nicht komplett geschmolzen ist, sagt die Regel, muss immer damit gerechnet werden, dass neuer fällt. Und solange noch alter Vulkanstaub herumliegt …

„Auf einem Vulkan lässt sich leben“, beruhigt der Schriftsteller Günter Kunert seine Leser, um nachzuschieben, „besagt eine Inschrift im zerstörten Pompeji.“ Die gemeinsame Botschaft des Dichters und der Vulkanologen lautet: Es gibt keine Sicherheit!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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