Wer sich über den hohen Ölpreis freut
Die weltweite Nahrungsmittelkrise ist das eine, der permanente Anstieg der Energiepreise das andere beherrschende Thema auf dem heute zu Ende gehenden G8-Gipfel im japanischen Toyako. Früher waren es nur sieben Nationen (USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien), die ihre Regierungschefs über die drängendsten Wirtschaftsprobleme debattieren ließen.
Vor genau zehn Jahren wurde dann Russland im Club willkommen geheißen. Damals (siehe auch unseren Newsletter „Glückwunsch, Boris!““vom 1. Februar 2006) hieß der Präsident Boris Jelzin, und er musste sich angesichts der prekären ökonomischen Situation in der Heimat wie das schwarze Schaf der vornehmen Familie vorkommen. Seinen Humor behielt er trotzdem.
Als ihn der gastgebende britische Premierminister John Major fragte, wie denn die Lage in Russland sei, fiel Jelzins Antwort recht knapp aus: „Gut!“ Erst auf Majors Wunsch nach einer etwas ausführlicheren Schilderung ging Jelzin tiefer ins Detail und erwiderte: „Nicht gut!“ Heute kann Russlands Präsident Dmitrij Medwedew wesentlich entspannter und selbstbewusster auftreten.
Das Land ist nach Saudi-Arabien der Welt zweitgrößter Erdölförderer: 10 Millionen Barrel à 159 Liter sind es täglich, bei einem gleichzeitigen Verbrauch von 2,6 Millionen Fass. (Die drittplazierten USA produzieren knapp 7 Millionen Barrel täglich, verbrauchen aber mehr als 20 Millionen!) Kein Wunder, dass die Russen mit sich und der aktuellen Weltwirtschaft im Reinen sind – bei einem Ölpreis, der bis 1999 noch unter 10 Dollar pro Barrel lag und mittlerweile die 160-Dollar-Hürde locker genommen hat.
Autor von Small-Talk-Themen.de



9. Juli 2008 at 10:56
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