Eine Behörde zum Schutz des freien Wettbewerbs

Das Credo des Kapitalismus lautet: Freier Wettbewerb. Wird der Wettbewerb zu frei, ziehen alle, die solchem Liberalismus vorher das Wort geredet haben, die Notbremse. Auf Wirtschaftslatein heißt das: Sie gründen ein Kartell. Ursprünglich galten solche Vereinbarungen für Ritterturniere, in denen ein bestimmtes Regelwerk eingehalten werden sollte. Das feudale Relikt ließ sich aber ganz gut auf die Neuzeit anwenden – vor allem, wenn diejenigen, die am Wettbewerb teilnahmen, auch die Spielregeln bestimmen konnten.

Kartelle haben sich bis in die heutige Zeit gehalten, auch wenn ihnen eine staatliche Aufsicht auf die Finger schaut. Das Bundeskartellamt ist heute 50 Jahre alt geworden. Ihre Machtschranken bekommen die Hüter des freien Wettbewerbs von den großen Konzernen immer wieder gerne aufgezeigt. Jüngstes Beispiel waren die Strompreise: Zwischen den vier größten Anbietern hatte es – nicht ganz legale – Preisabsprachen gegeben.

Dagegen ist die Berliner Behörde zwar eingeschritten – viel passiert ist aber noch nicht. So schrieb schon Friedrich Engels in einer Fußnote in Karl Marxens Kapital. „Inzwischen haben diese Kartelle nur den Zweck, dafür zu sorgen, dass die Kleinen noch rascher von den Großen verspeist werden als bisher.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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