| 30. Juli 2010 | Zentralismus nicht erwünscht
„Es gehört zum deutschen Spießertraum“, sagte einmal der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel, „dass die Schweiz als politisches Idyll fernab aller Probleme existiere.“ Wenn dem so ist, bin ich gerne deutscher Spießer und attestiere den Eidgenossen ein paar Eigenschaften, die ich auch meinem Volk wünsche – beispielsweise das unaufgeregte Verhältnis zu ihrer Nation. Am Wochenende begehen die Schweizer ihren Nationalfeiertag. |
| 29. Juli 2010 | Ein Traum, der Wirklichkeit wurde
Heute vor 50 Jahren gab die National Aeronautics and Space Administration ihr Raumfahrtprogramm Apollo bekannt Noch im selben Jahrzehnt, so die NASA, sollten bemannte Flüge zum Mond stattfinden. Nicht nur Raumfahrtlaien kratzen sich damals ungläubig am Kopf. |
| 28. Juli 2010 | Keine Angst vor Floskeln!
Die meisten Deutschen tun sich beim Small Talk schwerer als beispielsweise Briten oder Amerikaner, sagt Professor Klaus P. Schneider. Als Sprachwissenschaftler erforscht er am Englischen Seminar der Universität Bonn den Small Talk. Deutsche, so hat Schneider festgestellt, sind eher selbst- als partnerbezogen. Viele haben Angst, das, was sie sagen, würde als zu flach eingestuft. Und sie fürchten sich vor Floskeln. Machen Sie es sich selbst nicht zu kompliziert, rät Schneider: |
| 27. Juli 2010 | Sage mir, welches Auto du fährst ...
… und ich sage dir, wer du bist: Autotypen lassen auf den Charakter ihrer Besitzer schließen. Legendär ist der Forschungsbericht der Zeitschrift Psychologie heute, die Deutschlands Autofahrer unter die Lupe nahm. |
| 26. Juli 2010 | Zum 99. Mal die Bayreuther Festspiele
Gestern wurden, wie jedes Jahr an Richard Wagners Todestag (siehe unseren Newsletter vom 13. Februar 2008 – Großartige Momente, grässliche Viertelstunden), die Bayreuther Festspiele eröffnet. 2010 ist es das 99. Mal, dass sie stattfinden; es gab, etwa in Kriegszeiten, auch Jahre, in denen das Festspielhaus komplett geschlossen blieb. |
| 23. Juli 2010 | Heute beginnen die Hundstage
„Ist‘s im Juli trocken und heiß, klebt dem Bauern die Hose am Steiß.“ Dieser Zweizeiler stammt von einem alten Bekannten aus der Schulzeit der Leser oder auch aus vergangener Lektüre dieses Newsletters: Wilhelm Busch (siehe unsere Ausgabe vom 9. Januar 2008 – Eine herzergreifende Fabel, politisch wenig korrekt ). |
| 22. Juli 2010 | 22:7
Wie viel ist 22:7? Gar nicht so einfach auszurechnen, würden selbst geübte Kopfrechner antworten. Versuchen Sie es mal! Sie werden überrascht sein, dass die Bruchrechnung auch nach der zehnten Stelle noch nicht aufgeht. |
| 21. Juli 2010 | Gespräch mit einem Unbekannten
Frage: Was hört der Mensch am liebsten? Antwort: Seinen eigenen Namen! Um den im Smalltalk mit einem Unbekanten herauszufinden, müssen Sie Ihr Gegenüber natürlich danach fragen. Mit der Antwort haben Sie sogleich einen guten Anknüpfungspunkt gefunden, von dem aus Sie das Gespräch fortspinnen können. |
| 20. Juli 2010 | Der 20. Juli
Jedes Jahr am 20. Juli wird der Hitler-Attentäter um den Grafen Stauffenberg gedacht. Früher brandmarkte sie die politische Rechte als Vaterlandsverräter, heute werden sie als Heroen stilisiert, zuletzt in dem unsäglichen Film Operation Walküre mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Für Verunglimpfung und Heldenverehrung können die Beteiligten von damals nichts. Ihnen ist allenfalls vorzuwerfen, dass sie ihr Attentat reichlich spät verübten, 11 Jahre nach der Machtergreifung und 5 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. |
| 19. Juli 2010 | Ein Programm, das nie richtig gelesen wurde
„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan“: Mit diesem Satz stellte Martin Luther die bis dahin geltende Ordnung in Frage. Zumindest die religiöse. „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“: Mit diesem Satz im selben Pamphlet (Von der Freiheit eines Christenmenschen) relativierte der Wittenberger Theologieprofessor, dass es ihm keineswegs um die politische Ordnung ging. |
| 16. Juli 2010 | Als 200 000 Menschen plötzlich schwiegen
Das Maracaná-Stadion von Rio de Janeiro ist das größte der Welt. Der Zuschauerrekord ist bis heute gültig und wurde vor exakt 60 Jahren aufgestellt. Offiziell 185.000, vermutlich aber mehr als 200.000 Zuschauer sahen das letzte Spiel der Fußballweltmeisterschaft 1950. |
| 15. Juli 2010 | Das letzte heidnische Volk Europas
Die Litauer, fand gegen Ende des 11. Jahrhunderts der Chronist Adam von Bremen, seien sehr gute Menschen, von denen viel Lobenswertes gesagt werden könnte – wenn sie nur Christen wären. Das mit dem Christentum war für die baltischen Heiden so eine Sache. Christen waren beispielsweise die Schwertbrüder unter dem Rigaer Bischof Albert. Der hatte es auf ihr Land und die Seelen der Besitzer abgesehen. Wer die Kriegszüge überlebte und in Gefangenschaft geriet, hatte bei Albert die Wahl: einen Kopf kürzer oder Kopf unter Wasser. |
| 14. Juli 2010 | Sie müssen nicht ständig reden!
Heute vor 111 Jahren wurde Ernest Hemingway geboren. Der Literaturnobelpreisträger hatte an seine Jugend gute Erinnerungen: „Zwei Jahre braucht der Mensch, um das Sprechen, ein Leben lang, um das Schweigen zu lernen.“ Hemingways Vorgabe ist nicht die schlechteste für einen funktionierenden Smalltalk. Der besteht nicht nur aus Sprechen. Mindestens ebensoviel Zeit sollten Sie für das Zuhören veranschlagen. |
| 13. Juli 2010 | Wenn es eigentlich nichts zu vermelden gibt …
Was tun Politiker an einem Tag mitten im Sommerloch, an dem sich nichts Verwertbares zu ereignen scheint? Sie setzen eine Pressemeldung in die Welt. Guido Westerwelle etwa könnte (wohlgemerkt, das ist rein hypothetisch!) verbreiten, König Albert habe sein Ministerium aufgefordert, deutsche Firmen im Kongo nicht länger zu unterstützen, da jener Staat im Herzen Afrikas traditionell zur Einflusssphäre Belgiens gehöre. |
| 12. Juni 2010 | Ein Leben, geprägt von einem Tor, das keins war
Er gewann mit Borussia Dortmund 1965 den DFB-Pokal und ein Jahr später den Europacup, in einem denkwürdigen Endspiel gegen den FC Liverpool. Es war das erste Mal, dass einer deutschen Mannschaft ein solcher Erfolg gelang. Doch Hans Tilkowski wurde durch ein anderes Ereignis weltberühmt, über das er auch an seinem heutigen 75. Geburtstag bestimmt wieder Auskunft geben muss. |
| 9. Juli 2010 | Die Kunst der Prognose
„Bald wird der Markenname Melitta allenfalls Nostalgikern noch ein Begriff sein“, hieß es in unserer Ausgabe vom 29. Juni („“). „Die Straßen werden wegen der Ausscheidung der vielen Pferde unpassierbar werden“, schrieb mir daraufhin ein Leser, sinngemäß Kaiser Wilhelm II. zitierend. Da hat er gar nicht so Unrecht. Der Leser, meine ich. |
| 8. Juli 2010 | Ein Lübecker Exportschlager, nicht aus Marzipan
Engelskirchen ist nicht nur als Geburtsort des Verfassers dieses Newsletters bekannt (anbei viele Grüße an Fritz Lingemann, den einzigen Leser in der alten Heimat), sondern auch als Hort des Weihnachtspostamts (siehe unsere Ausgabe vom 25. November 2008 „Das Weihnachtspostamt in Engelskirchen“). Engelskirchen heißt auf Russisch Ustjug: Jedenfalls liegt in dem hübschen Städtchen unweit von Nowgorod das russische Weihnachtspostamt. Nach Ustjug können die Kinder aus Smolensk bis Wladiwostok schreiben, und sie erhalten garantiert eine Antwort von Väterchen Frost, der russischen Version des Weihnachtsmanns. |
| 6. Juli 2010 | Etwas, was man nicht bekommt
Über Tenzin Gyatso berichteten wir bereits in unserer Ausgabe vom 10. März 2009 („Seit 50 Jahren im Exil“). Im indischen Dharamsala, wo er seit einem halben Jahrhundert im Exil lebt, feiert der Dalai Lama heute seinen 75. Geburtstag. Wie üblich zu solchen Festen werden ihn viele gute Wünsche erreichen. Auch schöne Reden dürfte es zahlreiche geben. |
| 7. Juli 2010 | Was geschah heute vor 25 Jahren?
Heute vor 25 Jahren gewann ein Siebzehnjähriger das bedeutendste Tennisturnier der Welt. Er war nicht gesetzt, sein Name nur Eingeweihten ein Begriff und er selber der erste Deutsche, der in Wimbledon siegte. Die Erwähnung Boris Beckers steht inzwischen jedem Smalltalk gut zu Gesicht. Und eine runde Jahreszahl ist der ideale Aufhänger, um von einem solchen Schmuckstück Gebrauch zu machen. Doch nicht immer gibt die Geschichte ein derart markantes und rundes Datum her. |
| 5. Juli 2010 | Bandit mit sozialer Neigung
An welche historische Persönlichkeit denken Sie, wenn Sie das Wort ‚Sozialrebell’ hören? Robin Hood gilt nicht, der existierte nur in der Phantasie benachteiligter englischer Landbewohner. Vielleicht Schinderhannes? Ihn gab es tatsächlich. Sein illegales Handwerk übte der im einfachen Volk beliebte Räuber im Hunsrück aus. |
| 2. Juli 2010 | Nicht nur mit Mineralwasser
Kaum neigt sich die Fußball-Weltmeisterschaft ihrem Ende zu – am Wochenende werden die Viertelfinalspiele ausgetragen – beginnt schon das nächste sportliche Großereignis. Morgen fällt der Startschuss zur Tour de France. 2010 ist es das 97 Mal, dass die Profiradfahrer die große Schleife rund um Frankreich drehen. Begonnen wird sie aber außerhalb der Grande Nation: mit einem Zeitfahren in Rotterdam. Das macht nichts, denn auch die Niederländer sind ein begeistertes Radfahrervolk. |
| 1. Juli 2010 | Berühmte Marke, banaler Name
In unserer vorgestrigen Ausgabe (Ein Löschblatt namens Melitta) haben wir ein wenig Markenforschung betrieben. Offenbar hat es Ihnen das gut gefallen, sodass wir heute einigen weiteren Namen auf den Grund gehen möchten. |
| 29. Juni 2010 | Ein Löschblatt namens Melitta
Wie kommen berühmte Produkte zu ihrem Namen? Manchmal ist das, was hinter der Marke steht, sehr banal. Wie im Fall der Hausfrau Bentz: Die ärgerte sich über den braunen Satz in ihrer Tasse und griff zum Löschblatt. Später meldete sie ihr Kaffeefilter-Patent an. Da sie das Ding irgendwie benennen musste, opferte Frau Bentz ihren Vornamen: Melitta. |
| 28. Juni 2010 | Ein blutiger Spaß
Puumala ist ein kleines Nest im Südosten Finnlands, an der Grenze zu Russland. Keine 3000 Menschen leben dort; in den Sommerferien, wenn die Urlauber kommen, geht es merklich lebhafter zu. Einmal war schon Ende Juni jede Menge los. Schuld war ein Rudel schwedischer Touristen, die sich als Russen verkleidet hatten und für negative Stimmung sorgen wollten. Das gelang ihnen auch: Die Störenfriede packten einfach ihre mitgebrachten Waffen aus und begannen damit, auf ihr eigenes Heimatland zu schießen. |
| 25. Juni 2010 | Die Schande von Gijón
Wenn es bei der Fußball-WM zu den letzten Gruppenspielen kommt, wird oft taktisch vorgegangen. Um vorherige Absprachen und das Orientieren an den Ergebnissen der Konkurrenz zu verhindern, müssen die finalen Spiele einer Vorrundengruppe daher gleichzeitig stattfinden. Ein abschreckendes Beispiel hatten bei der WM in Spanien Deutschland und Österreich geliefert. Nachdem zuvor der Konkurrent Algerien gespielt hatte, trafen die beiden Nachbarn am 25. Juni 1982 im nordspanischen Gijón aufeinander. Nach exakt 11 Spielminuten einigten sich beide Vertreter darauf, alle Kampfhandlungen einzustellen. |
| 24. Juni 2010 | Weder in Kassel noch in Kirchhundem
„Meine Maxime ist: Die Karriere steht den Talenten offen, ohne Rücksicht auf Herkunft oder Vermögen.“ Das sagte Napoléon Bonaparte, Kaiser der Franzosen, als seine Macht noch nicht so weit fortgeschrittener war. Im Herbst seiner Karriere dachte er anders. Da hatte er bereits große Teile Europas erobert und zur Sicherung seiner Macht viele kleine Königreiche und Fürstentümer geschaffen. Die wurden nicht von Fähigen, sondern von Hörigen regiert. Solche Leute findet man am leichtesten in der eigenen Verwandschaft. |
| 22. Juni 2010 | Teutonische Fußball-Philosophen
Auch in Frankreichs östlichem Nachbarland spielten die Philosophen Fußball, und das gar nicht mal so schlecht. Walter Jens, nebenbei noch Professor für klassische Philologie und Begründer des Tübinger Lehrstuhls für Rhetorik, war wie Albert Camus Torwart. Dem stets Zweifelnden genügte es nicht, ein großer Philosoph, erstklassiger Rhetoriker und zusätzlich ein brillanter politischer Analyst zu sein. |
| 21. Juni 2010 | Französische Fußball-Philosophen
Sport, Fußball, Brecht, Sartre, Geburtstag, Agerien, Albert Camus |
| 18. Juni 2010 | Ein Gruß aus Frankreich an alle Einwanderer
Woher stammt die amerikanische Freiheitsstatue? Und wie alt ist sie? Jünger als sie vermutlich denken: Morgen vor 125 Jahren kam sie per Schiff im Hafen von New York an. Aus Frankreich. Ursprünglich hatten die Franzosen den Amerikanern das Monument zum 100. Geburtstag der Vereinigten Staaten schenken wollen. Das wäre bereits 1876 gewesen. Leider benötigte der mit der Arbeit beauftragte Bildhauer erheblich mehr Zeit als ursprünglich veranschlagt. |
| 17. Juni 2010 | Eine heroische Niederlage auf dem Feld
Deutschland spielt bei der WM erst morgen wieder, gegen Serbien. Zeit also, 40 Jahre zurückzublicken auf eine Fußballschlacht, die bis heute unvergessen blieb. Es ist Mittwoch, 16:08 Uhr: Das Halbfinalspiel im Aztekenstadion zu Mexiko-Stadt ist gerade 8 Minuten alt, und die deutsche Elf liegt durch ein Tor von Roberto Boninsegna bereits mit 0:1 zurück. Es folgt eine Aufholjagd, die bis zur 92. Minute ergebnislos bleibt – weil die Italiener das tun, was sie am besten können: verteidigen. |
| 16. Juni 2010 | Nur im Film der Dummbauer
Stan und Ollie haben Durst, aber mal wieder viel zu wenig Geld. Sie beschließen, sich eine Limonade zu teilen. Ollie nimmt das Glas, zögert einen Augenblick und hält es seinem Kumpel hin: „Trink deine Hälfte!“ Stan nimmt das Glas, zögert ebenfalls einen Augenblick – und leert es in einem Zug. „Warum hast du das gemacht?“, entfährt es dem empörten Ollie. „Ich konnte doch nichts dafür“, erwidert der Angesprochene mit weinerlicher Miene. „So, du konntest nichts dafür?“, kommt die bohrende Nachfrage, „warum konntest du denn nichts dafür?“ Darauf Stan entwaffnend: „Meine Hälfte war die untere!“ |
| 15. Juni 2010 | Ein kleines Dorf mit großem Namen
Sicher ist es Ihnen schon einmal negativ aufgefallen, dass man nach Flügen von Großbritannien nach Deutschland seinen Pass vorzeigen muss und einer Warenkontrolle unterliegt. Letztere findet glücklicherweise nicht routinemäßig statt, kann aber jederzeit von einem schlechtgelaunten Zollbeamten angeordnet werden. Bei Flügen aus Island fällt die Personen- und Warenkontrolle, außer in dringenden Verdachtsfällen, ganz aus – obwohl Großbritannien Mitglied der EU ist und Island nicht. |
| 14. Juni 2010 | Zum ersten Mal in London
Heute geht es wie schon in der letzten Woche um London. Diesmal aus der Sicht eines Touristen, der, aus der kommunistischen Tschechoslowakei kommend, zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt eine westliche Hauptstadt erlebt. Die folgenden Eindrücke stammen aus dem sehr lesenswerten autobiografischen Roman Blendende Jahre für Hunde von Michal Viewegh, der in dem Buch das jungfräuliche Londonerlebnis seines Vaters beschreibt: |
| 11. Juni 2010 | Wer wird Weltmeister?
In der Zeit vom 11. Juni bis zum 11. Juli gibt es auch im Smalltalk eine entscheidende Frage. Dieser Newsletter wird sie beantworten – und Ihnen sagen, welche Mannschaft Südafrika in genau einem Monat als Fußballweltmeister verlässt. Der Kreis der Favoriten ist ungefähr so dynamisch wie ein Fünfjahresplan zur Sowjetzeit: In schöner Regelmäßigkeit tauchen die Namen Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande und Spanien auf. Absichtlich wurde hier die alphabetische Reihenfolge gewählt, um nicht vorschnell eine Tendenz erkennen zu lassen. |
| 10. Juni 2010 | Ein Jahrtausendwerk, das ins Wackeln geriet
London ist nicht gerade eine Stadt, die für ihre Zurückhaltung bekannt ist. Zur Jahrtausendwende leistete sich die britische Metropole am 10. Juni 2000 ein imposantes Wahrzeichen, mit dem die Stadtväter noch mehr Öffentlichkeitswirkung als ohnehin schon erzielen wollten. Der Plan gelang, wenn auch anders als ursprünglich gedacht. |
| 9. Juni 2010 | Ein Gedicht nur aus Konsonanten
schtzngrmm schtzngrmm t-t-t-t t-t-t-t grrmmmmm t-t-t-t s-c-h tzngrmm tzngrmm tzngrmm grrmmmmm schtzn schtzn t-t-t-t t-t-t-t schtzngrmm schtzngrmm tssssssssssssssssssss grrt grrrrrt grrrrrrrrrrt scht scht t-t-t-t-t-t-t-t-t-t scht tzngrmm tzngrmm t-t-t-t-t-t-t-t-t-t scht scht scht scht scht grrrrrrrrrrrrrrrrrrrr t-tt: Was sich so liest wie das unfreiwillige rodukt einer sich in Auflösung befindlichen Schreibmaschine ist in Wirklichkeit ein Gedicht von Ernst Jandl. |
| 8. Juni 2010 | Wer verbindet Zwickau, Leipzig, Düsseldorf und Bonn?
Es ist des Lernens kein Ende, sagte einmal der heute vor 200 Jahren im sächsischen Zwickau geborene Robert Schumann. Der Musiker wusste, wovon er sprach: Als eine Fingerlähmung die Beweglichkeit seiner Hände beeinträchtigte, musste er seine Karriere als Klaviervirtuose aufgeben. Immerhin blieb ihm noch das Komponieren. Für das Flügelspiel in der Familie war seitdem Frau Clara zuständig, ebenfalls eine begnadete Pianistin. |
| 7. Juni 2010 | Small Talk über Südafrika
Nicht alles muss sich während der WM – sie beginnt am Freitag – um Fußball drehen. Ein schönes Gesprächsthema ist das Gastgeberland dennoch. Reden Sie im Small Talk über Südafrika. Das Land hat weiß Gott nicht nur Fußball zu bieten. |
| 4. Juni 2010 | Ungarn minus zwei Drittel
Deutschland hat seine Schmach von Versailles, die es durch einen erneuten Krieg zwanzig Jahre später zu korrigieren galt. Ungarn erlebte sein Trianon. Während Deutschland als Hauptschuldiger des Ersten Weltkriegs vierzehn Prozent seiner vorherigen Fläche an Frankreich, Belgien, Dänemark, Polen und Litauen verlor, musste Ungarn knapp zwei Drittel seines vor 1914 bestehenden Staatsgebiets an die Nachbarn Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien abtreten. |
| 2. Juni 2010 | Der Papst der Kritiker
Marcel Reich-Ranicki, in Polen geboren, kam als Neunjähriger nach Berlin. Das Abitur durfte er noch am Fichte-Gymnasium machen, seine Einschreibung an der Berliner Universität wurde abgelehnt. Reich-Ranicki war Jude. |
| 01. Juni | Die zwei Seiten der Milch
Lassen Sie mich heute mit einer fremdsprachigen Anekdote beginnen: Das Englische ist ja durchaus eine Sprache, die ihre Tücken hat. Zum Beispiel kennt sie das Wort ‘water’ als Haupt- und als Zeitwort: ‘water’ bedeutet Wasser, ‘to water’ heißt Wasser geben, wie man es etwa einer Pflanze angedeiht. Ob das im Englischen auch mit Milch funktioniert? |
| 31. Mai 2010 | Goethe, Lessing und das Laster
„Das Rauchen macht dumm; es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, für Menschen die Langeweile haben“, fand schon Johann Wolfgang von Goethe. Lieber sprach der Dichterfürst dem Wein zu; 2 Flaschen bereits am Morgen waren keine Seltenheit (siehe auch unseren Newsletter vom 28. August 2009) „Der Geburtstag des Dichters“. |
| 28. Mai 2010 | Der Arzt mit der Clownsnase
„Heitere Stimmung und eine rote Clownsnase können oft mehr bewirken als ein Medikament“: Dieser Überzeugung ist der US-Arzt Hunter Adams, auch unter seinem Spitznamen „Patch“ (was übersetzt Flicken heißt) bekannt. Mit anderen Worten: Lachen ist gesund. Dass Lachen und Humor stressreduzierend ist, die Kreativität fördert, die Motivation verbessert und Heilungsprozesse beschleunigt, hat Adams schon immer behauptet. |
| 27. Mai 2010 | Wider das geistlose sanftlebige Fleisch
Frühbürgerliche Revolution in Deutschland lautet der Titel eines der monumentalsten Bilder der Welt. Gemalt hat es der Leipziger Künstler Werner Tübke. 11 Jahre hat er dafür gebraucht, von 1976 bis 1987. Das riesige Panorama stellt die Schlacht von Frankenhausen anno 1525 dar, in der die Aufständischen durch ein Fürstenheer besiegt wurden. Es war das Ende des Bauernkriegs in Thüringen. |
| 26. Mai 2010 | Eine Band, die sich The Band nannte
Wenn eine Band sich The Band nennt, muss das nicht von Einfallslosigkeit zeugen. Aber von Schlichtheit: Der hatten sich fünf Musiker verschrieben, die mit ihren Bärten aussahen, als seien sie in den amerikanischen Südstaaten noch vor dem Bürgerkrieg fotografiert worden. |
| 25. Mai 2010 | Das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann
Es gibt eine Theorie, die besagt, dass sobald jemand herausgefunden hat, wie das Universum exakt beschaffen ist und warum es existiert, jenes augenblicklich wieder verschwindet und sofort durch ein noch bizarreres und unerklärlicheres ersetzt wird. Es gibt eine zweite Theorie, die besagt, dies sei bereits geschehen. Um das Weltall zu erklären, müsste man schon durch die Galaxis reisen, dachte sich der britische Autor Douglas Adams. Am besten funktioniere dies per Anhalter. So lautet auch der Titel einer erfolgreichen Radiosendung und der daraus resultierenden Buchbestseller. |
| 21. Mai 2010 | Pfingsten und die Pfingstler
An Wochenende ist Pfingsten. Der Name leitet sich aus dem Griechischen her: pentekosté bedeutet ‚der Fünfzigste’. Am 50. Tag nach Ostern wurde der Heilige Geist ausgesandt, um Person, Wort und Wirken Jesu Christi lebendig zu halten. Jetzt wissen Sie, was Pfingsten bedeutet. Aber wissen Sie auch, was ein Pfingstler ist? |
| 20. Mai 2010 | Kopf- oder Zahlbahnhof?
Die Stuttgarter lieben ihren Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn hält ihn für nicht mehr verkehrsgerecht. Die Freunde des alten Kopfbahnhofs – in Stuttgart scheint es sehr viele davon zu geben – finden, der charakteristische Turm mit den beiden Seitenflügeln gehöre zu den wenigen Wahrzeichen der auf den ersten Blick recht betonaffinen Schwabenmetropole. Die Bahn meint, man müsse das Gebäude komplett abreißen, den Schienenverkehr eine Etage tiefer, also unter die Erde, verlegen und einen Durchgangsbahnhof einrichten. |
| 19. Mai 2010 | Lieber doch nicht sterben, bevor man alt wird
„I hope I die before I get old“, textete Pete Townshend, Chef der britischen Rockgruppe The Who, in seinem Erfolgssong My Generation. „Hoffentlich sterbe ich, bevor ich alt werde“: Dieser Satz entwickelte sich zum Credo der wilden 60er-Jahre-Jugend. „Es hat wunderbar funktioniert“, blickte Townshend bereits mit Anfang Dreißig zufrieden zurück, „es hat zwischen den Leuten, die das Lied mochten, und denen, die es nicht mochten, einen dicken Trennungsstrich gezogen.“ Später fügte er noch einen Satz hinzu: „Aber was ist, wenn wir diesen Trennungsstrich gar nicht mehr wollen?“ |
| 18. Mai 2010 | Doch kein Spielgeld!
„Wir sind das Volk“, riefen die Leipziger auf den ersten Montagsdemonstrationen (siehe unseren Newsletter vom 12 März „Die letzte Montagsdemonstration“). Später hörte man auch Sprüche wie „Wir woll'n die Mark“. Dass damit nicht die DDR-Währung gemeint war, versteht sich. Die befand sich gegenüber der bundesdeutschen Valuta in rasantem Fall. Auf dem Schwarzmarkt wurden locker zehn DDR-Mark für eine D-Mark hingeblättert. Das tat der einheimischen Währung Unrecht: Schließlich waren in der DDR viele Produkte staatlich subventioniert und deshalb so preiswert. |
| 17. Mai 2010 | Reden + Zuhören = Kommunikation
Reden ist nur die eine Hälfte der Kommunikation, Schweigen und Zuhören die andere. Das gilt erst recht für die Telekommunikation Der heute begangene Weltfernmeldetag möchte die Verbreitung moderner Technologie vorantreiben: Jeder Mensch soll Zugang zu modernen Informationstechnologien bekommen und dadurch seine Lebenssituation verbessern. |
| 14. Mai 2010 | Der Mai macht alles grün
„Der Mai macht alles grün, Nur meine Hoffnung nicht“: So dichtete, eineinhalb Jahrhunderte vor Heiner Müller (siehe unseren Newsletter vom 9. Januar 2009 – Künstler ohne Illusion), der heute vor 222 Jahren im fränkischen Schweinfurt geborene Friedrich Rückert. |
| 12. Mai 2010 | Stillstand in der Pflege
„Wenn ich meine Mutter selber pflegen würde, müsste ich meinen Beruf aufgeben, hätte kein Einkommen mehr und würde dadurch wahrscheinlich selbst zum Sozialfall werden.“ So wird in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks ein Angehöriger zitiert, der eine illegale Pflegehilfe in Anspruch genommen hat. |
| 11. Mai 2010 | Tag des Ausbildungsplatzes
„Der Tag des Ausbildungsplatzes ist seit Jahren ein bewährtes und in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommenes Instrument zur Unterstützung des Ausgleichs auf dem Ausbildungsmarkt“, schreibt die Arbeitsagentur auf ihrer Internetseite: |
| 10. Mai 2010 | Unmöglich, es allen recht zu machen
Was geschieht, wenn Vater und Sohn mit einem Esel unterwegs sind? Gehen beide zu Fuß, spotten die Passanten, dass niemand das Tragtier benutzt. Reitet nur der Alte reitet und muss der arme Junge nebenher laufen, wird auch gemeckert. Umgekehrt beschweren sich die Leute, falls der kräftige Junge reitet und der klapprige Alte zu Fuß geht. Und wenn beide aufsitzen, mutiert der Esel zum Bemitleideten und das Reiterpaar zu Schuften. |
| 7. Mai 2010 | Eine Erfindung, die zutiefst bereut wurde
Nächsten Sonntag ist der Tag, an dem jeder seiner Mutter zur Hand geht, und sie so tut, als mache ihr die Mehrarbeit nichts aus. Heuchelei war immer schon mit dem Muttertag verbunden. In Deutschland förderte der Verband der Blumengeschäftsinhaber den Brauch und hatte 1923 mit der republikweiten Verbreitung des Muttertags Erfolg. Kommerziellen, versteht sich. |
| 6. Mai 2010 | Wie heißt der Sieger heute abend?
Heißt der britische Premierminister ab morgen Gordon Brown oder David Cameron? Oder vielleicht sogar Nick Clegg? Der Führer der Liberalen schnitt in den Fernsehdebatten deutlich am besten ab, und auch in den Meinungsumfragen zog seine Partei an der regierenden Labour Party vorbei und mit den in der Wählergunst lange Zeit führenden Konservativen in etwa gleich. |
| 5. Mai 2010 | Nie wieder Pferdetransport!
Die Dampfeisenbahn wurde in Großbritannien erfunden. Das erste Land, welches das neue Verkehrsmittel auf dem europäischen Kontinent einführte, war weder Deutschland noch Frankreich, sondern das kleine Belgien: Heute vor 175 Jahren verkehrte das erste dampfende Ungetüm auf Schienen zwischen Brüssel und Mechelen. |
| 4. Mai 2010 | Ein Überlebenskünstler wird 75
„Ich soll eine Autobiographie schreiben? Ich bin doch erst Siebzig. Das ist grad mal die Hälfte!“ So sprach Rüdiger Nehberg anno 2005. Seitdem sind fünf Jahre vergangenund zwei Autobiographien erschienen. |
| 3. Mai 2010 | Stil schon, aber leider keine Ideen
Was den guten Journalisten ausmacht, haben wir Ihnen letzte Woche anhand des Beispiels von Egon Erwin Kisch nähergebracht. Was aber macht den schlechten Journalisten aus? |
| 30. April 2010 | Der Mai ist gekommen, der Profit bleibt nicht aus
„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus:“ So heißt es in Emanuel Geibels 1841 entstandenen Wanderlied. |
| 29. April 2010 | Was den guten Journalisten ausmacht
“My English is broken, my legs are broken, but my spirit is unbroken:“ Die Worte, die der unglücklich in Australien gelandete Journalist Egon Erwin Kisch von sich gab, sind treuen Lesern dieses Newsletters ein Begriff (siehe unsere Ausgabe vom 31. März 2008 – Gebrochenes Englisch - ungebrochener Kampfgeist). |
| 28. April 2010 | Kein Vertrauen in die Politik
Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird, schrieb einst Bertolt Brecht. Ob er damit die Politiker meinte? Folgt man dem Magazin Reader's Digest, haben unsere Volksvertreter in dieser Beziehung zu hohes Anspruchsdenken an den Tag gelegt. Die Quittung bekamen sie unlängst in einer Umfrage, welche die Monatszeitschrift in Auftrag gegeben hat. Da landeten die Politiker auf dem letzten Platz: Nur jeder Zehnte würde einem Angehörigen dieser Berufsgruppe vertrauen. |
| 27. Mai 2010 | Der Butt
„Als das feministische Tribunal zum ersten Mal tagte, wurde der Butt in einer flachen, etwa 1 ½ mal 2 Meter messenden Wanne von vier Helferinnen in den Saal gerollt und dem Gericht gegenübergestellt,“ schreibt Günter Grass in seinem Roman Der Butt. Ein anderer Butt muss heute abend in einem 2 Meter 44 hohen und 7 Meter 32 großen Kasten Platz nehmen. Zur Seite stehen ihm immerhin 10 Helfer, und gegenübergestellt wird er keinem Gericht, sondern der französischen Fußballequipe von Olympique Lyon. |
| 26. Mai 2010 | Was ist ein Plagiat?
Wenn man aus einem Buch abschreibt, handelt es sich um ein Plagiat; schreibt man aus zwei Büchern ab, entsteht ein Essay; das Resultat des Kopierens dreier Bücher schimpft sich Kompilation; nimmt man vier Bücher als Grundlage, heißt das Ergebnis Dissertation. Natürlich ist auch diese scherzhafte Erklärung geklaut; sie stammt von einem gewissen Wilson Mizner und findet sich auf der Webseite plagiat.htw-berlin.de. |
| 23. April 2010 | Ich komme aus Karl-Marx-Stadt
Fragte man einen Bürger aus der Mitte Deutschlands in der Mitte des 20. Jahrhunderts, wo er denn herkäme, antwortete er: aus Karl-Marx-Stadt. Am 10. Mai 1953 erhielt die südsächsische Metropole Chemnitz, rechtzeitig zum 135. Geburtstag des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus (siehe dazu unseren Newsletter vom 14. März 2008 – „Richtige Analyse - falscher Schluss?“), diesen neuen Namen. |
| 22. April 2010 | Jetzt endlich auch der Boys' Day
Über den Mädchenzukunftstag, den Girls' Day - inzwischen ohne Apostroph geschrieben - berichteten wir in unseren Ausgaben vom 24. April 2008 und vom 27. April 2006. Heute ist es wieder so weit: Angehenden Berufsanfängerinnen sollen mädchenuntypische Berufe im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich schmackhaft gemacht werden. Näheres dazu findet sich im Internetportal www.girls-day.de. |
| 21. April 2010 | Ein Zivilisationskritiker namens Samuel Langhorne Clemens
Heute vor 100 Jahren starb Samuel Langhorne Clemens. Kennen Sie nicht? Dann vielleicht sein Pseudonym: Unter diesem veröffentlichte der Autor seine Romane um Tom Sawyer und Huckleberry Finn. |
| 20. April 2010 | Die Phalanx der Elchhasser
Bei den Tieren macht's die Masse, dass man sie nicht mag. Die einzelne Ratte erscheint dem Menschen als durchaus putzig. Sieht er sich einer ganzen Horde gegenüber – und steht die Meute zudem in Verdacht, Krankheiten zu übertragen oder die Nahrung wegzunehmen – lässt die Sympathie merklich nach. |
| 19. April 2010 | Schnell oder langsam durch den Regen?
Der April ist – nach den Worten des Aphoristikers Wolfram Weidner – der Monat, in dem das Wetter so unzuverlässig ist, dass es manchmal mit den Vorhersagen übereinstimmt. Und die lauten, um möglichst sicher zu gehen, meistens: Regen. Da das Wetter im April so wechselhaft ist, schlägt es sich häufig in Form kurzer Schauer nieder. Meistens treffen uns diese Kapriolen immer dann, wenn wir keinen Schirm mitführen. |
| 16. April 2010 | Der deutsche Rimbaud
Über das tragische Ende Rolf Dieter Brinkmanns wurde an dieser Stelle bereits berichtet (siehe unseren Newsletter vom 23. April 2009 „Der Tag, an dem Schriftsteller sterben“). In dieser Ausgabe geht es um das Andenken an den Schriftsteller, der heute 70 Jahre alt geworden wäre. Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki sah in Brinkmann einst „eine der größten Hoffnungen der jüngeren deutschen Literatur“, der Dramatiker Heiner Müller stufte ihn sogar als „das einzige Genie der westdeutschen Literatur“ ein. |
| 15. April 2010 | Die erste demokratisch gewählte Präsidentin
Schon wieder geht es um Island, doch heute steht ein weibliches Wesen im Mittelpunkt: Vor drei Jahrzehnten wurde zum ersten Mal eine Frau in das höchste Amt eines Staates gewählt. Diese Pionierleistung gelang 1980 der Isländerin Vigdis Finnbogadottir. Allerdings war Frau Finnbogadottir nicht die erste, die in einem modernen Staat das Präsidentenamt ausübte. |
| 14. April 2010 | Gurus, Ex-Gurus und ein Redeauftritt mit Kultstatus
Ein 0:0 gegen Island bietet fußballerisch wenig Unterhaltung. Das war auch am 6. September 2003 im EM-Qualifikationsspiel in Reykjavik nicht anders. Oder doch? Eidur Gudjohnsson (siehe unseren Newsletter vom 15. September 2008 „Vater und Sohn in einer Mannschaft“) machte sein bestes Länderspiel und war der überragende Mann auf dem Platz. Und Rudi Völler war der überragende Mann neben dem Platz. |
| 13. April 2010 | Nie aus Ostende herausgekommen
Flämische Maler, das sind nicht nur Bosch und Bruegel, van Eyck und Rubens. Sie alle lebten vor 1700. Der heute vor 150 Jahren geborene Vertreter dieser Kunst kam in Ostende zur Welt, wo er auch zeitlebens wirkte. Seine ersten Motive waren die Bürger der wenig geliebten Heimatstadt, die er für eng, muffig und spießig hielt - aber dennoch nicht verlassen wollte. |
| 12. April 2010 | Ein Fluch, der keiner mehr ist
Heute vor 65 Jahren starb Franklin D. Roosevelt (siehe unseren Newsletter vom 8. November 2007 – „Der Präsident im Rollstuhl“). Das war einerseits überraschend, denn er war erst fünf Monate zuvor zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Andererseits auch nicht: Roosevelt litt seit Jahren am Guillain-Barré-Syndrom. |
| 9. April 2010 | Italien ohne alte Römer und mittelalterliche Päpste
Wenn Sie etwas über ein anderes Land - sagen wir mal: Italien - erfahren wollen, kaufen Sie sich ein Geschichtsbuch. Dabei möchten Sie nicht unbedingt bei den alten Römern anfangen und auch nicht bei den Päpsten im Mittelalter. Über die ist schon genug geschrieben worden. Nein, eine Geschichte über Italien müsste um 1900 beginnen und bis in die jüngste Zeit reichen. |
| 8. April 2010 | Rom mit kurzem 'o'
Rom, mit kurzem, nicht mit langem 'o', bedeutet 'Mensch', und der Plural Roma entsprechend 'Menschen'. Als solche möchten sich die Angehörigen dieser Volksgruppe auch betrachtet sehen. Leider werden sie es nicht immer. Die Diskriminierungen fanden bereits im ausgehenden Mittelalter ihren Anfang und haben sich bis in die heutige zeit fortgesetzt. Negativer Höhepunkt war, das sollte auch in einem Smalltalk-Newsletter erwähnt werden, die Ermordung von mehr als 100 000 Roma in deutschen Vernichtungslagern. |
| 7. April 2010 | Was sagt der Arzt?
Heute ist Weltgesundheitstag. Nutzen wir den Anlass und befassen wir uns mit einer schon seit längerem aktuellen Diskussion im Gesundheitswesen. Nach den jüngsten Einschnitten vermehren sich die Befürchtungen, dass sich der soziale Status bald wieder wie in vergangenen Jahrhunderten am Gebiss ablesen lässt. In vergangenen Jahrhunderten? Im Frankreich Ludwigs XIII. wurden die Patienten noch wie Könige behandelt, glaubt man der Anekdote um einen gewissen Doktor Moreau. |
| 6. April 2010 | Ein Gesetz über die Zeit
Auf die Sommerzeit müssen Sie sich schon seit zehn Tagen einstellen. In Deutschland wurde sie heute vor dreißig Jahren wieder eingeführt. Versuche, sie zu starten, hatte es seit 1916 immer wieder gegeben (siehe unsere Newsletter vom 26. März 2007 „Wer hat an der Uhr gedreht?“). |
| 1. April 2010 | Wandern im Nationalpark Nordeifel
Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch den Wald, und Ihnen begegnet eine fünfköpfige Familie. Alle sind braun gekleidet, recht schweigsam und fallen durch ihre ungewöhnliche Fortbewegungsart auf. Die findet auf allen Vieren statt, denn bei dem Quintett handelt es sich um Braunbären. Bis zum 17. Jahrhundert hat Meister Petz in der Eifel gelebt und wurde unlängst wieder dort angesiedelt. |
| 31. März 2010 | Sozial kaufen
Heute öffnet das erste Sozialkaufhaus in der Sachsenmetropole Leipzig. Im gesamten Bundesgebiet gibt es bereits 86 dieser Einrichtungen; die meisten, nämlich 20, im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW. Bemerkenswert ist auch die Zahl von 9 für das kleine Rheinland-Pfalz, darunter ein Warenhaus in Bad Breisig, dem Ort, an dem dieser Newsletter erscheint. Das viel größere Baden-Württemberg dagegen weist nur zwei dieser Häuser auf. |
| 30. März 2010 | Eric Clapton wird 65
Was macht eine Band, wenn sie in den Räumen einer Rundfunkanstalt zu lange auf einen Auftritt warten muss? Sie schreibt einen neuen Song. Das taten Jack Bruce, Ginger Baker und Eric Clapton, als es ihnen bei der BBC zu bunt wurde. Das Resultat konnte sich hören lassen: Politician ist bis heute eines der besten Blues-Stücke weißer Musiker. Aktuell ist es auch: Es geht um einen Volksvertreter, der für das Volk nicht zu sprechen ist, wenn es ihn braucht, und darüber hinaus sein Fähnchen schön in den Wind hängt: “I support the left, though I'm leaning to the right“ heißt es in einer Zeile. |
| 29. März 2010 | Managementplan für Meister Isegrim
Vom deutschen Wolf berichteten wir zuletzt vor zwei Jahren (siehe unsere Newsletter vom 14. Juli „Dein Feind, der Wolf?“ und 11. Juni 2008 „Das Tier des Jahres 2003, für alle zugänglich“). Damals war in Schleswig-Holstein ein aus Sachsen eingewandertes ier überfahren worden. Die Biologin Ute Kröger vom ostholsteinischen Wildpark Eekholt hatte anschließend ihre Landsleute aufgefordert, darüber nachzudenken, wie man bei einer Einwanderung mit Meister Isegrim umgehen will. Es wurde nachgedacht. |
| 26. März 2010 | Der lange Weg zur Bühne
„Als ich um zehn Uhr auf die Uhr schaute, war es erst halb neun“: So beschreibt der Theaterkritiker Alfred Kerr ein Unbehagen, das seine Zunft – wie auch die Riege der Zuschauer – regelmäßig bei Vorstellungen heimsucht. Morgen ist der Welttag des Theaters. Zu diesem Anlass möchten wir die Schauspieler-Zuschauer-Beziehung einmal aus ungewohntem Aspekt beleuchten: dem Blickwinkel derer, die auf der Bühne stehen. |
| 25. März 2010 | Als die Wagenburg erfunden wurde
Was tun weiße Siedler im Hollywood-Western, wenn sie von Indianern angegriffen werden? Sie bilden eine Wagenburg. Das reale Vorbild wurde heute vor 590 Jahren erfunden. Nicht im Wilden Westen, denn auf das Festland der heutigen USA hatte bis dahin noch kein europäischer Entdecker einen Fuß gesetzt. |
| 24. März 2010 | Ein halbes Jahrhundert Nena
Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für dich: So beginnt der bis zu seinem Erscheinen im Frühjahr 1983 erfolgreichste deutsche Song (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 25. März 2008 „ Als 99 Luftballons die Welt eroberten“).
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| 23. März 2010 | Eine bequeme Eigenschaft
„Jahrhundertelang haben Könige, Priester, Feudalherren, Industrielle und Eltern darauf bestanden, dass Gehorsam eine Tugend und Ungehorsam ein Laster sei“: Das schreibt der US-Psychologe Erich Fromm, in seiner Abhandlung über den Ungehorsam. |
| 22. März 2010 | Das Manko der Meerwasserentsalzungsanlagen
Eine farblose Flüssigkeit, die schwarz wird, wenn man sein Gesicht darin wäscht: So definierte Mickey Mouse das Lebensmittel, das wir alle am dringendsten brauchen. |
| 19. März 2010 | Frühlingsblüt- und Blumen
Vom Eise befreit sind zwar weder Strom noch Bäche, dennoch zieht am Wochenende der Frühling bei uns ein. Selbst Johann Wolfgang von Goethe, hieß es vor 4 Jahren in diesem Newsletter (siehe Ausgabe vom 20. März 2006 „Vom Eise befreit?!“) dürfte nur wenige Winter erlebt haben, die so lang und hart waren, dass er es zu ungemütlich für einen Aufenthalt in seinem Gartenhaus fand. |
| 18. März 2010 | Die ersten und letzten freien Wahlen
Volkskammerwahlen hatte es in der DDR schon des öfteren gegeben. Meist liefen sie so ab, dass ein vorgefertigter Zettel in eine Urne geworfen wurde, ohne dass zuvor überhaupt ein Kreuzchen gemacht werden musste. Somit war die Liste mit den Vorschlägen der Wahlkommission – und damit der herrschenden Einheitspartei – ohne Einschränkung akzeptiert. Gewiss, man hätte auch einzelne Namen ausstreichen können, aber wer bringt für den Besuch im Wahllokal schon eigens Lineal und Rotstift mit? |
| 17. März 2010 | Der Dichter und sein Richter
Lange Nase, riesige Schneidezähne, meist eine Flasche Bier in der Hand und ein Motorrad unterm Hintern: So präsentiert sich, seit 1982, Werner seinen Lesern. Die Comic-Figur ist das Alter Ego des Zeichners Rötger Feldmann alias Brösel. |
| 16. März 2010 | Das Blaue Sofa
Bis zum 2. Weltkrieg war die Leipziger Buchmesse die bedeutendste ihrer Art in Deutschland. Danach wurden die Karten neu gemischt, und Frankfurt eroberte den Spitzenplatz. Den hat die Stadt am Main bis heute inne, weswegen der Buchmesse in Sachsens Metropole weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Jedenfalls in unseren Gefilden. Für die Länder Ost- und Südosteuropas ist die Frühlingsmesse jedoch die wichtigste in ihrem Literaturbetrieb. |
| 15. März 2010 | Ein deutscher Literaturnobelpreisträger, den kaum noch jemand kennt
Nennen Sie einen deutschen Literaturnobelpreisträger: Wenn Sie eine solche Frage gestellt bekommen, denken Sie vielleicht an Thomas Mann, Günter Grass oder Herta Müller. An Paul von Heyse denken Sie eher nicht. Das könnte daran liegen, dass seine Geburt schon ein Weilchen her ist: auf den Tag genau 180 Jahre. |
| 12. März 2010 | Die letzte Montagsdemonstration
Den Fall der Mauer hätte es ohne die Montagsdemonstrationen in der DDR nie gegeben – oder zumindest wesentlich später und nicht auf so friedlichem Weg. Die erste Montagsdemonstration feierte am 4. September 1989 Premiere: Vor der Nikolaikirche in Leipzig hatten sich am ersten Tag nach den Sommerschulferien rund 1200 Unzufriedene versammelt, die „Reisefreiheit statt Massenflucht“ und „Stasi raus“ forderten. Letzteres war so nötig wie gefährlich, denn die Versammlung wurde von Agenten der Staatssicherheit observiert und immer wieder gestört. |
| 11. März 2010 | Heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen
Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen: Das soll der große Reformator Martin Luther gesagt haben. Ob es stimmt oder nicht – der Spruch bleibt eine schöne Metapher für Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft. |
| 10. März 2010 | Das Bilderbuch, das der liebe Gott uns aufgeschlagen hat
„Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen, mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schlief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: Du Taugenichts! Da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.“ |
| 9. März 2010 | Moralisch verwerflich, politisch erfolgreich
„Dass dieser kleine dunkelhäutige Musikant David Rizzio tatsächlich der Liebhaber Maria Stuarts gewesen sei, ist niemals bewiesen worden noch zu beweisen. Aber gerade die offene Gunst, welche die Knigin diesem ihrem Geheimschreiber vor dem ganzen Hofe gewährt, spricht am energischsten gegen einen solchen Verdacht.“ So beschreibt Stefan Zweig in seinem Buch Maria Stuart die tragische Beziehung zwischen der Schottenkönigin und ihrem Günstling. |
| 8. März 2010 | Die Frauen und ihr Plapper-Gen
Heute ist Internationaler Frauentag. Eine schöne Gelegenheit, einer Boulevardzeitung zu gedenken, die keineswegs immer politisch korrekt ist und dies leider nicht durch das nötige Quantum Humor auszugleichen in der Lage ist - im Gegensatz zu einer Frau, die sich einmal sehr elegant gegen Bild zu wehren wusste. |
| 5. März 2010 | Guter Verlierer
Ein Ritter, der sich auf ein Schwert stützt, 35 Zentimeter hoch, 4 Kilogramm schwer, aus einer Kupfer-Zinn-Legierung, mit Gold überzogen, Materialwert zirka 250 Euro: Was ist das? Richtig, der Oscar! Er wird dieses Jahr – wegen der Medienkonkurrenz der Olympischen Winterspiele – erst am 7. März verliehen; nicht, wie sonst üblich, im Februar. |
| 4. März 2010 | Wetterfrösche in der Krise
Als wäre das Erdbeben nicht schon schlimm genug gewesen, raste einen Tag später eine Flutwelle auf die chilenische Pazifikküste zu. Seismologen hatten zuvor darauf hingewiesen, die Bevölkerung war vorbereitet – und nahm zum Glück die Entwarnung der Meteorologen nicht ernst. Wenigstens hatte Chile durch den Tsunami kaum weitere Opfer zu beklagen. |
| 3. März 2010 | „Der größte Hetzer in unserem Lande“
Dem Mann, der heute 80 Jahre alt wird, bescheinigte Willy Brandt in einer düsteren Stunde, er sei „seit Goebbels der größte Hetzer in unserem Lande“. Das war sehr böse und leider auch daneben, da Brandt den so Beleidigten in die Nähe des Nationalsozialismus rückte. Ein Faschist war Heiner Geißler jedoch noch nie. Der Betroffene amtierte zu jener Zeit als Generalsekretär der CDU unter Helmut Kohl und hatte damals mehr Feinde als die SPD heute Wähler. |
| 2. März 2010 | Warum Haralds Silovs in die Olympia-Geschichte eingeht
Die Olympischen Spiele sind seit Sonntag passé. Was bleibt im Gedächtnis haften? Vielleicht die Tatsache, dass Kanada erstmalig und völlig überraschend die Medaillenwertung gewann. Aber das interessiert im Land des Ahornblatts niemanden. Viel wichtiger ist den eishockeyverrückten Kanadiern, dass ihre Stars um Sidney Crosby Gold gewannen. |
| 1. März 2010 | Wie der Fisch auf Wasser
„Das Wirtschaften im Internet steht im Mittelpunkt der weltgrößten Computermesse Cebit“, schreibt das Nachrichtenmagazin Spiegel online: „Beim Zugang zum Internet hingegen liegen kleine Endgeräte im Trend. Wenn dann auch die Bedienung der Technik endlich einmal einfacher wird, kann sich der allseits vernetzte Mensch so selbstverständlich im Internet tummeln wie der Fisch im Wasser.“ Heute beginnt in Hannover die Cebit, doch der Bericht von Spiegel online ist bereits 10 Jahre alt. |
| 26. Februar 2010 | Das noch nicht ganz ideale Haustier
Vierbeiner haben einen guten Stand in der Redaktion dieses Newsletters. Von wilden Tieren und ihren domestizierten Vettern war schon öfters die Rede, und eine Art schaffte es sogar, in beiden Kategorien erwähnt zu werden: der Elch. Die in freier Wildbahn lebenden Exemplare gelangten leider fast ausschließlich als Opfer des zunehmenden Straßen- und Schienenverkehrs auf dieses Portal. |
| 25. Februar 2010 | Himmelskörper zum Frühstück
Essen Sie morgens gelegentlich ein Hörnchen? Ein solches Frühstück gönnt man sich, wenn's einen nicht pressiert. Und manchmal bleibt sogar noch Zeit, darüber nachzudenken, woher das Wort kommt. |
| 24. Februar 2010 | Ein Reich, in dem die Sonne nicht unterging
Karl V. wurde am 24. Februar 1530, exakt an seinem 30. Geburtstag, in Bologna zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Zuvor war er bereits Herrscher über Spanien, Burgund, Brabant, Luxemburg, Limburg, Flandern, Elsass, Schwaben, beide Sizilien, Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Spanisch-Ostindien sowie alle spanischen Besitztümer in Mittel- und Südamerika. Als Oberhaupt der Habsburger thronte Karl natürlich auch über die österreichischen Erblande, in denen allerdings sein jüngerer Bruder Ferdinand als Statthalter regierte. Sein Reich war auch ohne den transatlantischen Zuwachs das größte seit Karl dem Großen, auch wenn die Macht nicht so unangetastet war wie die des Namensvetters mit der Ordnungszahl I. |
| 23. Februar 2010 | Was das Raubtier über die Raubtiergesellschaft denkt
Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen: Von wem stammt diese Einsicht? Treue Leser dieses Newsletters (siehe Ausgabe vom 5. Januar 2009 „Krise als Chance?“) wissen Bescheid: von Erich Kästner. |
| 22. Februar 2010 | Philosoph und Tierfreund
„Das Publikum ist so einfältig, lieber das Neue als das Gute zu lesen.“ Das gilt natürlich nicht für die Leser dieses Newsletters, denn der befasst sich auch schon mal mit 222 Jahre zurückliegenden Dingen wie der Geburt Arthur Schopenhauers. Von diesem Philosophen stammt übrigens das Eingangszitat. Schopenhauer schrieb bereits im Alter von 30 Jahren sein Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung. |
| 19. Februar 2010 | Das Los des Lyrikers
Kleine Denksportaufgabe: Nennen Sie einen griechischen Dichter von Weltrang. Einen neuzeitlichen bitte, der nicht Nikos Kazantzakis (siehe unseren Newsletter vom 18. Februar 2008 „Der Kopfmensch und der Lebemann“) heißt. Lord Byron (siehe die Ausgabe vom 22. Januar 2010 „Leider nicht der erhoffte Tod“), das möchte ich Ihnen gleich sagen, zählt nicht; der war allenfalls Wahlgrieche. |
| 18. Februar 2010 | Katholiken - Protestanten 7:1
Am 18. Februar gedenkt die katholische Kirche gleich sieben Heiliger: Angilibert, Fra Angelico, Konstantia, Simon, Alexander, Heladius, Colmann. Nicht alle sind der Redaktion dieses Newsletters bekannt, wohl aber den Verantwortlichen der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Mit Simon ist der Bruder des Herrn gemeint; wer aber ist Colmann? Das tut in diesem Zusammenhang nichts zur Sache, zumal wir es lieber mit den Außenseitern halten. |
| 17. Februar 2010 | Was Franz Josef Strauß nie zum Frühstück aß
Der politische Aschermittwoch geht auf eine niederbayerische Tradition von 1580 zurück (siehe unseren Newsletter vom 1. März 2006 „Woher stammt der politische Aschermittwoch?“). Bundesweit bekannt wurde das Politspektakel jedoch erst mit den Auftritten von Franz Josef Strauß. Der CSU-Vorsitzende nahm sich am ersten Tag nach Fasching gerne den politischen Gegner vor. Der hieß SPD und war, zum Ärger der Christsozialen, lange Zeit Regierungspartei. |
| 16. Februar 2010 | Fluch oder Segen?
Bescheidenheit sei keine Zier, wurde vor einem Jahr an dieser Stelle behauptet (siehe unseren Newsletter vom 16. Februar 2009). Selbiges behauptet auch ein Sprichwort, verbunden mit der Versicherung, ohne diese Eigenschaft bringe man es im Leben viel weiter. |
| 12. Februar 2010 | Wie der 14. Februar zum Tag der Verliebten wurde
Dass der Valentinstag keine Erfindung der Geschäftsleute ist, haben wir Ihnen bereits in einem früheren Newsletter (siehe unsere Ausgabe vom 14. Februar 2006 „Der Valentinstag – eine Erfindung der Geschäftsleute?“) bewiesen. Doch wie wurde der 14. Februar zum Tag der Verliebten? |
| 11. Februar 2010 | Vom Dop zum Doping
Morgen wird im kanadischen Vancouver die Winter-Olympiade eröffnet. 16 Tage lang kämpfen in 86 Wettbewerben die Athleten um 258 Medaillen. Vor 4 Jahren in Turin war Deutschland die erfolgreichste Wintersportnation. Noch wichtiger als der Erfolg ist allerdings die Tatsache, dass er mit sauberen Mitteln erzielt wurde. Und damit wären wir bei einer Brisanz, die eigentlich nicht in den Small Talk gehört. Doch lässt sich das Thema Doping in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen leider nicht aussparen (siehe unseren Newsletter vom 22. Juli 2009 „Als Doping noch legal war“). |
| 10. Februar 2010 | Ein Sport, bei dem sich nur der Brutale durchsetzen kann
„Neben den Anstrengungen der Werbewirtschaft“, meinte der US-Krimiautor Raymond Chandler, „ist Schach die größte Verschwendung menschlicher Intelligenz.“ Der Satz stimmt so nicht mehr: Inzwischen verschwenden auch Computer ihre Intelligenz an diesen Sport (siehe unseren Newsletter vom 11. Mai 2007 „Mensch gegen Maschine“). |
| 9. Februar 2010 | Ein Stern für Stars und Sternchen
In Los Angeles wird selten zu Fuß gegangen. Tut man es doch, noch dazu in besseren Vierteln wie Beverly Hills oder Laurel Canyon, macht man sich gleich verdächtig und kann sicher sein, in den nächsten Minuten einer Polizeikontrolle unterworfen zu werden. Erwünscht sind Fußgänger dagegen auf dem Hollywood Boulevard und den von ihm abgehenden Straßen. |
| 8. Februar 2010 | Karriere innerhalb und außerhalb der Klostermauern
Die Leidenschaft für die Pflanzen hatte er vom Vater geerbt. Der züchtete Obstbäume, die er durch Aufpfropfen von Reisern anderer Sorten veredelte. Obwohl die Eltern einfache, ihrem Gutsbesitzer tributpflichtige Bauersleute waren, besuchte der 1822 geborene Sohn die höhere Schule und schloss daran sogar ein Philosophiestudium an. Eine brotlose Kunst, da der frischgebackene Absolvent sich alsbald „gezwungen sah, in einen Stand zu treten, der ihn von den bitteren Nahrungssorgen befreite.“ |
| 5. Februar 2010 | Gute Schweizer, böse Schweizer
Ist es richtig, ein Beweismittel von Kriminellen zu kaufen, um damit andere Kriminelle dingfest zu machen? Ja, meint die überwiegende Mehrheit der Deutschen wie auch die Mehrzahl ihrer Politiker. In der Schweiz sieht man das ein wenig anders: Diskretion und Zurückhaltung sind Urschweizer Tugenden, die man selbst zur Pflege der Beziehungen mit dem großen Nachbarn nicht opfern darf. Manche Deutsche wiederum wissen gerade diese Prinzipientreue zu schätzen (siehe unseren Newsletter vom 16. Mai 2006 „Tipp für ein Bargeld-Versteck – aber nicht weitersagen“). Andere nicht. |
| 4. Februar 2010 | Sympathie für den Bösewicht
Krimis drehen sich meist um Kommissare oder Privatdetektive, die Verbrecher dingfest machen und der guten Sache zu ihrem Recht verhelfen. Verkauft sich die Geschichte gut, kann der Autor oder die Autorin eine Serie daraus machen. Nur wenige Krimis schildern die Sache aus der Sicht des Übeltäters. Das kommt beim Publikum erstens nicht so gut an, zweitens ist die Idee mit den Fortsetzungen problematisch – zumal die meisten Leser möchten, dass der Kriminelle seine gerechte Strafe erhält. |
| 3. Februar 2010 | Eine kühne Prognose
Reif für den Zauberberg (siehe unseren Newsletter vom 11. Januar) ist Joachim Löw noch nicht, denn das ist ein Sanatorium in Davos, das Thomas Mann in einem Roman beschrieb. Auch gehen weder die Haare zum Teufel noch die Zähne flöten, obwohl der Mann heute fünfzig wird. Nein, Jogi, wie er allenthalben genannt wird, kommt noch recht jugendlich daher, und sein größtes Ziel hat er noch vor sich: Das wäre ein Titelgewinn mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. |
| 2. Februar 2010 | Ein Auftrag für Jörg Kachelmann?
Punxsutawney Phils erstes Auftauchen im Jahr ist in den Vereinigten Staaten immer ein Gesprächsthema. Nicht nur für den Smalltalk, auch in Hollywood. Davon zeugt der Streifen Und täglich grüßt das Murmeltier (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008 „Morgen ist Groundhog Day“). Eine Prognose über die Reaktion des haarigen Gesellen, wenn die Klappe zu seinem Bau für einen Moment geöffnet wird, ist nicht schwer: Er wird seinen Schatten sehen und vor Schrecken zusammenzucken. |
| 1. Februar 2010 | Gründe, diesen Monat weniger Geld auszugeben
Heute beginnt der Monat, in dem die meisten von uns merken, dass das Monatsgehalt in 28 Tagen ebenso wenig ausreicht wie in 31. Dabei sollte es im Februar wirklich langen. |
| 29. Januar 2010 | Große Kunst, noch größere Sprüche
William Claude Dukenfield, heute vor 130 Jahren in Philadelphia geboren, war ein bekannter Schauspieler. Unter seinem Künstlernamen W. C. Fields bekam er sogar einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame; zu seinem 100. Geburtstag ehrte ihn die US-Post mit einer Gedenkbriefmarke. Inzwischen ist der 1946 verstorbene Schauspieler allenfalls mal in der Wiederholung einer David Copperfield-Verfilmung zu sehen, in der er freilich nur eine Nebenrolle spielte. |
| 28. Januar 2010 | Pfeiffer mit drei ‚f’
Eine unbehandelte Orange, eine unbehandelte Zitrone, zwei Liter billiger Rotwein, 50 ml Orangensaft, 35 cl vierundfünfzigprozentigen Rum, eine Zimtstange, sechs Gewürznelken und ein Zuckerhut ergibt, richtig verhackstückt und gemischt, langsam erhitzt und schließlich mit einem langen Streichholz angezündet was? Richtig, eine Feuerzangenbowle! Jetzt ist das richtige Wetter dafür. Gibt man den Begriff in Google ein, erhält man als ersten Treffer das Getränk; mit dem Hinweis, dass es sich um keine eigentliche Bowle, sondern um einen Punsch handelt. Direkt anschließend weist einen die Suchmaschine auf den gleichnamigen Film hin. |
| 27. Januar 2010 | Eine Erfindung, die so neu nicht war
Der Erfinder der Glühbirne, das wissen die Leser dieses Newsletters, heißt Jára Cimrman und kommt aus Prag (siehe unsere Ausgabe vom 12. Oktober 2007 „Der Erfinder der Glühbirne, des Joghurts und des Panamakanals“). Sie wissen auch, dass der geniale Tscheche vergessen hatte, sein Patent anzumelden. Wegen dieses Versäumnisses kam ein gewisser Thomas Alva Edison heute vor 130 Jahren in den Genuss dieser Erfindung. Doch auch hinter dem US-Genie steckt eine gute Geschichte. Im Gegensatz zu allem, was über Jára Cimrman erzählt wird, besitzt sie sogar den Vorteil, der Wahrheit zu entsprechen. |
| 26. Januar 2010 | Kein strahlendes Jubiläum in Davos
Das Weltwirtschaftsforum in Davos feiert Jubiläum: Zum 40. Mal treffen sich ab morgen in den Schweizer Bergen die Mächtigen dieser Erde zum „Überdenken, umgestalten, erneuern.“ So lautet der Titel der fünftägigen Veranstaltung, zu der 2500 Teilnehmer erwartet werden. Darunter sind 30 Staats- und Regierungschefs und 60 Minister. Zum Vergleich: Das Debüt im Jahr 1971 lockte 444 Manager an. |
| 25. Januer 2010 | Der Tag, an dem sich alle lieb haben
Der Weltkuscheltag war zwar bereits letzten Donnerstag, doch hatten wir an diesem Datum ein noch bedeutenderes Ereignis zu vermelden. Jetzt aber zu dem Tag, an dem sich alle lieb haben sollen. Über dessen Herkunft und Geschichte konnte die Redaktion dieses Newsletters leider nichts herausbekommen. Sogar auf der Wikipedia-Seite, die doch über alles Wichtige und Unwichtige zu berichten weiß, fand sich kein entsprechender Eintrag. |
| 22. Januar 2010 | Leider nicht der erhoffte Tod
An dem Tag, als der heute vor 222 Jahren geborene George Gordon Byron 36 Jahre alt wurde, beschenkte er sich selbst mit einem Gedicht: On this Day I Complete My Thirty-sixth Year. Es wurde sein letztes, was sowohl die Gedichte als auch die Lebensjahre betraf, denn keine drei Monate später war Byron tot. Ob er das nahen seines Endes geahnt hat? Die letzten Zeilen seines Gedichts lauten. |
| 21. Januar 2010 | Keine Regel ohne Ausnahme
„Mit 50 hat jeder das Gesicht, das er verdient, meinte einmal George Orwell. Doch so alt wurde der 1903 geborene britische Autor nicht. Er starb bereits am 21. Januar 1950. Zwei Jahre zuvor hatte er seine Version vom autoritären Überwachungsstaat geschrieben – und die Jahreszahl für den Romantitel einfach umgedreht: 1984. Orwell war Schriftsteller, gleichzeitig aber auch Journalist. So beherrschte er neben der Literatur die Kunst, für den Alltag zu schreiben. |
| 20. Januar 2010 | Die schwierige Rückkehr zur Erde
Als am 21. Juli 1969 um 4 Uhr 15 mitteleuropäischer Zeit Edwin Aldrin ein Mensch den Mond betrat, begann für ihn eine schwere Zeit. Sein erstes Problem war, dass exakt 19 Minuten zuvor jemand dasselbe getan hatte. Ab da kannte Neil Armstrong jedes Kind; Edwin Aldrin blieb nur als sein Gehilfe in Erinnerung. Noch schlechter erging es Michael Collins: Der durfte zwar zum Mond mitfliegen, den Erdtrabanten aber nicht betreten. Wären alle drei Astronauten gleichzeitig auf dem Mond gewesen, hätte womöglich jemand das verlassene Raumschiff geklaut und wäre mit der Columbia davongedüst. |
| 19. Januar 2010 | Zu schön für Hitchcock
Ihre berühmtesten Filmrollen waren die beiden ersten: Das Debüt als Schauspielerin gab Tippi Hedren in Die Vögel, und auch im nächsten Film desselben Regisseurs stand sie als Marnie vor der Kamera. Doch Tippi Hedren verdankte Alfred Hitchcock nicht nur ihren Aufstieg. Der hatte sie in einem Werbespot entdeckt und sie gleich für 7 Jahre verpflichtet. |
| 18. Januar 2010 | Zu Tode gewachsen
Die Dinosaurier mussten die Erde verlassen, weil sie zu groß geworden waren. Dieser Spruch hätte von Kenneth Boulding stammen können, jenem Wirtschaftswissenschaftler, der heute vor 100 Jahren im englischen Liverpool geboren wurde und später in die Vereinigten Staaten auswanderte. Von Boulding stammt allerdings der schöne Satz: „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann unendlich lange andauern in einer endlichen Welt, ist entweder ein Irrer oder ein Ökonom.“ |
| 15. Januar 2010 | Nichts für Schönwettersportler
Heute beginnt die Rückrunde der Fußball-Bundesliga, viel früher als in den Jahren zuvor, als die Winterpause bis Ende Januar dauerte. Und ausgerechnet jetzt wird Westeuropa von einer der längsten Kälteperioden seit Jahrzehnten heimgesucht. Doch darf's nicht einmal bei ausgewiesenen Schönwettersportlern an den Temperaturen scheitern, zumal jedes deutsche Erstligastadion über eine Rasenheizung verfügt. |
| 14. Januar 2010 | Herzlichen Glückwunsch, Nick Romeo!
Wenn in diesem Newsletter ein unter 50-Jähriger wegen seiner Lebensleistung gewürdigt wird, kann das nichts Gutes bedeuten. Das musste am 25. August 2009 Philipp Mißfelder („Herzlichen Glückwunsch, Philipp Mißfelder!“)schmerzlich erfahren. |
| 13. Januar 2009 | Drei Jahrzehnte Grüne
Heute vor 30 Jahren gründeten Umweltschützer und Friedensaktivisten die Partei der Grünen. Die Überlegung dahinter: Im Parlament könnten sie ihre Interessen besser vertreten. Es blieb beim Konjunktiv. Drei Jahrzehnte und ein wackliger Atomausstieg (unter einem grünen Umweltminister) sowie ein Bombenkrieg gegen Jugoslawien (unter einem grünen Außenminister) später fällt die Bilanz ernüchternd aus. |
| 12. Januar 2010 | „Voorlopig geen Elfstedentocht“ ...
… meldet der Koninklijke Nederlandsche Schaatsenrijders Bond (KNSB), die unter der Patenschaft der Königin stehende Vereinigung der Niederländischen Natureisläufer. Was es mit dem Elfstedentocht auf sich hat, wissen treue Leser dieses Newsletters; weniger treue müssen die Ausgabe vom 12. Januar 2009 „Die Frage, um die sich dieser Tage alles in Friesland dreht“ zu Rate ziehen. Vor genau einem Jahr stand unser Nachbarland vor derselben Frage wie heute: Findet der Elfstedentocht nun statt oder nicht? |
| 11. Januar 2010 | Reif für den Zauberberg?
Der Geburtstag, das haben Sie in unserem Newsletter vom 5. Januar erfahren „Das neue Jahr und die guten Vorsätze“, ist die zweite Chance nach Silvester, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen. Beispielsweise könnte zum Wiegenfest der Entschluss reifen, endlich einmal ein gutes Buch zu lesen, für dessen Lektüre man sich bislang zu unreif gefühlt hat: etwa den Zauberberg von Thomas Mann, der in einem Schweizer Sanatorium spielt, oder, falls der Schauplatz zu sehr an die eigenen Gebrechen erinnert, Lotte in Weimar, wo derselbe Schriftsteller Goethes Werther aufgreift und das Objekt aller Sehnsüchte, Werthers große Liebe Charlotte – die im wirklichen Leben natürlich Goethes große Liebe war – im Weimarer Hotel Elephant logieren lässt. |
| 8. Januar 2010 | Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika
Als Christoph Kolumbus (siehe auch unsere Newsletter vom 19. Mai 2006 „Vor 500 Jahren starb Christoph Kolumbus“ und 9. August 2007 „Eine böse Entdeckung“) einen westlichen Seeweg nach Indien vorschlug, mussten die Portugiesen herzlich lachen. Die Experten von Europas Seemacht Nummer eins wussten, dass die Passage nur um Afrika herum führen konnte, also von ihrer Heimat aus zunächst in südlicher, dann in östlicher Richtung. |
| 7. Januar 2010 | Weshalb Pisa bald nur noch Bildungspolitikern ein Begriff sein wird
Heute vor 20 Jahren bekamen die Pisaner – ebenso wie die Touristen der berühmten Stadt in der Toskana – einen gehörigen Schrecken: Ihr Turm hatte sich noch stärker geneigt, als dies ohnehin der Fall ist. Um letzteren zu verhindern, sperrten die Ratsherren ihren Fremdenverkehrsmagneten für alle Besucher. |
| 6. Januar 2010 | Warum die Kölner heute traurig sind
Als Feiertag ist der Dreikönigstag in Deutschland nördlich der Mainlinie fast überall abgeschafft. Ausnahme ist das Bundesland Sachsen-Anhalt. Im Süden halten Baden-Württemberg und Bayern ebenso wie das tief katholische Österreich weiterhin an der christlichen Tradition fest, die aus Köln stammt (siehe dazu unseren Newsletter vom 6. Januar 2006 „C + M + B“). Traurig für die Domstädter, dass sie heute an den Schreibtisch oder an die Werkbank müssen – und das bei eisigen Temperaturen, die sie selbst winters nicht gewohnt sind. |
| 5. Januar 2010 | Das neue Jahr und die guten Vorsätze
„Es gibt bereits alle guten Vorsätze“, stellte schon im 17. Jahrhundert Blaise Pascal fest, „wir brauchen sie nur noch anzuwenden.“ Vielleicht müssen auch Sie sich mit dem Spruch des der französische Mathematiker und Philosophen trösten, falls Sie schon Ihre Vorsätze für 2010 über Bord geworfen haben. Immerhin bleibt Ihnen ein Thema für Ihren nächsten Small Talk: Fragen Sie Ihr Gegenüber, was er oder sie sich für 2010 vorgenommen hat. |
| 4. Januar 2010 | Himmlischen und irdischen Göttern überlegen
Heute vor 50 Jahren starb der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus. Begraben ist er im Provence-Städtchen Lourmarin. Das findet Nicolas Sarkozy ein wenig schofelig: Frankreichs Staatspräsident will den großen Geist dort aufbewahrt sehen, wo die meisten berühmten Franzosen ruhen: im Pantheon. Gegen eine Überführung der sterblichen Überreste in die Hauptstadt wiederum wehrt sich die Familie. |
| 23. Dezember 2009 | Es gibt keinen Weg zum Frieden
Der 1948 gestorbene Mahatma Gandhi gehört aus deutscher Sicht zu den zehn Persönlichkeiten der Weltgeschichte, welche die Welt am stärksten positiv verändert haben. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid (siehe unseren Newsletter vom 2. März 2006 „Wer hat in der Weltgeschichte am positivsten gewirkt?“). Heute vor 90 Jahren rief Gandhi seine indischen Landsleute zum Widerstand gegen die britischen Kolonialherren auf. Einzig gangbarer Weg für den erklärten Pazifisten war statt einer gewaltsamen Revolution der zivile Ungehorsam. |
| 22. Dezember 2009 | Der Preiskampf in der Pharmaindustrie
Der Vorschlag zum heutigen Beitrag stammt von einem Leser aus Österreich. Ich selber wäre nicht auf die Idee gekommen, weil mir das Thema für einen Small Talk zu heikel erscheint – und dennoch: Krankheiten und Medikamente betreffen, wie jener Leser treffend bemerkte, fast jede(n) von uns. Und deshalb nähern wir uns heute den Generika an. |
| 21. Dezember 2009 | Die längste Nacht des Jahres
Der heutige 21. Dezember ist der Tag der Wintersonnenwende und somit der kürzeste des Jahres. Jedenfalls in Deutschland. Was die Länge der Nacht betrifft, gilt es regionale Unterschiede zu beachten: Die mit 16 Stunden und 51 Minuten längste Nacht hat Flensburg zu ertragen. Die Stadt nahe der dänischen Grenze ist Deutschlands nördlichste. Erheblich kürzer ist die Nacht auf den 22. Dezember in Bayern, vor allem in Garmisch-Partenkirchen: Ganz im Süden des Freistaats müssen die Bewohner nur 15 Stunden und 34 Minuten lang auf das Tageslicht warten. |
| 18. Dezember 2009 | Alles andere als eine Idylle
„Was wir an Weihnachten feiern“, sagt der frühere Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und heutige Kurienkardinal im Vatikan, Walter Kasper, „ist alles andere als eine Idylle. Die Krippe, die wir längst in unsere warmen Stuben geholt haben, stand bekanntlich im Stall. Niemand war da, der der schwangeren Frau und dem jungen Mann aus Nazareth in Galiläa menschenwürdige Bleibe zu geben bereit war. Kaum war das Kind zur Welt gekommen, musste die junge Familie fliehen, weil Herodes, der machtbesessene Herrscher, dem Kind Jesus nach dem Leben trachtete. Flüchtlinge waren sie, politisch Verfolgte, Asylsuchende.“ Nicht nur katholische Würdenträger, auch weltliche Organisationen denken so. |
| 17. Dezember 2009 | Die Zauberformel
Es gibt tatsächlich Wahlen, die alle Beteiligten so zufrieden hinterlassen, dass man ihre Ergebnisse zementiert. So geschehen vor 50 Jahren in der Schweiz. Nach dem Urnengang setzte sich die siebenköpfige Regierung, Bundesrat genannt, wie folgt zusammen: je zwei Stimmen für Freisinnige, Christliche Volkspartei und Sozialdemokraten sowie eine für die SVP, die ultrakonservative Schweizer Volkspartei. Diese so genannte Zauberformel erfuhr in einem halben Jahrhundert nur eine Änderung: 2003 mussten die Christlichen einen Sitz an die SVP abgeben, da diese bei den Wahlen, die nach wie vor stattfanden, sehr viel besser abgeschnitten hatte. |
| 16. Dezember 2009 | Kein Märchen von Grimm
Heute vor 150 Jahren starb Wilhelm Grimm in Berlin. Berühmt wurde er zusammen mit seinem älteren Bruder Jakob durch die Sammlung von „Kinder- und Hausmärchen“. Das Märchen, das ich Ihnen heute erzähle, ist nicht aus diesem Werk. Für Grimms Geschichten würde der Platz nicht reichen, für die folgende wohl: |
| 15. Dezember 2009 | Geschichten, wie wir sie hier gern erzählt hätten
Ulrich Hesse-Lichtenberger ist der Redaktion dieses Newsletters trotz seines sperrigen Namens bislang nicht aufgefallen. Doch jetzt hat er ein Buch herausgebracht, um das ihn alle Sportjournalisten beneiden. Wie Österreich Weltmeister wurde heißt es und beinhaltet, wie der Untertitel verrät, 111 unglaubliche Fußballgeschichten, die jedoch alle wahr sind. |
| 14. Dezember 2009 | Norwegen auf Umwegen
„Das war der 33. Transport und der 168. Mann, den ich in den letzten Monaten hierher gebracht habe.“ ‚Hierher’, das ist Schweden, ein im Zweiten Weltkrieg neutrales Land, und ‚ich’ bezeichnet den Fluchthelfer, der zwei Österreichern half, aus dem von Deutschen besetzten Norwegen zu entkommen. Johann Laab und Raimund Huber waren in ihrer Heimat politisch verfolgt. Im Land der Fjorde fanden sie Unterschlupf und gingen einer komplett legalen Tätigkeit nach – bis ihr Exilland am 9. April 1940 der nationalsozialistischen Aggression zum Opfer fiel. |
| 11. Dezember 2009 | Ein gespanntes Verhältnis
Heute ist der Internationale Tag der Berge, der alljährlich von der UNO begangen wird. Von Bergen und Bergsteigern war in diesem Newsletter schon öfter die Rede, etwa in den Beiträgen „Der Berg ruft“, „Bravourös am Berg, erfolglos in der Ebene“ oder „Der höchste Berg Europas“. Auch lüfteten wir in der Ausgabe vom 12. September 2006 das Geheimnis, warum Reinhold Messner Bergseen meidet. |
| 10. Dezember 2009 | Die Hölle, empfunden von Thomas Mann
„Der Ruhm zu Lebzeiten ist eine fragwürdige Sache“, meinte Thomas Mann, „man tut gut, sich nicht davon blenden, sich kaum davon erregen zu lassen.“ Heute vor 80 Jahren allerdings musste der Schriftsteller seine Zurückhaltung aufgeben, als er den Literatur-Nobelpreis bekam. Wie gut, dass sich seine Begeisterung auch angesichts der Tatsache in Grenzen hielt, dass ihm die Auszeichnung für ein Werk verliehen wurde, welches er 1901 geschrieben hatte: Die Buddenbrooks. |
| 8. Dezember 2009 | Zu wenig geklaut
Wer ein Ei stiehlt, stiehlt auch ein Kamel. Ins Deutsche übertragen lautet dieses arabische Sprichwort: Wer ein Brötchen stiehlt, dem kann man nicht mehr vertrauen und wird deshalb gekündigt. Um den Diebstahl eines Brötchens geht es heute in einer Verhandlung vorm Arbeitsgericht Dortmund. |
| 9. Dezember 2009 | Eine Wolke ohne Regen
Es war einmal ein Umweltgipfel. Der wurde 1992 in der schönen Stadt Rio de Janeiro abgehalten. Die Teilnehmer stellten fest, dass der Klimawandel ein ernstes Problem und die Staatengemeinschaft zum Handeln gezwungen ist. Auf der daraufhin einberufenen ersten UN-Klimakonferenz, 1995 in Berlin, beschloss man, die Gemeinschaft zu festigen und den Zwang zu verschärfen. |
| 7. Dezember 2009 | Das Klavier hat sich betrunken
„The piano has been drinking“, heißt einer seiner autobiografischen Songs. Er erzählt vom Leben tingelnder Künstler, das sich in den Stunden nach dem Auftritt auf den deprimierenden Mikrokosmos leerer Flaschen und überfüllter Aschenbecher reduziert. Die Begleitband ist schon abgereist und weit und breit keine Kellnerin zu sehen, um den erlösenden letzten Drink des Abends, aus dem längst schon ein weggeworfener Morgen geworden ist, zu servieren. |
| 4. Dezember 2009 | Welche WM-Gegner winken der deutschen Elf?
Der 4. Dezember ist der Tag der Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Feuerwerker, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen (siehe dazu unseren Newsletter vor genau einem Jahr „Treulose Tochter, verbitterter Vater“). |
| 3. Dezember 2009 | Behindert wird man
„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ So hieß es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, bis vor 15 Jahren ein weiterer Satz hinzukam: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ |
| 2. Dezember 2009 | Die älteste deutsche Universität
Wie heißt die älteste deutsche Universität? Diese Frage lässt sich so leicht nicht beantworten, denn das Objekt befindet sich heute nicht mehr auf deutschem Boden. Sondern auf tschechischem, denn in Prag entstand 1348 die Karlsuniversität, benannt nach dem damaligen böhmischen König, der später zugleich Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation wurde. |
| 1. Dezember 2009 | Vor dem Fest und zwischen den Jahren
Der Dezember soll der kürzeste Monat des Jahres sein. Jedenfalls aus Arbeitgebersicht: Für die selbsternannten Träger der deutschen Wirtschaft zerfällt der Dezember in drei Phasen. Die erste währt dieses Jahr 17 Werktage lang, bei tendenziell sinkendem Arbeitseifer durch Nikolaus, diverse Betriebsfeiern, vielleicht das eine oder andere Adventskegeln und weitere die Gemeinschaft der Werktätigen stärkende, deren, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, work output jedoch bremsende Zeitvertreibe. |
| 30. November 2009 | Blut, Schweiß, Tränen. Und Arbeit.
Winston Churchill, heute vor 135 Jahren geboren, war vor allem wegen seiner Zunge gefürchtet. Seinen Rivalen von der Labour Party, Clement Attlee, bezeichnete er einmal als „Schaf im Schafspelz“. Kein Wunder, dass Attlee, der Churchill im Amt des britischen Premierministers beerbte, auch dessen Nachfolger wurde – nachdem Labour die nächste Wahl deutlich gegen Churchills Konservative verlor. |
| 27. November 2009 | Der erste Adventskranz
Am Sonntag ist der erste Advent. In diesem Zusammenhang wurde in unserem Newsletter bereits des Kalenders gedacht (siehe Ausgabe vom 1. Dezember 2006 „Schöne neue Medizinerwelt?“). Heute erweisen wir dem Adventskranz die Reverenz. Woher stammt der eigentlich? |
| 26. November 2009 | Was wirklich wichtig ist
Sie kommen in regelmäßigen Abständen heraus, meist monatlich, oft aber auch wöchentlich oder vierzehntäglich, sind geheftet oder geleimt, haben ein nach bestimmten Wiedererkennungsmerkmalen gestaltetes Deckblatt und sind hochgradig von der Zahl ihrer Abonnenten abhängig, wobei der Preis sich weniger nach der Qualität des Inhalts als nach der des Papiers richtet. Die Rede ist von Zeitschriften, deren Welttag heute begangen wird. |
| 25. November 2009 | Der Wunsch nach Demokratie und sozialer Gerechtigkeit
„Vor einer Legion, ich weiß nicht mehr vor welcher, ritt eine üppige Weibsperson, eine rote Feder auf dem Hecker-Hute, Brille auf der Nase, angetan mit einem Reitkleide aus schwarzem Samt, im roten Gürtel zwei Pistolen, an der Seite einen Schleppsäbel und – hinter ihr reitend – ein badischer Dragoner als Ordonnanz“: Die so martialisch beschriebene Mathilde Franziska Anneke nahm zwar am badisch-pfälzischen Aufstand von 1848/49 teil, sogar zu Pferde und auch in vorderster Front, aber Waffen hat sie zeitlebens ebenso wenig getragen wie Männerkleidung. |
| 24. November 2009 | Zu lahm. Zu groß. Zu träge. Zu dumm?
„Die Säugetiere haben die Dinosaurier verdrängt“, erklärte der britische Naturforscher Charles Darwin, der heute vor 150 Jahren in seinem Werk Die Entstehung der Arten seine Evolutionstheorie (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 11. Februar 2009 „Das Buch, das die Welt veränderte“) veröffentlichte, „weil sie schneller, kleiner und aggressiver waren.“ |
| 23. November 2009 | 51 Euro geschenkt
Blicken wir noch einmal 20 Jahre zurück: In den zwei Wochen nach der Maueröffnung hatten 11 Millionen DDR-Bürger bereits den Westen besucht. Die restlichen fünf Millionen hatten nicht nur auf die Reise, sondern auch auf 100 D-Mark Begrüßungsgeld verzichtet. Für unsere jüngeren Leser: Das sind umgerechnet etwas mehr als 51 Euro. Diesen Betrag bekamen Ostdeutsche, wenn sie unter Vorlage eines Ausweises bei einem westdeutschen Geldinstitut vorstellig wurden. |
| 20. November 2009 | Die erzieherische Wirkung des Fernsehens
Morgen ist der Welttag des Fernsehens. Er hat keineswegs zum Ziel, dass sich rund um den Globus Menschen einen ganzen Tag lang vor die Glotze setzen. Vielmehr soll selektiv ferngesehen und der segensreiche Anteil des TV an der Informationsgesellschaft unterstrichen werden. So die Theorie. In der Praxis ist es mit der erzieherischen Wirkung der flimmernden Kiste nicht so weit her. |
| 19. November 2009 | Die Herren Unterlasser
„Ein Unternehmen produziert kein Geld, sondern Schuhe“: Es war Peter Ferdinand Drucker, der bereits in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Manager ermahnte, nicht zu sehr auf den Aktienkurs zu schielen. Der in Wien geborene Bestsellerautor (Die Zukunft der Industriegesellschaft) sah vieles voraus: So warnte Drucker auch schon vor der Überalterung in den westlichen Industrienationen und kritisierte heftig die kurzfristige Orientierung in den Konzernzentralen. |
| 18. November 2009 | Deutscher und Weltbürger
„Mode ist das wichtigste Mittel der Textilindustrie gegen die zunehmende Haltbarkeit der Stoffe“: Dieses Zitat stammt zwar nicht von unserem heutigen Geburtstagskind, sondern von dessen Kollegen Emilio Schuberth. Doch Wolfgang Joop, der an diesem 18. November 65 wird, steht ebenfalls seiner eigenen Branche durchaus kritisch gegenüber. „Teure Designerkleidung“, meinte er einmal, sei nichts für Kinder, denn die schaffe nur „Distanz und Isolation. Kinder wollen meistens so sein wie andere Kinder auch.“ |
| 17. November 2009 | Falschmeldung stürzt Regierung
Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Theater, aber die Veranstaltung fällt aus. Sie gehen wieder nach Hause, und dort teilt man Ihnen mit, dass es für Sie auch in Zukunft keine Theatervorstellung mehr geben wird, schlicht und ergreifend aus dem Grund, da Sie tot sind. Das Ganze könnte der Feder Franz Kafkas entstammen. Doch nur der Schauplatz passt, der Rest hat sich wirklich so zugetragen. |
| 16. November | Dulden heißt beleidigen
Vor Jahren besuchte ein Reporter den aus Ghana stammenden Bundesligaprofi Anthony Yeboah. Der Fußballer hatte gerade in der Nähe von Frankfurt, wo er bei der Eintracht kickte, ein neues Domizil bezogen. Erstaunt stellte der Pressevertreter fest, Yeboah wohne ja wie ein deutscher Musterbürger. Warum auch nicht? Schließlich wird hierzulande von Neuankömmlingen erwartet, dass sie sich den Landessitten anpassen. Yeboah jedenfalls fühlte sich leicht auf den Schlips getreten und antwortete seinem Besucher: „Soll ich etwa ein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen?“ |
| 13. November 2009 | Warum Sie Freitag den 13. doch sehr ernst nehmen sollten
Unserem Newsletter, den Sie vielleicht schon seit einiger Zeit lesen, wird eine gewisse pädagogische Tendenz nachgesagt. Tatsächlich bilden wir uns etwas darauf ein, die Allgemeinbildung unserer Leser zu verbessern. Da ist der Schritt zur seelischen Fürsorge nicht weit. „Freitag der 13.“, titelten wir in der Ausgabe vom 13. Januar 2006, „ist kein Unglückstag“. Als Beleg zitierten wir den Heidelberger Soziologen Edgar Wunder. Der kam nach der Analyse von 26 Freitagen, die von 1985 bis 1999 auf einen 13. fielen, zu einem beruhigenden Schluss: Im statistischen Mittel ist die Unfallzahl an einem Freitag den 13. geringer als etwa an einem Freitag den 20. |
| 12. November 2009 | Ein Graf, ein Fürst und ein entwürdigendes Geschäft
Luxemburg ist ein kleines Land, in dem sogar der Adel verarmt. Jedenfalls war das früher so, bevor Stahlwerke Konjunktur hatten und es die EU gab. Da musste ein aus diesem Herzogtum stammender Graf einen entwürdigenden Deal schließen: Für eine stattliche Summe führte René, so sein Rufname, eine Frau namens Angèle an den Altar, die durch diese Hochzeit in den Adelsstand erhoben wurde. Nach drei Monaten sollten sich die Beiden dann scheiden lassen. Davon profitierte wiederum ein russischer Adliger: Fürst Basils Land war groß, er selber reich und eine Heirat mit einer Bürgerlichen ausgeschlossen. |
| 11. November 2009 | Elfter Elfter, elf Uhr elf
„11 ist die Sünde, 11 überschreitet die 10 Gebote.“ Sagt der Astrologe Seni zu seinem Arbeitgeber, dem Feldherrn Wallenstein – in Friedrich Schillers gleichnamigem Drama. Schiller war Schwabe und als solcher dem Karneval beziehungsweise der alemannischen Form des Frohsinns, der Fasnet, gewiss nicht abgeneigt. |
| 10. November 2009 | Faule Äpfel
„Man sollt' den Tag nicht vor dem Abend loben“, lässt Friedrich Schiller in Wallensteins Tod den Kommandanten von Eger, Gordon, zum Titelhelden sagen. Schiller wäre heute 250 Jahre alt geworden, was für diesen Newsletter ein Grund ist, sich einmal näher mit dem Arbeitsalltag des Dichters zu befassen. Einen ersten Einblick hatten wir Ihnen bereits einmal gegeben (siehe dazu unsere Ausgabe vom 2. Dezember 2008 „Faule Äpfel und tote Hühner“). |
| 9. November 2009 | Das glücklichste Volk auf der Welt
Heute jährt sich der Tag, an dem die Reisebeschränkungen für DDR-Bürger aufgehoben wurden, zum zwanzigsten Mal. Die und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten eingeleitet. Sicher erinnern Sie sich noch an jene zunächst recht langweilige Pressekonferenz, die live im DDR-Fernsehen übertragen und später unzählige male wiederholt wurde. In ihr erwähnte Politbüromitglied Günter Schabowski in einem Nebensatz, seine Regierung habe beschlossen, „eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“ |
| 6. November 2009 | Die Kunst, ein Kartenhaus zu bauen
Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer, vor 10 Jahren wurde sie an anderer Stelle wiederaufgebaut: aus Karten. Na ja, nicht ganz: Was am 6. November 1999 im Casino am Potsdamer Platz aus 91.800 Spielkarten entstand, war keine Mauer, sondern ein komplettes Gebäude. 131 Stockwerke wies es auf und kam auf eine Höhe von 7,71 Meter. Das brachte seinem Konstrukteur, dem US-Amerikaner Bryan Berg, einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. |
| 5. November 2009 | Ein Jahr Obama
Heute vor einem Jahr, in den frühen Morgenstunden, als die meisten Stimmen ausgezählt waren, war es Gewissheit: Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten ihren ersten schwarzen Präsidenten (siehe auch unseren Newsletter vom 4. November 2008 „Ein schwarzer Kennedy?“). „Was darf Europa von einem Präsidenten Obama erwarten?“, fragte der Washingtoner Korrespondent des Berliner Tagesspiegel, Christoph von Marschall in seinem Buch Der schwarze Kennedy. Das Werk erschien übrigens ein Jahr bevor in den USA gewählt wurde. |
| 4. November 2009 | Die größte Demo in der DDR
Heute vor 20 Jahren versammelten sich eine dreiviertel Million Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz. Es war die größte Demonstration in der Geschichte der DDR – und die letzte unter dem alten Regime. 5 Tage später fiel die Mauer. Die Hauptforderung der Demonstranten war damit erfüllt. Unter ihnen befanden sich prominente Schriftsteller wie Christa Wolf, Stefan Heym und Christoph Hein, aber auch vorher ins Zwielicht geratene SED-Größen: Markus Wolf etwa, der frühere Spionagechef, oder der Ostberliner Parteisekretär Günter Schabowski. |
| 3. November 2009 | Kein Beschützer der Tiere
Heute ist nicht nur Weltmännertag. Heute ist auch der Tag einer besonders männlichen Spezies Mann. Für Sie steht der heilige Hubertus, der Schutzpatron der Jäger, Reiter und Schützen. Hubertus war zu Beginn des achten Jahrhunderts Bischof von Lüttich. Die von ihm praktizierte christliche Nächstenliebe erstreckte sich freilich nicht auf vierbeinige und gefiederte Wesen. Die schoss er lieber ab, als Sport. Als es wieder einmal zu einem sportlichen Aufeinandertreffen zwischen Mensch und Tier kam, erschien dem heiligen Mann ausgerechnet inmitten des Hirschgeweihs, auf das er scharf war, ein goldenes Kreuz, welches ihn zur Buße gemahnte. |
| 2. November 2009 | Warum Österreichs Schulkinder heute frei haben
Ihrer Heiligen gedenkt die katholische Kirche jedes Jahr am 1. November. Was aber ist mit denjenigen, die es noch nicht so weit gebracht haben? Sie bedürfen der Läuterung und schmoren daher noch im Fegefeuer. Kein angenehmer Zustand, so ist zu vermuten. Immerhin räumt die katholische Kirche freimütig ein, dass die zwischen Himmel und Hölle schwebenden Verstorbenen der Fürsorge der noch Lebenden, vor allem ihrer Verwandten, bedürfen. Letztere können Gott bitten, er möge die Seelen aus dem Ort der Läuterung befreien. |
| 30. Oktober 2009 | Halloween und danach
Am Wochenende kommen alle Leser dieses Newsletters auf ihre Kosten: Die Evangelischen Feiern Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg anno 1517, die Katholischen ihre Heiligen und die Anhänger des Vampirkults sich selbst. Allen, die im Alltag nicht bleich geschminkt und in schwarzen Klamotten rumlaufen, bietet ein aus den angelsächsischen Ländern herübergeschwappter Brauch Gelegenheit, das Gruftie-Dasein zu proben. |
| 29. Oktober 2009 | Grenzen erwandern
Das Wandern ist in den letzten Jahren in Mode gekommen. Das vielleicht berühmteste Buch in diesem Genre schrieb Hape Kerkeling: Der Komiker schilderte durchaus ernsthaft seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg vom französischen Grenzstädtchen St. Jean Pieds-de-Port nach Santiago de Compostela, dem Wallfahrtsort im Nordwestzipfel Spaniens. Auch entlang der Grenzen Deutschlands haben sich Spurensucher aufgemacht, um über das zu berichten, was ihnen unter die Füße kam. |
| 28. Oktober 2009 | Whisky im Wellnesstempel
Am 3. November ist Weltmännertag (siehe unsere Newsletter vom 2. November 2007 „Das Geschlecht der Mühseligen und Beladenen“ und vom 3. November 2008 „Guter Rat vom Reformator“). Dies hat auch die neue schwarz-gelbe Regierung begriffen und in ihren Koalitionsvertrag folgenden Passus aufgenommen: „Wir wollen eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik entwickeln und bereits bestehende Projekte für Jungen und junge Männer fortführen und ergänzen.“ |
| 27. Oktober 2009 | Wo Geschmack und Geld sich nicht beißen
„Jedes Jahr an Weihnachten“, erinnert sich unser heutiges Geburtstagskind, „verfrachtete mich mein Vater in ein Boot, ruderte ungefähr zehn Kilometer von der Küste weg und warf mich dann ins Meer. Ich musste zurück an Land schwimmen, was mir allerdings mit der Zeit kaum noch Probleme bereitete. Viel größer war die Schwierigkeit, mich aus dem Sack zu befreien, in den er mich vorher gestopft hatte.“ Wer eine solche Jugend hinter sich hat, ist prädestiniert, später Komiker zu werden. |
| 26. Oktober 2009 | Untergegangenes Reich, wiedervereinte Völker
Heute ist Nationalfeiertag in unserem Nachbarland. Am 26. Oktober 1955 erklärte Österreich seine immerwährende Neutralität, was die Besatzungsmächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion mit sofortigem Abzug und der Dirigent Karl Böhm mit einer Fidelio-Inszenierung in der nach Kriegszerstörungen wieder aufgebauten Wiener Staatsoper belohnten. Anders als die beiden deutschen Staaten war die Alpenrepublik damit ein freies Land – allerdings ein im Vergleich zum Habsburgerreich vor dem Ersten Weltkrieg stark geschrumpftes: Bis dahin lebten in der k.u.k. Doppelmonarchie (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 12. November 2007 „Ende einer Erfolgsgeschichte“) Ungarn, Kroaten, Slowenen, Ruthenen, Polen, Slowaken, Tschechen, Rumänen, Italiener und Deutsche recht friedlich nebeneinander. Letztere stellten gerade mal ein Viertel der Bevölkerung dieses ersten multiethnischen Gemeinwesens in Europa. |
| 23. Oktober 2009 | Aktien in Drachen umwandeln
Morgen ist zwar Samstag, doch jährt sich der so genannte Schwarze Freitag, der mit einem Crash an der New Yorker Wall Street die Weltwirtschaftskrise einläutete, an diesem Datum zum 80. Mal. Der Berliner Kabarettist Otto Reutter verfasste eigens zum Börsencrash von 1929 ein Gedicht, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: |
| 22. Oktober 2009 | Es begann mit einem goldenen Notizbuch
Wissen Sie noch, wer letztes Jahr den Literaturnobelpreis gewann? Zugegeben, es handelte sich nicht gerade um einen Autor, der hierzulande in den Bestsellerlisten steht. Der Franzose Jean-Marie Le Clézio war außerhalb seines Heimatlandes bis dato nur Insidern bekannt. Anders verhielt es sich bei seiner Vorgängerin: Doris Lessing, die 2007 die begehrte Auszeichnung bekam, hatte bereits 1962 einen Welterfolg gelandet: Das goldene Notizbuch lautete der Titel Ihres Erfolgsromans, den nicht wenige Kritiker nicht nur als klassisches Dokument in der Geschichte der Befreiung der Frau, sondern gleich als das komplexeste Werk über weibliche Intellektualität bezeichnen. |
| 21. Oktober 2009 | Als Rot und Gelb sich noch verbündeten
Vor 40 Jahren ging die erste Große Koalition in Deutschland zu Ende. An ihre Stelle – auch das war ein Novum – trat ein rot-gelbes Bündnis aus Sozial- und Freidemokraten, mit Bundeskanzler Willy Brandt an der Spitze. Es konnte sich 13 Jahre an der Macht halten, auch wenn Brandt nach der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume 1974 zurücktreten musste und durch Helmut Schmidt ersetzt wurde. |
| 20. Oktober 2009 | 35 Jahre Derrick
In Sofies Welt erzählt der Norweger Jostein Gaarder Kindern die Geschichte der Philosophie. Den Eltern, die das Buch ebenfalls lesen, dient die Lektüre als Nachhilfe für alles in der Schule Verpasste. Eine Rahmenhandlung gibt es auch, denn das Werk ist ein Roman. Hier lässt der Autor typische Alltagsszenen seiner Heimat einfließen, etwa wenn Mutter Amundsen ihrer Tochter Sofie vorschlägt: „Lass uns eine Pizza auftauen und Derrick schauen.“ Was sagt uns das? Zunächst einmal, dass der Käseteig einer der größten Exportschlager Italiens ist und es als Fertiggericht bis an den Polarkreis und darüber hinaus geschafft hat. Und dass Deutschlands Beitrag zur Wohnzimmerkultur, obwohl weit jünger, dem unserer südlichen Nachbarn kaum hinterherhinkt. |
| 19. Oktober 2009 | Unbekannter Nachbar
„Kein Nachbarland ist den Deutschen so nah und so fern wie Tschechien“, schreibt der Autor Hans-Dieter Zimmermann in seiner soeben erschienenen Landeskunde (Tschechien, Verlag C.H.Beck). Mit nah meint er geografisch, denn beide Länder haben nicht nur eine sehr lange Grenze gemeinsam, sondern auch eine an Auseinandersetzungen reiche Geschichte. Die Feindseligkeiten entwickelten sich mit der Fremdherrschaft der Habsburger, lösten den Dreißigjährigen Krieg aus, zogen sich durch die k. u. k. Doppelmonarchie – in der Tschechen hinter Österreichern und Ungarn Bürger dritter Klasse waren – und gipfelten in der Errichtung des „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren“ durch die Deutschen ein halbes Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. |
| 16. Oktober 2009 | Alles über England
Schon wieder ein Buch über England? Das hatten wir, mögen Sie jetzt einschieben, in diesem Newsletter doch schon öfter, zuletzt am 23. Oktober 2008 „Schöne neue Inselwelt“. Das kann man, würde ich Ihnen antworten, nicht oft genug haben. Vor allem wenn es sich um ein informatives, spannendes und durchaus witziges Werk handelt wie England, glorious England von Holger Ehling, soeben erschienen im Ch. Links Verlag. |
| 15. Oktober 2009 | Neues von der Buchmesse
Was gibt es Neues auf der Buchmesse? Ein Buch von Willi Wottreng beispielsweise. Schaut man sich das Gesamtwerk des Schweizer Autors an, bleibt wenig vom Saubermannimage seines Heimatlandes übrig. Ob es um den filigranen Geldfälscher Farinet geht, die wild um sich ballernden Gangster Deubelbeiss und Schürmann (siehe dazu unseren Newsletter vom 5. Juli 2007 „Unparteiisch, aber mit Humor“) oder den ersten europäischen Hells-Angels-Gründer Schippert – Wottrengs Sympathien scheinen den Schweizern mit den nicht ganz so weißen Westen zu gehören. |
| 14. Oktober 2009 | Marktplatz der Freiheit
„Die Buchmesse ist ein Marktplatz der Freiheit, der durch seine Struktur mit rund 7.000 Verlagen, 2.900 Veranstaltungen und 10.000 Journalisten sicherstellt, dass Zensur nicht stattfindet.“ Das versicherte vor einem Monat der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos, in einem Offenen Brief. Was war geschehen, dass Boos sich in dieser ungewöhnlichen Form an die Öffentlichkeit wendete? Den Stein des Anstoßes bildeten zwei kritische Autoren aus dem diesjährigen Messegastland China. |
| 13. Oktober 2009 | Marie Osmond und Nana Mouskouri
Heute haben zwei Sängerinnen Geburtstag, die mit schlimmen Schnulzen die Popwelt belastet haben. Sie finden, hier würde wieder einmal zu negativ berichtet? Einspruch! Gehen Sie doch mal auf Youtube und hören Sie sich den Song Paper Roses von Marie Osmond an. Die vor exakt einem halben Jahrhundert in Utah geborene Marie Osmond eroberte mit dieser Schmonzette 1973 doch tatsächlich die Spitzenposition der britischen und der US-Hitparade! |
| 12. Oktober 2009 | Deutschlands erster Unternehmensberater
Ein Auto kann man nicht von innen anschieben: So umschreibt der Unternehmensberater Jobst Fiedler die Aufgaben seiner Branche. Der Satz hätte auch von Gerhard Kienbaum stammen können. Der heute vor 90 Jahren in Wuppertal-Barmen geborene Diplomingenieur war Deutschlands erster Unternehmensberater. Ein für damalige Verhältnisse typischer, heute allerdings kaum noch vorstellbarer Lebenslauf prägte seine Jahre bis zur ersten Firmengründung. |
| 9. Oktober 2009 | Was sich morgen beim Fußball nicht voraussagen lässt - und was doch
Warum schreiben wir so häufig über die Vergangenheit und nur selten über die Zukunft? So lautet ein Vorwurf, der gelegentlich der Redaktion dieses Newsletters gemacht wird. Blicken wir also heute einmal nach vorn und widmen uns dem Morgen. Morgen spielt Russland gegen Deutschland. Es geht um die Qualifikation für die nächste Fußball-WM in Südafrika, und Jogi Löws Elf darf nicht verlieren. Falls doch, muss sie in zwei Ausscheidungsspielen am 14. und 18. November gegen einen anderen Gruppenzweiten antreten. Deutschland hat auswärts noch nie ein WM-Qualifikationsspiel verloren. Und auch morgen würde ein Unentschieden reichen – vorausgesetzt, man besiegt Finnland im letzten Gruppenspiel daheim in Hamburg. |
| 8. Oktober 2009 | Ein moralisches Angebot
Vor 60 Jahren erhielt eine Sekretärin ein verlockendes Angebot: 100 Dollar sollte sie bekommen und Ihre Kollegin nichts. Sie konnte auch eine zweite Variante wählen: 150 Dollar für beide Sekretärinnen, vorausgesetzt, sie würden sich irgendwie einig, wie sie das Geld aufteilten. Die Vorschläge stammten von Merrill Flood: Der US-Mathematiker wollte herausfinden, ob und wie Menschen sich einen Gewinn teilen, wenn sie sich durch Kooperation eine zusätzliche Summe sichern können. |
| 7. Oktober 2009 | 40. Geburtstag auf dem Sterbebett
„Das Beste an der DDR“, fand Hermann Kant, „war der Traum, den wir von ihr hatten.“ Der Traum begann heute vor 60 Jahren, als der andere deutsche Staat gegründet wurde, in dem zahlreiche Antifaschisten an den Schalthebeln der Macht saßen – während in Westdeutschland, so deren Vorwurf, gewendete Nazis bedeutende Positionen in Politik, Justiz und Wirtschaft innehatten. Allerdings waren die Voraussetzungen für die Deutsche Demokratische Republik denkbar schlecht: Als Kriegsverlierer war sie der Sowjetunion ausgeliefert, die aus dem Land herausholte, was nur eben ging, und dies als Wiedergutmachung für die während der deutschen Besatzung erlittenen Schäden rechtfertigte. Die Westmächte verfuhren mit dem ihnen zugewandten Teil Deutschlands sehr viel gnädiger und gewährten ihm im Rahmen des Marshallplans großzügige Wirtschaftshilfe. |
| 6. Oktober 2009 | Deutsches Erbe, amerikanisch gepflegt
„Was die Deutschen gebracht haben, pflegt Amerika auf bestmögliche Weise weiter“, meinte Benjamin Franklin (siehe auch unseren Newsletter vom 17. Januar 2006 „Zeit ist Geld“). Der Erfinder und Politiker lebte als Herausgeber einer Zeitung in Philadelphia, der amerikanischen Stadt, in zuerst von Deutschen besiedelt wurde. Genau betrachtet handelt es sich nur um einen Stadtteil der Millionenmetropole: Germantown heißt der Ort, der am 6. Oktober 1683 von Auswanderern aus Krefeld gegründet wurde, bis heute. |
| 5. Oktober 2009 | Rote Tinte statt Radiergummi
„Während meines neunjährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium“, meinte rückblickend der Dramatiker Bertolt Brecht, „gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern.“ Dem Autor mit der Schulabneigung gelang es aber, seine Lehrer zu täuschen. Davon zeugt eine Geschichte, die wir anlässlich des heutigen Weltlehrertags zum Besten geben wollen. |
| 2. Oktober 2009 | Himmlische und weltliche Schutzengel
Jedes Jahr am 2. Oktober gedenkt die katholische Kirche ihrer Schutzheiligen. Doch auch nichtreligiöse Menschen vertrauen einer solchen Instanz. Wie sonst erklärt es sich, dass zwei von drei Deutschen – laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa – an die Hilfe von Schutzengeln glauben? Ein schönes Beispiel ist uns aus der Literatur überliefert. |
| 1. Oktober 2009 | Goldener Oktober
Warum sprechen wir eigentlich vom Goldenen Oktober? Wir von der Redaktion tun dies, weil der Newsletter, den Sie gerade lesen, in diesem schönen Monat entstand. Das war heute vor 4 Jahren. Der Name an sich stammt von der Laubfärbung der Bäume, die Anfang dieses Monats beginnt. Scheint die Sonne in das gelb-rot gefärbte Blätterwerk, wirkt bei tiefblauem Himmel alles wie in Gold getaucht. |
| 30. September 2009 | Der berühmteste unvollendete Satz der deutschen Geschichte
„Wir sind zu Ihnen gekommen“, verriet der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher seinen Zuhörern, „um Ihnen mitzuteilen, dass heute ihre Ausreise ...“ Weiter kam er nicht, der Rest ging im ohrenbetäubenden Jubel unter. Der kam von rund 4000 DDR-Bürgern, die an jenem 30. September 1989 auf dem Gelände des Palais Lobkowicz – bis heute Sitz der diplomatischen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Prag – Zuflucht gefunden hatten. Genschers Botschaft aus der Botschaft läutete das Ende der DDR ein. |
| 29. September 2009 | Pflege zwischen Patient und Portemonnaie
Heute findet in Düsseldorf der Deutsche Care Congress statt. Es ist erst die zweite derartige Veranstaltung im Bereich Pflege, dürfte aber nicht die letzte sein. Zweieinviertel Millionen Deutsche sind derzeit pflegebedürftig, Tendenz stark steigend. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft dürfte sich deren Zahl bis zur Jahrhundertmitte fast verdoppeln. Andererseits wird jedes vierte Krankenhaus bis zum Jahr 2020 schließen. In die entstehende Lücke stoßen private Gesundheitsdienste, sodass der Pflegebereich – ein Traum der Neoliberalen und Globalisierungsapostel – in Zukunft verstärkt marktwirtschaftlichen Mechanismen unterworfen sein wird. |
| 28. September 2009 | Mord schafft Tradition
Wenn zwei Brüder sich streiten und der eine den anderen umbringt, hat dies mitunter schwerwiegende Folgen, Nicht immer sind sie negativ. So geschehen im Falle von Václav und Boleslav: Nachdem Böhmen sich vom Großmährischen Reich abgespalten hatte und lange bevor es Königreich wurde, kam es in der noblen Familie der Přemysliden zum Streit um die Herzogswürde. Václav gewann. Die Niederlage schien ihm Boleslav zu verübeln, jedenfalls bis zum 28. September 935, dem Tag, an dem er seinen Bruder erschlug. |
| 25. September 2009 | Haustierpfleger, Anlageberater und Kindergeburtstagsgast
Übermorgen ist Bundestagswahl. Falls Sie noch nicht wissen, wo Sie Ihr Kreuzchen setzen, hilft Ihnen vielleicht die Gebrauchtwagen-Frage. In den USA wird sie gestellt, um die Glaubwürdigkeit eines Politikers zu testen: „Würden Sie von dieser Person einen Gebrauchtwagen kaufen?“, heißt es dann in den entsprechenden Umfragen (siehe dazu unsere Ausgabe vom 16. Januar 2009 „Die Gebrauchtwagen-Frage“). In Zeiten der Abwrackprämie wird sie vermutlich nicht mehr gestellt. Ohnehin würden sämtliche Mitglieder der Großen Koalition empfehlen, sich lieber gleich einen Neuwagen zuzulegen. Welchem zeitgemäßeren Test könnte man Spitzenpolitiker stattdessen unterwerfen? |
| 24. September 2009 | 50 Jahre Blechtrommel
Heute vor 50 Jahren veröffentlichte Günter Grass seinen Roman Die Blechtrommel (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 16. Oktober 2007 „Günter Grass zum 80.“). Es ist eines der bedeutendsten, vielleicht das bedeutendste Werk der deutschen Nachkriegsliteratur. Als Grass vor einem Jahrzehnt den Nobelpreis erhielt, würdigte das Stockholmer Komitee die Blechtrommel gar als „Wiedergeburt des deutschen Romans“. |
| 23. September 2009 | Sorry, Mr. President
„Wenn mich jemand fragt: ‚Junge, wie schaffst du es nur, so lange zu spielen?’, dann antworte ich: ‚Das ist ziemlich einfach. Das Aufhören ist schwer.’“ Bruce Springsteen ist berühmt für seine langen Konzerte, in denen er alles gibt – und die nur noch übertroffen wurden von den Auftritten der Grateful Dead (siehe unseren Newsletter vom 1. August 2007 „Jeden Tag auf der Bühne“), die zwar nicht immer alles gaben, aber noch weniger Lust als Springsteen hatten, vor Mitternacht in ihr Hotel zurückzukehren. |
| 22. September 2009 | Ein Tag ohne Auto?
Der 22. September wird in der EU als Aktionstag begangen, bei der eine Aktion tunlichst unterbleiben sollte: das Autofahren. Unmöglich, werden Sie vielleicht einwenden, heute ist Dienstag, ein Werktag! Doch wie unmöglich ist der Verzicht tatsächlich? |
| 21. September 2009 | Das erste handliche Mobiltelefon
Das erste tragbare Mobiltelefon, schrieben wir in unserem Newsletter vom 19. Juni 2009 „link“, wog 18 Kilo und passte allenfalls in einen Trekking-Rucksack. Heute vor 25 Jahren kam endlich eine Version auf den Markt, die in der Jackentasche Platz hatte. Allerdings nur in einer reißfesten: Das Dynatac 8000X von Motorola wog 800 Gramm und damit ein Fünftel weniger als ein Paket Mehl. |
| 18. September 2009 | Glücklich mit und ohne Buch
Vor 60 Jahren öffnete zum ersten Mal die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten – damals noch in der ehrwürdigen Paulskirche (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 16. Oktober 2008 „Jenseits zweier Buchdeckel“). Das diesjährige Großereignis um die Welt zwischen zwei Pappdeckeln findet vom 14. bis zum 18. Oktober statt. Das Gastland 2009 ist China, aktuelle Informationen diesbezüglich finden Sie auf der Webseite www.buchmesse.de. |
| 17. September 2009 | Reinhold Messner erreicht das Rentenalter
Im Himalaya begegnen sich zwei Yetis. „Ich hab' da mal 'ne Frage an dich“, sagt der eine: „Glaubst Du, den Messner gibt es wirklich?“ Die beiden Witzfiguren hätten sich leicht davon überzeugen können, denn der Südtiroler Bergsteiger hatte als erster Mensch alle Achttausender der Erde bezwungen - noch dazu ohne ein gesichtverschleierndes Sauerstoffgerät. |
| 16. September 2009 | Das Nonplusultra
Welches Wort wählen Sie, um etwas Ausdruck zu verleihen, das Sie für das Größte, das Höchste, das Unübertreffbare halten? Vielleicht den Begriff ‚Nonplusultra’? Übersetzt bedeuten diese drei aneinandergereihten Wörter ‚nicht mehr weiter’. Der Sage nach hat sie der antike Recke Herkules am Felsen von Gibraltar angebracht. Das Naturdenkmal zählte als „Säulen des Herakles“ zu den 7 Weltwundern. Es sollte Reisende davon abhalten, die Meerenge zwischen Nordafrika und Europa zu durchfahren und die damals bekannte Welt zu verlassen. |
| 15. September 2009 | Ein General des Friedens
Zwei Millionen Schweizer Soldaten kämpften in vier Jahrhunderten – meist als Söldner in fremden Heeren. Auch der heute vor 222 Jahren geborene Henri Dufour diente einer ausländischen Streitkraft: In der Armee des Nachbarlandes Frankreich stieg er unter Napoleon zum Offizier auf und hatte es, als er 1817 den Dienst quittierte, zum Hauptmann gebracht. Später trat er in die Schweizer Armee ein, organisierte die Landesverteidigung, wurde General und schließlich Oberbefehlshaber des Heeres. Weitere militärische Meriten konnte er sich nicht erwerben. |
| 14. September 2009 | Manchmal unglücklich, aber letztlich genial
Heute vor 65 Jahren wurde nicht der erfolgreichste deutsche Fußballspieler geboren, aber der vielleicht beste. Günter Netzer war Mitglied der Weltmeistermannschaft von 1974, kam aber während des gesamten Turniers nur zu einem 20-Minuten-Einsatz – und das ausgerechnet bei der letztlich folgenlosen 0:1-Vorrundenniederlage gegen die DDR. Es war Netzers letztes Länderspiel. Auch sein erstes hatte unter einem unglücklichen Stern gestanden: ein torloses Unentschieden in Albanien, mit dem man in der Qualifikation für die Europameisterschaft 1968 ausschied. |
| 11. September 2009 | 1,7 Millionen Menschen auf sechzig Quadratkilometern
Isaac Davis hat einen Job, den er hasst, eine Freundin, die zu jung für ihn ist, eine verbitterte Ex-Frau, die gerade ein Enthüllungsbuch über ihre Ehe schreibt und eine neue Liebe, der er hilflos und konfus durch den New Yorker Großstadtdschungel hinterherirrt. Perfekte Voraussetzung für einen Woody-Allen-Film: Manhattan heißt der sehenswerte Streifen aus dem Jahr 1979. Benannt ist er nach jener – rechnet man die Wasserflächen ab – 60 Quadratkilometer kleinen Insel, auf der sich fast 1,7 Millionen Menschen drängeln – Touristen nicht eingerechnet. |
| 10. September 2009 | Grand & Golden Slam
Der größte Erfolg, den ein Tennisprofi erzielen kann, ist der Grand Slam. Dazu müssen innerhalb eines Jahres die vier größten Turniere gewonnen werden. Den Anfang machen die Offenen Tennismeisterschaften von Australien in Melbourne, gefolgt von den French Open in Paris und den All England Championships in Wimbledon. Den Reigen beenden die Offenen Amerikanischen Tennismeisterschaften in Flushing Meadows, einem Vorort von New York. |
| 9. September 2009 | Hochzeit am Schnapszahldatum
Charles Darwin, britischer Naturwissenschaftler und Begründer der Evolutionstheorie (dessen 200. Geburtstag weltweit in einem Darwin-Jahr begangen wird; siehe auch unseren Newsletter vom 11. Februar 2009 „Das Buch, das die Welt veränderte“), war für seine nüchterne Art bekannt. Einmal griff er zu einem großen Bogen Papier und malte darauf eine Senkrechte und eine Waagerechte. Links notierte er „Heiraten“, auf die rechte Hälfte schrieb er „Nicht heiraten“. |
| 8. September 2009 | Der Zufall des Gelesenen
Weltweit können rund ein Fünftel der erwachsenen Menschen weder lesen noch schreiben. Diesem trostlosen Umstand widmet sich der heutige Weltalphabetisierungstag. Auch in Deutschland ist die Problematik nicht unbekannt: Zu den rund 500.000 totalen Analphabeten kommen im Land der Dichter und Denker noch einmal mindestens vier Millionen Erwachsene hinzu, die kaum lesen und schreiben können. |
| 7. September 2009 | Die knappste aller Mehrheiten
Am 7. September 1949 nannte sich die Deutsche Reichsbahn in Deutsche Bundesbahn um, und die ebenfalls neu gegründete Deutsche Bundespost gab ihre erste Briefmarke heraus. Thema war das Ereignis, das ebenfalls heute vor 60 Jahren stattfand: Da trat in Bonn zum ersten Mal der Deutsche Bundestag zusammen. Dafür, dass dies in der doch recht beschaulichen Stadt am Rhein möglich war, hatten in einer Kampfabstimmung die Mitglieder des Parlamentarischen Rates – dieser hatte auch das Grundgesetz in Kraft gesetzt – beschlossen: Mit 33 zu 29 Stimmen entschieden sie sich gegen Frankfurt und für Bonn. |
| 4. September 2009 | Die Erfindung der Currywurst
„Wurst ist eine Götterspeise“, meinte der deutsche Dichter und Satiriker Jean Paul, „denn nur Gott weiß, was drin ist.“ Erst recht gilt diese Feststellung für die Currywurst, denn anfangs wusste außer Gott nur Herta Deuwer, was hineingehörte. |
| 3. September 2009 | „Er weiß alles“
Wer möchte Millionär werden? Diese Frage hätten 332 Menschen, die es tatsächlich geworden sind, am liebsten mit ‚Ich nicht‘ beantwortet: Zu unglücklich waren die Umstände, die zu diesem Prozess führten; denn exakt 332 Superreiche sind laut Forbes-Liste im Zuge der Finanzkrise vom Milliardär zum Millionär geworden. Positiv auf die Frage Who wants to be a millionaire? reagierten die Briten, die 1998 an der Erstausstrahlung der gleichnamigen Sendung im Privatsender ITV teilnahmen. |
| 2. September 2009 | Was ist die Arbeit noch wert?
Was ist Arbeit heute noch wert? So lautet das Thema einer Tagung, die morgen im Kölner Hilton Hotel stattfin det. Veranstaltet wird sie von der Akademie des deutschen Beamtenbundes (Internet: www.dbbakademie.de). Um die Eingangsfrage gleich zu beantworten: Keine 4,50 €. So bescheiden – und oft noch geringer – ist der Stundenlohn von 1,2 Millionen Deutschen, schreibt die Wochenzeitung Die Zeit. „In vielen Branchen“, heißt es in dem Artikel (www.zeit.de) weiter, „finden die Arbeitgeber Wege, ihre Lohnkosten immer weiter zu senken – und sei es mit dubiosen Tricks.“ |
| 1. September 2009 | Niederlage des Geistes
„Der ungerechteste Frieden ist immer noch besser als der gerechteste Krieg“, fand Marcus Tullius Cicero, einer der brillantesten Köpfe der römischen Antike. Dennoch ließ er sich dazu hinreißen, die Angriffskriege des Gaius Julius Caesar zu rechtfertigen. Kein Wunder, dass seitdem immer wieder Krieg als Mittel der Politik angesehen wird, wenn auch für das letzte. |
| 31. August 2009 | Der Monat, der den Himmel auf Erden verspricht
Der Monat, der morgen beginnt, „ist die Zeit glänzender Jagdgesellschaften und Bälle. Es ist der Monat, in dem Ehen geschlossen werden und zerbrechen, in dem die Nächte lang sind und ein wenig zuviel getrunken und getanzt wird, in dem man sich verliebt, sich den Himmel auf Erden verspricht und an gebrochenem Herzen zu sterben glaubt.“ So schildert die britische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher den September. |
| 28. August 2009 | Der Geburtstag des Dichters
„Eine Sammlung von Anekdoten und Maximen ist für den Weltmann der größte Schatz, wenn er die ersten an schicklichen Orten ins Gespräch einzustreuen, der letzten im treffenden Falle sich zu erinnern weiß.“ Diesen Ratschlag beherzigen wir zum 260. Geburtstag des Dichters und geben ein Zwiegespräch wieder, das sich am 28. August 1818 – oder war es der 27.? – in einem Hotelzimmer im böhmischen Karlsbad entspann. |
| 27. August 2009 | Der Beginn des Jetzeitalters
Das Wörtchen jet heißt ‚tänzeln, stolzieren’ und war in der englischen Sprache ursprünglich ein Verb. 1420 wurde es erstmals erwähnt und 1692 um die Bedeutung ‚hervorschießen’ erweitert. Vier Jahre später verwendete man jet als Hauptwort, um einen Wasserstrahl zu beschreiben. Mit fortschreitender Technik wurde auch die Düse, durch die zunächst Wasser, später auch Gas oder Benzin schoss, als jet bezeichnet. |
| 26. August 2009 | Wissen, was man übersehen muss
„Junge Leute leiden weniger unter eigenen Fehlern als unter der Weisheit der Alten.“ Diese Erfahrung des 1747 gestorbenen französischen Schriftstellers Luc de Clapiers, auch bekannt als Marquis de Vauvenargues, musste gestern Philipp Mißfelder machen. „Dabei besteht die Kunst der Weisheit“, folgt man dem amerikanischen Philosophen William James, „darin, zu wissen, was man übersehen muss." |
| 25. August 2009 | Herzlichen Glückwunsch, Philipp Mißfelder!
Wenn es jemand bereits im zarten Alter von 30 in diesen Newsletter verschlägt, muss er entweder Sportler sein oder etwas Großartiges geleistet haben. Bei Philipp Mißfelder, der heute Geburtstag hat, ist beides nicht der Fall. Auch die Äußerungen des Bundesvorsitzenden der Jungen Union und Abgeordneten des deutschen Bundestags passen nicht in einen Small Talk-Newsletter, in dem Themen wie Politik, Krankheit und sozialer Sprengstoff nichts zu suchen haben. Vor allem dann nicht, wenn humorlos präsentiert werden wie von dem 1979 in Gelsenkirchen Geborenen. |
| 24. August 2009 | Ein Platz, wo man seinen Hut aufhängen kann
Ein Zimmer war für den britischen Schriftsteller Bruce Chatwin (siehe unseren Newsletter vom 19. Januar 2009 „Tod in Nizza“) lediglich ein Platz, wo man seinen Hut aufhängen kann. Den Hut brauchte er für seine zweite Berufung, das Wandern. Ein Zuhause dagegen lähmte ihn und verursachte Schreibblockaden. |
| 21. August 2009 | Der 50. Stern auf dem Banner
Heute vor 50 Jahren kam der bislang letzte Stern auf das amerikanische Banner. Die geschieht nur, wenn ein neuer US-Bundesstaat aus der Taufe gehoben wird. Am 21. August 1959 war es so weit für eine Inselgruppe, deren Metropole Honolulu exakt 7785 Kilometer von der Bundeshauptstadt Washington entfernt ist. |
| 20. August 2009 | Wasser als Todesursache
Vornehme Hotels wie das Grand Hyatt in Berlin oder das Atlantic Kempinski in Hamburg leisten sich einen Wasser-Sommelier: Der betreut wie der Kollege oder die Kollegin bei vermeintlich edleren Tropfen (siehe unseren Newsletter vom 16. Dezember 2008 „Vom Mundschenk zur Sommelière“) die Auswahl des kohlensäurehaltigen, immer häufiger auch stillen Getränks. Jetzt sofort den Bogen zu unserem aktuellen Thema, der Weltwasserwoche, zu schlagen und darauf hinzuweisen, dass jeder Sudanese ein Drittel seines Tages opfern muss, um eine Ration Wasser zu holen (siehe Ausgabe vom 22. August 2008 „Bei uns verschwendet, andernorts dringend benötigt“), wäre nicht fair. |
| 19. August 2009 | Paneuropa-Frühstück am Eisernen Vorhang
Was konnten DDR-Bürger 1989 tun, um in den Westen zu kommen? Sie konnten einen Ausreiseantrag stellen. Über 40 000 waren auf diesem legalen Weg in der ersten Jahreshälfte in die Bundesrepublik gelangt. Die große Mehrheit derjenigen, die ihrer ostdeutschen Heimat den Rücken kehrten, tat dies mit weniger Geduld. Viele reisten in die sozialistischen Bruderländer, um über die BRD-Botschaften nach Westdeutschland aufgenommen zu werden. |
| 18. August 2009 | Aktuell und für die Öffentlichkeit interessant
Nichts ist so unwichtig wie die Nachricht von gestern. Deshalb bemühen sich die Zeitungen darum, täglich neue Meldungen zu verbreiten. Damit sie das können, hilft ihnen die Deutsche Presseagentur, kurz dpa genannt. Heute vor 60 Jahren wurde sie in Goslar gegründet. Inzwischen sammeln 456 fest angestellte Redakteure und, laut Eigendarstellung, rund tausend freie Journalisten weltweit „Informationen zu aktuellen Ereignissen und Themen, die für die Öffentlichkeit interessant sein könnten.“ |
| 17. August 2009 | Die Schrecken des Krieges und ihre literarische Verarbeitung
Als „rotbärtiger Kerl, der sich Christoffel Gelnhausen nannte und dessen schlaksiger Jugendlichkeit – er mochte Mitte Zwanzig sein – ein blattriges Gesicht widersprach“, beschreibt ihn Günter Grass in seinem Roman Das Treffen in Telgte. Und fügt hinzu: „In seinem grünen Wams unterm Federbuschhut wirkte er wie erfunden.“ Erfunden hatte Grass das Treffen aller namhaften deutschen Dichter im Münsterland, das der Autor am Ende des Dreißigjährigen Krieges spielen lässt. |
| 14. August 2009 | Woodstock und die Woodstock-Legende
Zum Jubiläum wird im Fernsehen bestimmt wieder der Dokumentarfilm über das größte Rockmusik-Festival aller Zeiten gezeigt. An diesem Wochenende vor 40 Jahren lockte es in Woodstock eine halbe Million Besucher an. Doch es fand gar nicht in Woodstock statt, nicht einmal in der Nähe dieser kleinen Ortschaft im US-Bundesstaat New York. Dort hatten die Behörden den Organisatoren zu viele Probleme beschert. |
| 13. August 2009 | Ein nicht erwarteter 50. Geburtstag
Morgen hat Earvin Johnson Geburtstag. Der neben Larry Bird beste Basketballer der 1980er Jahre – Johnson errang 5 Meistertitel mit den Los Angeles Lakers, Bird 3 mit den Boston Celtics – hätte vermutlich selbst nicht geglaubt, dass er ein halbes Jahrhundert alt werden würde. |
| 12. August 2009 | Glanzloser Kick? Wichtiger Schritt? Vielleicht auch beides?
Heute abend tritt unsere Fußballnationalmannschaft in Baku an. Es ist nicht nur das erste Spiel einer deutschen Elf gegen Aserbaidschan. Meines Wissens hat es auch noch nie ein WM-Qualifikationsspiel einer DFB-Auswahl gleich zu Saisonbeginn gegeben – ohne ein vorangegangenes Freundschaftsspiel. |
| 11. August 2009 | Ein Grund zur Panik?
„Der Mond kreist um die Erde, die Erde kreist um die Sonne. Also gibt es Momente, in denen sich Sonne, Mond und Erde auf einer Linie kreuzen. In genau diesem Moment verdeckt der Mond die Sonne und der Himmel verdunkelt sich“: So schön und so einfach erklärt die Webseite www.kindernetz.de das Phänomen der Sonnenfinsternis. |
| 10. August 2009 | Beweis erbracht, aber dabei nicht überlebt
Es ging längst nicht mehr darum, ob die Erde eine Kugel war oder eine Scheibe. Letzteres hatte selbst im angeblich so finsteren und fortschrittsfeindlichen Mittelalter niemand mehr so recht geglaubt. Dass die Erde nicht flach war, war für alle Seefahrer bereits früh eine ausgemachte Sache. Wie auch für diejenigen, die ihnen vom Land aus zuschauten: Die Betrachter verloren beim Auslaufen zunächst den Schiffsrumpf aus den Augen, während die Segel noch gut zu erkennen waren. Als letztes verschwand die Mastspitze. Kehrte ein Schiff heim, erspähten Hafenbehörden oder Beobachter von Land aus zuerst die Mastspitze, dann tauchten die Segel auf, zuletzt war der Rumpf zu sehen. Wie sonst ließe sich dieses Phänomen erklären, wenn nicht mit der Kugelgestalt der Erde? Zumal es für das Erscheinungsbild keine Rolle spielte, in welche Richtung die Schiffe davonsegelten und aus welcher Richtung sie zurückkamen. |
| 7. August 2009 | Alles schaut auf die Bayern
Heute beginnt die Fußball-Bundesliga mit dem Spiel des Titelträgers VfL Wolfsburg gegen den Vorjahresdritten VfB Stuttgart. Es ist die 47. Saison, und Favorit ist wie immer der Rekordmeister aus München. Ob die Bayern ihren 21 Titeln einen 22. hinzufügen können, halte ich für fraglich. Die Hoffnungen, die mit dem neuen Trainer Louis van Gaal verbunden werden, erinnern an die Aufbruchstimmung unter Jürgen Klinsmann im letzten Jahr. Die war schnell verflogen. |
| 6 August 2009 | Die Antwort des Dichters
„Der Obrigkeit gehorchen, ist Die erste Pflicht für Jud und Christ. Es schließe jeder seine Bude Sobald es dunkelt, Christ und Jude. Wo ihrer drei beisammen stehn, Da soll man auseinander gehen. Des Nachts soll niemand auf den Gassen Sich ohne Leuchte sehen lassen.“ |
| 5. August 2009 | Die Deutschen und ihre Vereine
„Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit, und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit.“ So heißt es in dem Gedicht Ruf zum Sport von Joachim Ringelnatz, über den dieser Newsletter ziemlich genau vor einem Jahr berichtete (siehe Ausgabe vom 7. August 2008 „Tragik des Lebens“). Anlass für unseren aktuellen Beitrag ist jedoch nicht der Dichter, sondern sein Gegenstand: Heute vor 45 Jahren beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Regelung des öffentlichen Vereinsrechts. |
| 4. August 2009 | Ein schwieriges Jubiläum
Was ist von einem Literaturnobelpreisträger zu halten, der einen Tag vor Ende des Zweiten Weltkriegs einen positiven Nachruf auf Adolf Hitler verfasst? Darin bezeichnete der Norweger Knut Hamsun den deutschen Diktator, dessen Wehrmacht nicht nur sein Land überfiel, als „Krieger für die Menschheit und ein Verkünder des Evangeliums vom Recht für alle Nationen.“ |
| 3. August 2009 | Der höchste Berg Europas
Wie heißt der höchste Berg Europas? Das Matterhorn in den Schweizer Alpen? Oder der in Italien beheimatete Monte Rosa? Das fragten sich die Gelehrten und die Bergsteiger des 18. Jahrhunderts. Selbst die Erstbesteigung des wahren Champions am 8. August 1786 brachte keine Gewissheit, denn Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard erreichten den Gipfel des Mont Blanc bei zu schlechtem Wetter, um einen Überblick zu gewinnen oder gar Messungen vorzunehmen. |
| 31. Juli 2009 | Flug ohne Wiederkehr
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Diese Zeilen stammen aus Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz. Es ist Kinder- und Erwachsenenbuch in einem und verwebt eine wahre Geschichte mit einer erfundenen. |
| 30. Juli 2009 | Der erste Prager Fenstersturz
Treue Leser dieses Newsletters wissen, dass es in der Geschichte der tschechischen Hauptstadt drei Fensterstürze gab (siehe dazu unsere Ausgabe vom 24. Oktober 2006 „Was wissen Sie über unsere Nachbarn?“). Das erste dieser seltsamen Ereignisse fand heute vor 590 Jahren statt. |
| 29. Juli 2009 | Kleine Insel - großer Triumph
Von den Färöern war, anders als von anderen Kleinstaaten, in diesem Newsletter noch nie die Rede. Dabei kennt die Inselgruppe im Nordatlantik jedes Kind – sofern es in unserem südöstlichen Nachbarland lebt und sich für Fußball interessiert. Der Grund ist das erste Qualifikationsspiel zu einem großen Turnier, das die Kicker der Färöer im September 1990 bestritten. |
| 28. Juli 2008 | Erfolgsgeschichte mit Do-it-yourself-Konzept
Wenn eine Frau in einem Modemagazin blättert, entdeckt sie meist sündhaft teure Kleider, die sie sich nicht leisten kann. Ganz anders in den Zeitschriften, die Aenne Burda herausgab: Sie warteten mit Schnittmustern und Arbeitsanleitungen auf, die es den Leserinnen ermöglichten, die begehrten Stücke eigenhändig zu nähen. |
| 27. Juli 2009 | Was hat es mit dem Fettnäpfchen auf sich?
Vor zwei Jahrzehnten, als es die DDR noch gab, kursierte dort folgender Witz: Eine Brücke ist neu eingeweiht worden. Zur Feier des Tages soll der erste Autofahrer, der über sie fährt, mit einem Geldgeschenk von 1000 Mark belohnt werden. Nach kurzer Zeit halten die dafür abgestellten Volkspolizisten einen Trabant an. Sie eröffnen dem Fahrer die freudige Nachricht. Anschließend fragen sie ihn, was er mit dem unerwarteten Gewinn machen wolle. „Meinen Führerschein!“, kommt die spontane Antwort. „Glauben Sie dem Mann kein Wort, Genosse Volkspolizist“, mischt sich die Beifahrerin ein, „der ist total betrunken!“ Auf der Hinterbank meldet sich die Großmutter zu Wort: „Und den Wagen hat er vor einer halben Stunde geklaut!“ Plötzlich öffnet sich der Kofferraumdeckel, der Opa klettert hinaus und fragt: „Leute, sind wir schon im Westen?“ |
| 24. Juli 2009 | Bohemians gegen Bohemians
Stellen Sie sich einmal vor, die Bundesliga hat begonnen, und es spielt der 1. FC Köln gegen den FC Köln. In der ersten tschechischen Liga ist so etwas möglich. Dort spielen ab dieser Saison – sie wird morgen eröffnet – zwei Vereine unter dem Namen Bohemians Prag. Das kam so: Der Traditionsverein Bohemians, Meister des Jahres 1983, verlor vor einigen Jahren seine Lizenz und damit auch seinen Platz in der Liga. Als Bohemians 1905 Prag spielte die Mannschaft zunächst im Amateurbereich weiter. Die Lizenz, der Platz in der Zweiten Liga (Bohemians war inzwischen abgestiegen) und der Vereinsname wurden vom damaligen Drittligisten FC Střížkov Praha 9 erworben. |
| 23. Juli 2009 | Harry Potter entwachsen
„Man hat einfach nicht genug Zeit, um nichts zu tun“: Aus diesen Worten des Schauspielers Daniel Radcliffe dürfen seine Fans schließen, dass ihm eine große Karriere bevorsteht und sie ihn in weiteren Rollen als nur der des Hauptdarstellers in Harry-Potter-Filmen bewundern dürfen. Den Anfang machte Radcliffe in New York: Dort trat er in einer Broadway-Inszenierung von Peter Schaffers Drama Equus auf – gleich in der Hauptrolle, noch dazu in einer Weise, die ihm die Kritik mit Wertschätzung und das Publikum mit Applaus honorierte. |
| 22. Juli 2009 | Als Doping noch legal war
„Wenn du im Wald läufst, musst du ständig das Tempo und den Laufrhythmus ändern, um zum Beispiel Wurzeln auszuweichen, und das verlangt eine ständige Wachsamkeit, wie im Wettkampf“: So lautete das Erfolgsgeheimnis des Langstreckenläufers Lasse Virén, der bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 jeweils Gold über 5.000 und 10.000 Meter gewann. |
| 21. Juli 2009 | Die Formel für ein langes Leben …
… gibt es noch nicht. Doch haben Wissenschaftler der amerikanischen Real Age-Bewegung vor einiger Zeit die Lebensgewohnheiten sehr alt gewordener Menschen ausgewertet. Einem Bericht des Magazins Simplify your life zufolge kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass wir unser Leben statistisch um bis zu 35 Jahre verlängern können: Wer einmal pro Woche Fisch isst, bekommt die notwendige Portion Kalzium, um 2,7 Jahre älter zu werden. Ballaststoffreiche Kost bringt 3,5 Jahre; ehrenamtliches soziales Engagement noch einmal so viel. |
| 20. Juli 2009 | Eine Rede, die nie gehalten werden musste
„Das Schicksal hat es so gefügt, dass die Männer, die zum Mond flogen, um ihn in Frieden zu erkunden, dort in Frieden ruhen werden. Diese tapferen Männer, Neil Armstrong und Edwin Aldrin, wissen, dass für sie keine Hoffnung auf Rückkehr besteht. Doch sie wissen auch, dass ihr Opfer der Menschheit Hoffnung gibt“. Mit diesen Worten hätte die Traueransprache des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon begonnen, wenn den Astronauten der Apollo 11-Mission auf dem Mond etwas zugestoßen wäre. |
| 17. Juli 2009 | Der Tod einer großen Sängerin
Warum gab es in der Geschichte des Jazz so viele gute Sängerinnen, aber kaum Frauen, die an einem Instrument brillierten? Die Antwort ist einfach: Es wurde ihnen in einem von Männern dominierten Business nicht zugetraut. Zum Spielen eines Instruments bedarf es einer gewissen Technik, deren Beherrschung freilich inzwischen auch Frauen unter Beweis gestellt haben. |
| 16. Juli 2009 | Der Hafen, der seine Stadt berühmt machte
An welche Stadt denken Sie, wenn Sie den Begriff Tor zur Welt lesen? Das bahnbrechende Ereignis, das bis in die heutige Zeit die Haupteinnahmequelle der 1,8-Millionen-Metropole sichert, fand vor genau 820 Jahren statt: Am 16. Juli 1189 gab ein Kaiser mit rotem Bart die Erlaubnis für den Ausbau einer Flussmündung. Der hatte bereits zwei Monate zuvor begonnen, aber die von Kaiser Friedrich I., auch Barbarossa genannt, unterzeichnete Gründungsurkunde gab dem Hafenbau den höchsten Segen. |
| 15. Juli 2009 | Eine Frage, die sich seit 140 Jahren stellt
Margarine oder Butter? Das ist die Frage, die sich ernährungsbewusste Zeitgenossen, zu denen auch Sie womöglich gehören, bis heute immer wieder gestellt haben. Die Antwort ist recht einfach: Die Entscheidung hängt davon ab, ob Sie Ihre Rettungsringe mit pflanzlichem oder tierischem Fett produzieren möchten. Tatsächlich ist die Kalorienzahl von Margarine und Butter nahezu identisch: rund 750 kcal pro 100 Gramm. |
| 14. Juni 2009 | Startschuss für Demokratie und Parlamentarismus in Europa
„Die Wut des Volkes ist längst nicht gestillt durch den Tod des Gouverneurs der Bastille und die Zerstörung dieses berüchtigten Gefängnisses“, schreibt der Revolutionär François-Noel Babeuf aus der Hauptstadt Paris an seine Frau Marie. „Ich verstehe, warum das Volk zur Selbstjustiz greift, ich billige diese Justiz, der durch die Vernichtung der Schuldigen Genüge geschieht; wie sollte sie heute nicht grausam sein?“ Grausam war die Unterdrückung des französischen Volks durch Krone, Adel und Klerus. Grausam war aber auch die Revolution, die der Repression folgte. |
| 13. Juli | Ein bunter Würfel, der die Welt beschäftigte
Nicht nur Salami und Paprika stammen aus Ungarn, sondern auch der Kugelschreiber und der Zauberwürfel. Das praktische Schreibgerät erfand der inzwischen nach Amerika ausgewanderte László Biró im Jahr 1938 (siehe dazu unseren Newsletter vom 10. Juni 2008 „Nicht nur Salami und Paprika“). Die Konstruktion der in beliebiger Richtung drehbaren bunten Steine – sie können so geordnet werden, dass die sechs Seiten des Würfels jeweils eine einheitliche blaue, weiße, rote, gelbe, grüne oder orange Farbe aufweisen – geht auf einen Budapester Ingenieur zurück. |
| 10. Juli 2009 | Ein nicht so leicht zugänglicher Reformator
Die Religion drängt sich nicht gerade als Thema für den Small Talk auf. Wenn jedoch der 500. Geburtstag eines großen Reformators gefeiert wird, kann man ja mal eine Ausnahme machen. Am 10. Juli 1509 erblickte im nordfranzösischen Noyon Johannes Calvin das Licht der Welt, die er mit seiner strengen Auslegung von Gottes Schrift verändern sollte. |
| 9. Juli 2009 | Eklat ums Bier
Das deutsche Reinheitsgebot für die Herstellung von Bier stammt vom 23. April 1516: Seinerzeit legte der bayerische Herzog Wilhelm IV. fest, dass als Zutaten beim Brauen allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen (siehe dazu unseren Newsletter vom 23. April 2007 „Die älteste lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt“). |
| 8. Juli 2009 | Eine aktuelle Beschreibung bayerischer Politik?
„Bayern war ein autonomer Staat; bayerischer Politiker zu sein, das war was.“ So beschreibt der in München geborene Schriftsteller Lion Feuchtwanger seine Heimat: „Zerfiel nämlich damals Europa in zahlreiche souveräne Einzelstaaten, von denen einer das Deutsche Reich war, so zerfiel dieses Reich wiederum in achtzehn Bundesstaaten. Diese so genannten Länder, an ihrer Spitze das Land Bayern, wachten, wiewohl sie ihrer wirtschaftlichen Struktur nach längst Provinzen waren, eifersüchtig über ihre Eigenstaatlichkeit. Hatten ihre Tradition, ihre historischen Sentiments, ihre Stammeseigentümlichkeiten, ihre Sonderkabinette. |
| 7. Juli 2009 | Als Schweden nicht mehr Weltmacht war
Heute vor 300 Jahren verlor Schweden seinen Weltmachtstatus. Den hatte es spätestens als – neben Frankreich – großer Gewinner des Dreißigjährigen Krieges erworben. Hinzu kamen im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts der Sieg über den skandinavischen Rivalen Dänemark und die Eroberung Polens. Als nächstes Beutestück hatte sich Schwedenkönig Karl XII. in seinem schier unersättlichen Expansionsdrang Russland auserkoren. Doch an diesem Bissen sollte er sich, wie so mancher ambitionierte Feldherr nach ihm, kräftig verschlucken. |
| 6. Juli 2009 | Stützen der Gesellschaft
Stützen der Gesellschaft heißt das wohl bekannteste Werk des Künstlers. Es entstand 1926 und ist in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu bewundern. Fünf Menschen sind auf dem Bild zu sehen: ein Mitglied einer schlagenden Verbindung, dem bereits das Hakenkreuz auf der Krawatte prangt; ein Verleger mit einem umgekehrten Nachttopf auf dem Kopf; ein Kapitalist, aus dessen Schädel ein Scheißhaufen quillt (bitte entschuldigen Sie den Begriff, aber ich konnte der Alliteration nicht widerstehen); ein Geistlicher, der Wasser predigt, aber selbst – das signalisiert seine rote Nase – den Wein bevorzugt; schließlich ein Soldat mit Blut am Bajonett. |
| 3. Juli 2009 | Mütterchen mit Klauen
Seine Hauptstadt Wien war für ihn ein absterbendes Riesendorf, seine Heimatstadt Prag ein Mütterchen mit Klauen. Franz Kafka, dessen Geburtstag sich heute jährt (siehe auch unseren Newsletter vom 3. Juli 2008 „Unglücklich im Leben, reich nach dem Tod“), war halt ein unverbesserlicher Pessimist. „Hoffnung gibt es schon“, lautete seine Devise, „aber nicht für uns.“ Für Kafkas negative Atmosphäre, die sich wie ein roter Faden durch sein literarisches Schaffen zieht, wurde ein neues Wort erfunden: kafkaesk. |
| 2. Juli 2009 | Dürfen Sie alte Witze erzählen?
Erzählen Sie gern Witze? Dann haben Sie ein Problem: Fast jeder Scherz wurde in der einen oder anderen Form bereits zum Besten gegeben. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie aus Angst, zum Wiederholungstäter zu werden, dem Humor komplett entsagen müssen. Wichtig ist nur, dass Sie einen Witz gut erzählen! |
| 1. Juli 2009 | Kostenlose Geburtstagsparty für 150 Gäste
Wie schmeißt man eine Geburtstagsparty für 150 Gäste, wenn man in Berlin wohnt, aber außer einem klapprigen VW-Bus keinen Raum und schon gar kein Geld zur Verfügung hat? Ganz einfach: Man meldet die Party als Demonstration an, für „Friede, Freude & Eierkuchen“. So geschehen heute vor 20 Jahren. Das Geburtstagskind hieß Matthias Roeingh alias Dr. Motte, und seine 150 ravenden Kumpels bildeten die Staffage für Deutschlands erste Love Parade. |
| 30. Juni 2009 | Die französischste Art, ein Omelette zu verzehren
Woher führt der kürzeste Weg von den USA nach Kanada? Dieser Frage ging der Franzose François Gravelet nach. Und fand für sich die Antwort: über den Niagarafluss. Dummerweise versperren Felsen den Weg durchs Flussbett, und zu allem Übel stürzt das Wasser auf seiner Strecke vom Ontario- zum Eriesee mehr als fünfzig Meter in die Tiefe. Es bedurfte also eines Hilfsmittels, dachte sich unser Mann. |
| 29. Juni 2009 | Assyrer, Zimbern und Karaimen
Über Karl-Markus Gauß haben wir an dieser Stelle bereits einmal berichtet (siehe unseren Newsletter vom 12. Dezember 2007 „Wo Sie heute zwei alte Bekannte treffen können“). Bekannt wurde den Autor mit einem Buch über Minderheiten in Europa. Es heißt Die sterbenden Europäer und handelt von Albanern in Süditalien, jüdischen Sepharden in Sarajevo, Sorben in Ostbrandenburg und Ostsachsen und Deutschen in der südslowenischen Gottschee (slowenisch: Kočevje). |
| 26. Juni 2009 | Volksmund, bitte melden!
Der Volksmund verbindet mit dem morgigen Datum eine alte Wetterregel: Fällt auf Siebenschläfer Regen ein, soll's für sieben Wochen sein (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 27. Juni 2006 „Oben grau, unten weiß – und sorgt nur für Verwirrung“). Sehr verlässlich sind solche Bauernregeln (siehe dazu die Ausgabe vom 11. Mai dieses Jahres „Warten auf Sophie“), darin sind sich unsere studierten Wetterfrösche ausnahmsweise einmal einig, nicht. |
| 25. Juni 2009 | Wo leben die zufriedensten Europäer?
Gestern ging es um die Göttin des Glücks, heute wollen wir uns der weltlicheren Form dieses Zustandes widmen. Mit anderen Worten: Wo auf unserem Kontinent sind die Menschen am zufriedensten? Diese Frage stellte die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen rund 30.000 privaten Haushalten vom Nordkap bis zur südlichsten Mittelmeerinsel Malta, von Portugals Westküste bis zum Ostrand der Türkei. |
| 24. Juni 2009 | Der Tag der Schicksalsgöttin
Heute ist das Fest der Fortuna. Der Göttin waren in der römischen Antike zahlreiche Tempel geweiht. In der Sprache der alten Römer bedeutet fortuna nicht nur ‚Glück‘, sondern ebenfalls ‚Vorherbestimmung‘. |
| 22. Juni 2009 | Das einzige Fußballspiel zwischen der BRD und der DDR
Es gab ein einziges Fußballspiel zwischen den Nationalmannschaften der BRD und der DDR. Heute vor 35 Jahren fand es in Hamburg statt, als letzte Begegnung in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 1974. Die westdeutsche Elf, bereits fürs Viertelfinale qualifiziert, war haushoher Favorit, der Gegner für die Bundesligastars ein nahezu unbekannter. |
| 23. Juni 2009 | Keine Lust, im Winter zu feiern
Das Großherzogtum Luxemburg ist einer der wenigen Staaten, die ihren Nationalfeiertag aus rein klimatischen Überlegungen gewählt haben. Es ist der 23. Juni, und auf diese Festlegung wird wohl auch das Geburtsdatum zukünftiger Herrscher keinen Einfluss mehr haben. |
| 19. Juni 2009 | Das erste Mobiltelefon
Die Firma Apple aus San Francisco bringt heute die dritte Generation des so genannten iPhone in den Handel. Die neuen Mobiltelefone verfügen über eine Videokamera, eine Autofokus-Funktion für Fotoaufnahmen und einen Kompass. Überrascht Sie das? |
| 18. Juni 2009 | Die größte und die bevölkerungsreichste Insel der Welt
Die Welt der Inseln scheint Ihnen ja ganz gut zu gefallen; jedenfalls gab es keine negative Leserpost. Kein Grund also, das Thema zu wechseln. Noch weiter nördlich als die beiden Eilande, um die es in den letzten Ausgaben ging, liegt die größte Insel der Welt. Doch hat Grönland den Nachteil, dass es um den Polarkreis herum empfindlich kalt ist, weshalb zwischen der Hauptstadt Nuuk im Süden und dem an die USA verpachteten Luftwaffenstützpunkt Thule im Hohen Norden weniger als 60 000 Menschen leben. |
| 17. Juni 2009 | Ein Geburtstag, der beinahe nicht gefeiert worden wäre
Das Thema unseres heutigen Newsletters ist mit dem von gestern fast identisch; doch geht es nicht um Irland, sondern um Island. Die 1000 Kilometer weiter nördlich gelegene Insel ist um ein Drittel größer, verfügt aber mit 300 000 Einwohnern gerade mal über ein Dreizehntel der irischen Bevölkerung. |
| 16. Juni 2009 | Ein ganz besonderer Tag auf der grünen Insel
Leopold Bloom spaziert, phantasiert, trinkt, quatscht, prügelt sich, liest, gafft und trifft einen trübseligen Stephen Dedalus. Das alles geschieht am 16. Juni 1904 in Dublin. Der Ire James Joyce machte daraus seinen Roman Ulysses, der achtzehn Jahre später erschien und zu einem Welterfolg wurde. |
| 15. Juni 2009 | Vierzig Jahre Oliver Kahn
Die Torhüter gelten als die schrägsten Vögel im Fußball. Diese Etikettierung wurde von den Meistern ihres Fachs gerne in Kauf genommen: "Wer besser sein will als der Durchschnitt", fand etwa die ehemalige Nummer eins der Münchner Bayern, "braucht dazu ein gewisses Maß an Besessenheit." |
| 12. Juni 2009 | Ein Staat, der zweimal unabhängig wurde
Heute vor 111 Jahren wurde das Land, um das es heute geht, zum ersten Mal unabhängig. „Entdeckt“ hatten es die Spanier, die das Inselreich 1575 zur Kolonie machten und es nach ihrem damals regierenden König benannten. Doch war die Unabhängigkeit nach dem Abzug der Europäer nur von kurzer Dauer.Eine andere Macht trat auf den Plan, die zuvor selber Kolonie war: 1902 verleibten die USA sich die Eilande im Pazifik offiziell ein. Sie blieben vier Jahrzehnte, bis im Zweiten Weltkrieg die Japaner das Land in Besitz nahmen. Nach Kriegsende kam die gebeutelte Inselgruppe an die Vereinigten Staaten zurück, um 1946 endgültig unabhängig zu werden. |
| 10. Juni 2009 | Was ist Kunst?
An der Beantwortung der Frage „Was ist Kunst?“ haben sich schon viele Experten die Zähne ausgebissen. Die Kunst verglich der russische Schriftsteller Leo Tolstoi mit dem „Mikroskop, das der Künstler auf die Geheimnisse seiner Seele einstellt, um diese allen Menschen gemeinsamen Geheimnisse allen zu zeigen.“ Reichlich verzwickt, diese Definition, meinen Sie nicht auch? |
| 9. Juni 2009 | Wie ein deutscher Offizier einen Lachs fängt
Welche Städte kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die Toskana denken? Vielleicht Florenz, Siena oder Pisa? Bestimmt nicht Prato, obwohl diese, was die Wirtschaftskraft angeht, es locker mit der Konkurrenz aufnehmen konnte. Hier ist das Textilzentrums Italiens, das heute freilich fest in chinesischer Hand ist. Früher waren Einwanderer aus dem Norden willkommen, auch aus Deutschland. So kam es, dass ein sächsischer Textilingenieur sich dort niederließ. Seinem heute vor 111 Jahren in Prato geborenen Sohn gab Erwin Suckert den Vornamen Erich. Der Filius passte sich gut in die italienische Umgebung ein, ging aufs Gymnasium, machte erste Schreibversuche in einem Satiremagazin. |
| 8. Juni 2009 | Die Geburt von Big Brother
„Big Brother is watching you“, heißt es in dem heute vor 60 Jahren erschienenen Zukunftsroman 1984. Die Vision vom großen Führer, der alles und jeden beobachtet, war auf das stalinistische Sowjetsystem gemünzt, das den Autor zutiefst enttäuscht hatte. |
| 5. Juni 2009 | Pflanzen Sie einen Baum!
„Gehen Sie nie ohne Ihren Stoffbeutel aus dem Haus“, empfiehlt die UN-Webseite www.unep.org zum heutigen Weltumwelttag, „dann können Sie in jedem Geschäft, in dem Sie einkaufen, die angebotene Plastiktragetasche ablehnen.“ Andere Vorschläge erscheinen zumindest hierzulande etwas merkwürdig, da ein eigentlich selbstverständliches Verhalten angemahnt wird: „Wir können Wasser sparen, indem wir nicht die ganze Zeit über, während wir uns rasieren, das Gesicht waschen oder die Zähne putzen, den Kran aufgedreht lassen.“ |
| 4. Juni 2009 | Das erste osteuropäische Land mit neuer Demokratie
Vor 20 Jahren hielt die Demokratie Einzug ins östliche Europa. Die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow setzte nicht nur im eigenen Land auf Reformen, sondern lockerte auch den Griff auf die Verbündeten. „Im Grunde brauchen wir diese Führung über sie gar nicht“, sprach der oberste Genosse vertraulich zu seinen kommunistischen Parteikollegen: „Das bedeutet nämlich, dass wir sie uns auf den Hals laden.“ |
| 3. Juni 2009 | Stay gold!
Anglizismen sind dem Verein Deutsche Sprache (VDS) häufig ein Ärgernis. Deshalb läuft, wer zu viele von ihnen verwendet, Gefahr, von den 31.000 Vereinsmitgliedern zum Sprachpanscher des Jahres gewählt zu werden. Letztes Jahr widerfuhr dem Regierenden Bürgermeister von Berlin die zweifelhafte Ehre: Klaus Wowereit warb mit dem Spruch „Be Berlin“ für seine Stadt. Dieses Mal stehen wieder 5 Kandidaten zur Auswahl. |
| 2. Juni 2009 | Meister der Halbzeitansprache
Was passiert in der Halbzeitpause eines Fußballspiels? Nicht viel, sollte man meinen, wenn eine Mannschaft im Viertelfinale des Europapokals 1:3 hinten liegt und zusätzlich noch das 0:2 aus dem Hinspiel aufholen muss. |
| 29. Mai 2009 | Ein Vorbild nicht nur für junge Leute
„Junge Leute können von meinem Beispiel erlernen, das etwas von nichts kommen kann. Was ich geworden bin, ist das Resultat meiner harten Bemühungen.“ Er hat tatsächlich sehr hart gearbeitet. Davon zeugen 24 Opern, 83 Streichquartette und 104 Symphonien. |
| 28. Mai 2009 | Tiere im Weltall
Bevor Menschen ins All geschickt wurden, versuchte man es mit Tieren. Am 3. November 1957 wurde die Hündin Laika an Bord einer russischen Sputnik 2-Rakete in die Erdumlaufbahn geschossen. Das Tier überlebte nur wenige Stunden; dann starb Laika an Überhitzung und Stress. |
| 27. Mai 2009 | Gibt es Hoffnung?
Noch ein Nachtrag zu unserem Newsletter von gestern und zum heutigen Champions League-Finale: „Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ Diese Erkenntnis stammt vom Fußballfan Jean-Paul Sartre. |
| 26. Mai 2009 | Der Tag, an dem Fußballgeschichte geschrieben werden kann
Sollte Manchester United das morgige Champions League-Finale gegen den CF Barcelona gewinnen, wäre dies in mehrfacher Hinsicht ein historisches Datum. Noch nie ist es seit Bestehen des Wettbewerbs einer Mannschaft gelungen, ihren Titel erfolgreich zu verteidigen. Dieses Kunststück würde United zudem einen Tag nach dem 100. Wiegenfest ihres berühmtesten Trainers vollbringen: Am 26. Mai 1909 wurde Matt Busby geboren. Den Schotte zog es nach Ende des zweiten Weltkriegs in Englands Norden. |
| 25. Mai 2009 | Servicewüste Deutschland?
Wie finden Sie den Service in Deutschland, fragt jedes Jahr das Meinungsforschungsinstitut Allensbach und erhält als Antwort: Es wird besser. Zumindest in einigen Branchen ist das der Fall: in Hotels, Bäckereien und Restaurants, bei Taxifahrern und Handwerkern. Verschlechtert hat sich die Dienstleistungsbereitschaft dagegen bei den Tankstellen und im Autohandel. Am zufriedensten sind die Deutschen mit ihrem Friseur. Auch die Buchhändler und Apotheker schneiden sehr gut ab. |
| 22. Mai 2009 | Tag der Verfassung und der Bundespräsidentenwahl
Morgen ist, wie jedes Jahr am 23. Mai, Verfassungstag. Sollte Ihnen die Bedeutung dieses Datums auf den ersten Blick nicht klar sein, sei Ihnen an dieser Stelle schon mal verziehen. Lange Zeit hatte unsere Zweite Republik überhaupt keine Verfassung, sondern nur ein Provisorium. Dessen Geltungsdauer wurde in Artikel 146 festgelegt: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ |
| 20. Mai 2009 | Wo Christi Himmelfahrt als Feiertag abgeschafft ist
Vierzig Tage lang, vom Ostersonntag an gerechnet, erschien Jesus seinen Jüngern und erzählte ihnen vom Reich Gottes, in das er bald einziehen würde. Danach erschien er ihnen wohl nicht mehr; jedenfalls berichten weder das Lukasevangelium noch die Apostelgeschichte Entsprechendes. Daraus lässt sich schließen, dass Jesus zu diesem Zeitpunkt aufgestiegen war. So entstand das Fest Christi Himmelfahrt. |
| 19. Mai 2009 | Als England Republik wurde
England und sein Königshaus: Diese beiden Begriffe sind seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden. Und doch gab es eine Zeit, in der das Land eine Republik war. Sie begann heute vor 360 Jahren und dauerte bis zur Inthronisation Karls des Zweiten 1660. Der erste englische König dieses Namens war am 30. Januar 1649 auf dem Schafott geendet. |
| 18. Mai 2009 | Klein, aber wehrhaft
Malta liegt strategisch sehr günstig im Mittelmeer. Kein Wunder, dass die kleine Insel die Begehrlichkeiten des Osmanischen Reichs weckte. Heute vor 444 Jahren tauchte eine vom türkischen Sultan ausgestattete riesige Flotte vor der Hauptstadt Valletta auf, die damals noch St. Elmo hieß. |
| 15. Mai 2009 | Wo die Grundwerte unserer Gesellschaft geprägt werden
„Familie ist der Ort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Sie ist der Ort, wo die Grundwerte unserer Gesellschaft geprägt und gelebt werden. Familienpolitik ist deshalb immer auch Zukunftspolitik.“ So steht es auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu lesen. Böse Zungen würden behaupten, der Stellenwert der Familie – ihr Internationaler Tag wird am heutigen 15 Mai begangen – in unserer Gesellschaft könne so hoch nicht sein, wenn das Ressort in vier Bereiche aufgesplittert ist. |
| 14. Mai 2009 | 60 Jahre Recht auf Kriegsdienstverweigerung
Dieses Jahr feiern wir den 60. Geburtstag des Grundgesetztes. Der geht mit einem anderen Jubiläum einher, denn in §4 Absatz 3 unserer Verfassung heißt es:„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“ Wichtig in diesem Satz war die Passage gegen sein Gewissen: Um herauszufinden, dass es der Verweigerer ernst meinte, besitzt der Staat das Recht auf eine Überprüfung. |
| 13. Mai 2009 | Für Maria und alle Heiligen
Heute vor 1400 Jahren wurde zum ersten Mal Allerheiligen gefeiert. Ursprünglich war der Tag nur den römischen Göttern gewidmet, jetzt wurde er der Jungfrau Maria und allen christlich-katholischen Märtyrern geweiht. Dafür sorgte Papst Bonifatius IV (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 12. Mai 2006 "Warum morgen nicht Allerheiligen ist"). |
| 12. Mai 2009 | Ein Beruf, dem die Anerkennung lange versagt blieb
Heute ist der Internationale Tag der Pflege. Thema dieses Newsletters kann aber weder eine mögliche Unterversorgung der Patienten in unseren Krankenhäusern sein noch eine Diskussion der seitens der Großen Koalition in Angriff genommenen Pflegereform. Statt dessen widmen wir uns den Wurzeln dieses Gedenkdatums. |
| 11. Mai 2009 | Warten auf Sophie
„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter – oder bleibt, wie's ist“: Das ist die einzige Bauernregel, der niemand widersprechen kann. Die übrigren sind zwar wesentlich aussagefreudiger, doch hapert's häufig mit dem Wahrheitsgehalt. Der liegt, so hat ein Schlauberger einmal ausgerechnet, bei 50 Prozent. |
| 8. Mai 2009 | Der schwedische Graf und seine kleine Insel
Anfang der Woche stand eine kleine Schwedin im Mittelpunkt unseres Newsletters. Heute kommt ein großer Landsmann von nobler Abstammung zu dieser Ehre. Geboren wurde er vor genau 100 Jahren in Stockholm. Doch wird er zumindest in Deutschland weniger mit seinem Geburtsort in Verbindung gebracht als mit der Insel, auf der er im Alter von 95 Jahren starb. Die liegt mit zehn weiteren sowie zwei Halbinseln im Bodensee und wurde von dem schwedischen Adeligen zu einem wahren Blumenparadies umgebaut. |
| 7. Mai 2009 | Zahlen, die einfach nicht stimmen konnten
„98,85 Prozent“, titelte die SED-Zeitung Neues Deutschland am Tag nach der Kommunalwahl in der DDR heute vor 20 Jahren, „stimmten für die Kandidaten der Nationalen Front.“ Neu kamen den Lesern solche Schlagzeilen nicht vor, denn in den so genannten sozialistischen Ländern waren ähnlich hohe Ergebnisse für die Einheitsliste üblich. Neu war nur, dass auch in der DDR die Menschen an solche Zahlen nicht mehr glaubten. |
| 6. Mai 2009 | Zwei Jahre jünger als der Bruder, aber viel berühmter
Der Forscher, dessen 150. Todestag heute begangen wird, „war in ganz Europa berühmt wegen einer Expedition in die Tropen, die er 25 Jahre zuvor (also im Jahr 1803) unternommen hatte. Er war in Neuspanien, Neugranada, Neubarcelona, Neuandalusien und den Vereinigten Staaten gewesen, hatte den natürlichen Kanal zwischen Orinoko und Amazonas entdeckt, den höchsten Berg der bekannten Welt bestiegen, Tausende Pflanzen und Hunderte Tiere, manche lebend, die meisten tot, gesammelt, hatte mit Papageien gesprochen, Leichen ausgegraben, jeden Fluss, Berg und See auf seinem Weg vermessen, war in jedes Erdloch gekrochen und hatte mehr Beeren gekostet und Bäume erklettert, als sich irgend jemand vorstellen mochte. Er war der jüngere von zwei Brüdern.“ |
| 5. Mai 2009 | Niemand ist behindert
Ende des letzten Jahres ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert worden. Am heutigen 5. Mai soll weltweit darauf hingewiesen werden, dass diese Gleichstellung nicht nur auf dem Papier besteht. „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“, heißt es auch in unserem Grundgesetz. |
| 4. Mai 2009 | Die Person hinter Pippi
Kennen Sie Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf? Zugegeben, der Name ist ein bisschen lang; daher nannte sich ihre Trägerin schlicht Pippi Langstrumpf. Die rotbezopfte sommersprossige Göre, die locker mit dem linken Arm ein Pferd (am liebsten ihr eigenes, das auf den Namen Lilla Gubben hörte) stemmen konnte, entstammt der Fantasie der Schriftstellerin Astrid Lindgren (siehe dazu unseren Newsletter vom 14. November 2007 „Den Kopf in der Suppenschüssel, das Pferd auf dem Arm“). |
| 30. April 2009 | Warum die Niederländer heute schon frei haben
Morgen ist der Tag der Arbeit, an dem in Deutschland nicht gearbeitet wird (und folglich auch unser Newsletter nicht erscheint). Ein Feiertag ist der 1. Mai auch in anderen westlichen Industrienationen; nur die Vereinigten Staaten und Kanada begehen ihren Labor Day jeweils am ersten Montag im September. |
| 29. April 2009 | Als die Autokrise begann
Wann begann die Autokrise? Heute vor fünf Jahren, würden nicht wenige Amerikaner antworten. An diesem Tag verließ der letzte Oldsmobile die Fertigungshalle in Lansing im Bundesstaat Michigan. Doch sollte jenes Exemplar schon keinen Meter Straße mehr befahren. Es wurde schnurstracks ins Museum überführt, wo es einen Platz neben seinen Vorgängermodellen gefunden hat. Damit war die 107-jährige Geschichte der nach Mercedes und Peugeot und vor Ford und Chrysler drittältesten Automarke der Welt zu Ende. |
| 28. April 2008 | 15 Sekunden komplette Ruhe
Der liebe Gott hat uns zwei Ohren gegeben, damit wir den Lärm um uns herum besser vertragen – und einen Mund, damit wir dagegen anschreien können. Doch es geht auch anders, findet das Lärminformationsportal. Die Betreiber dieser Internetseite haben sich den Kampf gegen die akustische Umweltverschmutzung auf die Fahnen geschrieben. |
| 27. April 2009 | Form ohne Inhalt?
Design oder nicht sein? Diese Frage ist heute Gegenstand unseres Newsletters, bei dem es um das Zusammenwirken von Form und Inhalt geht. „Design“, sagte einmal der japanische Architekt Kiyoshi Sakashita, „steht heute vor Funktion und Preis an erster Stelle.“ Das heißt doch nichts anderes, als dass das Nichts, das verkauft werden soll, schön verpackt werden muss. |
| 24. April 2009 | Der größte Freund der Tiere
Putzige Vierbeiner sind ein beliebtes Thema dieses Newsletters. Doch heute geht es nicht um Tiere, sondern um den größten Freund der Tiere. Der hieß Bernhard Grzimek und war Professor, Zoodirektor und überhaupt eine Institution. Seit Oktober 1956 erschien er jede Woche dienstags den Fernsehzuschauern mit der Sendung „Ein Platz für Tiere“. Das Schema war stets das gleiche: Drei bis vier Filme über meist exotische Exemplare; dazwischen warnte der Naturliebhaber vor den Folgen von Umweltzerstörung und der bevorstehenden Ausrottung bestimmter Arten. |
| 23. April 2009 | Der Tag, an dem Schriftsteller sterben
Den heutigen 23. April hat die UNESCO zum Welttag des Buches erklärt. Inspiriert hat die Weltkulturorganisation der Namenstag des Patrons von Katalonien. An Sant Jordi – wie der Heilige Georg im Nordosten Spaniens heißt – schenkt man sich in dieser Region gegenseitig Bücher. Der 23. April ist zudem der Todestag zweier Nationaldichter: des Engländers William Shakespeare und des Spaniers Miguel de Cervantes. Und noch ein berühmter Schriftsteller ist eng mit dem Datum verbunden: Immerhin ist der isländische Literatur-Nobelpreisträger Halldór Laxness an jenem Tag nicht gestorben, sondern geboren. |
| 22. April 2009 | Wider den Egoismus
Er hätte auch mit Kartenspielen oder Billard sein Geld verdienen können, denn er wusste sowohl seinen Kopf als auch seine Hände geschickt einzusetzen. Aber für eine solche Karriere wäre es wohl nötig gewesen, seine Heimatstadt zu verlassen. So blieb er sein Leben lang an seinem Geburtsort, ließ sich jeden Morgen um Viertel vor Fünf von seinem Hausdiener wecken und ging abends pünktlich um Zehn ins Bett. Täglich unternahm er einen langen Spaziergang; häufig lud er Freunde zum Mittagessen ein, bei dem es grundsätzlich nie um Geschäftliches ging. |
| 21. April 2009 | Wie Sie in den Flow kommen
Kleiner Nachtrag zu gestern: Da haben wir ja gelernt, dass es entscheidend ist, wann wir unsere Aufgaben erledigen. Das finden auch der ungarischstämmige Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi von der Universität Chicago und der Heidelberger Professor Felix von Cube: Sie untersuchten, wann Sportler, Kletterer, Schachspieler und Manager optimale Leistungen erzielen. Ihre Antwort: im Flow. So heißt der Zustand, der Höchstleistung mit Wohlbefinden vereint. |
| 20. April 2009 | Nicht alles gleichzeitig erledigen
Ich bin ein Multitaskingtalent und deshalb äußerst effizient: Dieser Irrglaube ist es, der verhindert, dass wir so viel leisten, wie wir eigentlich könnten. Statt unsere Stärken sinnvoll einzusetzen, verzetteln wir uns. |
| 17. April 2009 | Als Gustav Gans die Macht übernahm
Všechno včas, das fragte ich Sie gestern, ist tschechisch und heißt auf Deutsch: Alles klar? War ja auch nicht so einfach mit den böhmischen und südrussischen Dörfern. Heute bleiben wir in Böhmen. Als das Land Teil der Tschechoslowakei war, durfte es den Prager Frühling und musste es die sowjetische Invasion erleben (siehe dazu unsere Newsletter vom 21. August („Überwintern mit Bier“) und 13. Mai 2008 („Der Prager Frühling - mehr als nur Musik“)). |
| 16. März 2009 | Und was sind Böhmische Dörfer?
Bevor ich die Frage in der Überschrift beantworte, lassen Sie mich eine zweite stellen, mit der ich etwas weiter aushole: Kommt Ihnen etwas spanisch vor? Blicken wir kurz auf den gestrigen Newsletter („Was steckt hinter einem Potemkinschen Dorf?“) zurück: Eine kritischer hinschauende Zarin Katharina hätte beim Anblick der Potemkinschen Dörfer exakt jenes Gefühl beschleichen müssen. |
| 15. April 2009 | Was steckt hinter einem Potemkinschen Dorf?
Früher, als es noch keine Fußballspiele gab, führten die Nationen Kriege gegeneinander. Gegen den Erzfeind Türkei – das Osmanische Reich war durch und durch muslimisch – schnitt das christlich-orthodoxe Russland immer sehr schlecht ab. Das änderte sich jedoch mit der Auseinandersetzung, in der beide Staaten von 1768 bis 1774 verstrickt wurden. |
| 14. April 2009 | Ein Leben reich an Werken und Geschichten
Georg Friedrich Händel starb vor exakt einem Vierteljahrtausend in London. Da ein Tag nicht ausreicht, den Komponisten von 46 Opern und Schöpfer von 25 Oratorien gebührend zu ehren, wurde in der Musikszene das komplette Jahr 2009 zum Händel-Jahr erklärt. Sie werden dem großen musikalischen Geist also noch öfter begegnen. |
| 9. April | Bitte kein Eiertanz!
Osterzeit ist Eierzeit: Der Brauch, diese zu bemalen, geht zurück ins Mittelalter. Damals wurden Steuern traditionell am Gründonnerstag beglichen – häufig in Form von gekochten und damit haltbaren Eiern. Ein Teil der Eier erhielt in der Kirche den Segen und wurde rot angemalt, um sie von nicht geweihten Exemplaren zu unterscheiden. |
| 8. April 2009 | Die nicht ganz so geheime Formel von Coca Cola
Wie viel Zucker ist in Coca Cola enthalten? Diese Frage beschäftigt ganze Internetforen. Geben Sie doch mal die drei Wörter „Coca Cola Inhaltsstoffe“ in Google ein: Sie erhalten mehr als 10 000 Einträge. Einer davon ist vom Hersteller selbst, und der kann die Eingangsfrage am besten beantworten. „In 100 ml Coca-Cola“, steht auf der werkseigenen Webseite www.coca-cola-gmbh.de geschrieben, „sind 10,6 Gramm Zucker enthalten.“ |
| 7. April 2009 | Hand- und Mundwerk
Im ausgehenden Mittelalter waren gute Ärzte so selten wie objektiv nachweisbare Erfolge von Aderlässen. Und doch konnte ein Mediziner-As wie Theophrastus Bombastus von Hohenheim nicht von der Heilkunst allein leben. Obwohl seiner Überzeugung nach der Arzt im Herzen wuchs, weil „Helfen und nutz sein des Herzens Amt, Schwätzen und süßes Reden des Maules Amt“ waren, verdiente der später als Paracelsus berühmt Gewordene sein Geld weniger mit dem Hand- als mit dem Mundwerk. |
| 6. April 2009 | Der ziemlich letzte unbetretene Fleck der Erde
Heute vor 100 Jahren erreichte ein amerikanischer Entdecker einen der letzten unbetretenen Flecken der Erde. „Er war ein großer Mann mit wuchtigem Rumpf und dickem roten Haar, das zu ergrauen begann. Er trug einen langen Schnurrbart. Bei einer früheren Expedition hatte er die Zehen eingebüßt. Er ging merkwürdig schlurfend, schob die Füße über den Boden, ohne sie anzuheben.“ So beschreibt E.L. Doctorow in seinem großartigen Roman über die USA des frühen 20. Jahrhunderts den Forscher Robert Peary. |
| 3. April 2009 | Schimpansenforscherin statt Sekretärin
Statt als Sekretärin wollte Jane Goodall lieber als Schimpansenforscherin arbeiten. So warf sie 1957 die Ausbildung im heimatlichen England hin und ging nach Afrika. Zunächst jobbte sie im Nationalmuseum von Kenia. Bald war ihr auch dies zu langweilig, und sie zog in den Gombe Stream National Park im benachbarten Tanzania, um dort unter Menschenaffen zu leben und deren Verhalten aus nächster Nähe zu studieren. |
| 2. April 2009 | Wo die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt
Heute endet in Bonn die UNESCO-Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hintergrund sind nicht nur die krassen Unterschiede der Informations- und Lernmöglichkeiten zwischen Bewohnern von Entwicklungs- und Schwellenländern und jenen der westlichen Industriestaaten. Auch die Art des Lernens weltweit steht auf dem Prüfstand. Ziel ist es, das bisherige, allzuoft nach dem Bestehen von Prüfungen schielende Faktenwissen durch Kompetenzen wie soziale Verantwortung oder Zivilcourage anzureichern. |
| 1. April 2009 | Warum musste Tycho Brahe sterben?
Tycho Brahe ist schon seit über 400 Jahren tot. Das hindert den großen Astronomen jedoch nicht, weiter Schlagzeilen zu produzieren. Kürzlich schrieb der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Prag, der Sternforscher sei womöglich einem Mordanschlag zum Opfer gefallen; Details zum Tathergang würden derzeit von Wissenschaftlern untersucht. |
| 31. März 2009 | Auch nichts gegen Waliser?
Das kleine Wales hat einen Prinzen, der die Sprache nicht spricht (Charles kann nur Englisch), einen beliebten Sänger, der lieber nicht dort lebt (Tom Jones zog vor Jahrzehnten nach Kalifornien) und einen berühmten Dichter, der sich despektierlich über seine Heimat äußerte: „Wales ist das Land meiner Vorfahren“, sagte Dylan Thomas, „und die können es gerne behalten.“ Er selber wanderte erst nach London und später nach New York aus. |
| 30. März 2009 | Nichts gegen Iren
Heute möchte ich Ihnen ein weiteres Land näher bringen, das nicht so klein ist wie allgemein angenommen (siehe auch unseren Newsletter über Luxemburg vom 24. März „Kein so kleines Land“). Irland hat zwar nur etwas über 4 Millionen Einwohner, doch haben sich die Nachfahren von Generationen ausgewanderter Inselbürger auf der ganzen Welt ausgebreitet. Denken Sie nur mal daran, mit wie vielen Irish Pubs unser Globus an allen möglichen und unmöglichen Orten aufwarten kann. |
| 27. März 2009 | Menschen mit Problemen
„Theater“, bekannte einst Laurence Olivier, „ist masochistischer Exhibitionismus“. Beim britischen Schauspieler stimmte wenigstens das Schmerzensgeld, und später erhob ihn die Queen sogar in den Adelsstand. Oliviers weniger erfolgreiche Kollegen mussten dagegen hart um ihre Gage kämpfen. War der Kampf erfolglos, pflegte ihnen Regisseur Herbert Beerbohm Tree nach dem Vorsprechen einen Rat zu geben: „Bitte, schlagen Sie gleich nicht die Tür laut hinter sich zu, wenn Sie gehen.“ |
| 26. März 2009 | Wer war B. Traven?
Wer war B. Traven? Alle kannten den in deutscher Sprache publizierenden, im Süden von Mexiko lebenden Schriftsteller; nur Wenige wussten, wer sich hinter dem Pseudonym verbarg. B. Travens Bücher erreichten Millionenauflagen. |
| 25. März 2009 | Neues Tier im Weißen Haus
Kurz nachdem in den USA ein Präsident eingeführt wird, zieht er nach Washington ins Weiße Haus. Nicht nur die Boulevardpresse in der Hauptstadt interessiert sich anschließend dafür, wer mit ihm einzieht: Außer der Ehefrau, den Kindern und vielleicht dem Dienstpersonal lenken vor allem die Haustiere die Aufmerksamkeit der Journaille auf sich. |
| 24. März 2009 | Kein so kleines Land
„Lëtzebuerg, offiziell d'Groussherzogtum Lëtzebuerg, ass e Land an Europa, dat tëschent Däitschland, der Belsch a Frankräich läit. Et huet eng Fläch vun 2586 km² a ronn 450 000 Awunner“: So heißt es in der Wikipedia, die ja auch auf Lëtzebuergesch erscheint. Immerhin steht dort nicht der Satz, der überall sonst steht: Luxemburg sei ein kleines Land. |
| 23. März 2009 | Welttag der Wetterfrösche
Et is wie et is un et kütt wie et kütt, sagt der Rheinländer. Das gilt vor allem fürs Wetter, das man nicht ändern kann: Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt. Aber es ist gut, wenn man weiß, wie es kommt, sagen die Wetterfrösche, die heute den Welttag der Meteorologie begehen (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 23. März 2007 „Alle reden vom Wetter. Die WMO redet vom Klima.“). Und was sagt der Smalltalker? Der freut sich, dass er immer ein aktuelles Thema hat. |
| 20. März 2009 | Frühling aus meteorologischer, kalendarischer und poetischer Sicht
Aus meteorologischer Sicht hat der Frühling bereits am 1. März begonnen. Heute um 12 Uhr 43 mitteleuropäischer Zeit ist es endlich auch aus kalendarischer Sicht so weit: Dann überschreitet die Sonne den Äquator auf ihrem Weg in Richtung Norden; Tag und Nacht sind bei uns gleich lang. |
| 19. März 2009 | Leistung zeigen und Beziehungen knüpfen
Erfolge sind immer ein Ergebnis von Leistung und Beziehungen, lautet die Philosophie der Webseite www.frauen-kluengeln.de. Wer sich beim beruflichen Weiterkommen durch Netzwerke helfen lässt, tut gut daran. Eine schnellere Karriere und ein höherer Verdienst winken. |
| 18. März 2009 | In Bayern wird ein Pfälzer erster gewählter Ministerpräsident
Der erstmals vom Volk gewählte bayerische Landtag durfte heute vor 90 Jahren - ebenfalls eine Premiere – den bayerischen Ministerpräsidenten küren. Bis dahin hatte dies der König in Eigenregie besorgt. Doch seit der Revolution, die am 7. November 1918 (siehe unseren Newsletter vom 7. November 2008) die weiß-blaue Monarchie hinweggefegt hatte, war der Thron verwaist, König Ludwig im Exil. |
| 17. März 2009 | Der St. Patrick's Day wird auch in Deutschland gefeiert
Sogar das Bier ist grün. Wie sie das hinkriegen, darüber schweigen sich die Hersteller aus. Es passt aber so schön ins Bild, wenn sich ein kilometerlanger grüner Lindwurm durch die Straßen der Hauptstadt schlängelt und 30 000 ebenfalls überwiegend grün Gekleidete begeisternd der Parade applaudieren. |
| 16. März 2009 | Nichts berühren, alles vertiefen
Heute vor 10 Jahren erlebte die Europäische Union die schwerste Krise ihrer Geschichte. Was war geschehen? Die wichtigste politische Institution der Gemeinschaft, die Europäische Kommission, war geschlossen zurückgetreten; die EU stand also von einem Tag auf den anderen ohne Regierung da. |
| 13. März 2009 | Schon wieder Freitag der 13.!
Jesses, schon wieder Freitag der 13.! Wie kann ich Ihnen da nur Angst machen und anschließend wieder nehmen, nachdem ich bereits letzten Monat (siehe unsere Ausgabe vom 13. Februar „Ein prekäres Datum, dass uns dieses Jahr noch zweimal bevorsteht“) vor den größten Gefahren in Form von herabfallenden Messern, zerbrochenen Spiegeln, aufgestellten Leitern und kreuzenden Katzen gewarnt habe? |
| 12. März 2009 | Die Wiederkehr des Verdrängten
„Unser Programm ist die Wiederkehr des Verdrängten“: So lautet die Eigenwerbung des Ahriman-Verlags (im Internet unter www.ahriman.com), der mit seinem Programm an vergessene Ereignisse und Persönlichkeiten erinnern will. |
| 11. März 2009 | Rücktritt wegen schlechten Mannschaftsspiels
Gestern hatten wir die Religion, heute haben wir die Politik als Small-Talk-Thema. Kein Wunder, denn das, was heute vor zehn Jahren passierte, war zu komisch, um an dieser Stelle nicht bedacht zu werden. Völlig überraschend trat damals Oskar Lafontaine sowohl von seinem Amt als Finanzminister als auch von seiner Position als SPD-Vorsitzender zurück. |
| 10. März 2009 | Seit 50 Jahren im Exil
Religion ist kein Small-Talk-Thema, Politik auch nicht. Warum erzähle ich Ihnen heute dann etwas über den Dalai Lama? Vielleicht, weil es sich um einen immer freundlichen, stets lächelnden, dennoch von allen Politikern und Theologen ernst genommenen älteren Herrn handelt, der nur ein Problem hat? Er darf nicht mehr zu Hause wohnen. |
| 9. März 2009 | Barbie wird 50
Die Mädchen benutzten die Puppe, um ihre Wunschvorstellungen der späteren Erwachsenenwelt auszudrücken: So erklärt Ruth Handler, die Erfinderin der Barbie-Puppe, den riesigen Erfolg ihres Modells. Interessant ist, wie sich das Äußere der Puppe in den letzten fünf Jahrzehnten gewandelt hat – und die Zukunftshoffnungen der Mädchen mit ihnen. |
| 6. März 2009 | Kritischer Geist mit scharfer Zunge
„Viele, die ihrer Zeit vorausgeeilt waren, mussten auf sie in sehr unbequemen Unterkünften warten“: Auf den Urheber dieser Zeilen traf jenes kritischen Geistern beschiedene Schicksal nur bedingt zu. Der heute vor 100 Jahren geborene Stanislaw Jerzy Lec lebte als Kommunist im kommunistischen Polen. Solange dort verbissene Betonköpfe herrschten, hatte sein Metier, die Satire, nicht gerade Konjunktur. |
| 5. März 2009 | Am Sonntag ist Internationaler Frauentag
Ist der Weg in höchste politische Positionen für Frauen in Deutschland besonders schwierig? Von den ersten Demonstrationen in westeuropäischen Staaten am 8. März 1910 – auf dieses Datum geht der Internationale Frauentag zurück – bis zum Einzug Angela Merkels ins Bundeskanzleramt liegt eine Spanne von mehr als neun Jahrzehnten. |
| 4. März 2009 | Ein Indianer als US-Präsident?
Barack Obama wurde als erster schwarzer US-Amerikaner ins höchste Amt gewählt. Wird es da nicht Zeit, dass jemandem aus einer anderen benachteiligten Bevölkerungsgruppe eine solche Ehre widerfährt? Diesem Ziel sehr nahe kam heute vor 80 Jahren der Republikaner Charles Curtis. |
| 3. März 2009 | Die Geburt der modernen Türkei
„Seit Jahrhunderten haben die Türken sich ständig in die gleiche Richtung bewegt. Wir sind immer von Osten nach Westen gegangen!“ Die Aussage von Präsident Mustafa Kemal lässt sich historisch zwar nicht komplett belegen, aber sie gibt eine Politik vor, die seitdem Gültigkeit hat: die Westorientierung der Türkei. |
| 2. März 2009 | Leiche in der Umhängetasche
Gelegentlich ist in diesem Newsletter vom Verein Deutsche Sprache e.V. die Rede, zuletzt in der Ausgabe vom 30. August&nbap;2007 „Sprachpanscher 2007“. Ein besonderes Anliegen der Sprachschützer ist der Missbrauch unserer liebsten Fremdsprache: Manche Anglizismen, die längst Einzug in unseren Sprachalltag gefunden haben, existieren im Englischen gar nicht – oder bedeuten etwas ganz anderes. |
| 27. Februar 2009 | Das Ende der Revolution in Mexiko
Eine alte Fotografie zeigt eine chaotische Menschenmenge im Nationalpalast von Mexico City. Soldaten in Galauniform stehen neben bewaffneten Bauern und Städtern im Sonntagsanzug. Sogar einige Kinder drängen sich zwischen die Erwachsenen, denn alle haben nur ein Ziel: Sie wollen auf dieses Bild. |
| 26. Februar 2009 | Zeit der innerlichen Reinigung
„Fasten, studieren, keine Frauen sehn – klarer Verrat am Königtum der Jugend.“ Meinte jedenfalls William Shakespeare. Doch irgendwann ist die Jugend vorbei, es melden sich die ersten Zipperlein, der Körper reagiert nicht mehr so, wie der Geist es vielleicht will, obwohl auch der schon nicht mehr ist, was er mal war. Muss man sich selbst da nicht etwas Gutes tun? Vielleicht eine Zeitlang entsagen, bevor man sich wieder den Genüssen des Lebens hingibt? |
| 25. Februar 2009 | Der politische Schnee von gestern
Heute ist Aschermittwoch. Auch an diesem traditionell religiösen Fest mischt sich die Politik gerne in Bereiche ein, in denen sie eigentlich nichts zu suchen hat. Im Wahljahr 2009 wird das kaum anders sein. Die Rede ist vom politischen Aschermittwoch, an dem gerne Reden gehalten werden. Den Ursprung dieses, na ja, Brauchtums haben wir im Newsletter vom 1. März 2006 erklärt. |
| 24. Februar 2009 | Nie wieder Strasse!
„Wenn Sie eine schwarze Katze sehen, bringen Sie das Tier dazu, auf keinen Fall vor Ihnen die Strasse zu überqueren“: Als dieser Satz in unserem Newsletter vom Freitag den 13. erschien, war ich auf die eine oder andere Zuschrift erboster Tierschützer gefasst. |
| 20. Februar 2009 | Fassen Sie sich. Aber bitte kurz!
„Wird man unerwartet gebeten, eine Rede zu halten, so erschrecke man nicht, sondern fasse sich. Aber kurz!“ Diese Empfehlung stammt von Heinz Erhardt, der heute seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. |
| 18. Februar 2009 | „Meine Herren und Damen!“
Vor 90 Jahren, bei den Reichstagswahlen am 19. Januar 1919, durften Frauen in Deutschland erstmals wählen. Nicht nur das: Sie kamen auch in den Genuss des passiven Wahlrechts. So zogen exakt einen Monat später 37 weibliche Abgeordnete ins Parlament ein. |
| 17. Februar 2009 | Wenn das Leben ein Baseball ist
Im Cricket und im Baseball kommt es darauf an, einen Ball mit möglichst hoher Geschwindigkeit zu werfen. Das Flugobjekt zu treffen wird für den Mann am Schlag noch schwerer, wenn es mit einem Drall versehen ist. Ein derart schwer auszurechnendes Wurfgerät nennen Briten und Amerikaner Screwball. Schwer auszurechnen sind auch die Komödien, die unter dieser Bezeichnung firmieren. |
| 16. Februar 2009 | Bescheidenheit ist keine Zier
„Bescheidenheit ist die schlimmste Form der Eitelkeit“, fand der französische Missionar Charles de Foucauld. Offenbar hatte der fromme Mann in seinem Leben viele Dankesreden gehört, die von ihren Preisträgern mit den Worten begonnen wurden, sie hätten den Preis ja gar nicht verdient. Nichts langweilt ein Publikum mehr als unterwürfige Buhlerei um Komplimente. Das sah offenbar auch der Althistoriker Christian Meier so, als ihm vor einem Jahrzehnt ein begehrter Preis verliehen wurde. |
| 13. Februar 2009 | Ein prekäres Datum, dass uns dieses Jahr noch zweimal bevorsteht
Sind sie abergläubisch? Dann steht Ihnen ein hartes Jahr bevor! Nicht weniger als dreimal werden Sie sich 2009 mit einem prekären Datum konfrontiert sehen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, haben Sie den ersten Freitag den 13. bereits zur Hälfte hinter sich. Das ist doch schon mal was, oder? |
| 12. Februar 2009 | Der beliebteste Präsident aller Zeiten
Wer ist der beliebteste US-Präsident aller Zeiten? Diese Frage stellte der amerikanische Nachrichtensender ABC seinen Zuschauern. Als Antwort erhielten die Journalisten den Namen des Staatsoberhauptes, das heute vor 200 Jahren geboren wurde. Auch der amtierende US-Präsident hält viel von diesem Vorgänger: Barack Obama nennt Abraham Lincoln als sein Vorbild und leistete seinen Amtseid auf jene Bibel, auf die schon Lincoln bei dessen Inauguration die Hand gelegt hatte. |
| 11. Februar 2009 | Das Buch, das die Welt veränderte
Hat Gott die Tiere – so, wie es in der Bibel steht – eins nach dem anderen erschaffen? Diese Frage rührt an Grundfesten der Religion und ist damit streng genommen kein Small Talk-Thema. Wir können das Tabu jedoch leicht umgehen, indem wir unser Sujet in der Biologie ansiedeln. Die Eingangsfrage hatte sich ein berühmter Forscher gestellt, dessen Geburtstag sich morgen zum 200. Mal jährt. Natürlich plagten Charles Darwin Zweifel, als er vor anderthalb Jahrhunderten sein Werk Über die Entstehung der Arten veröffentlichte. |
| 10. Februar 2009 | Apostrophitis bei uns, Apostrophobie bei den Briten
Immer wieder werden im Deutschen merkwürdige Apostrophe gesetzt wie „Petra's Katzenparadies“ oder „Meyer's Würstchenbude“. Abgeschaut haben wir uns diese Marotte aus dem Englischen. Die Inselbewohner greifen noch häufiger zum Auslassungszeichen als wir. Sie müssen auch, denn ihre Grammatik schreibt ihnen den Gebrauch des Genitiv-Apostrophs zwingend vor: etwa für „Peter's Chip Shop“ oder bei Ihren Vettern jenseits des großen Teichs im „McDonald's Restaurant“. |
| 9. Februar 2009 | Wer wird das 28. EU-Mitglied?
„Die Erweiterung“, schreibt der in der EU für diesen Prozess zuständige Kommissar Olli Rehn auf seiner Webseite, „geht derzeit nicht mit dem Tempo eines Hochgeschwindigkeitszugs, sondern eher mit dem eines Nahverkehrszugs voran.“ Kein Wunder, wurden 2004 doch gleich zehn neue Mitglieder im Paket aufgenommen, zu denen sich 3 Jahre später Bulgarien und Rumänien gesellten. |
| 6. Februar 2009 | Bilder, die lügen
Im Liechtensteinischen Landesmuseum gibt es zurzeit eine Ausstellung „Bilder, die lügen“. Gezeigt werden Briefkästen mit Firmenschildern und Banken mit Geheimnissen. Doch Spaß beiseite. Schließlich hat es sich dieser Newsletter zur Aufgabe gemacht, nur noch positive Nachrichten über das kleine Fürstentum zu verbreiten. Gottseidank bietet sich ein aktueller Anlass – eben jene eingangs erwähnte Ausstellung. Die kann ich Ihnen guten Gewissens empfehlen. |
| 5. Februar 2009 | Wer essen will, muss nicht arbeiten
Wer essen will, soll auch arbeiten. Diesen Schluss lässt Götz Werner nicht gelten. Der Wirtschaftsprofessor an der Universität Karlsruhe und Gründer der Drogeriekette dm setzt sich für das Gegenteil ein: Nur wer anständig zu essen hat, kann auch anständig arbeiten, lautet seine Überzeugung: „Wenn der Bürger ein Einkommen bekommt, um frei von den dringlichsten Existenzsorgen zu sein, ist er frei, etwas Sinnvolles zu tun.“ |
| 4. Februar 2009 | Verlegertochter wird Terroristin
„Patty Hearst“ lautet die Überschrift zum Eingangskapitel von Sven Regeners aktuellem Bestseller Der kleine Bruder. Als der Protagonist den Namen auf der langen Autotour von Bremen nach Berlin irgendwann einmal erwähnt, assistiert sein Beifahrer Wolli: „Symbionese Liberation Army. Keine Ahnung, was die eigentlich wirklich wollten, da hat nun echt keiner durchgeblickt.“ |
| 3. Februar 2009 | Naturnah und bewohnerfreundlich
„Betonfabrikant in Finnland – ein Traumberuf!“ So beschreibt Reiseautor Claus Haar in seiner Gebrauchsanweisung für Finnland (erschienen im Piper Verlag) die gängige Architektur im nördlichsten EU-Land: „Generationen wuchsen mit den Betonquadern der Wohnblocks, geraden Linien, Flachdächern, Fensterbändern in allgegenwärtigem unschuldig-freundlichem Weiß auf.„ |
| 2. Februar 2009 | Der große Tag der Feuchtgebiete
Hierzulande haben Feuchtgebiete schon seit längerem Konjunktur. Das liegt aber weniger an einem klimatischen als an einem literarischen Phänomen: Charlotte Roche ist mir ihrem hygienekritischen Abgesang auf die Intimrasur seit Monaten in Deutschlands Bestsellerlisten, und ihre Lesungen sind stets ausverkauft. |
| 30. Januar 2009 | Die letzte lange Winterpause
Eine lange Winterpause wird es in der Fußball-Bundesliga so schnell nicht mehr geben. Im nächsten Jahr treten die Vereine schon Mitte Januar zur Rückrunde an. Eine Änderung gibt es bereits in der aktuellen Saison: Zum ersten Mal seit 17 Jahren steigen nur zwei Mannschaften direkt ab. Der Drittletzte streitet sich mit dem Dritten der Zweiten Liga in Hin- und Rückspiel um den noch freien Bundesligaplatz. |
| 29. Januar 2009 | Für den Nobelpreis offenbar nicht gut genug
„Er fiel im Oktober 1918, an einem Tag, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden“: So endet der Roman Im Westen nichts Neues, der heute vor 80 Jahren in die Buchläden kam. |
| 28. Januar 2009 | Der Präsident, der doppelt zählt
Grover Cleveland ist eingefleischten Lesern dieses Newsletters ein Begriff. Als bislang einziger Inhaber des höchsten Amtes der Vereinigten Staaten sorgte er dafür, dass im Weißen Haus Präsidentennachwuchs zur Welt kam. So geschehen im Jahre 1893. |
| 27. Januar 2008 | Ein sehr reicher Mann, der nicht Brite werden darf
Er verkaufte Coca Cola auf der Straße, später handelte er mit Nähmaschinen. Erfolgreicher waren seine Bemühungen um eine reiche Araberin. Als Samira ihm das Jawort gab, hatte Mohamed Al-Fayed aus dem ägyptischen Alexandria seine finanziellen Probleme für immer hinter sich gelassen. Dafür tauchten neue Schwierigkeiten auf. Samira war die Tochter des berüchtigten Waffenhändlers Adnan Kashoggi. Aus diesem Grund wollte zunächst niemand Handel mit dem Neureichen treiben, obwohl dessen eben erst gegründete Reederei durchaus funktionstüchtig war. |
| 26. Januar 2009 | Ein Schiff, das nicht jedem Glück brachte
Heute ist Nationalfeiertag auf dem zweitsüdlichsten Kontinent: Die Australier gedenken der Ankunft der ersten weißen Siedler heute vor 220 Jahren. Was für die Ankömmlinge in der Rückbetrachtung nach einer grandiosen Erfolgsgeschichte aussieht, bedeutete aus Sicht der Ureinwohner einmal mehr eine schreckliche Begegnung mit europäischen Eroberern. |
| 23. Januar 2009 | Der Katastrophenglücksfall von Alesund
Manchmal sind es Kleinigkeiten, die eine Katastrophe auslösen, und gelegentlich sind es Katastrophen, die sich in einen Glücksfall verwandeln. Einen solchen Katastrophenglücksfall erlebte die westnorwegische Hafenstadt Alesund heute vor 105 Jahren. |
| 22. Januar 2009 | Gelb sorgt für ganz neue Töne
Vor 100 Jahren gründete Wassily Kandinsky in München die avantgardistische Neue Künstlervereinigung. Geometrische Linien waren das Erkennungszeichen des aus Moskau stammenden Künstlers, mit dem die braven Landeshauptstädter zunächst wenig anfangen konnten. Da half es auch nicht, dass Kandinsky gemeinsam mit seinem Freund Franz Marc ausstellte. Dessen blaue und gelbe Pferde hielten selbst die Galeristen für „Sudelzeug“. |
| 21. Januar 2009 | Wenn der Handkäs' nicht mehr stinkt …
Die Landtagswahl ist vorbei, jetzt können sich die Hessen wieder den wirklich interessanten Dingen widmen. Etwa der Kultur: Da hat die Metropole Frankfurt etwas in Deutschland Einmaliges zu bieten. |
| 20. Januar 2009 | Was passieren kann, wenn ein Präsident zu lange redet
Heute wird der 44. Präsident der Vereinigten Staaten in sein Amt eingeführt. Die Welt ist gespannt, was Barack Obama mit Blick auf die nächsten vier Jahre anzukündigen hat. Gewiss wird er sich an großen Amtsvorgängern orientieren. |
| 19. Januar 2009 | Tod in Nizza
Fünf große Bücher schrieb Bruce Chatwin in seinem kurzen Leben. Alle spielen auf verschiedenen Kontinenten: In Traumpfade folgt er den australischen Ureinwohnern auf verschlungenen Wegen, deren Landkarten nur in ihren Köpfen existieren. Utz ist eine Hommage an einen in Prag leben- und sterbenden Sammler Meißener Porzellans. Der Vizekönig von Ouidah handelt von brasilianischen Sklaven und deren wieder in Westafrika siedelnden Nachkommen (Regisseur Werner Herzog verfilmte den Stoff unter dem Titel Cobra Verde). |
| 16. Januar 2009 | Die Gebrauchtwagen-Frage
Im Wahljahr 2009 wird es in Deutschland insgesamt 15 politische Abstimmungen geben, bei denen die Bevölkerung gefragt ist. Neben der Europawahl stehen Kommunal- und Landtagswahlen gleich in mehreren Bundesländern an. Es beginnt mit dem Urnengang in Hessen am kommenden Sonntag; Höhepunkt ist die Bundestagswahl am 27. September. |
| 15. Januar 2009 | Ein Traum, der allmählich Wirklichkeit wird
Zweimal hintereinander ging es in diesem Newsletter um Bremen. Heute führt er Sie etwas weiter weg: in die USA. In den Staaten ist der Martin Luther King Memorial Day ein Feiertag, an dem nicht gearbeitet wird. Begangen wird er jeweils am dritten Montag des Jahres – also diesmal zu Beginn der kommenden Woche. |
| 14. Januar 2009 | Als Eltern noch um Verständnis gebeten wurden
„Guten Tag, liebe Beat-Freunde. Nun ist es endlich soweit. In wenigen Sekunden beginnt die erste Show im Deutschen Fernsehen, die nur für Euch gemacht ist“, begrüßte Wilhelm Wieben die jugendlichen Zuschauer der ersten Beat Club-Sendung. Für die besorgten Eltern schob der spätere Tagesschau-Sprecher gleich eine Erklärung hinterher: „Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Ihr Verständnis: Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten, für junge Leute. Und nun geht's los!“ Und wie es losging! Jimi Hendrix trat dort auf, The Who, Deep Purple, Black Sabbath und so ziemlich alles, was in der Rockmusik Rang und Namen hatte. |
| 13. Januar 2009 | Warum ist dreimal Bremer Recht?
„Wird in jedem Zusammenhang gebraucht und hat keine wirkliche Bedeutung“: So urteilt das Online-Lifestylemagazin jetzt in seiner Rubrik „KenndieStadt“ über die Redensart „Dreimal ist Bremer Recht“. Tatsächlich werden alle möglichen Ausflüchte damit begründet – doch nach einer wirklich überzeugenden Begründung für die Herkunft des Spruchs werden Sie lange suchen. |
| 12. Januar 2009 | Die Frage, um die sich dieser Tage alles in Friesland dreht
Früher froren in Friesland jeden Winter die Kanäle zu. Was lag also näher, als die Schlittschuhe herauszukramen und erst mal ein paar Runden auf dem Eis zu drehen? Bald merkten die Bewohner der nördlichsten niederländischen Provinz, dass sie auch größere Strecken auf Kufen zurücklegen konnten –; bis zu 200 Kilometer am Tag. |
| 9. Januar 2009 | Künstler ohne Illusion
Nur neun Seiten benötigte der Bühnenautor Heiner Müller, um Shakespeares Hamlet zu bearbeiten. Was sprachlich brillant daherkam, ließ sich später trotzdem kaum auf die Bühne bringen, weshalb Die Hamletmaschine nur selten aufgeführt wird. Immerhin ist das Schauspiel nächste Woche in Stuttgart zu sehen. |
| 8. Januar 2009 | Wer zu spät kommt …
… den bestraft das Leben. Dieser Ausspruch wird dem letzten Generalsekretär der sowjetischen KPDSU noch heute häufig in den Mund gelegt. Dabei stammen diese Worte nicht von Michail Gorbatschow. Sie stammen von seinem Dolmetscher. |
| 7. Januar 2009 | Nein, das hat er nicht gesagt
„Zitate sind fehlerhaft wiedergegebene Worte eines anderen“: Diese Einschätzung des amerikanischen Schriftstellers Ambrose Bierce ist ein gutes Jahrhundert alt – und wird immer wieder bestätigt. Zuletzt beim Tod des Schauspielers Horst Tappert: Dessen Leibrolle war der Titelheld der in aller Welt beliebten Krimiserie Derrick. Sein berühmtester Ausspruch, mit dem Derrick/Tappert gerne zitiert wurde lautete: „Harry, hol' schon mal den Wagen.“ In Wirklichkeit – das können alle bezeugen, die sämtliche 281 Folgen der Serie gesehen haben – ist dieser Satz nie gefallen. |
| 6. Januar 2009 | Warum in Bischofshofen heute kein Vogel in der Luft ist
In Deutschland ist das Dreikönigsfest ein Feiertag. Leider gilt dies nur für Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und in Bayern. Auch in unserem tiefkatholischen Nachbarland Österreich braucht heute niemand zur Arbeit zu gehen. Eine Ausnahme bilden die Skispringer. Die Könige der Lüfte haben traditionell am 6. Januar die letzte Prüfung der Vierschanzentournee zu bestehen. Was in Oberstorf begann und sich in Garmisch und Innsbruck fortsetzte, findet einen würdigen Abschluss in Bischofshofen im Salzburger Land. |
| 5. Januar 2009 | Krise als Chance?
Das neue Jahr ist angebrochen, und ich hoffe, Sie sind gut rübergekommen. Doch wie wird es in den nächsten Monaten weitergehen? Folgt man den Prognosen der Wirtschaftsweisen und Finanzgurus, erwartet uns nichts Gutes. Von einer Krise ist die Rede, sogar von der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Nun, zuvor wurden uns auch goldene Zeiten vorhergesagt mit einem Leben in nie dagewesenem Wohlstand. |
| 23. Dezember 2008 | Ein harmonisches Weihnachtsfest
„Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.“ In seiner Einschätzung fand Joachim Ringelnatz, der große deutsche Dichter der Weimarer Republik, Unterstützung von zeitgemäßen Wissenschaftlern. Die wissen sogar, wie dem Problem weihnachtlichen Unfriedens zu begegnen ist: „Wenn Eheleute gemeinsam den Tannenbaum schmücken“, heißt es in der US-Fachzeitschrift Journal of Family and Psychology, „ist das ein Beweis für eine glückliche Ehe.“ |
| 22. Dezember 2008 | Herzlichen Glückwunsch, Helmut Schmidt!
Politiker genießen in unserer Gesellschaft nicht den besten Ruf. War es vor einigen Jahren noch die Politikverdrossenheit, die ihnen zu schaffen machte, ist mittlerweile eine Politikerverdrossenheit daraus geworden. Und das kurz vor einem Jahr, in dem in Deutschland 15 Urnengänge anstehen! Wo sind die Wurzeln der Volksvertreterabneigung zu suchen? |
| 19. Dezember 2008 | Der Film, der Road Movies populär machte
Heute vor 40 Jahren kam ein Film in die Kinos, der ein ganzes Genre prägte. Easy Rider ist ein so genanntes Road Movie, das an ständig wechselnden Orten spielt und dessen Hauptdarsteller sich fahrend fortbewegen. Dazu verwendeten Peter Fonda und Dennis Hopper – der gleichzeitig Regie führte – Auslaufmodelle der im Verschwinden begriffenen Motorradmarke Harley Davidson. |
| 18. Dezember 2008 | Ein Hit, der nicht Wahlkampfschlager werden durfte
Endlich wird ein Rockmusiker so alt, wie er schon seit Jahren aussieht: Keith Richards darf heute seinen 65. Geburtstag feiern. Als Rolling Stones-Gitarrist und – gemeinsam mit Sänger Mick Jagger – Liederschreiber und Produzent gehört er der vielleicht erfolgreichsten Rockband der Welt an. Zumindest als Komponist von Welthits wurde das Duo Richards/Jagger nur noch von den beiden Beatles John Lennon und Paul McCartney übertroffen. |
| 17. Dezember 2008 | Besitzen Sie noch Ihr Starterkit?
Heute vor 7 Jahren wurden in allen EU-Staaten, die zum 1. Januar 2002 den Euro einführten, so genannte Starterkits ausgegeben. Das waren zugeschweißte Plastikbeutel mit mehreren Exemplaren der neuen Münzen – von 1 Cent bis 2 Euro. |
| 15. Dezember 2008 | Befragung ohne Schnüffelei
Wie viele Menschen leben in Deutschland? 82,44 Millionen, sagt die Statistik von 2005. In Wirklichkeit, schätzt die Bundesregierung, dürften es 1,3 Millionen weniger sein, denn die vorliegenden Zahlen sind hoffnungslos überaltert. Gewissheit, sagt Wolfgang Schäuble, bringt nur eine neue Volkszählung. Für den Innenminister ist der geplante Zensus eine lohnende Investition, liefert er doch zuverlässige Daten zur Planung neuer Programme in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. |
| 16. Dezember 2008 | Vom Mundschenk zur Sommelière
Haben Sie von einer Person, die Sie nach deren Beruf fragten, schon einmal die Antwort erhalten: „Ich arbeite als Mundschenk“? Werden Sie auch nicht. Heute heißt die Fachkraft, die Sie über das Weinangebot eines Restaurants berät, Sommelier. So lautet die französische Übersetzung des mittelalterlichen Worts. Die weibliche Form der von der Industrie- und Handelskammer vergebenen Berufsbezeichnung ist übrigens Sommelière. |
| 12. Dezember 2008 | Jedem seine ganz eigene Lucia?
Morgen ist es wieder so weit: Dann wird in allen schwedischen Familien das Luciafest gefeiert. Und nicht nur in den Familien! Auch Betriebe, Büros, Schulklassen und Vereine wählen ihre ganz eigene Lucia. Das Mädchen – oder auch die Frau – im weißen Gewand, mit einem Lichterkranz im Haar und einer breiten roten Seidenschärpe um die Taille, serviert anschließend auf einem Tablett Kaffee, selbstgebackene Lussebulle und Pfefferkuchen. |
| 11. Dezember 2008 | Die jungfräuliche Schweiz
„Der Versuch der Schweiz, ewig neutral zu bleiben“, lästerte der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, „erinnert an eine Jungfrau, die in einem Bordell zwar Geld verdienen, dabei jedoch keusch bleiben will.“ Immerhin gehören die Schweizer seit 1963 dem Europarat und seit 2002 den Vereinten Nationen an. Zu einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union konnten sie sich bislang allerdings noch nicht aufraffen. |
| 10. Dezember 2008 | Tag der Menschenrechte
Heute vor 60 Jahren verabschiedeten die Vereinten Nationen die Erklärung der Menschenrechte. In aller Welt nutzen Menschenrechtsorganisationen den 10. Dezember, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Amnesty International etwa veranstaltet heute eine Lichteraktion am Brandenburger Tor in Berlin. |
| 8. Dezember 2008 | Armer Teufel, tasmanischer!
Das Echo auf den Tasmanischen Teufel ist geteilt. Die einen finden ihn putzig wegen seines schönen schwarzen Fells und seiner draufgängerischen Art. Andere fühlen sich von seinem nächtlichen Geheul und seinem Fressverhalten – vorzugsweise ernährt er sich von Aas, aus dem er gierig riesige Stücke reißt – abgestoßen. |
| 9. Dezember 2008 | Englands Nationaldichter
Wie heißt Englands Nationaldichter? Die Antwort auf diese Frage lautete nicht immer „William Shakespeare“. Ein anderer, gleichwohl jüngerer, hatte ihn lange Zeit von dieser Position verdrängt. Es war der Dichter und Bühnenautor John Milton, dessen Geburtstag sich heute zum 400. Mal jährt. |
| 5. Dezember 2008 | Ein Brauch findet seine Unschuld wieder
Als der schöne Schweizer Brauch des Klausjagens (siehe unseren Newsletter vom 5. Dezember 2007) erstmals schriftlich erwähnt – und damit historisch belegt – wurde, hatte er bereits seine Unschuld verloren. In Küssnacht beschwerten sich die Ratsherren in einem Protokoll über die Auswüchse des adventlichen Treibens. Die Umzüge des Samichlaus und dessen Schmutzlis (so heißen der Schweizer Nikolaus und seine Gehilfen) wurden immer lärmiger und erschreckten die braven Küssnachter Bürger zu Tode. |
| 4. Dezember 2008 | Treulose Tochter, verbitterter Vater
Kennen Sie die Schutzheilige der Bergleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Feuerwerker, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen? Nein? Dann helfe ich Ihnen noch ein wenig auf die Sprünge: Die Gesuchte zählt zu den vierzehn Nothelfern der katholischen Kirche und schützt auch vor Blitz und Donner, Feuergefahr, Fieber, Pest und plötzlichem Tod. Eine Menge Holz, das auf der heiligen Barbara lastet. |
| 3. Dezember 2008 | Vom Sorgenkind zum Menschen
„Am 3. Dezember“, berichten die gängigen Gedenktage-Verzeichnisse, „ist Internationaler Tag der Behinderten.“ Das Datum wurde, so heißt es weiter, von der World Health Organisation erstmals vor elf Jahren als Anlass genommen, um an die Probleme der Behinderten in unserer Gesellschaft zu erinnern. |
| 2. Dezember 2008 | Faule Äpfel und tote Hühner
„Mit der Kreativität haben selbst große Geister ihre Probleme“, weiß T.C. Boyle. Der US-Schriftsteller verzückte seine Leserschaft mit historischen Romanen wie Wassermusik (deren Held, der schottische Entdeckungsreisende Mungo Park, wirklich gelebt hat), Abgesängen auf die Hippie-Bewegung (Grün ist die Hoffnung, Drop City) oder auch dem Sanatoriumsdrama Willkommen in Wellville, eine Art amerikanischer Adaption von Thomas Manns Der Zauberberg. |
| 1. Dezember 2008 | Ein trauriges Jubiläum
Unsere Gesellschaft wird sich durch nichts mehr verändern als durch Aids: Diese Einschätzung der Mikrobiologin Helga Scherf ist richtig – und auch wieder nicht. 33 Millionen Menschen weltweit sind von HIV, also der Infizierung, und Aids, dem Ausbruch der tödlichen und bislang nicht heilbaren Krankheit, betroffen. |
| 28. November 2008 | Warum die Schweiz keine Hauptstadt hat
Wie heißt die Hauptstadt der Schweiz? Wenn Sie jetzt mit „Bern“ antworten, ist das nicht ganz richtig. Die Verfassung der Schweiz kennt nämlich keine Bundeshauptstadt. Es gab zwar mal eine, doch die hatte Napoleon der Schweiz aufgezwungen, nachdem er das Land erobert hatte. So kam es, dass das Städtchen Aarau gerade mal für fünf Monate diese zentrale Rolle übernehmen durfte. |
| 27. November 2008 | Nicht jeder Truthahn wandert heute in den Ofen
„Ein Wort, das von Herzen kommt“, sagt ein chinesisches Sprichwort, „macht dich drei Winter warm.“ Leider macht es nicht satt. Daher bedürfen die Dinge, die unseren Hunger stillen, eines besonderen Dankes. |
| 26. November 2008 | Ddraig Goch Ddyry Cychwyn
„Ddraig Goch Ddyry Cychwyn“: Ganz treue Leser unseres Newsletters können diese Zeile übersetzen. Sie erschien zuerst in der Ausgabe vom 12. Dezember 200514. November widmeten). |
| 25. November 2008 | Das Weihnachtspostamt in Engelskirchen
Was macht ein Ort, der in seinem Namen himmlische Bestandteile führt? Er richtet ein Weihnachtspostamt ein. Das ist zwar nicht Aufgabe der Gemeinde, sondern der Deutschen Post. Die aber hat ein Herz für Kinder und in Himmelstadt/Bayern, Himmelpfort/Brandenburg wie auch in Himmelpforten/Niedersachsen entsprechende Filialen eingerichtet. |
| 24. November 2008 | Wie man Freunde gewinnt
Von Dale Carnegie stammt der Ausspruch: „Für jeden Menschen ist sein Name das schönste und wichtigste Wort in seinem Sprachschatz&ndquo;. Er stammt aus seinem erfolgreichsten Buch Wie man Freunde gewinnt und Menschen beeinflusst. Jetzt möchten sie vermutlich noch eine Kurzanleitung, wie Ihnen letzteres erfolgreich gelingt. Bitte schön: „Es gibt auf der ganzen Welt nur eine einzige Methode, um andere Menschen zu beeinflussen&ndquo;, sagt Carnegie: „mit ihnen über das zu sprechen, was sie haben möchten, und ihnen zu zeigen, wie sie es bekommen können&ndquo;. |
| 21. November 2008 | Pro und contra Weihnachtsmärkte
„Auf dieser Seite finden Sie bemerkenswerte Weihnachtsmärkte, die durch Rekordversuche und amtliche Rekorde auf sich aufmerksam mache&lnquo;: So lautet die Selbstdarstellung des kommerziellen Internetportals www.weihnachtsmarkt-deutschland.de. Der (bei Redaktionsschluss) 31. und jüngste Eintrag lautet:1000 Kinder verzehren 1000 Lebkuchen in 1000 Sekunden. |
| 20. November 2008 | Erst verkannt, dann gefeiert
Schenken heißt, einem anderen das geben, was man selber behalten möchte. Selma Lagerlöf, von der dieser Spruch stammt, wurde in ihrem Leben nichts geschenkt. Ihre Eltern verloren während einer Wirtschaftskrise den Hof, auf dem sie vor genau 150 Jahren geboren und aufgewachsen war. Sie ging nach Stockholm, dann ins südschwedische Landskrona, wo sie als Lehrerin arbeitete. Nebenbei tat sie das, was sie ihrer Meinung nach am besten konnte: Schreiben. |
| 19. November 2008 | Kein sauberes Wasser
Heute ist Welttoilettentag. Vor sechs Jahren wurde er erstmals ausgerufen, von der Welttoilettenorganisation. Der Hintergrund ist ein sehr ernster: 42 Prozent der Menschheit – zwei von fünf Erdenbürgern! – haben keinen Zugang zu sauberen Sanitäreinrichtungen. So entstehen Krankheiten, so verbreiten sich Seuchen blitzschnell. |
| 18. November 2008 | Es grüßt der Elch
Vor einer Woche bereits wurde das Frankfurter Caricatura-Museum an dieser Stelle kurz erwähnt. Das junge Projekt – es wurde erst Anfang Oktober ins Leben gerufen – verdient aber eine ausführlichere Würdigung. |
| 17. November 2008 | Aufstieg zur Weltmacht
Heute geht es in unserem Newsletter gleich noch einmal um England. Anlass gibt die Namensvorgängerin der aktuellen Regentin: Vor 450 Jahren, am 17. November 1558, bestieg Elisabeth I. den Thron. Zu Beginn sah es nicht nach einer 45-jährigen königlichen Karriere aus. Daheim stritten sich Katholiken und Protestanten, Frankreich hatte gerade Calais von England zurückerobert, und im Staatssäckel herrschte Ebbe. |
| 14. November 2008 | Als Prinz alt werden
Es ist schon ein hartes Schicksal, immer nur Prinz zu sein. Aber es gibt noch härtere für britische Monarchen, doch dazu später. Seit dem 2. Juni 1953 regiert Elisabeth II. England und – in Personalunion – Großbritannien. Das macht die Königin aus dem Hause Windsor anscheinend sehr gut. Jedenfalls sind auch in ihrem mittlerweile 82. Lebensjahr keine Rufe zu vernehmen, sie solle zugunsten ihres Sohnes abdanken. |
| 13. November 2008 | Blaue Pferde, verwirrende Linien
„Die königliche Buch- und Kunsthandlung Littauer“, berichtete Oskar Maria Graf in seiner Autobiographie Gelächter von außen über seine Stadt München, „befand sich am Odeonsplatz, am Anfang der Ludwigstraße, und dort kaufte von der königlichen Familie abwärts der ganze bayrische Adel seine Jagd- und Genrebilder ...“. |
| 12. November 2008 | Nashörner, Möpse und ein vierbeiniger Hitparadenstürmer
Geboren wurde er heute vor 85 Jahren als Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow. Bekannter ist er unter seinem Spitznamen: Der entspricht der französischen Bezeichnung des Wappentiers seiner Familie. Seit 1950 zeichnete er Reinhold das Nashorn, diverse Möpse und andere Skurrilitäten aus dem Tierreich sowie bald auch seine unverwechselbaren Knollennasen für den Stern, später für eine weitere Illustrierte, die Quick. Ende der Sechziger Jahre kam eine Fernsehserie in der ARD hinzu: Für Cartoon erhielt der Künstler den Grimme-Preis und die Goldene Kamera. |
| 11. November 2008 | Der Ameisenbär-Skilehrer
Herr Sondermann ist ein einfacher Angestellter irgendwo in einem Büro. Da er mit einer besonders reichen Phantasie ausgestattet ist und diese auch bewusst auslebt, kommt es zu skurrilen und witzigen, manchmal auch bizarren und aberwitzigen Szenen. Ein Beispiel gefällig? |
| 10. November 2008 | Tag der Männlichkeit?
In einer dpa-Meldung von Freitag wird (mal wieder) ein Trend zu neuer Männlichkeit heraufbeschwört. Pünktlich zu dem neuen James Bond wird festgestellt: „Softies sind out, echte Kerle wieder in“. So ganz passt dazu nicht, dass immer mehr Väter Elterngeld beantragen. „Der Spagat zwischen den unterschiedlichen Anforderungen wird für die Männer immer schwieriger – ein Problem, das Frauen schon lange kennen.“ so der Artikel weiter. |
| 7. November 2008 | Heute kein Fragezeichen
Zum ersten Mal in dieser Woche beginnt unser Newsletter nicht mit einer Frage, sondern mit einer Antwort. Sie wurde vor 90 Jahren in Bayern gegeben und hieß: Revolution! Im November 1918 gab es noch richtige Umwälzungen im weiß-blauen Voralpenland – nicht zu vergleichen mit einer Landtagswahl wie der jüngsten, bei der eine Partei ihre absolute Mehrheit verliert, was von der Journaille gleich als politischer Erdrutsch gefeiert wird. |
| 6. November 2008 | Die Welt als Ganzes begreifen?
„Mich erstaunen Menschen, die das Universum begreifen wollen, wo es doch schon schwierig genug ist, sich in Chinatown zurechtzufinden“, meinte einmal der Spaßvogel Woody Allen – und erklärte damit ganz nebenbei die Systemtheorie. |
| 5. November 2008 | Nur ein Penny für den Guy?
Heute feiern die Briten den Guy Fawkes Day: Am 5. November 1605 versuchte eine Gruppe religiöser Fanatiker um den Katholiken Guy Fawkes, das Parlament von Westminster in die Luft zu jagen (siehe dazu unseren Newsletter vom 7. November 2005). |
| 4. November 2008 | Ein schwarzer Kennedy?
Heute wird in den Vereinigten Staaten ein neuer Präsident gewählt. Klarer Favorit auf das höchste US-Amt ist jemand, über den der Amerikakorrespondent des Nachrichtenmagazins Der Spiegel Anfang des Jahres schrieb: Er hat keine Chance. |
| 3. November 2008 | Guter Rat vom Reformator
Heute vor 525 Jahren wurde Martin Luther geboren. Da Glaubensfragen als Small Talk-Thema nicht unbedingt geeignet ist, widmen wir uns daher lieber der säkularen Seite des großen Reformators. Denn Luther hatte nicht nur für die Anhänger seiner religiösen Überzeugung gute Ratschläge parat. |
| 31. Oktober 2008 | Wie viel ist eine Million?
Nackte Zahlen sagen meist wenig aus. Wenn Sie sich beispielsweise eine Million Sandkörner vorstellen sollen, können Sie mit dieser Aufgabe wenig anfangen. Warum sollten Sie auch? Vermutlich ist es Ihnen eh' egal, ob sie in einen Eimer, einen Kochtopf oder eine Kaffeetasse passen, weil sie mit dem Zeug ohnehin nichts anfangen können. Wie aber verhält es sich – diese Frage drängt sich am heutigen Weltspartag auf – mit Geld, etwa in der Größenordnung von einer Million Euro? |
| 30. Oktober 2008 | Wer morgen arbeitet und wer nicht
Morgen und übermorgen gibt es wieder allerhand zu feiern und zu gedenken. Was ersteres angeht, sind die Evangelischen eindeutig im Vorteil – wenn sie in den neuen Bundesländern wohnen: In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen geht am Reformationstag (siehe dazu unsereren Newsletter vom 31. November 2005) kein Arbeitnehmer ins Büro oder an die Werkbank. |
| 29. Oktober 2008 | Ein sinnloser Befehl
Der erste Weltkrieg war für das Deutsche Reich so gut wie verloren: Nachdem die Oberste Heeresleitung offen zugegeben hatte, dass militärisch gar nichts mehr ging, ersuchte die Reichsregierung die Amerikaner um einen Waffenstillstand. Das geschah bereits am 4. Oktober 1918. Als am Ende des Monats immer noch gekämpft wurde und viele Soldaten völlig sinnlos ihr Leben auf den Schlachtfeldern ließen, kam Unruhe besonders in den unteren Diensträngen auf. Die verstärkte sich, als Matrosen der Hochseeflotte zu einem Einsatz gegen die Briten befohlen wurden. |
| 28. Oktober 2008 | Ein Staat, der nicht lange existierte
Heute ist in unserem Nachbarland Nationalfeiertag: Die Tschechen gedenken der Gründung eines Staates, der längst nicht mehr existiert – obwohl er erst am 28. Oktober 1918 aus der Taufe gehoben wurde. |
| 27. Oktober 2008 | Der Namenspatron des Teddybären
Heute ist der 150. Geburtstag von Theodore Roosevelt. Sein Porträt hat der Bildhauer Gutzon Borglum - gemeinsam mit den Konterfeis seiner Amtskollegen George Washington, Thomas Jefferson und Abraham Lincoln - in den Fels des Mount Rushmore im US-Bundesstaat Wyoming gemeißelt (siehe auch unseren Newsletter vom 31. Oktober 2006). |
| 24. Oktober 2008 | Ein ehemals kostenloses Gut
Heute ist der Tag der Bibliotheken. Das Datum erinnert an den 24. Oktober 1828, als Karl Benjamin Preusker im sächsischen Großenhain eine Schulbibliothek für Lehrer und Schüler einrichtete. Die wurde vier Jahre später zur ersten deutschen Stadtbibliothek erweitert und durfte von allen Bürgern unentgeltlich benutzt werden. Ähnlich gut wie die Großenhainer hatten es bis vor einiger Zeit die Bonner: |
| 23. Oktober 2008 | Schöne neue Inselwelt
Vor drei Tagen berichteten wir von einer neuen Buchreihe über unsere Nachbarländer. Wer nicht bis zum Frühling warten will, um etwas über die Briten zu erfahren, dem sei die Lektüre von Ralf Sotschecks Nichts gegen Engländer ans Herz gelegt. |
| 22. Oktober 2008 | Die beste Anti-Stotter-Strategie
Der britische Premierminister Winston Churchill bekämpfte sein Stottern, indem er vor jeder Ansprache summte. So brachte er seine Stimmbänder zum reibungslosen Vibrieren. Churchills Labour-Kontrahent Aneurin Bevan versuchte seine Sprachbehinderung durch einen besonders reichen Wortschatz zu überspielen. Marilyn Monroes Anti-Stotter-Strategie wirkte sogar reichlich sexy: |
| 21. Oktober 2008 | Stifter mit schlechtem Gewissen
Die Nobelpreise für dieses Jahr sind zwar bereits vergeben; verliehen werden sie jedoch erst am 10. Dezember. Das geschieht traditionell am Todestag des Stifters, des schwedischen Chemikers und Fabrikanten Alfred Nobel. |
| 20. Oktober 2008 | Wie gut kennen Sie Ihre Nachbarn?
Wie gut kennen wir unsere Nachbarn? Diese Frage stellten sich Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Ex-Präsident Richard von Weizsäcker. Vermutlich ist die Antwort nicht allzu positiv ausgefallen; und es könnte sein, dass sich die Beiden auch an das ein oder andere Versäumnis aus ihrer Amtszeit erinnert haben. |
| 17. Oktober 2008 | Keine Schande, aber dennoch kaum zu ertragen
„Bloß eine Klasse der Gesellschaft denkt mehr über das Geld nach als der Reiche“, fand der irische Spötter Oscar Wilde mit ungewöhnlichem Ernst, „und das ist der Arme. Der Arme kann sonst nichts denken. Und dies ist das Elend der Armen.“ Der heutige Tag ist ihnen gewidmet, denn die UNO hat den 17. Oktober weltweit zur Beseitigung der Armut ausgerufen. |
| 16. Oktober 2008 | Jenseits zweier Buchdeckel
Auf der Buchmesse, das ließ unsere vorgestrige Ausgabe bereits durchblicken, geht es längst nicht mehr nur um Bücher. Doch existiert aller Schwarzmalerei der Puristen zum Trotz immer noch eine Welt jenseits der digitalen. |
| 15. Oktober 2008 | Kritik an unserer Überflussgesellschaft
Es gibt zwei Arten von Wirtschaftsgurus, sagt ein Experte, der heute 100 Jahre alt geworden wäre: diejenigen, die nichts wissen, und die, die noch nicht einmal wissen, dass sie nichts wissen. Sich selbst schloss John Kenneth Galbraith von dieser Klassifizierung selbstverständlich aus. |
| 14. Oktober 2008 | Von der improvisierten Bücherschau zum Medienereignis
Morgen öffnet die Messe in Frankfurt ihre Pforten. Es ist das 60. Jubiläum des größten Medienereignisses um die Welt zwischen zwei Buchdeckeln. Noch immer waren in der Mainmetropole nicht sämtliche Trümmer beseitigt, die ihr der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, als sich im Herbst 1949 die Deutschen ihres alten Ehrentitels als Volk des Buches entsannen. |
| 13. Oktober 2008 | Wenn einer die Arbeit von vieren macht
Heute vor 60 Jahren stellte der Bergmann Adolf Hennecke einen etwas merkwürdigen Rekord auf: Er (über)erfüllte die durchschnittliche Tagesnorm um 387 Prozent. Nun war diese Aktion gut vorbereitet: Hennecke durfte an jenem 13. Oktober 1948 an einer Stelle abbauen, an der sich die Kohle besonders leicht schürfen ließ. Auch hatte er vorher mehr als ausreichend gefrühstückt, sodass während der Schicht keine weitere Nahrungsaufnahme notwendig war. |
| 10. Oktober 2008 | Was Ihr Chef nicht wissen muss ...
Heute möchte ich ein wenig Werbung in eigener Sache betreiben. Ich habe nämlich ein Buch geschrieben. Es heißt „Was Ihr Chef nicht wissen muss ...“; und wäre auf dem quietschgrünen Cover noch ein wenig mehr Platz gewesen, hätten noch die beiden Wörtchen „... aber Sie!“ hinzugefügt werden können – denn je mehr Arbeit einer Führungskraft von seiner rechten Hand abgenommen wird, desto besser kann sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Oder, wie es der Chirurg Ferdinand Sauerbruch ausgedrückt hat: „Eine gute Sekretärin ist der beste Schutz gegen die Managerkrankheit.“ |
| 9. Oktober 2008 | Keine Tränen bei der Beerdigung
„Ich will, dass man lacht, ich will, dass man tanzt, ich will, dass alle sich wie verrückt amüsieren, ich will, dass man lacht, ich will, dass man tanzt, wenn es so weit ist und man mich ins dunkle Loch legt.“ So unsentimental besang Jacques Brel sein eigenes Sterben in dem Chanson Le moribond (Der Todgeweihte). US-Sonnyboy Terry Jacks machte daraus eine total verkitschte Version – und landete mit Seasons in the Sun 1974 einen Welthit. |
| 8. Oktober 2008 | Das Schweigen eines Dummkopfes
„Es gibt nicht Schöneres“, sagte der Wiener Kabarettist und Schauspieler Helmut Qualtinger, „als dem Schweigen eines Dummkopfes zu lauschen.“ Als Künstler durfte sich Qualtinger, der heute übrigens 80 Jahre alt geworden wäre, eine solche Meinung erlauben – beim Small Talk hätte er wohl keine Chance gehabt. |
| 7. Oktober 2008 | Keine lahme Ente
Das Volksauto der frühen Bundesrepublik war der VW Käfer, das der DDR der Trabant. Auch die Franzosen entwickelten ein preiswertes, unverwüstliches Modell nicht nur für Jedermann: Linke Studenten und emanzipierte Frauen fuhren gerne das Fabrikat der Firma Citroën und verpassten dem entenähnlichen Gefährt das Image eines Nonkonformisten-Autos. |
| 6. Oktober 2008 | Moderne Windmühlen
Sie war die größte ihrer Art weltweit, doch nur vier Jahre lang in Betrieb – und selbst in dieser kurzen Zeitspanne stand sie die meiste Zeit still. Die Rede ist von der Großen Windanlage, kurz Growian genannt. Sie wurde heute vor 25 Jahren in Betrieb genommen. Der Riesenpropeller mit seinen damals nur zwei Rotorblättern, jeweils mit 100 Metern Durchmesser, ragte aus der flachen Dithmarscher Landschaft in Deutschlands Hohem Norden heraus. |
| 2. Oktober 2008 | Die Erfindung des Fernsehers
„Früher“, sagte der österreichische Entertainer Rainhard Fendrich, „wollten die Leute in den Himmel, heute wollen sie ins Fernsehen.“ Irrtum, Rainhard! Früher wollten die Leute in den Himmel fernsehen. Zumindest diejenigen, denen der Brillenmacher Hans Lipperhey vor genau 400 Jahren seine neueste Erfindung vorstellte: ein Instrument zum Sehen in die Ferne. |
| 1. Oktober 2008 | Dem Alter gehört die Zukunft
„Da die Menschen weltweit immer länger leben, muss die gesamte Menschheit daran interessiert sein, den Prozess des Alterns so produktiv, aktiv und gesund wie möglich zu gestalten“. Das sagte der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan. |
| 30. September 2008 | Der Patron der Übersetzer
Heute ist der Namenstag des Hieronymus. Vom Papst erhielt der ebenso fromme wie sprachbegabte Gelehrte anno 382 den Auftrag, die Bibel neu zu übersetzen. Das machte er so gut, dass er zum Schutzpatron der Dolmetscher avancierte. Daher ist der 30. September auch der Internationale Tag des Übersetzens, und damit sind nicht die Fährleute dieser Welt gemeint. |
| 29. September 2008 | Kein Schiff verloren, aber den Admiral
Als es noch keine Flugzeuge gab, konnte Großbritannien nur auf dem Seeweg angegriffen werden. Dazu musste man aber erst die britische Flotte besiegen. Auf dem besten Weg dazu waren Napoleon Bonaparte und sein Admiral Pierre Charles de Villeneuve. |
| 26. September 2008 | Vielfalt der Sprachen
Jedes Jahr am 26. September wird der Europäische Tag der Sprachen begangen. Er geht auf eine Initiative des Europarates zurück. Ziel des Aktionstages ist es, zur Wertschätzung von Kulturen und deren Sprachen beizutragen und den Menschen die Vorteile von Sprachkenntnissen bewusst zu machen. Es gibt 200 europäische Sprachen, die auf der ganzen Welt existieren, so eine Schätzung, zwischen 2500 und 10000 Sprachen. |
| 25. September 2008 | Eine vorübergehende Erscheinung mit vielen PS
„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Das soll Kaiser Wilhelm II. gesagt haben – und sein Urteil würde sich nahtlos einreihen in die Vielzahl von Fehleinschätzungen, die sich der Regent während seiner drei Jahrzehnte währenden Herrschaft leistete. Vielleicht wäre es besser gewesen, er hätte damals bereits eingesehen, dass auch die Monarchie eine vorübergehende Erscheinung ist. Allenfalls bei den Denkmälern sind die Pferde gegenüber den Autos noch im Vorteil. Doch das liegt wohl eher an den Reitern, die sie tragen. |
| 24. September 2008 | Der Streit um das Kopftuch
Erinnern Sie sich noch an Fereshta Ludin? Sie stand im Zentrum des Kopftuchstreits, in dem das Bundesverfassungsgericht heute vor fünf Jahren ein Urteil fällte. Die Vorgeschichte: Fereshta Ludin, einer deutschen Lehrerin afghanischer Herkunft, wurde vom Land Baden-Württemberg die Einstellung in den Schuldienst verweigert, da sie beim Unterricht aus religiösen Gründen nicht auf das Tragen eines Kopftuchs verzichten wollte. |
| 23. September 2008 | Die guten und die schlechten Seiten des Herbstes
„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“ So beschrieb der Dichter Rainer Maria Rilke die Jahreszeit, die heute beginnt. |
| 22. September 2008 | Mit dem Rad zur Arbeit?
Müssen Kinder in der Garage bleiben, damit Autos draußen spielen können? Am 22. September soll es umgekehrt sein: Der autofreie Tag ist ein Aktionstag, der von Umweltverbänden, aber auch von Kirchen unterstützt und jedes Jahr begangen wird. „Das Automobil“, erkannte schon in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts der frühere BMW-Chef Eberhard von Kuenheim, „ist so erfolgreich, dass es nur einen wirklichen Feind hat: sich selbst. Seine massenhafte Verbreitung ist eine Herausforderung an die Zukunft des Straßenverkehrs.“ |
| 19. September 2008 | Keine Feier bei McDonald's
Wolfram Siebeck schreibt gelegentlich Kochbücher und regelmäßig Kolumnen für die Wochenzeitung Die Zeit. Beides hat laut eigener Aussage nur ein Ziel: Die Leser sollen begreifen, dass Essen und Trinken von höchster Qualität sein müssen. Ursprünglich Gastronomiekritiker, wird Siebeck inzwischen als Küchen- und Gourmetpapst tituliert, als „Deutschlands feinste Zunge“ geschätzt und als „Vorkoster der Nation“ gefeiert. |
| 17. September 2008 | Schulden machen leicht gemacht
Am 17. September 1978 führten die Sparkassen den Dispokredit ein. Drei Jahrzehnte später zählt der Verein Creditreform bundesweit 7,3 Millionen überschuldete Einwohner: |
| 18. September 2008 | Das legendäre schwarze Notizbuch
Pablo Picasso kritzelte gern darin herum. Ernest Hemingway gefiel die handliche Form ohne jeden Schnickschnack: Heute geht es um Moleskine-Notizbücher |
| 16. September 2008 | Investor gegen Industriekapitän
Das Rad war die größte Erfindung des Menschen – bis er sich dahinter setzte. Einen Teil der Erfolgsgeschichte des Automobils schrieb der US-Konzern General Motors, der heute vor 100 Jahren in Detroit gegründet wurde. Doch nicht durch gute Autos, eher durch spektakuläre Geschäfte machte der Emporkömmling von sich reden: So dauerte es nicht lange, bis das Kapital des Unternehmens – vor allem durch Aktiengeschäfte – so stark angewachsen war, dass selbst die größten Konkurrenten geschluckt werden konnten: Buick, Pontiac, Oldsmobile, später auch Cadillac und Chevrolet. |
| 15. September 2008 | Vater und Sohn in einer Mannschaft
Von Island war in diesem Newsletter bislang nicht die Rede, von zwei Erwähnungen als Mitglied der Schengen-Zone (Ausgabe vom 20. Dezember 2007) und als korruptionsresistentestes Land der Erde (Ausgabe vom 21. Oktober 2005) einmal abgesehen. Bei der Sportbegeisterung des 300 000-Einwohner-Völkchens wundert es nicht, dass es die Insel jetzt ausgerechnet über den Umweg eines Balltreters geschafft hat. Eigentlich hätte es ein Handballer sein müssen, denn das ist die mit Abstand erfolgreichste Sportart des kleinen Nordatlantikstaates. |
| 12. September 2008 | Der Beinahe-Untergang des christlichen Abendlandes
484 Meter ist er hoch, gehört zum Wienerwald und ist ein beliebtes Ausflugsziel der österreichischen Hauptstädter. Doch er ist auch eine Art Wahrzeichen des christlichen Abendlandes. Das wurde heute vor 325 Jahren in der Schlacht am Kahlenberg vor dem Untergang bewahrt. Nie wieder sollte ein türkisches Heer versuchen, Wien zu erobern. Dabei hätte die Belagerung durch den Großwesir Kara Mustafa fast zum Erfolg geführt. |
| 11. September 2008 | Eine seltsame Methode, Elche zu jagen
Etwas größer als eine Ziege, aber ähnlich im Aussehen, mit stumpfen Hörnern und steifen Beinen – und wenn er müde ist, lehnt er sich zum Schlafen an einen Baum: Wen hat der römische Imperator und Feldherr Gaius Julius Caesar da wohl beschrieben? Ich gebe Ihnen noch einen Hinweis: „Wenn sich die Tiere nach ihrer Gewohnheit daran lehnen, bringen sie mit ihrem Gewicht die ihres Haltes beraubten Bäume zu Fall und stürzen zusammen mit ihnen um.“ |
| 10. September 2008 | Small Talk mit Karl Lagerfeld
„Wer auf meiner Party über Kinder oder das Wetter redet“, droht Karl Lagerfeld, „wird nicht mehr eingeladen.“ Dabei hat der aus Düsseldorf stammende und in Paris reüssierende Modeschöpfer nichts gegen Small Talk. Im Gegenteil: Er weiß genau, dass sich damit auch in seinem Geschäftsbereich alle möglichen Türen öffnen lassen – und beherrscht ihn meisterhaft. |
| 9. September 2008 | Premiere im Weißen Haus
1893 war ein turbulentes Jahr für die Vereinigten Staaten und ihren frisch ins Amt eingeführten Präsidenten Grover Cleveland. Durch den Zusammenbruch des britischen Bankhauses Baring Brothers – es ist dasselbe Bankhaus, das der Finanzjongleur Nick Leeson unter dem leicht veränderten Namen Barings Bank ein Jahrhundert später erneut ruinieren sollte – kommt es zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion: |
| 8. September 2008 | Was ist Bildung?
Die meisten empfangen sie, viele geben sie weiter, doch die wenigsten haben sie: Was ist das? Der österreichische Publizist Karl Kraus meinte, dabei handele es sich um einen klassischen Fall von Bildung. Sein Wiener Schriftstellerkollege Alfred Polgar pflichtete ihm bei und gestand, dass seine Bildung zum größten Teil aus Lücken bestand. Etwas positiver sah der Schauspieler Peter Ustinov die Sache: |
| 5. September 2008 | Zehn Jahre Google
„QWERTYUIOP. Oder so ähnlich“: So lautete nach Angaben Ihres Erfinders die erste E-Mail. 1971 wurde sie verschickt, und Ihr Absender, der US-Computerwissenschaftler Ray Tomlinson, erfand ganz nebenbei auch das @-Zeichen. Doch sollten zwei weitere Jahrzehnte ins Land ziehen, ehe das Internet salonfähig wurde. Erst 1991 stellte der britische Physiker Tim Berners-Lee seine Kreation, das World-Wide Web (WWW), am Genfer Kernforschungszentrum CERN vor. |
| 4. September 2008 | Warum sollte man Fliegen töten?
Anlässlich des Newsletters von vorgestern – es ging um die Weltmeisterschaft im Fliegentöten in Finnisch-Lappland – erhielt ich Leserpost aus Stuttgart. Darin wurde die Frage aufgeworfen, was uns denn eine Fliege zuleide tue und ob das Fliegentöten – außer vielleicht in malaria- oder mückengeplagten Gebieten – überhaupt gerechtfertigt sei. |
| 3. September 2008 | Schimmel im Labor
Manchmal ist es der Zufall, der einem Forscher zu einer bahnbrechenden Entdeckung verhilft. So widerfuhr es dem Mediziner Alexander Fleming: Im Londoner St. Mary's Hospital hatte der Schotte bei einer Forschungsarbeit eine Schale mit infektionsverursachenden Staphylokokken schlicht irgendwo vergessen. Als er sie nach Wochen wiederfand, war die Kultur von Schimmel befallen. Bevor Fleming die Schale in den Müll kippte, warf er einen zweiten Blick auf sie – und sah Erstaunliches: |
| 2. September 2008 | Gutes Auge, schnelle Reaktion und ein Uralt-Weltrekord
„Naht die Bedrohung von vorne, heben die Fliegen mit einem Sprung nach hinten ab, droht dagegen Gefahr von hinten, springen sie nach vorne weg. Seitlichen Angriffen entgehen sie mit dem Start nach der jeweils anderen Seite.“ Die alles geschieht binnen 200 Millisekunden, schreibt Matthias Hopfmüller in seinem Artikel „Blitz-Merker“ im Wissenschaftsteil der Süddeutschen Zeitung – und beantwortet die im Untertitel des Beitrags aufgeworfene Frage: „Warum es so schwer ist, Fliegen mit der Hand zu erschlagen“. |
| 1. September 2008 | Und wieder heißt es Schottland gegen England
Der größte Feind des Eichhörnchens ist – das Eichhörnchen. Zumindest was die Population auf der britischen Insel betrifft: Dort waren ursprünglich nur rote Eichhörnchen heimisch, bis ihnen ihr Platz von grauen, per Schiff aus Amerika eingewanderten Vettern streitig gemacht wurde. (Wir berichteten über dieses Phänomen in unserem Newsletter vom 19. September 2006). |
| 29. August 2008 | Vorhersagen, die stets in Erfüllung gehen
Ein Meinungsforschungsinstitut sollte nicht nur Statistiken abliefern, mittels derer sich verschiedene Tatbestände belegen lassen. Es muss auch in der Lage sein, Vorhersagen zu treffen, die sich auch als Fehlprognose gut verkaufen lassen. Vorbild war das in der griechischen Antike berühmte Delphische Orakel. Dessen Rat zogen alle Machthaber ein, die vor einer wichtigen Entscheidung standen. |
| 28. August 2008 | Sachbeschädigung? Oder doch Kunst?
Im Frühjahr 1980 wurde in Zürich ein autonomes Jugendzentrum eröffnet – und ein halbes Jahr später von den Behörden gegen den erbitterten Widerstand seiner Nutzer gewaltsam geschlossen. Daraufhin kam es in der größten Stadt der Schweiz zu tagelangen Krawallen, auf die Hunderte von Festnahmen folgten. Gesucht von der Zürcher Polizei wurde auch ein Unbekannter, der über den Zeitraum von drei Jahren 600 Strichmännchen an die Betonfassaden der vielen Hochhäuser gesprüht hatte. |
| 27. August 2008 | Warnung vor dem Bären!
Unlängst wurden in Rumänien drei deutsche Urlauber nachts von einem Braunbären heimgesucht. Einer von ihnen trug dabei schwere, zum Glück aber nicht lebensgefährliche Verletzungen davon. Das Trio hatte einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel online zufolge im Bucegi-Massiv gezeltet, einem Teil der Südkarpaten, der bevorzugt von Bären besiedelt wird. |
| 26. August 2008 | Papst für 33 Tage
Heute vor 30 Jahren, am 26. August 1978, wurde der italienische Kardinal Albino Luciani nach ungewöhnlich kurzer Beratungszeit von nur einem Tag zum Papst gewählt. Nach seinen beiden Vorgängern Johannes XXIII. und dem kürzlich verstorbenen Paul VI. legte er sich den Namen Johannes Paul I. zu. Es sollte einer der kürzesten Amtszeiten der römisch-katholischen Kirchengeschichte werden: 34 Tage später wurde der neue Papst tot in seinem Bett gefunden. |
| 25. August 2008 | Gestolpert über eine Tänzerin
Er regierte zu einer Zeit, als die Pfalz noch zu Bayern gehörte. Ursprünglich liberal gesinnt, hob er nach seiner Thronbesteigung 1818 in seinem Königreich die Pressezensur auf. Später führte er sie wieder ein, als es auf dem Hambacher Schloss (siehe unseren Newsletter vom 30. Mai 2007) zu einer antimonarchistischen Kundgebung kam. In guter Erinnerung geblieben ist die rege Bautätigkeit unter seiner Ägide: Von der zeugen in der Hauptstadt München bis heute Siegestor und Staatsbibliothek, Universität und Feldherrnhalle, die Alte und Neue Pinakothek, die Ruhmeshalle und die Bavaria-Statue auf der Theresienwiese. |
| 22. August 2008 | Bei uns verschwendet, andernorts dringend benötigt
Jeder sechste Mensch auf der Erde – so die UNESCO – hat nicht einmal sauberes Wasser zum Trinken. Jeden Tag, ergänzt das Hilfswerk Unicef, müssen 5000 Kinder sterben, weil ihnen nur verschmutztes Wasser zur Verfügung steht. Beide Organisationen mahnen im UN-Jahr der sanitären Grundversorgung – und aktuell während der in Stockholm heute zu Ende gehenden Weltwasserwoche – dringend an, den Zugang zu sauberem Wasser vor allem in den Vororten der Drittweltmetropolen und in den zahlreichen Krisengebieten mit ihren Flüchtlingslagern zu verbessern. |
| 21. August 2008 | Überwintern mit Bier
Heute vor 40 Jahren endete der Versuch, in der kommunistischen Tschechoslowakei eine „sozialistische Marktwirtschaft“ mit Pressefreiheit, Streikrecht und der Duldung Andersdenkender einzuführen (siehe unseren Newsletter vom 13. Mai). Am 21. August 1968 besetzten sowjetische Panzer das Land einschließlich der Hauptstadt, in der alles begonnen hatte. Auf den Prager Frühling folgte ein jahrzehntelanger Winter. Der bedeutete auch das Karriereende des hoffnungsvollen Reformers Alexander Dubcek, der in der zynisch als „Normalisierung“ bezeichneten Phase politischer Unterdrückung als Waldarbeiter endete. |
| 20. August 2008 | Die Kunst, mit Zahlen zu lügen
„Ach, die Statistiken!“, schrieb unsere Leserin Maria Glock aus New York (erinnern Sie sich an die Ausgabe „Wie lebt es sich im Exil?“ vom 18. Dezember 2007?) anlässlich des Newsletters letzte Woche zu Kälte- und Hitzetoten. „Ich kann nur sagen, dass mir die Hitze jedes Jahr schlechter bekommt. Muss im Haus bleiben, das wird auch allen Senioren geraten. Vor allem keine Gartenarbeit in der Hitze, joggen und anderer Unsinn für alte Menschen. Heiße Grüße.“ |
| 19. August 2008 | Die Erfinderin des Kleinen Schwarzen
Was verbirgt sich hinter dem „Kleinen Schwarzen“? Ganz strenge Vorgaben gibt es für dieses Kleidungsstück nicht, schreiben die Stil-Experten des Informationsdienstes 'Der große Knigge'. Doch einige wenige Richtlinien sollten schon erfüllt werden: |
| 18. August 2008 | Ein tragisches Zusammentreffen
Er wurde heute vor 100 Jahren in Nordirland geboren, spielte für den schottischen Spitzenklub Rangers FC in Glasgow und hieß Sam English. In der Saison 1931/32 stellte er mit 44 Toren einen neuen Vereinsrekord auf: Nie wieder sollte ein Fußballspieler so häufig für die Blauhemden treffen. Doch das war's auch schon mit den positiven Meldungen über Sam English. In derselben Saison widerfuhr ihm ein Missgeschick, das ihn sein ganzes Leben lang nachhängen sollte: |
| 15. August 2008 | Ein weltlicher und kirchlicher Feiertag
Aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird nicht entgangen sein, dass in diesem Newsletter das kleine Land Liechtenstein überproportional häufig erwähnt wird, noch dazu, im Gegensatz zu den meisten anderen Medien, fast ausnahmslos mit positiven Schlagzeilen. Der heutige Anlass zur Berichterstattung ist der Nationalfeiertag am 15. August. Vermutlich wählte man das Datum, weil an diesem Tag eh' frei ist (Mariä Himmelfahrt) und die Volkswirtschaft durch die Koinzidenz von weltlichem und kirchlichem Feiertag keine zusätzlichen Verdiensteinbußen hinnehmen musste. |
| 14. August 2008 | Wenn das Müesli nicht mehr schmeckt
Wenn ein Unternehmen gegründet wird, heißt das auf Neudeutsch Start-up. Wenn ein solches Unternehmen in den ersten zwölf Monaten sehr erfolgreich ist, wird es als Start-up des Jahres ausgezeichnet. Das passierte dem Passauer Online-Anbieter mymuesli.de. |
| 13. August 2008 | Die Folgen gewaltsamer Umerziehung
Andere Menschen betrügen, unbeholfen agieren, hinterhältig sein: Für solche gering zu schätzenden Handlungen und Einstellungen kennt unsere Sprache die Begriffe linken, linkisch und link. Dahinter steckt nicht zuletzt die in unserer Gesellschaft gängige Vorstellung, Linkshänder seien sonderbare Wesen, denen man nicht so recht trauen kann. Um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken, wurde der heutige Linkshändertag ins Leben gerufen (siehe auch unseren Newsletter vom 13. August 2007). |
| 12. August 2008 | Was älteren Menschen wirklich zusetzt
Hitzewellen wie die vor zehn Jahren (siehe unseren gestrigen Newsletter) braucht kein Mensch. Sie sind aber weniger schädlich als angenommen. Das fand ein europäisches Medizinerteam heraus, welches die gesundheitlichen Folgen der globalen Erwärmung erforschte. Die Wissenschaftler stellten sich die Frage, ob durch die steigenden Temperaturen eine Zunahme der Sterblichkeit vor allem bei Senioren zu befürchten sei. |
| 11. August 2008 | Rekorde, die niemanden erfreuen
Vor zehn Jahren, am 11. August 1998, wurde die höchste jemals in unserem Land erreichte Temperatur gemessen. 41,2 Grad Celsius zeigte das Thermometer in Brauneberg an, einem kleinen Ort an der mittleren Mosel nicht weit von Bernkastel-Kues. |
| 8. August 2008 | 500 Schafe für jeden Olympiasieger
„Olympische Spiele“, meinte der irische Spötter und Dramatiker George Bernard Shaw, „sind eine wundervolle Gelegenheit, Zwietracht auch unter solchen Nationen zu stiften, die sonst keine Reibungsflächen haben.“ Das ist auch bei der heute eröffneten Olympiade der Fall. Die Staaten, die gute Geschäfte mit der Volksrepublik China machen, fühlen sich plötzlich bemüßigt, ein strengeres Auge auf die Menschenrechtsverletzungen in jenem Land zu werfen. Doch allzu kritisch darf der Blick auch nicht ausfallen, denn nach dem Ende der Spiele am 22. August stehen die wirtschaftlichen Beziehungen wieder im Vordergrund. |
| 7. August 2008 | Tragik des Lebens
„Ein männlicher Briefmark erlebte was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen, da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens. Das ist die Tragik des Lebens!“ Stumpfsinn in Versen nannte der Dichter seine kleinen gereimten Werke. Doch fiel das Urteil der Kollegen positiver aus: |
| 5. August 2008 | Wenn in Australien jemand den Harold Holt macht
Heute wäre der 100. Geburtstag von Harold Holt. Ob er noch lebt, darf bezweifelt werden, denn am 17. Dezember 1967 hat man ihn zuletzt gesehen. Danach verschwand er, was recht ungewöhnlich für einen Ministerpräsidenten einer westlichen Demokratie ist (siehe auch unseren Newsletter vom 17. Dezember 2007). |
| 6. August 2008 | Das erste prominente deutsche AIDS-Opfer
In New York hatte er sich einen Namen gemacht, in Frankreich eine Goldene Schallplatte eingeheimst – nur in seiner Heimat Deutschland wurde er erst durch die damals nicht alltägliche Ursache seines Todes bekannt. |
| 4. August 2008 | Eine Amtszeit, an deren Ende 28 Jahre Haft standen
Als heute vor 25 Jahren erstmals ein Sozialist italienischer Ministerpräsident wurde, bedeutete das gleichzeitig das schleichende Ende dieser einst großen Partei. Schuld war niemand anderer als der Ministerpräsident selbst: |
| 1. August 2008 | Immer wieder Ärger mit der Rechtschreibreform
Die misslungene Rechtschreibreform heute vor zehn Jahren hat die Deutschen ihre Liebe zur alten Schreibweise entdecken lassen. Doch ist die so genannte alte Rechtschreibung gar nicht so lange in Kraft gewesen: |
| 31. Juli 2008 | Eine Reform von Denkbürokraten
Morgen vor zehn Jahren wurde die neue Rechtschreibung eingeführt. Zur Erinnerung die wichtigsten Änderungen: Die Schreibweise eines Wortes hängt vom Wortstamm ab (statt Quentchen heißt es jetzt Quäntchen, von Quantum); auf einen kurzen Vokal folgt ss statt ß; drei gleiche Konsonanten wie in Schifffahrt sind erlaubt; im Infinitiv stehende Verben werden auseinander geschrieben. |
| 30. Juli 2008 | Dem Ingenieur ist nichts zu schwer
Sicher haben Sie schon mal die Redewendung „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ gehört. Wissen Sie auch, von wem sie stammt? Und wie dieses Loblied weitergeht? Das Lied getextet hat Heinrich Seidel. Geboren wurde der – so ist auf der Webseite http://www.av-huette.de/seidel.html zu lesen – „dichtende Ingenieur und konstruierende Schriftsteller“ 1842 im mecklenburgischen Perlin. Er starb 1906 in einer Stadt, dessen Namen sich ähnlich anhört: in Berlin. Und jetzt möchten Sie sicher noch wissen, wie der Text lautet. Hier ist er: |
| 29. Juli 2008 | Was man beim Golf alles berücksichtigen muss
Da ist der Abschlag, und da ist das Grün. Und es geht nur darum, wie man von einem zum anderen kommt: So beschrieb der amerikanische Golfprofi Mike Reid einmal seinen Sport. Die Definition gilt längst nicht mehr (siehe auch unseren Newsletter „In Grönland spielt man mit roten Bällen Golf“ vom 12. Oktober 2005), denn nicht jeder Golfplatz ist grün. |
| 28. Juli 2008 | Geburtstag im Gefängnis
Die Präsidentschaft Alberto Fujimoris war eine der umstrittensten in der Geschichte Perus, das heute übrigens seinen Nationalfeiertag begeht: Am 28. Juli 1821 wurde der Andenstaatvon Spanien unabhängig. Die Kontroverse um den Ex-Präsidenten beginnt bereits bei seiner Geburt: Wuchs er, wie seine Vorfahren, in Japan auf? Dann hätte er nicht Präsident werden dürfen. Oder kam der Sohn japanischer Einwanderer, wie er selbst behauptet, in der Hauptstadt Lima zur Welt und erfüllte damit die wichtigste Voraussetzung zur Bekleidung des höchsten Amtes? |
| 25. Juli 2008 | Ein verhinderter Straßenkämpfer wird 65
Wenn es in Fernsehdokumentationen über das bewegte Jahr 1968 geht, wird zur Untermalung gerne ein Text der Rolling Stones eingespielt: Ihr Song Street Fighting Man hört sich so schön revolutionär und martialisch an. Ist er aber nicht. Der Refrain lautet: „But what can a poor boy do except to sing for a Rock 'n' Roll band, cause in sleepy London town there's just no place for a street fighting man.“ Zu Hause auf der Couch ist es halt gemütlicher, da kann man sich besser von den anstrengenden Konzerten erholen. |
| 24. Juli 2008 | Aus großer Höhe auf die Männerwelt herabschauen
Wenn es stimmt, dass emanzipierte Frauen auf Männer bewundernd herabschauen wollen, tat sie dies aus großer Höhe: Amelia Earhart war eine Frauenrechtlerin, die auf ihr gutes Aussehen ebenso wenig gab wie auf ihre guten Schulnoten. Auch ein Medizinstudium brach sie nach einem Jahr ab. Nein, sie wollte höher hinaus, nachdem sie mit 23 Jahren zum ersten Mal in einem Flugzeug saß. |
| 23. Juli 2008 | Kein Exil für Elche
Die Schweden – regelmäßige Konsumenten dieses Newsletters wissen das – verfügen über Europas größte Elchpopulation. Aber wer hätte gedacht, dass sie so eifersüchtig darüber wachen? Darauf machte mich eine Leserin aufmerksam, als sie mir einen Artikel aus dem Mannheimer Morgen mit folgender Nachricht schickte: |
| 22. Juli 2008 | Der berühmteste Ostfriese wird 60
„Es kann sehr hilfreich für eine Beziehung sein, wenn man sich nicht ständig sieht. Es ist auch für meine Frau nicht einfach, den ganzen Tag Otto auszuhalten. Das ist schon alles gut eingerichtet.“ Heute allerdings wird Eva Hassmann ihren Otto aushalten, den ganzen Tag sogar: Der am 22. Juli 1948 im ostfriesischen Emden Geborene feiert seinen 60. Geburtstag. |
| 21. Juli 2008 | Das Motiv hinter bizarren Vornamen
Lange nichts mehr über beknackte Vornamen berichtet, finden Sie nicht? Gerade Schauspielerinnen üben sich ja in jener bizarren Kunst: Unlängst nannte Nicole Kidman ihren just zur Welt gekommenen Sprössling Sunday Rose, was zugegebenermaßen nicht ganz an Gwyneth Paltrows (Apple) und Angelina Jolies (Zahara) Namensgebung heranreicht. Warum tun sich die Aktricen das an? Oder anders gefragt: Warum tun sie es ihren Kindern an? |
| 18. Juli 2008 | Früher war alles viel größer
Im Sommer 1965 hatte der US-Physiker Gordon Moore erkannt, dass sich im Schnitt alle zwei Jahre die Kapazität eines Speicherchips verdoppelt. Heute vor vierzig Jahren gründete er dann die Firma Intel – die Abkürzung steht für Integrated electronics – mit dem Ziel, verbesserte Arbeitsspeicher für Computer zu entwickeln. Ein voller Erfolg: Inzwischen hält Intel bei PC-Mikroprozessoren einen Marktanteil von 80 Prozent. |
| 17. Juli 2008 | Wenn der Kalender nichts hergibt
Kalenderblätter sollen ja recht spannend sein: Nicht wenige Zeitgenossen interessiert, was an einem gewissen Tag vor X Jahren passiert ist, welche Berühmtheit an diesem Tag geboren wurde oder welcher Gedenktag gerade abgehalten wird. Besonders schön ist es, wenn das X für eine runde Zahl steht. Leider tut einem der Kalender nicht immer den Gefallen. |
| 16. Juli 2008 | Der unmöglichste Job der Welt
Norweger mögen keine Schweden. Sie können es einfach nicht verwinden, dass der skandinavische Nachbar erfolgreicher Fußball und besser Eishockey spielt, die blonderen Mädchen vorweist und noch dazu eine weitaus größere Elchpopulation besitzt. Nur bei der Anzahl weltberühmter Landeskinder kann man in etwa mithalten. |
| 15. Juli 2008 | Wetter und Wetterfrösche
Da das Wetter immer ein beliebtes Thema für den Small Talk ist, verhält es sich mit dem Wetterbericht nicht anders – und mit denen, die ihn präsentieren. In Großbritannien wurde schon so mancher Wetterfrosch zum Star. Etwa Michael Fish: |
| 14. Juli 2008 | Dein Feind, der Wolf?
Die größten Feinde unseres Lieblingstieres sind angeblich Bären und Wölfe. Von Bruno und Konsorten hat der Elch allerdings wenig zu fürchten, ist doch der erste seit der Ausrottung wieder eingewanderte Petz vor zwei Jahren in Bayern erschossen worden. Bleiben die Wölfe. Davon gibt es ein Rudel in Sachsen und ein weiteres in Brandenburg. Von letzterem wandert ab und zu ein Exemplar nach Mecklenburg-Vorpommern und gelegentlich sogar ein Bindestrich-Bundesland weiter westlich ein. |
| 11. Juli 2008 | Bitte nur noch positive Nachrichten!
„Die Menschen sind heutzutage nicht schlechter, als sie früher waren“, meinte der amerikanische Schriftsteller William Faulkner: „Nur die Berichterstattung über ihre Taten ist gründlicher geworden.“ Letzteres lässt sich jedoch ändern. |
| 10. Juli 2008 | Bilder aus einem Land, das es nicht mehr gibt
Es gibt Staaten, die verschwinden einfach von der Landkarte. Russland, über das wir gestern berichteten, war 69 Jahre lang ein Teil der Sowjetunion – bis die UdSSR sich wiederum Ende 1991 auflöste. Das ist keine zwei Jahrzehnte her, und doch kommen uns Bilder aus jener Welt merkwürdig fremd vor: die Bahnstation von Mogson etwa, fotografiert 1970, als sie den 100. Geburtstag des ersten Sowjetherrschers Lenin beging, oder die Moskauer Tretjakow-Galerie mit Exponaten des so genannten sozialistischen Realismus. |
| 9. Juli 2008 | Wer sich über den hohen Ölpreis freut
Die weltweite Nahrungsmittelkrise ist das eine, der permanente Anstieg der Energiepreise das andere beherrschende Thema auf dem heute zu Ende gehenden G8-Gipfel im japanischen Toyako. Früher waren es nur sieben Nationen (USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien), die ihre Regierungschefs über die drängendsten Wirtschaftsprobleme debattieren ließen. |
| 8. Juli 2008 | Darüber lacht der Bauer
Der Anbau von Raps und Biomasse, schrieben wir in der Ausgabe vom 4. September 2007, sei hierzulande lukrativer als die Produktion von Fleisch, Milch oder Kartoffeln. |
| 7. Juli 2008 | Nicht schon wieder Schweden gegen Griechenland!
Die Europameisterschaft ist erst eine Woche vorbei, und schon wieder muss ich über Fußball schreiben. Schuld daran ist der idiotische Vorschlag des kontinentalen Fußballverbandes UEFA und ihres Präsidenten Michel Platini, die Teilnehmerzahl ab der übernächsten WM von 16 auf 24 zu erhöhen. |
| 3. Juli 2008 | Unglücklich im Leben, reich nach dem Tod
„Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.“ So pessimistisch sah Franz Kafka, dessen Geburtstag sich morgen zum 125. Mal jährt, die Welt. Was heißt die Welt? Seine Geburtsstadt Prag hat er kaum verlassen – abgesehen von einem kurzen Besuch in Berlin und mehreren Kuraufenthalten. |
| 4. Juli 2008 | Tour de Trance
Morgen beginnt die Tour de France, nach der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen immerhin das drittgrößte Sportereignis des Jahres. |
| 2. Juli 2008 | Wie man Sicherheit gewinnt
„Sicherheit erreicht man nicht, indem man Zäune errichtet. Sicherheit gewinnt man sondern indem man Tore öffnet.“ Dieses Zitat stammt von Urho Kekkonen, der von 1956 an ein Vierteljahrhundert lang Staatspräsident von Finnland war. Kein leichtes Amt in der Hochzeit des Kalten Krieges, zumal Finnland eine lange Grenze mit der Sowjetunion teilte. |
| 1. Juli 2008 | Aus 4 mach 5
Heute vor 15 Jahren wurden die fünfstelligen Postleitzahlen eingeführt. Sie lösten die seit 1962 bestehenden vierstelligen Ziffernkombinationen ab, nach denen die Zustellorte in der BRD und der DDR gegliedert waren. Zwar hatte die Bundespost in der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung einige Bereiche nicht vergeben – von 1001 bis 1999 sowie alle mit 25 bis 27 und 36 bis 39 beginnenden – doch spielte die DDR ein Jahr nach dem Mauerbau nicht mit. |
| 30. Juni 2008 | Fahrradfahren in Klagenfurt wieder erlaubt
Die Europameisterschaft ist vorbei. Gottseidank, werden manche Bürger sagen, die in den Austragungsorten der Spiele wohnen. Etwa die Einwohner von Klagenfurt: Ihnen war es für die Dauer des Turniers untersagt, mit dem Rad in die Stadt zu fahren. Weil Sie womöglich einigen der angetrunkenen Fanmeilen-Besuchern auf deren Heimweg über die Hand gefahren wären? Nein, der Grund ist noch absurder: |
| 27. Juni 2008 | Das nächste Mal aber bitte mit Elch!
„Was macht eigentlich der Elch?“, fragten wir in diesem Newsletter vor genau einem Jahr. Um anschließend festzustellen, dass wir lange nichts mehr von unserem Lieblingstier gehört hatten. Leider streunt unser Schaufeltier auch aktuell so selten im Blätterwald herum, dass weder von Zusammenstößen mit motorisierten Verkehrsteilnehmern oder spektakulären Saufgelagen zu berichten ist. Was macht der Elchfreund, wenn die Presse schweigt? |
| 25. Juni 2008 | Erst siebzehn Jahre alt - und so erfolgreich!
Heute feiert einer der jüngsten Staaten der Erde seinen Nationalfeiertag. Auf den Tag genau siebzehn Jahre ist es her, seit Slowenien seine Unabhängigkeit erhielt. Die Loslösung aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien war kurz, aber nicht schmerzlos. Die Zentralregierung in Belgrad wollte das widerspenstige Bergvolk anfangs nicht in die Freiheit entlassen und ließ seine Truppen aufmarschieren. Vor allem entlang der Grenzen zu Italien und Österreich kam es zu Gefechten zwischen slowenischer Miliz und der dort stationierten regulären Armee. |
| 26. Juni 2008 | Die Seitensprünge der Lobbyisten
Das Wort „Lobbyist“ haben Sie bestimmt schon häufig gehört; aber was steckt dahinter? Sehr schön ist die Definition der Online-Enzyklopädie Wikipedia: Ein Lobbyist versucht, die Interessen einer Minderheit gegen die Interessen der Mehrheit durchzusetzen. Das tun derzeit 2021 Verbände und Interessengruppen hierzulande. So viele sind auf der offiziellen Lobbyliste des deutschen Bundestags registriert. |
| 24. Juni 2008 | Warum heute jeder Lette Janis heißt
„Das ganze Jahr sammelte ich Lieder, auf den Jani-Tag wartend. Jetzt ist der Jani-Tag gekommen. Jetzt werden die Lieder gesungen.“ Das ist der ins Deutsche übertragene Text eines lettischen Volksliedes. Eine Million dieser meist vierzeiligen Dainas haben die Letten in ihrer Geschichte angehäuft – verwunderlich für ein Land, das nicht einmal zweieinhalb Millionen Einwohner zählt. Doch waren die Dainas wichtig für Sprache, Kultur und Nationalbewusstsein des Volkes, das sich immer wieder gegen die übermächtigen Nachbarn Schweden, Deutschland und Russland abgrenzen und behaupten musste. |
| 23. Juni 2008 | Antiker und moderner Generationenkonflikt
Der eine ist Herrscher über sein Reich und doch sein Sklave: Er schiebt die Gesetze und das Interesse des Staates vor, um zu tun, was seine Pflicht ist. Die andere hört auf ihre innere Stimme und ihre Ideale, um zu tun, was sie für moralisch gerechtfertigt hält. Der eine, das ist König Kreon, der sein Land zum Wohle seiner Untertanen regiert – selbst wenn er dabei gegen moralische Überlegungen verstößt. Die andere, das ist seine Nichte Antigone, die solchen alle inneren Werte verleugnenden Opportunismus schlicht gesagt zum Kotzen findet: |
| 20. Juni 2008 | Der Tod ist doch nicht Schlafes Bruder
Der Roman „Schlafes Bruder“ ist, wie sein Autor Robert Schneider eingangs beschreibt, „die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der 22-jährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen.“ Das Problem war, dass Alder unglücklich verliebt war und die Zeit, die er mit Schlafen verbrachte, für Verschwendung hielt, denn „im Schlaf sei man tot, jedenfalls lebe man nicht wirklich.“ |
| 19. Juni 2008 | Ein berühmtes Bild eines nicht alltäglichen Spektakels
Vor 140 Jahren malte Edouard Manet ein berühmtes Bild. Es zeigt ein Ereignis, das ein Jahr zuvor stattfand: Vor einem Erschießungskommando steht ein älterer Herr in eleganter Uniform, mit langem Bart und Sombrero. Eingerahmt ist er von zwei gewöhnlichen Delinquenten, die ebenfalls dem Tod geweiht sind. Über die das Gefängnis im mexikanischen Querétaro einrahmende Mauer spinxen die Dorfbewohner. Sie halten sich zwar wegen des Krachs der Schüsse die Ohren zu, wollen aber dennoch Zeuge dieses nicht alltäglichen Spektakels werden. Wann wird schon mal ein Kaiser standrechtlich erschossen? |
| 18. Juni 2008 | Als Norwegen einen Volkshelden verlor
Norwegen ist ein kleines Land mit nur viereinhalb Millionen Einwohnern, besitzt aber seit jeher eine der größten Flotten der Welt. Kein Wunder, dass auf den Schiffen auch Entdecker ausgeschwärmt sind, um die Regionen jenseits bislang bekannter Grenzen zu erforschen. |
| 17. Juni 2008 | Ein Bürgerschreck kommt in die Jahre
Am 2. Juni 1967 wurde während einer Demonstration gegen den Besuch des Schah von Persien der Student Benno Ohnesorg erschossen. Von einem deutschen Polizeibeamten, mitten in Berlin. Weil er bei derselben Demonstration einen Stein geworfen haben soll, wanderte der Student Fritz Teufel an jenem Tag in Untersuchungshaft. Dort blieb er bis zum Beginn der Gerichtsverhandlung im November. |
| 16. Juni 2008 | Was würden Sie antworten?
Der Einbürgerungstest war schon einmal Gegenstand dieses Newsletters (siehe unsere Ausgabe „Nennen Sie drei Elemente der sozialen Sicherung!“ vom 21. März 2006). Damals hatte ich Ihnen Fragen des Landes Hessen vorgestellt, die jeder dort lebende Ausländer absolvieren muss, will er Deutscher werden. |
| 13. Juni 2008 | Eine Feier, die gut ohne ihren Helden auskommt
Vielleicht hätten sie Fidel Castro für einen Tag aus seinem Pflegeheim entlassen, der Subcomandante Marcos wäre zur Feier incognito aus Mexiko angereist, und Boliviens linker Präsident Evo Morales hätte sicher ebenso persönlich gratuliert wie sein Freund und Amtskollege Hugo Chavez aus Venezuela. Doch auch so wird es ein großer Tag für Lateinamerika – nur kann ihn der, dem die Feiern gelten, nicht mehr erleben. |
| 12. Juni 2008 | Wer wohl mit dem Wolf tanzt?
Der Wolf, um den es in der heutigen Ausgabe geht, ist weder ein überfahrenes noch ziellos umherstreunendes Exemplar. Er ist sehr lebendig, weiß genau, was er will, und hat auch einen Vornamen: |
| 11. Juni 2008 | Das Tier des Jahres 2003, für alle zugänglich
An das Tier des Jahres 2007 können Sie sich bestimmt noch gut erinnern: Es ist der Elch, der in unserem Newsletter eine beinahe schon mystische Rolle einnimmt. Nicht ganz so populär wie der unbeholfene Großhufer ist in unserer Leserschaft das Tier des Jahres 2003. |
| 10. Juni 2008 | Nicht nur Salami und Paprika
Ungarn war einmal berühmt für seine Fußballer. Doch die sind bei der EM nicht dabei. Immer noch berühmt ist Ungarn für Salami und Paprika, seine Thermalbäder und die Puszta. Ungarn hat aber auch bedeutende Erfinder hervorgebracht: Oszkár Asbóth baute den ersten Hubschrauber, Donat Banki erfand den Vergaser und László Bíró das Automatikgetriebe – letzteres bereits anno 1932. |
| 9. Juni 2008 | Ein zweites Wunder von Córdoba?
Tja, jetzt ist es mit meiner Wette (Newsletter „Warum Österreich zweimal hintereinander siegen sollte“ vom letzten Freitag) also schon vorbei. Ich werde keine tausend Euro gewinnen, ebenso wenig wie das österreichische Team nach der Vorrunde das Turnier noch fortsetzen wird. Es sei denn, der Außenseiter wiederholt den Triumph von Córdoba bei der WM 1978 in Argentinien und schlägt die Deutschen. |
| 6. Juni 2008 | Warum Österreich zweimal hintereinander siegen sollte
Morgen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich. Die deutsche Elf gehört zu den Favoriten, ebenso Spanien, Italien und Frankreich. Normalerweise traut man auch den Gastgebern zu, in einem solchen Turnier weit zu kommen. Doch dieses Mal ist alles anders. |
| 5. Juni 2008 | Markt oder Staat?
Heute feiern zwei große Ökonomen besondere Jubiläen: Dieser 5. Juni ist Adam Smiths 285. und John Maynard Keynes' 125. Geburtstag. Dabei waren die beiden Volkswirtschaftler grundverschieden. Adam Smiths Theorie beruht auf der Selbstheilungskraft der Wirtschaft: |
| 4. Juni 2008 | Das zweitgrößte Spektakel in Basel
Dieses Jahr tritt ein großes Spektakel, das die Stadt Basel und die gesamte Schweiz zuverlässig in die Feuilleton-Schlagzeilen rückt – etwas in den Hintergrund. Schuld daran ist die am Samstag beginnende Fußball-Europameisterschaft, die am Samstag beginnt ausgerechnet in Basel. So müssen die über 50 000 Kunstsammler, Kunsthändler und Kunstinteressierten, die auch dieses Jahr in die eidgenössische Rheinmetropole pilgern, ihre Geschäfte etwas früher abschließen. |
| 3. Juni 2008 | Ein Jahrzehnt attac
„Die Globalisierung“, schreibt der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Rau in seinem hervorragenden Buch Märkte, Mächte, Monopole (Verlag Conzett bei Oesch), „gab es schon, als der Begriff noch nicht erfunden war. Sie begann im 15. und 16. Jahrhundert mit der Entdeckung Amerikas und dem Vordringen der Portugiesen und Spanier in entlegene Erdteile.“ |
| 2. Juni 2008 | Münchens literarisches Vermächtnis
„An jenem Mainachmittag, da der Lehrer plötzlich zur Türe hereinkam, auf mich und meine Schwester Anna zuging und uns sagte, wir dürften heimgehen, weil unser Vater sehr krank sei, empfand ich gar nichts. Auf der Straße redeten wir wenig und machten ernste Gesichter. Im Grunde waren wir froh, dass wir den langweiligen Rechenunterricht hinter uns hatten.“ |
| 30. Mai 2008 | Heute ist Weltuntergang!
"Am dreißigsten Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht, wir leben nicht mehr lang": So heißt es in einem unserer deutschen Trinklieder. Bis es so weit ist, sollten Sie vorher einmal auf dieser Internet-Seite vorbeischauen: |
| 28. Mai 2008 | Ein Tier, das vielen Menschen Freude bereitet hat
Jedes Kind in Spanien kennt Juan Ramón Jiménez, und auch bei uns mag der Schriftsteller manch aktuellem und ehemaligem Schüler ein Begriff sein. Das liegt daran, dass Jiménez' Geschichten um einen langohrigen Vierbeiner in kaum einer Schulfibel fehlten: |
| 28. Mai 2008 | Das klappt doch nie!
Heute vor 185 Jahren begann in der Schweiz das Zeitalter der großen Dampfschiffe. Das allererste, der Passagierdampfer mit dem frankonisierten Namen Guillaume Tell, wurde auf dem Genfer See zu Wasser gelassen. |
| 27. Mai 2008 | Hoffnung für die Slawen von nebenan
Morgen bekommt das Bundesland Sachsen einen neuen Ministerpräsidenten. Es wird das erste Mal sein, dass ein Sachse das höchste Amt im Freistaat bekleidet. Es ist Stanislaw Tillich, der am letzten Wochenende zum neuen Landesvorsitzenden der CDU gekürt wurde. Nun ist Tillich nicht nur Sachse, sondern gehört einer Volksgruppe an, die früher im Land an Spree, Neiße und Elbe die Mehrheit bildeten: |
| 26. Mai 2008 | Der Mensch, der aus dem Nichts auftaucht
Heute vor 180 Jahren tauchte in Nürnberg ein junger Mann auf, den zuvor kein Bewohner der alten Reichsstadt je zu Gesicht bekommen hatte. Es war ein Jüngling von ungefähr siebzehn Jahren, schreibt Jakob Wassermann in seinem auf historischen Tatsachen beruhenden Roman Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens. |
| 23. Mai 2008 | Schweigsame Zeitgenossen
Schildkröten können dir mehr über den Weg erzählen als Hasen, sagt ein chinesisches Sprichwort. Es scheint zu stimmen. Der Verfasser des Newsletters, den Sie gerade lesen, besitzt nämlich ein Exemplar der Rasse mit den langen Ohren – und das sagt den ganzen Tag lang nichts. |
| 21. Mai 2008 | Der seligste Schlupfwinkel
„Das Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen“: Max Reinhardt, von dem der Spruch stammt, war seinerzeit der wohl berühmteste Regisseur der Welt. Er machte ganz großes Theater. |
| 20. Mai 2008 | Ein Unfall mit Folgen
Ein Auto mit zwei jungen Männern jagt mit hoher Geschwindigkeit über eine nordirische Landstraße. Verfolgt werden sie von einer Polizeistreife, der die Beiden zuvor aufgefallen sind. Tatsächlich haben die Insassen Grund zur Panik, denn sie sind Mitglieder der verbotenen Irischen Republikanischen Armee. Die Flucht endet tragisch: Ein Polizist feuert auf das Auto vor ihm, der Fahrer stirbt, der Beifahrer wird schwer verletzt. Der außer Kontrolle geratene Wagen dreht sich und reißt eine zufällig am Straßenrand gehende Familie mit sich. Die drei Kinder sterben, die Mutter überlebt schwer verletzt. |
| 19. Mai 2008 | Wie böse sind die Russen?
„Do you think that the Russians want war?“, fragte Dick Gaughan in seinem wohl bekanntesten Folksong – und gab auch gleich die Antwort: Nein, die Russen wollen keinen Krieg. Schon im letzten – nach dem Überfall der Deutschen – hatten sie über 20 Millionen Opfer zu beklagen. Das prägt. |
| 16. Mai 2008 | Der Schutzpatron aller Brücken
Durch das in der Vulkaneifel gelegene Dörfchen Auel fließt der gleichnamige Bach. Über ihn führt eine Brücke, die wiederum von einer Heiligenstatue bewacht wird – was die Einheimischen in folgenden Reim gefasst haben: „Dr hillije Sankt Nepomuk hätt in Auel in de Baach jespuck.“ |
| 15. Mai 2008 | Vor Genuss abstechen
„Spargeln und Menschen haben ein gemeinsames Schicksal: Sobald einer den Kopf hochreckt, wird er abgestochen.“ Dieses Zitat stammt von Eugen Gerstenmaier, der anderthalb Jahrzehnte, von 1954 bis 1969, Bundestagspräsident war. Nach dem CDU-Politiker ist der Lange Eugen benannt: Das ehemalige Abgeordneten-Hochhaus mit seiner charakteristischen Silhouette am Rhein ziert heute noch viele Bonn-Postkarten. Doch heute, Sie ahnen es vielleicht schon, geht es in unserem Newsletter nicht um Politiker, sondern um das königliche Gemüse, das essbare Elfenbein oder die Frühlingsluft in Stangen: |
| 14. Mai 2005 | Die Staatsgründung, die einen Krieg auslöste
Der 14. Mai 1948 ist der Geburtstag Israels. Die arabischen Nachbarn würdigten dieses Datum, indem sie dem neu gegründeten Staat sogleich den Krieg erklärten und ihn am nächsten Tag mit ihren Armeen angriffen. Genutzt hat ihnen das wenig; auch die weiteren militärischen Auseinandersetzungen - den Sechstagekrieg 1967 und den Jom-Kippur-Krieg 1973 - konnte Israel für sich entscheiden. Doch war damit der Nahostkonflikt nicht gelöst: |
| 13. Mai 2008 | Der Prager Frühling - mehr als nur Musik
Am Pfingstwochenende ist der Prager Frühling eingeläutet worden. Die seit 1946 existierende Veranstaltungsreihe hat sich mittlerweile zu einem der größten europäischen Musikfestivals gemausert. Zur Eröffnung im Jugendstilbau des Prager Gemeindehauses wurde standesgemäß Bedrich Smetanas symphonischer Zyklus Mein Vaterland - sicherlich kennen Sie daraus die Passage Die Moldau - aufgeführt. |
| 9. Mai 2008 | Morgen ist Tag des Buches
Die UNESCO hat zwar den 23. April zum Internationalen Tag des Buches erklärt (siehe auch unsere Newsletter „ Die Angst vor der Entscheidung“ vom 23. April 2008 und „Verbrennt mich!“ vom 10. Mai 2006): Sie will damit das Lesen als Instrument zur Verbreitung von Wissen fördern. |
| 8. Mai 2008 | Der Berg ruft
„Der Berg ruft!“, heißt es jedes Jahr zur Pfingstzeit in Mittelfranken: Dann klettern die Bewohner der Universitätsstadt Erlangen auf einen Hügel, um sich dort bei ihrer Bergkirchweih zu vergnügen. Seit 253 Jahren gibt es dieses Volksfest, das heute beginnt und bis zum 19. Mai dauert. Die Einheimischen haben Ihren Berg und das Fest sogar noch lieber als die Universität, die ja auch nicht wenig das Image der Stadt verbessert und Geld in ihre Kassen spült. |
| 7. Mai 2008 | Eine Rechnung, die nicht aufging
„Ihr Unternehmen, meine Damen und Herren, ergreift aus einer Position der Stärke die Chance, seine Aktivitäten mit denen eines führenden Automobilherstellers zusammenzuführen. Die DaimlerChrysler AG wird der drittgrößte und der global am besten positionierte Automobilhersteller der Welt sein“: |
| 6. Mai 2008 | Ein Roter fährt schwarz
Vor 250 Jahren wurde der Revolutionär Maximilien Robespierre geboren, vor 65 Jahren Andreas Baader, der Gründer der Baader-Meinhof-Bande, aus der später die RAF hervorging. Ein französischer Radikaler, der mit Hilfe der Guillotine regierte, und ein deutscher Terrorist – keine dankbaren Figuren für einen Small Talk, selbst wenn ein markantes Kalenderjubiläum dazu einlädt. Da greifen wir doch lieber auf einen etwas unrunderen Geburtstag eines unverdächtigen Zeitgenossen zurück: |
| 5. Mai 2008 | Es ist sieben Minuten vor Zwölf
Es ist fünf Minuten vor Zwölf: So beginnen die üblichen Panikmeldungen, die uns warnen, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht, wenn wir nicht sofort handeln. Damit verbunden ist ein moralischer Vorwurf, dass wir längst hätten handeln sollen. Etwas gnädiger geht es bei einer Veranstaltung zu, die sich hierzulande wachsender Beliebtheit erfreut: |
| 2. Mai 2008 | Was der Krieg aus Menschen macht
Im Prado zu Madrid hängt ein Bild, das eine Erschießung darstellt. Gemalt wurde es vom Spanier Francisco Goya, und es trägt den Titel El Tres de Mayo. Die Erschießung fand tatsächlich statt: in der spanischen Hauptstadt, am 3. Mai vor 200 Jahren. |
| 30. April 2008 | Eine Konstellation, die erst 2160 wieder eintritt
Morgen gibt es gleich zwei Gründe, warum unser Newsletter nicht erscheint. Der erste heißt 1. Mai und der zweite Christi Himmelfahrt - dass beide Ereignisse auf einen Tag fallen, ist für Arbeitnehmer alles andere als schön. Wäre 2008 kein Schaltjahr, hätten alle Werktätigen hierzulande und in vielen anderen Teilen Europas zwei Tage hintereinander frei gehabt. |
| 29. April 2008 | Der höchste Sieg in der Bundesliga
Vor 30 Jahren endete die Bundesliga-Saison wegen der bevorstehenden Fußball-WM in Argentinien ungewöhnlich früh. Letzter Spieltag war der 29. April. Ungewöhnlich spannend war's auch: Punktgleich an der Spitze standen der 1. FC Köln und Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach, allerdings durch die Differenz von 10 Toren getrennt. Würden beide Mannschaften ihr letztes Spiel gewinnen, musste Mönchengladbach also 10 Tore mehr schießen als der Geißbock-Klub. Anders ausgedrückt: Bei einem 1:0- oder 2:0-Sieg der Kölner beim FC Sankt Pauli mussten die Gladbacher gegen Borussia Dortmund mit 12:0 gewinnen. Genau das taten sie auch. |
| 28. April 2008 | Ein fast vergessener Retter
Im Jahre 1980 ging der Aktenkoffer von Thomas Keneally zu Bruch. Der australische Schriftsteller brauchte dringend einen neuen. Da er gerade in Los Angeles war, ging er in Beverly Hills in ein entsprechendes Geschäft. Das gehörte einem Herrn mit dem in Kalifornien recht seltenen Namen Leopold Pfefferberg. Der Autor und der Verkäufer kamen ins Gespräch – und Pfefferberg erzählte Keneally seine Geschichte. Sie handelt von Krakau und dem südpolnischen Podgorze, wo der jüdische Lehrer vor dem Zweiten Weltkrieg lebte, und dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wohin er mit seiner Familie von den deutschen Besatzern deportiert wurde. |
| 25. April 2008 | Die Tagebücher, die die Welt doch nicht veränderten
Heute vor 25 Jahren erfuhren die Deutschen, dass ihre Vergangenheit keineswegs so war, wie sie in Schul- und anderen Büchern dargestellt ist. Verkündet wurde die neue Wahrheit von der Illustrierten Stern. Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz präsentierte ihr Reporter Gerd Heidemann der staunenden Weltöffentlichkeit eine Reihe Kladden mit schwarzem Einband. Auf jedem Exemplar prangten gleich zwei Siegel, und oben links in der Ecke funkelte goldfarben das Kürzel F.H. |
| 24. April 2008 | Jenseits der Welt der Bühnen und Laufstege
Heute ist Girls' Day, Mädchenzukunftstag. Er richtet sich an Schülerinnen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren und befasst sich mit deren beruflichen Erwartungen und Aussichten. Die decken sich nicht immer, weshalb die Suche nach der späteren Beschäftigung nur selten im Traumjob endet. Ein Grund vielleicht, die Herangehensweise zu ändern und sich auch mal auf Felder zu begeben, die auf den ersten Blick ungewöhnliche Berufswege bereithalten. |
| 23. April 2008 | Die Angst vor der Entscheidung
Der 23. April ist der Welttag des Buches. In Deutschland gibt es für den Lesestoff zwischen zwei Deckeln noch einen weiteren Ehrentag: den 10. Mai. Er erinnert an das unrühmlichste Datum der deutschen Literaturgeschichte: die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten an eben jenem Tag des Jahres 1933. |
| 22. April 2008 | Nicht nur zur Faschingszeit
In der abgelaufenen Karnevals, Fastnachts- oder - je nach geographischem Standpunkt - Faschings-Saison war das Piratenkostüm die beliebteste Verkleidung. Weniger lustig geht es zurzeit auf den Meeren um Afrika zu: Dort treten Piraten ohne Ringelpulli und Augenklappe auf, gehen dafür aber ihrer ureigenen Beschäftigung nach: dem Kapern von Schiffen. |
| 21. April 2008 | Ein Schweizer bittet um Asyl – in den USA!
Die Gründe, warum ein Schweizer die Vereinigten Staaten um politisches Asyl ersucht, verortet man in einem fernen Jahrhundert. Schließlich war es die Schweiz, die sich Emigranten und Flüchtlingen aus den Nachbarländern immer wieder als Exilland aussuchten. Was aber hatte der Mann, um den es heute geht, so Schlimmes getan? |
| 18. April 2008 | Der Wolfsjunge
Im Jahr 1954 wurde in einem Krankenhaus der nordindischen Stadt Lucknow ein zehn, vielleicht auch zwölf Jahre alter Junge von einem Unbekannten abgegeben. Ramu, wie er bald genannt wurde, konnte weder aufrecht gehen noch sprechen. Die meiste Zeit verbrachte er auf dem nackten Fußboden liegend, nach Hundeart zusammengerollt. Er stieß tierähnliche Laute aus und ernährte sich ausschließlich von rohem Fleisch. |
| 17. April 2008 | Die Frage nach dem Warum
'Man muss leben, als hätte man hundertfünfzig Jahre Zeit'; empfahl der Schriftsteller, der heute 111 Jahre alt geworden wäre, denn 'Hast ist der Feind des Lebens.' Dass die Menschen nicht so viel von dem kostbaren Gut zur Verfügung haben, wusste Thornton Wilder nur allzu gut. Nicht von ungefähr beginnt sein erfolgreichster Roman Die Brücke von San Luis Rey - er erschien 1927 und hielt drei Monate lang die Spitzenposition der US-Bestsellerliste - mit diesem Satz: |
| 16. April 2008 | Hoffnung für Millionen
'Plötzlich hörte ich ein Geräusch, wie ein Windstoß. Ich schaute hinauf zur Grotte, und da sah ich eine Frau, ganz in Weiß, mit einem weißen Kleid. Vor ihrem Gesicht hatte sie einen blauen Schleier, und auf jedem Fuß eine gelbe Rose.' Wen die 14-jährige Bernadette Soubirous in einfachsten Worten beschrieb, war niemand anderes als die Mutter Gottes. Zu diesem Schluss kam der Dorfpfarrer von Lourdes nach eingehender Befragung der schlichten Müllerstochter. |
| 15. April 2008 | Der Mann, der seine Schuhe aß
Von seiner ersten Polarexpedition kehrte John Franklin noch lebend zurück. Das war schon ein kleines Wunder, denn nach zwei Überwinterungen im ewigen Eis war die Reise mit zahlreichen Entbehrungen verbunden. Zurück in England, wurde er als 'der Mann, der seine Schuhe aß' zum gefeierten Helden. Die nächste Fahrt ins Ungewisse ließ nicht lange auf sich warten. |
| 14. April 2008 | Er tat nichts, taugte nichts und rauchte viel
'Er tat nichts, taugte nichts und rauchte viel': Dieses vernichtende Urteil über einen Schriftsteller fällte - seine Haushälterin. Andere hielten mehr von seinen Fähigkeiten, so die Redakteure der Vossischen Zeitung in Berlin, die seine Theaterkritiken gerne veröffentlichten. Später wurde er sogar richtig berühmt: mit der Tragödie Emilia Galotti etwa, oder dem Lustspiel Minna von Barnhelm; vor allem aber mit dem Drama Nathan der Weise, das heute noch gängige Schullektüre ist. |
| 11. April 2008 | Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
'Drei Kugeln auf Rudi Dutschke/Ein blutiges Attentat/Wir haben genau gesehen/Wer da geschossen hat', dichtete Wolf Biermann. Der Sänger glaubte auch zu wissen, wer hinter der Tat steckte: 'Die Kugel Nummer Eins kam aus Springers Zeitungswald.' Unbestritten ist, wer an jenem 11. April 1968 auf den Wortführer der deutschen Studentenbewegung schoss: der Anstreicher Josef Erwin Bachmann. |
| 10. April 2008 | Ein Kreuzzug, der nie stattfand
Tewodros II. von Äthiopien kommt das Verdienst zu, aus einem zerstrittenen, in viele Fürstentümer gespaltenen Territorium ein in sich geschlossenes, später sogar mächtiges Reich geschaffen zu haben. Nachdem die Einigung des Landes vollzogen war und sich das Christentum in Äthiopien endgültig gegen den Einfluss des Islam durchgesetzt hatte, wurde der Kaiser größenwahnsinnig. |
| 9. April 2008 | Deutsch lernen wegen Tokio Hotel
Als die deutsche Bundeskanzlerin ihre viel beachtete Rede in der Knesset hielt, blieb ein knappes Dutzend Abgeordneter dem israelischen Parlament fern. Grund war, dass Angela Merkel ihren Vortrag auf Deutsch hielt - der "Sprache der Täter", die sechs Millionen Juden ermordeten. Seitdem sind mehr als sechs Jahrzehnte vergangen, und die heranwachsende Generation in Israel hat kein Problem mehr mit der deutschen Sprache. Im Gegenteil: Nicht wenige Teenager wollen sie lernen. Und das sogar freiwillig, da sie in Israel auf kaum einem Lehrplan steht. |
| 8. April 2008 | Wir Höllers halten zusammen
Heute vor fünf Jahren verurteilte das Landgericht Würzburg einen bekannten Motivationstrainer wegen Untreue, vorsätzlichen Bankrotts und falscher eidesstattlicher Versicherung zu einer längeren Haftstrafe. Das war nicht nett, hat Jürgen Höller aber auch nicht weiter geschadet. Im Gegenteil: Er zeigte, dass er ein echter Motivationskünstler ist und auch dem harten Knastalltag Positives abgewinnen kann (siehe unseren Newsletter vom 29. Januar). |
| 7. April 2008 | Die älteste deutsche Universität
Wann wurde die erste deutsche Universität gegründet? Und wo? Das ist eine beliebte Frage, die Geschichtsstudenten noch heute gern gestellt wird. Nicht immer gibt es darauf die richtige Antwort. Es ist ja auch nicht so einfach. |
| 4. April 2008 | Ein Attentat, das wohl nie aufgeklärt wird
Sein Vater war Geistlicher und hatte ihm den Vornamen Michael gegeben. Später überlegte Michael senior es sich anders und nannte sich selbst wie auch seinen Sprössling Martin Luther King - in Anlehnung an den großen deutschen Reformator. Martin Luther King junior legte eine beispiellose Laufbahn hin: Theologiestudium mit Doktorabschluss, Vorsteher einer Baptistengemeinde in Alabamas Hauptstadt Montgomery, Anführer der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Gewinner des Friedensnobelpreises. |
| 3. April 2008 | Schon mal an einer Hängeparty teilgenommen?
Der 1. April ist leider vorbei. Schade um den schönen Anlass, zumal sich wieder ein Thema aufdrängt, das an einem solchen Datum gerne aufgenommen wird. Es geht um die mysteriöse Hängeparty, deren Ende die Bonner CDU geradezu enthusiastisch begrüßt. Leider führt die Webseite http://www.cdu-beuel-nord.de nicht näher auf, was sich an diesem geselligen Abend exakt abspielte. Es wird nur berichtet, dass die Veranstaltung ziemlich lange dauerte. |
| 2. April 2008 | Ein kleiner Ort im Erzgebirge und der Siegeszug des Tango
Ich gebe es zu: Der Tango wurde nicht von den Finnen erfunden, und auch das Monotonen-Museum wird weiter seiner Errichtung harren. Was am gestrigen Beitrag (siehe unseren Newsletter 'Als der Tango erfunden wurde' vom 1. April) jedoch stimmt, ist die Sache mit Carlsfeld und dem Bandoneon. Der kleine Ort im Erzgebirge an der Grenze zu Tschechien ist in Argentinien ein Begriff - wegen seines Musikinstruments, das allerdings seit 1952 nicht mehr hergestellt wird. |
| 1. April 2008 | Als der Tango erfunden wurde
Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann: Dieser Satz beschreibt eine Leidenschaft, die von Argentinien und Uruguay ausgehend ganz Südamerika und schließlich auch den Rest der Welt erfasste. Sogar in Japan und Russland wird leidenschaftlich Tango getanzt. Deutschland hat ebenfalls einen Anteil an der Popularität der lateinamerikanischen Rhythmen: |
| 31. März 2008 | Gebrochenes Englisch - ungebrochener Kampfgeist
„Mir kann eigentlich nichts passieren“, versicherte Egon Erwin Kisch seinem Schriftstellerkollegen Friedrich Torberg: „Ich bin ein Deutscher. Ich bin ein Tscheche. Ich bin ein Jud. Ich bin aus gutem Hause. Ich bin Kommunist. Ich bin Corpsbursch. Etwas davon hilft mir immer.“ Gar nichts schien ihm mehr zu helfen, als die von Kisch geplante und begonnene Australienreise unter einem denkbar ungünstigen Stern stand. Doch der Reihe nach: |
| 28. März 2008 | Einfache Wahrheiten, die nicht mehr stimmen
Vor 111 Jahren wurde Sepp Herberger geboren. Bis heute hat der frühere Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Kultstatus: zum einen wegen der sensationell gewonnenen Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, zum anderen wegen seiner Sprüche. Die sind herrlich lakonisch und in ihrer logischen Konsequenz kaum zu überbieten. Einige Kostproben: |
| 27. März 2008 | Sehr realitätsnahes Theater
Heute ist der Internationale Tag des Theaters. In unserer Ausgabe vor genau einem Jahr (siehe unseren Newsletter 'Beiße nie die Hand, die dich füttert!' vom 27. März 2007) widmeten wir uns aus diesem Anlass den Bühnenprofis. Heute stehen die Amateure im Mittelpunkt: genauer gesagt die Laienschauspieler, die allabendlich an einer merkwürdigen Inszenierung in Ingolstadt teilnehmen. |
| 26. März 2008 | Unser Lieblingsgegner
Heute abend trifft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Basel auf ihren Lieblingsgegner, die Schweiz. Gegen keine andere Mannschaft hat sie so oft gewonnen. Dabei begann die sportliche Beziehung keineswegs verheißungsvoll: |
| 25. März 2008 | Als 99 Luftballons die Welt eroberten
Können Sie sich noch an Nenas Hit 99 Luftballons erinnern? Heute vor 25 Jahren eroberte er Platz 1 in Deutschlands Hitparade - um nur eine Woche danach schon wieder verdrängt zu werden. Dennoch ist die Scheibe hierzulande die erfolgreichste der Sängerin. Und nicht nur das: Nenas pazifistisch angehauchter Song eroberte die Spitze der Popmusik-Charts in nicht weniger als 14 Ländern: |
| 20. März 2008 | Nie mehr blütenweiße Trikots
Lange nichts mehr vom Elch gehört, finden Sie nicht auch? Leider habe ich auch heute nichts Neues über das Tier des Jahres 2007 zu vermelden - sondern nur über sein Feindbild: den Jägermeister. Der Begriff wurde 1934 in Deutschland für Jagdaufsichtsbeamte eingeführt und rasch von einem der Obernazis adaptiert: Hermann Göring nannte sich in Anspielung an seine größte Leidenschaft fortan "Reichsjägermeister". |
| 19. März 2008 | Warum der Frühling schon morgen beginnt
In manchen Kalendern und auf nicht wenigen Internetseiten ist zu lesen, dass übermorgen der Frühling beginnt. Die schlechte Nachricht: Das stimmt nicht. Die gute: Er beginnt schon morgen. In aller Herrgottsfrühe, um 6 Uhr 48 mitteleuropäischer Zeit, wird es so weit sein. |
| 18. März 2008 | Der Geburtstag der Demokratie in Deutschland
Der 18. März 1848 ist der Geburtstag der Demokratie in Deutschland, steht auf der Internetseite www.maerzrevolution.de geschrieben. Als ein Symbol für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, so die Betreiber der Website, sollte man ihn zum Gedenk- und Feiertag erklären: |
| 17. März 2008 | Wo der St. Patrick's Day zuerst gefeiert wurde
Heute ist der Tag, an dem der heilige Patrick angeblich geboren und auch gestorben ist. Der Geschichte des irischen Heiligen hatten wir bereits heute vor zwei Jahren eine Newsletter-Ausgabe gewidmet. In der aktuellen wollen wir uns mit den Festivitäten anlässlich des 17. März befassen. |
| 14. März 2008 | Richtige Analyse - falscher Schluss?
In das Poesiealbum seiner Tochter Jenny trug er als seine Lieblingstugend 'Einfachheit' ein. Leider war diese ihm, zumindest was seine schriftliche Ausdrucksweise betrifft, nicht immer gegeben. Der erste Band seines Hauptwerks erschien 16 Jahre später als geplant. Das ist wohl auch ein Grund, warum das Buch mit dem blauen Einband meist bis auf das Eingangskapitel ungelesen in den Regalen selbst seiner Anhänger verstaubt. |
| 13. März 2008 | Affe oder Apostel?
'Eine seltsamere Ware gibt es schwerlich in der Welt', befand der Göttinger Physikprofessor Georg Christoph Lichtenberg: 'von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen, und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen.' |
| 12. März 2008 | Karriere trotz Drogen
Geboren in Boston, aufgewachsen auf der idyllischen Ferieninsel Martha's Vineyard vor der amerikanischen Ostküste, geschult an Klavier, Geige, Cello und Gitarre schien nichts auf die spätere Drogenkarriere hinzudeuten. |
| 11. März 2008 | Was der Mensch am liebsten liest
Treue Leser unseres Newsletters kennen sicher noch Jürgen Udolph: Über Deutschlands einzigen Professor für Namensforschung - er lehrt an der Universität Leipzig - berichteten wir in unseren Ausgaben vom 12. Juni und 13. März 2006. |
| 10. März 2008 | 'Ich habe fertig'
'Fußball ist immer ding, dang, dong.' Was das wohl heißen mag? Vielleicht, dass Fußball ein ziemlich unberechenbares Spiel ist, welches viel Raum für Chaos lässt - und deswegen das Ergebnis nur schwer vorherzusagen ist. Das Zitat stammt jedenfalls von einem Trainer, der mehr als 20-mal Meister geworden ist. |
| 7. März 2008 | Nie mehr warmer Getreidebrei!
Kennen Sie ein Nahrungsmittel, das aus gekochtem, anschließend breitgewalztem und danach getrocknetem Mais besteht? Genießbar ist es bereits in der Urform - fragen Sie Ihr Kaninchen, Ihr Meerschweinchen oder Ihre Hausratte! Wir Menschen mögen es auch, am liebsten frühmorgens in der Kombination mit Milch oder Joghurt. Die Rede ist von Cornflakes, die heute vor 111 Jahren erfunden wurden. |
| 6. März 2008 | Räumliche + zeitliche Distanz = weniger Brisanz
Politik gehört eigentlich nicht in den Small Talk, aber diese Woche drängen sich Themen mit solchem Hintergrund geradezu auf. Sie können sie dennoch in die leichte Konversation einbringen, da sie aufgrund räumlicher oder zeitlicher Distanz viel an Brisanz verloren haben. Als heute vor 25 Jahren die Grünen erstmals in den Bundestag eingezogen waren, sahen nicht wenige Wähler der etablierten Parteien das Ende der Demokratie eingeläutet. Längst sind die Bürgerschrecks von damals salonfähig geworden, und ihr parlamentarischer Geschäftsführer der ersten Stunde bekleidete sieben Jahre lang das Amt des Außenministers. |
| 5. März 2008 | Der Erfinder der Tobin-Steuer
Vier von fünf Devisengeschäften bestehen aus dem Hin- und Herverschieben von Kapital meist innerhalb eines Tages. Leute, die damit ihr Geld verdienen, bezeichnen dieses lukrative Geschäft als Investitionen und Rückinvestitionen; andere sehen darin reine Spekulationsgeschäfte. Das tat auch der Mann, der heute 90 Jahre alt geworden wäre: James Tobin, Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisgewinner des Jahres 1981, forderte eine Gewinnsteuer von einem Prozent auf alle derartigen Transaktionen. Daraus entwickelte sich eine weltweite Bewegung: |
| 4. März 2008 | Junior Super Tuesday
Der Super Tuesday vor einem Monat hatte für das Lager der Demokraten erwartungsgemäß noch keine Entscheidung gebracht. Das kann sich heute ändern: |
| 3. März 2008 | Russland hat einen neuen Präsidenten
Gestern war die Präsidentenwahl in Russland, gewonnen hat der Mann mit dem Bären im Namen: Dmitrij Medwedew. Glauben Sie jetzt bitte nicht, dass ich den Urnengang abgewartet hätte, bis ich den Artikel schrieb. Das Ergebnis stand ja schon lange vorher fest. Medwedew, fand die Illustrierte Stern, sei der Kuschelkandidat für den Kreml: Es spiele kaum eine Rolle, wer im größten Land der Erde Ministerpräsident und wer Präsident sei. Es ist anzunehmen, dass sich der nach wie vor starke Mann, Wladimir Putin, mit seinem medwed, seinem Bären, verstehen wird. |
| 29. Februar 2008 | Ein Datum, das es nicht einmal alle vier Jahre gibt
Eigentlich wäre der Februar gestern zu Ende gegangen. Da aber 2008 ein Schaltjahr ist, müssen Sie den kältesten Monat noch einen Tag länger aushalten. Eingeführt hatte den Extratag Julius Cäsar bereits im Jahr 46 vor Christus: Seine Astronomen hatten wie schon zuvor die alten Ägypter erkannt, dass das Jahr nicht nur 365 Tage, sondern dazu noch sechs Stunden länger dauerte. |
| 28. Februar 2008 | Der Mann, der Billy the Kid erschoss
Das Album Pat Garrett & Billy the Kid ist eines der schwächsten von Bob Dylan. Es bildete den Soundtrack zum gleichnamigen Western - in dem der Liedermacher übrigens eine Nebenrolle spielt - und erhielt dadurch mehr Beachtung, als es eigentlich verdiente. Ein Song brachte es sogar zu Weltruhm: Knocking on Heaven's Door haben seitdem zahlreiche Interpreten neu aufgenommen. Noch heute wird das Stück von Hobbymusikern gerne auf der Gitarre gequält. |
| 27. Februar 2008 | Der erste König, der vom Glauben abfiel
Von König Heinrich VIII. von England ist bekannt, dass er sechs Frauen besaß und mit dem Papsttum brach. Doch war er nicht der erste Monarch in Europa, der diesen Schritt vollzog. Schon ein Jahrhundert zuvor schwor Georg von Podiebrad der römisch-katholischen Kirche ab und bekannte sich als frisch gekrönter König von Böhmen ausdrücklich zur Lehre des Reformators Jan Hus. Das war am 27. Februar 1458, also heute vor 550 Jahren. |
| 26. Februar 2008 | Heute ist Anmeldeschluss
Treffen sich zwei Jäger. Beide sind tot. Witze über Jäger gibt es viele, aber kaum einer ist so kurz wie dieser. Sie können ihn sich für die allerletzten Sekunden eines Small Talks aufbewahren - zeitlich unterkriegen werden Sie ihn auf jeden Fall. Ob er ankommt, hängt davon ab, wie intensiv Ihr Gegenüber dem Waidwerk frönt. |
| 25. Februar 2008 | Wo Flüchtlinge für Negativschlagzeilen sorgen
Als in diesem Newsletter das letzte Mal von Liechtenstein die Rede war (siehe Ausgabe vom 11. Oktober 2005), wurde darauf hingewiesen, dass der Zwergstaat außer Banken und Briefkastenfirmen auch anderes zu bieten hat: eine kleine, aber feine Industrie - und ein nicht minder effizientes Fußballteam. Letzteres machte in der Qualifikation zur Europameisterschaft mal wieder von sich reden: |
| 22. Februar 2008 | Ein Land, das zweimal unabhängig wurde
Am Wochenende feiert Estland seinen Unabhängigkeitstag: Das kleine Land im Norden Europas stand die längste Zeit unter Einfluss von außerhalb: Zuerst räuberten dort die Wikinger, dann eroberten es die Dänen, anschließend missionierten die geistlichen Ritter vom Deutschen Orden die Region. 1721 wurde Estland russisch - und blieb es bis zum 24. Februar 1918: |
| 21. Februar 2008 | Die fünfte Münchner Jahreszeit
In Köln, Düsseldorf und anderen närrischen Hochburgen ist der Karneval die fünfte Jahreszeit; in München beginnt diese erst nach Aschermittwoch. Die Rede ist vom Starkbierfest. Das wird heute eingeläutet und dauert bis zum 9. März. Die Tradition geht zurück auf die Mönche vom Paulanerorden. Seit 1627 betrieben sie im heutigen Stadtgebiet oberhalb der Isar das Kloster Neudeck ob der Au. |
| 20. Februar 2008 | Tod durch Karoshi
Die Neigung, sich tot zu arbeiten, soll eine typisch deutsche Eigenschaft sein. Das Wort dafür haben jedoch die Japaner erfunden: Karoshi, Tod durch Überarbeitung, heißt die Krankheit, der in der zweitgrößten Ökonomie der Welt jährlich zehntausend Übereifrige zum Opfer fallen (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 19. Juli 2006). Aber was heißt übereifrig? |
| 19. Februar 2008 | Die Liga der Besten
Heute rollt nach langer Winterpause endlich wieder der Ball in der Champions League. Den Wettbewerb für die besten europäischen Vereinsmannschaften gibt es seit 15 Jahren. Damals löste er den Europapokal der Landesmeister ab, der seit der Saison 1955/56 ausgetragen wurde. Doch während der Vorgängerwettbewerb ausschließlich Teams vorbehalten war, die in der heimischen Liga die Meisterschaft gewonnen hatten, dürfen in der Champions League bis zu vier Mannschaften eines Landes mitmachen. |
| 18. Februar 2008 | Der Kopfmensch und der Lebemann
Der eine ist Kopfmensch, befasst sich mit der Sinnsuche im allgemeinen und dem Philosophen Friedrich Nietzsche im besonderen. Er wendet sich dem Zen-Buddhismus zu. Der andere lässt seinen Gefühlen freien Lauf, liest ungern und kennt von Nietzsche vermutlich nur die Aufforderung, die Peitsche beim Umgang mit dem vermeintlich schwächeren Geschlecht nicht zu vergessen. Er lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. |
| 15. Februar 2008 | Zwei Tore, die Geschichte machten
'Wir gewinnen, das ist doch wohl klar. Wenn wir die nicht schlagen, fahre ich mit dem nächsten Zug nach Hause.' 'Wir', das war die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Das abschätzige 'die' stand für den Auftaktgegner bei der WM 1982: |
| 14. Februar 2008 | Der vielseitige Valentin
'Der Valentinstag', schreibt Wikipedia, 'hat nichts mit der Sage um den als Märtyrer gestorbenen heiligen Valentin zu tun.' Die Online-Enzyklopädie sieht wirtschaftliches Kalkül hinter dem Brauchtumstag: 'An Popularität gewann er durch den Handel mit Blumen, besonders jedoch durch die umfangreiche Werbung der Floristen.' Doch ist der Valentinstag wirklich eine Erfindung der Geschäftsleute? |
| 13. Februar 2008 | Großartige Momente, grässliche Viertelstunden
Er hing den Ideen des französischen Frühsozialisten Pierre-Joseph Proudhon an, nach denen Eigentum, das keinen Produktionszwecken zugeführt wird, Diebstahl ist. Er war befreundet mit dem russischen Anarchisten Michail Bakunin, der den Kapitalismus durch eine kollektive Gesellschaftsordnung ersetzen wollte. Zu seinen Bewunderern zählten Geistesgrößen wie der Philosoph Friedrich Nietzsche und weltliche Potentaten wie König Ludwig II. von Bayern. |
| 12. Februar 2008 | Bescheidener Stil, beachtliche Songs
Australische Rock- und Popmusik - das ist nicht nur AC/DC und Kylie Minogue. Die wohl anspruchsvollste Band, die der fünfte Kontinent hervorgebracht hat, sind die Go-Betweens. Der Name - ins deutsche übersetzt bedeutet er 'Mittler' - war Programm; die Combo vereinigte den Stil avantgardistischer US-Songwriter wie Bob-Dylan mit Country-, Folk-, Rock- und Gothic-Elementen. Manchmal waren die Lieder tieftraurig: |
| 11. Februar 2008 | Wenn ein Atompilz das Riesengebirge erleuchtet
Wenn in Tschechien schönes Wetter ist, kann man sich die Schuhsohlen in wunderschönen Wandergebieten ablaufen. Regnet es, sieht die Sache schon anders aus. Man bleibt in der Pension, schaltet aus Langeweile den Fernseher an und sieht verregnete Bilder von wunderschönen Wandergebieten. Das schont zwar die Schuhsohlen, hilft aber nix gegen Depressionen. Besser ist da schon, wenn die düsteren Aufnahmen von einem Geistesblitz erhellt werden: |
| 8. Februar 2008 | Der größte Ökonom der Welt
'In jungen Jahren', so der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter, 'wollte ich immer der größte Ökonom der Welt, der beste Reiter Österreichs und der beste Liebhaber Wiens werden. Bei der Reiterei habe ich leider zurückstecken müssen.' An mangelndem Selbstbewusstsein litt der Spross einer reichen Tuchfabrikantenfamilie in Südmähren, das damals noch zur k.u.k. Monarchie gehörte, zu keiner Zeit: |
| 7. Februar 2008 | Ein schlaues, selbstbewusstes und hart arbeitendes Tier
Sie mögen alles, was Menschen auch mögen, und fressen es liebend gerne. Doch nicht die Nahrungskonkurrenz hat sie dem Menschen häufig zum Feind gemacht, sondern eher die Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen - etwa die Pest, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit ganze Landstriche in Europa entvölkerte. Dabei sehen sie eigentlich recht possierlich aus, wie selbst Alfred Brehm, der Autor des berühmten Brehms Tierleben und beiliebe kein Freund der Nager, zugeben musste. |
| 6. Februar 2008 | Ash Wednesday
Auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite heißt der Aschermittwoch Ash Wednesday. (Ich habe diese Überschrift aus rein ästhetischen Gründen gewählt: Sie passt so schön zur gestrigen). Dort finden Sie manche das Datum betreffende Information, die Sie auf der deutschsprachigen Seite vergeblich suchen. Der Aschermittwoch liegt immer exakt 46 Tage vor Ostern und variiert entsprechend mit dem Kalendertermin des höchsten christlichen Feiertags. |
| 5. Februar 2008 | Super Tuesday
Heute werden einige Entscheidungen bei den US-Vorwahlen fallen - wenn auch nicht alle. In 22, also fast der Hälfte aller Bundesstaaten, sollen die Wähler beider Lager abstimmen, welchen der Bewerber sie gern als Präsidentschaftskandidaten hätten. |
| 1. Februar 2008 | Morgen ist Groundhog Day
Morgen früh, um 7 Uhr 25 Ortszeit, ist es wieder so weit: Dann wird auf dem Hügel Gobbler's Knob unweit der Ortschaft Punxsutawney im Osten der USA das Waldmurmeltier Phil aus seinem Bau gelockt. Entscheidend ist, was dann passiert: |
| 30. Januar 2008 | Vor dem Gesetz sind alle gleich. Vor dem P1 nicht.
Vor dem Gesetz sind alle gleich. Vor dem Gesetz, schreibt Franz Kafka in seinem Roman Der Prozess, steht aber auch ein Türhüter. Und an dem kommt kaum einer je vorbei. Als Kafka seinen Roman 1914 schrieb, nahm er in seiner Heimatstadt Prag vor allem eine drückende Enge wahr - verbunden mit dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Wie hätte er sich wohl im heutigen München gefühlt? Ihre Kosmopolität verbindet die Stadt aufs angenehmste mit einem Bekenntnis zu ihren bayerischen Wurzeln: |
| 29. Januar 2008 | Vom Millionär zum Toilettenbürster
In letzter Zeit werde ich manchmal darauf angesprochen, ob ich mit Jürgen Höller (kennen Sie bestimmt: der Motivationskünstler, der ganze Hallen füllt) verwandt bin. Um es vorwegzunehmen: Ich bin es nicht. Aber ich wäre es gerne. Dann würde Onkel Jürgen von den vielen Millionen, die er verdient, vielleicht etwas an mich abgegeben. Doch ich bin auch so zufrieden. Jürgen Höller hat ja nicht nur gute Zeiten hinter sich: |
| 28. Januar 2008 | Der Mann, der den FC zum letzten Meistertitel führte
Wer aus der Leserschaft, der außerhalb Kölns wohnt und den Geißbockverein nur mit der Käsezunft in Zusammenhang bringt, kann sich an Heinz Flohe erinnern? Dabei gehörte der Kölner Mittelfeldmotor einst zu den ganz großen Spielern in Deutschland. Als Flohe noch Regie führte, fuhr der 1. FC Köln seinen bislang letzten Meistertitel ein. Das war vor 30 Jahren; und ich hoffe sehr, dass es nicht weitere drei Jahrzehnte dauern wird, bis es wieder soweit ist. |
| 25. Januar 2008 | Ein Kaiser, von dem wenig in Erinnerung blieb
Es ist nicht schön für einen Prinzen, unendlich lange auf die Thronfolge zu warten. Geradezu tragisch ist es, wenn man, als es endlich so weit ist, unheilbar erkrankt. Das passierte Friedrich III. Drei Jahrzehnte lang hatte sein Vater Wilhelm I. zunächst in Preußen und später als deutscher Kaiser regiert. Friedrichs Herrschaft dagegen sollte nur 99 Tage währen. So ging das Jahr 1888 als Dreikaiserjahr in die deutsche Geschichte ein: |
| 24. Januar 2008 | Falls Sie heute abend noch nichts vorhaben...
... und in Bonn wohnen, wüsste ich einen netten Zeitvertreib: Im dortigen 'Südbahnhof' (Adresse: Ermekeilstraße 32, Bonn-Südstadt) steigt um 20 Uhr 30 eine Veranstaltung der besonderen Art: Tiere wehren sich ist ein Kabarettprogramm, an dem auch der Autor der Zeilen, die Sie gerade lesen, beteiligt ist. Auf dem Plakat werben die Veranstalter mit einem Zweizeiler: |
| 23. Januar 2008 | Ein Nest in den Schweizer Bergen wird zum Nabel der Welt
Heute treffen sich, in 1560 Meter Höhe, die Topmanager der Welt. Im Graubündner Kurort Davos wollen über 2000 Firmenchefs, Politiker und Wissenschaftler fünf Tage lang die klare Bergluft nutzen: um ökonomische Krisen zu bewältigen, konjunkturelle Talfahrten zu stoppen, wirtschaftliche Probleme zu lösen und die schlimmsten Auswirkungen der Globalisierung einzudämmen. |
| 22. Januar 2008 | Früher standen Polizisten höher im Kurs
Können Sie sich noch an unseren Newsletter vor genau einem Jahr erinnern? Am 22. Januar 2007 berichteten wir über ein schnauzbärtiges Männlein mit weißer Schirmmütze, grüner Jacke und brauner Hose. Das können Sie bei E-Bay käuflich erwerben. Wenn Sie Glück haben, ergattern Sie den Playmobil-Artikel 4609 für einen Euro fünfzig. Das war mal anders: |
| 21. Januar 2008 | Verwexlungen
'Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!', dichtete der österreichische Lyriker Ernst Jandl in seiner typischen Kleinschreibweise. Dieser Newsletter verwendet zwar großzügigerweise auch Versalien, vor Verwechslungen ist er nicht gefeit. Und es sind durchaus die feinen Unterschiede - mit leider gar nicht so kleiner Wirkung - die dem Verfasser Probleme bereiten. |
| 18. Januar 2008 | Der Tag, an dem der Spiegel Konkurrenz bekam
Es gab eine Zeit, da war der Spiegel laut Eigenwerbung auf Seite drei 'Europas größtes, Deutschland einziges Nachrichtenmagazin'. Das änderte sich schlagartig am 18. Januar 1993. Heute vor 15 Jahren erschien erstmals der Focus. Mit aggressiver Werbung und Sprüchen, die seinem Nachnamen alle Ehre machten ('Fakten, Fakten, Fakten - und immer an den Leser denken'), versuchte Verleger und Chefredakteur Helmut Markwort dem großen Vorbild den Rang streitig zu machen. |
| 17. Januar 2008 | Gute Nachricht für alle Schweine
Die gute Nachricht vorweg: Heute erhalten alle Schweine besonders gutes Futter. Und die schlechte? Ab morgen wird ihnen wieder der übliche Fraß vorgeworfen. Der 17. Januar ist der Tag des heiligen Antonius, des Schutzpatrons der Haustiere. Sollten irgendwelche Rindviecher diesen Newsletter lesen, muss ich sie (Gruß an den Korrektor: bitte sorgfältig darauf achten, dass ich 'sie' klein geschrieben habe!) leider enttäuschen: |
| 16. Januar 2008 | Bye bye Plastikbeutel
Wenn Australien ab 2010 die Glühbirne verbietet, kann es ihrem Erfinder wurscht sein: Zum Glück hat Jara Cimrman (siehe unseren Newsletter vom 12. Oktober 2007) auch das Nachfolgeprodukt, die Energiesparlampe, entwickelt. Doch das Thema des heutigen Newsletters ist nicht das - leider fiktive - Prager Universalgenie; sondern das Riesenland in der südlichen Hemisphäre, in das unsere Bundesrepublik einundzwanzigeinhalb Mal hineinpasst. |
| 15. Januar 2008 | Bis ans Ende der Welt
Soooo viele Menschen beziehen unseren Newsletter nicht. Deshalb hatte ich gedacht, dass die beiden Leserinnen aus den USA die am weitest entfernt wohnenden sind. Vielleicht, hoffte ich, würde sich ja eines Tages jemand von der Westküste der Vereinigten Staaten oder aus dem kanadischen British Columbia melden. Doch die erfreuliche Nachricht erreichte uns aus einer ganz anderen Richtung. |
| 14. Januar 2008 | Bravourös am Berg, erfolglos in der Ebene
„Es gibt noch einen Riesenberg, den ich gern besteigen möchte! Das ist der Mount Everest! Zum Gipfel eines jeden Berges führt ein gangbarer Weg. Ich glaube sicher, dass es auch einen auf den Mount Everest, den Allerhöchsten, gibt.“ Er selber schaffte es nicht mehr dorthin. Dafür gelang ihm etwas, was keiner vor ihm vollbracht hatte: |
| 11. Januar 2008 | Das verflixte siebte Jahr
Der Euro ist kein Teuro: Das bestätigen uns stets aufs Neue Politiker aller Couleur. Als Nachweis führen sie hochoffizielle Quellen an, etwa den Verbraucherpreisindex für Deutschland des Statistischen Bundesamtes. Doch der ausgewählte Warenkorb an Produkten enthält beileibe nicht immer das, was ein Durchschnittsbürger täglich kauft. Otto Normalverbraucher hat ein empfindliches Gespür für Teuerungen, die ihn täglich treffen. Es beginnt mit dem morgendlichen Brötchenkauf, setzt sich an der Tankstelle fort und endet beim Feierabendbier. |
| 10. Januar 2008 | Für Fußballfans und Freizeitmusiker
Können Sie sich noch an das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Italien vor dreißig Jahren erinnern? Nein? Schade, denn das Match war so schlecht nicht. Deutschland gewann, was gegen die Italiener selten vorkommt, mit 2:1. Und noch einen Gewinner hatte die Begegnung: In der Halbzeitpause trat ein bis dato unbekannter Musiker auf und unterhielt die 75 000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion mit virtuosem Orgelspiel. |
| 9. Januar 2008 | Eine herzergreifende Fabel, politisch wenig korrekt
Dummheit, die man bei andern sieht, wirkt meist erhebend aufs Gemüt: Aus dieser Erkenntnis schuf ein Dichter Kapital, der heute vor 100 Jahren gestorben ist. Seine Zeichnungen erfreuten Millionen Kinder, und bestimmt haben auch Sie in Ihrer Jugend die eine oder andere illustrierte Geschichte von Wilhelm Busch gelesen. |
| 8. Januar 2008 | Ein Denkmal für den Elch
Das Jahr des Elchs ist seit gerade mal einer Woche vorbei, und über Reiterdenkmäler haben wir bereits mehrfach berichtet (zuletzt in der Ausgabe vom 27. November 2006). Was bringt uns dazu, diese Themen - noch dazu in kombinierter Form - wieder aufzugreifen? Es ist eine Statue, die 28-mal so groß ist wie ein Mensch und immerhin noch 20-mal so hoch wie ein ausgewachsenes Exemplar unseres gehörnten Freundes. |
| 7. Januar 2008 | Ein zweifelhaftes Manöver
Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird, schrieb der Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht. Dieser pessimistischen Einschätzung schien das politische Manöver zu entsprechen, das ein deutscher Kanzler kurz nach seiner Kür durch den Bundestag einleitete: |
| 4. Januar 2008 | Ein König der Schlagfertigkeit
Spanische Monarchen waren bei ihrem Volk lange Zeit nicht sonderlich beliebt. Das änderte sich, als der volkstümliche Juan Carlos den Thron bestieg. Bis heute wird er für sein entschlossenes Auftreten von allen Politikern verehrt. Vom Volk wird er sogar geliebt. Letzteres liegt auch an seiner Schlagfertigkeit... |
| 2. Januar 2008 | Eine Behörde zum Schutz des freien Wettbewerbs
Das Credo des Kapitalismus lautet: Freier Wettbewerb. Wird der Wettbewerb zu frei, ziehen alle, die solchem Liberalismus vorher das Wort geredet haben, die Notbremse. Auf Wirtschaftslatein heißt das: Sie gründen ein Kartell. Ursprünglich galten solche Vereinbarungen für Ritterturniere, in denen ein bestimmtes Regelwerk eingehalten werden sollte. Das feudale Relikt ließ sich aber ganz gut auf die Neuzeit anwenden - vor allem, wenn diejenigen, die am Wettbewerb teilnahmen, auch die Spielregeln bestimmen konnten. |
| 3. Januar 2008 | Eine Leserin, die noch weiter weg wohnt als Maria Glock
Unser Newsletter zieht immer weitere Kreise. Ende letzten Jahres hatten wir noch behauptet, unsere vom Redaktionssitz am weitesten entfernte Leserin lebe im US-Bundesstaat Pennsylvania. Doch es gibt jemand, der beziehungsweise die noch weiter weg wohnt und täglich von uns liest: |
| 21. Dezember 2007 | Ein unfeierlicher Gast, der die Herzen der Polen gewann
Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse alles, was du sagst - diese Maxime des Dichters Matthias Claudius machte sich ein deutscher Schriftsteller bei seinem Besuch in Polen zu eigen. Heinrich Böll war Ende der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch nicht die Berühmtheit, die er später einmal werden sollte, als er 1972 den Literatur-Nobelpreis erhielt. Doch er war auch kein Unbekannter. Seine polnischen Gastgeber - vor allem diejenigen vom Fach - waren gespannt auf das, was Böll zu erzählen hatte. |
| 20. Dezember 2007 | Ein Moselstädtchen schreibt Geschichte
Das Städtchen erstreckt sich über gerade mal zehn Quadratkilometer. Auf 142 bis 302 Metern Höhe leben am Ufer und an den Hängen der Mosel knapp 1600 Menschen; das sind immerhin doppelt so viele wie unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier, am Dreiländereck Luxemburg-Frankreich-Deutschland, trafen sich am 14. Juni 1985 die Vertreter dieser drei Staaten mit denjenigen Belgiens und der Niederlande: |
| 19. Dezember 2007 | Ein Mythos aus 167 Kugeln
Sie kam aus Texas und war ein braves Mädchen: gut in der Schule, vernarrt in Bücher, seit der Sandkastenzeit mit ihrem späteren Mann befreundet. Doch der machte sie nicht glücklich, wurde straffällig und landete im Gefängnis. In dieser Zeit lernte sie einen anderen kennen: Auch der kam aus Texas - und war noch krimineller als ihr Gatte. |
| 18. Dezember 2007 | Wie lebt es sich im Exil?
Den heutigen Newsletter möchte ich der Leserin widmen, die vermutlich am weitesten entfernt vom Redaktionssitz Bonn wohnt. Sie heißt Maria Glock. Vor 45 Jahren wanderte sie nach Amerika aus. Als sie in New York ankam, lebte dort noch einer meiner Lieblingsschriftsteller: Oskar Maria Graf. Dessen Exil war nicht selbst gewählt, sondern durch die Flucht vor den Nationalsozialisten bedingt. |
| 17. Dezember 2007 | Melden Sie Harold Holt, wenn er selbst es nicht tut!
Kennen Sie Harold Holt? Nein? Dann kann ich mir die nächste Frage ja sparen. Sie hätte gelautet: Wissen Sie, wo er sich aufhält? Warum frage ich Sie das eigentlich? Nun, Harold Holt ging spazieren. Das tat er jedes Wochenende, so auch am 17. Dezember, einem schönen Sommertag. Es war wirklich ein Sommertag, denn Harold Holt lebte in Australien, und in Australien ist am 17. Dezember Hochsommer. Seine Spaziergänge unternahm Holt immer in Begleitung: |
| 14. Dezember 2007 | Die drittälteste U-Bahn der Welt
Die älteste U-Bahn der Welt fährt in London. Danach bekam Ungarns Hauptstadt Budapest ein unterirdisches Streckennetz verpasst. Wer aber ist die dritte Stadt in dieser illustren Reihe? Heute vor 111 Jahren war es so weit: |
| 13. Dezember 2007 | Ein schöner Brauch aus Schweden
'Lucia firas den 13. december och markerar tillsammans med advent inledningen på julfirandet', weiß das schwedische Wikipedia zu berichten: Die Schweden haben außer den vier Adventssonntagen ein weiteres Fest, welches die Weihnachtszeit einleitet: das der Heiligen Lucia. Es war ein langer Weg, bis die Heilige Lucia von Syrakus zur Namenspatronin eines nationalen Brauchs in einem protestantischen Land wurde. Einen entscheidenden Impuls gab die Zeitung Stockholms Dagblad, als sie 1927 eine Luciakönigin wählen ließ. |
| 12. Dezember 2007 | Wo Sie heute zwei alte Bekannte treffen können
Nur ganz aufmerksame Leser werden sich an den Namen Karl-Markus Gauß erinnern können. Wir hatten den Salzburger Schriftsteller in Zusammenhang mit seinem Werk 'Die Hundeesser von Svinia' kurz erwähnt (siehe unseren Newsletter vom 11. April 2006). Das Buch handelt übrigens von der Minderheit der Roma und ihrem harten Leben im Osten der Slowakei - und gehört zu den besten Sachbüchern, die ich je gelesen habe. Nicht minder fesselnd Gauß Reportagen über 'Die sterbenden Europäer' und 'Die versprengten Deutschen'. |
| 11. Dezember 2007 | Nicht nur mitreden beim Thema Klima
Früher schauten die Menschen gebannt auf den Wetterbericht. Heute ist es eher der Klimabericht, der sie interessiert. Und der sieht genau zehn Jahre nach Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls nicht gut aus: Elf der letzten zwölf Jahre gehörten zu den wärmsten seit Beginn der Messungen 1850. Die Meeresspiegel steigen in diesem Jahrhundert mindestens um 18, vielleicht sogar um 59 Zentimeter; die Jahresdurchschnittstemperaturen um bis zu 6,4 Grad Celsius. Würden letztere nur um die Hälfte anwachsen, wäre immer noch ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Wetterextreme nehmen zu: |
| 10. Dezember 2007 | Heute werden die Nobelpreise überreicht
Darf ich Sie zu einem kleinen Ratespiel einladen? Heute werden in Stockholm die Nobelpreise überreicht, deren Träger seit zwei Monaten bekannt sind. Erinnern Sie sich noch an einige Namen? Im Bereich Medizin wurden die US-Forscher Mario Capecchi und Oliver Smithies sowie ihr britischer Kollege Martin Evans ausgezeichnet, Ihnen gelang es, bei Mäusen im Labor Gene auszuschalten, die für Erbkrankheiten verantwortlich sind. Für ihre Verdienste bei der Erweiterung der Kapazität von Festplatten erhielten der Deutsche Peter Grünberg und der Franzose Albert Fert den Physik-Nobelpreis. Ein weiterer Deutscher war in der Sparte Chemie erfolgreich: |
| 7. Dezember 2007 | Carlos der Trinker und der sonderbare Zaza
Heute begehen die Amerikaner den Pearl-Harbor-Day zum Gedenken an den Angriff japanischer Flieger im Jahr 1941 (siehe unseren Newsletter vom 7. Dezember 2006). Nicht mit Düsen-, sondern mit Korbjägern befasst sich unsere heutige Ausgabe: |
| 6. Dezember 2007 | Verantwortungsvoller Umgang mit Büchern
Ein Mann liest ein Buch, ärgert sich und wirft es in die Mülltonne. Kommt Ihnen ein solches Szenario bekannt vor? Seit einiger Zeit gibt es einen Weg, der Büchern zumindest das dritte Glied der eingangs beschriebenen Handlungskette erspart: |
| 5. Dezember 2007 | Spendabler Schmutzli, kreuzbrave Klausjäger
Im westlichen unserer beiden alpinen Nachbarländer - das wissen treue Leserinnen und Leser unseres Newsletters - hört der Nikolaus auf den Namen Samichlaus; der Assistent des Weißbärtigen wird Schmutzli genannt. Diese Nacht treten sie wieder in Aktion. In der schönen Stadt Küssnacht am Rigi - diese wiederum ist den Schiller-Kundigen unter der Leserschaft bekannt - werden der Samichlaus und sein Gehilfe von einer Horde junger Burschen begleitet, die sich Klausjäger nennen. |
| 4. Dezember 2007 | Verflucht! Verflucht! Verflucht!
Heute vor 444 Jahren fand das Konzil von Trient seinen Abschluss. Die Veranstaltung in der Kathedrale der oberitalienischen Stadt endete damit, dass sechs Kardinäle, drei Patriarchen, 25 Erzbischöfe, 169 Bischöfe, sieben Ordensgeneräle und 19 Prokuratoren der römisch-katholischen Kirche sich von ihren Sitzen erhoben und "Verflucht! Verflucht! Verflucht!" riefen. |
| 3. Dezember 2007 | Der erste Mensch mit fremdem Herzen
Audienz beim Papst, Empfang beim US-Präsidenten Lyndon B. Johnson, Affäre mit dem italienischen Leinwandstar Gina Lollobrigida: Christiaan Barnard wurde herumgereicht wie ein Popstar. Dabei hatte der Südafrikaner nur etwas vollbracht, was bis dahin allenfalls im Kollegen- und Wissenschaftlerkreis Anerkennung fand: |
| 30. November 2007 | Wer wird Gegner der deutschen Elf?
Am Sonntag wird in Luzern die EM-Endrunde ausgelost. Alle Fußballfans sind gespannt, mit welchen Gegnern es die deutsche Elf im Juni 2008 zu tun haben wird. Doch ganz so spannend ist die Ziehung nicht. Es sind bereits vier Lostöpfe mit jeweils vier Ländern vorbereitet, die nicht aufeinandertreffen können. Entscheidend für die Einordnung war der so genannte UEFA-Koeffizient: |
| 29. November 2007 | Ein neuer Politikertyp
'Es gibt Wichtigeres im Leben', meinte Mahatma Gandhi, 'als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.' Der indische Friedens- und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi diente, bis auf eine Ausnahme, als Vorbild für eine deutsche Pazifistin, die heute ihren 60. Geburtstag gefeiert hätte: |
| 28. November 2007 | Ein Mann unter Einfluss
Schon als Kind hatte er Visionen. Die ihm erschienen Engel und Propheten verarbeitete er in Zeichnungen und Gedichten. Seine Eltern, tolerante und der Staatskirche gegenüber kritisch eingestellte Protestanten, unternahmen nichts gegen seine leicht erregbare Phantasie und ließen ihn gewähren. Er durfte zu einem Kupferstecher in die Lehre gehen und später an der Königlichen Kunstakademie studieren. Das junge Genie enttäuschte seine Förderer nicht: |
| 27. November 2007 | Die Tücken des Mausoleums
Vor zwei Wochen wurde in Ramallah das Mausoleum für Yassir Arafat eingeweiht. Damit erwies man dem ein Jahr zuvor verstorbenen Palästinenserführer dieselbe Ehre wie Lenin, Josip Tito, Mao Tsedong, Ho Chi Minh oder Che Guevara. Doch nicht nur Kommunisten haben sich auf diese Weise verewigen lassen. Zum Sarkophag des Reggae-Musikers Bob Marley können Sie nach Jamaika pilgern, zur Königin Luise von Preußen haben Sie es nicht ganz so weit: |
| 26. November 2007 | Eine Investition, die sich ausgezahlt hat
Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen: Diese Erkenntnis stammt aus dem 18. Jahrhundert; der Satz wird Benjamin Franklin - Forscher, Erfinder und Mitunterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung - zugeschrieben. Im 17. Jahrhundert, als es die USA noch gar nicht gab, hatte ein in London geborener Landsmann Franklins Erkenntnis bereits in die Tat umgesetzt: |
| 23. November 2007 | Weshalb das Dörfchen Oberailsfeld einen Besuch lohnt
Kennen Sie Oberailsfeld? Das ist ein kleines Dorf mitten in der Fränkischen Schweiz. Es liegt ganz nett am Flüsschen Wiesent und ist umgeben von niedlichen Felsen, die aber längst nicht so bizarr aussehen wie die Kalksteingebilde in den bekannteren Orten Tüchersfeld oder Pottenstein. Den Reiz des Ortes macht eine kleine Brauerei mit angeschlossener Gaststätte aus. In der Held Bräu wird eines der 100 besten Biere der Welt hergestellt und ausgeschenkt: das dunkle "altfränkische Bauernbier". |
| 22. November 2007 | Ein Ort, an dem man gerne übernachtet
Morgen wird in diesem Newsletter über das Örtchen Oberailsfeld in der Fränkischen Schweiz und seine größte Attraktion berichtet werden. Nur so viel sei verraten: Es handelt sich um eine Gaststätte. Mit demselben Gewerbe hat die Empfehlung zu tun, die ich Ihnen heute gebe: ein Besuch der schönen Stadt Nürnberg. Die alte Reichsmetropole ist bekanntlich nicht weit von Oberailsfeld entfernt - und weist so viele Sehenswürdigkeiten auf, dass ich sie nicht einzeln zu erwähnen brauche. Da stellt sich nach einem langen Tag voller Besichtigungen nur eine Frage: |
| 21. November 2007 | Draußen vor der Tür
'Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will' - so lautete der Untertitel des Dramas 'Draußen vor der Tür' von Wolfgang Borchert. Es handelt vom Kriegsheimkehrer Beckmann. Der hat seine Kniescheibe in Russland verloren und humpelt durch ein noch nicht wiederaufgebautes Hamburg, dessen Bewohner mit einem lebenden Mahnmal wie dem versehrten Ex-Soldaten nichts anfangen können. Oder wollen. |
| 20. November 2007 | Der erste große Streik in Deutschland
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