Die schärfsten Kritiker der Elche

„Herr Elch ist groß, sein Hirn ist klein, und sein Verhalten sehr gemein“: Bei Ihnen, der oder die Sie unseren Newsletter regelmäßig lesen, würde ein solcher Vers vermutlich gnadenlos durchfallen. Deshalb ist er auch nie veröffentlicht worden. Widerlegt worden ist sein Verfasser zudem durch jüngste wissenschaftliche Untersuchungen:

US-Forscher der Wildlife Conservation Society haben herausgefunden, warum Elche die Nähe der Straße suchen. Häufig handelt es sich um Elchkühe mit Nachwuchs, die ihr Junges vor dem größten natürlichen Feind schützen wollen. Das ist der Bär. Meister Petz aber – wenn er nicht gerade auf den Namen Bruno hört und Heißhunger auf Hühner oder Lämmer verspürt – meidet Menschen samt deren Behausungen und Fortbewegungsmittel.

Das weiß sogar ein Elch. Allerdings erklärt das Verhalten der Elchkühe immer noch nicht die Unfallträchtigkeit der Großhufer. Hier ist der Elchpsychologe gefragt, der vermutlich mit folgender Erklärung aufwarten würde: Bei den weiblichen Tieren samt Jungen handelt es sich um hoffnungsfroh in die Zukunft schauende Kleinfamilien, die vor jeder Straßenüberquerung brav nach links und rechts schauen.

Leider gibt es fast ebenso viele alte, depressive Elchbullen. Die rennen ungebremst auf Straße oder Schiene zu und bleiben, falls sie noch keinen Aufprall hören, in Erwartung dessen in der Mitte stehen. Doch zurück zum Eingangsvers. Den Zweizeiler ersann der Dichter F. W. Bernstein Ende der Sechziger Jahre in einer eisigen Elsässer Winternacht.

Erst gegen Ende seiner Heimfahrt kam er zu einem besseren Ergebnis: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“ Bernsteins Läuterung ist auf der Internetseite http://www.echolog.de/elchkritik/die_kritiker_der_elche.shtml nachzulesen. Die Elche haben es ihm gedankt: Keiner ist Bernstein ins Auto gelaufen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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