Tour de Trance

Morgen beginnt die Tour de France 2008, nach der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen immerhin das drittgrößte Sportereignis des Jahres.

Und für den einzelnen Athleten das anstrengendste: Nicht nur dass die Rundfahrt durch Frankreich bis zum 27. Juli dauert und über dreieinhalbtausend Kilometer dauert; es stehen auch jede Menge Berge in den Pyrenäen und Alpen im Weg. Der höchste davon ist mit 2.800 Metern der Prato Nevoso in den italienischen Alpen, wohin die diesjährige Tour einen kleinen Abstecher macht.

Kein Wunder, dass mancher Fahrer seiner Fitness mit dem einen oder anderen Mittelchen nachhelfen muss. „Glauben Sie bloß nicht, diese Leistung sei nur mit Mineralwasser zu erreichen“, sagte schon Jacques Anquetil, der die Rundfahrt 1957 und dann noch einmal von 1961 bis 1964 insgesamt fünfmal gewann.

Damals fanden kaum Doping-Kontrollen statt. Heute, wo penibler hingesehen wird – aber den meisten Kritikern längst nicht streng genug – fallen öfter Fahrer negativ auf. So durften weder der Gewinner von 2006, Floyd Landis, noch der schon als sicherer Sieger von 2007 gefeierte Michael Rasmussen ihr gelbes Trikot behalten: Beide wurden wegen Dopings disqualifiziert.

Die deutsche Öffentlichkeit schockte das Eingeständnis einiger Pedaleure des Telekom-Teams – dem auch Jan Ullrich angehörte – dass in dem ehemaligen Vorzeige-Rennstall über Jahre hinweg systematisch gedopt wurde. Und der siebenmalige Rekordgewinner Lance Armstrong ist wohl auch alles andere als ein Saubermann, nur hat er sich nie erwischen lassen.

Solche Vorkommnisse haben die Vorfreude auf die morgen beginnende Veranstaltung merkbar schrumpfen lassen. Das alles wäre halb so schlimm, wenn in Zukunft nachweislich sauberer Sport geboten würde.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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